Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 15 › Seite 232
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. Juli 1905, Seite 232
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bibelleſen 41 · Bibelleſen 12 · Regierung 11
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8Der utheraner
erübrigt hatte, hab ich den Armen gegeben. Ich habe Schätze gesam⸗
melt im Himmel, die wird Gott austheilen zu rechter Zeit. Dies
ist mein letzter Wille. Darauf thue ich meine Augen fröhlich zu,
wenn es meinem Gott gefällt.
Wie ein Kind einem Mann die Bibel anpreist.
Als im englischen Parlament beschlossen wurde, alle Sklaven im
dritischen Gebiet für frei zu erklären, da schlug die englische Bibel⸗
gesellschaft vor, einem jeden dieser Sklaven am Tage der Befreiung
ein Neues Testament zu schenken. Zu diesem Ende reisten Bibel⸗
freunde in allen Stãdten Englands umher und hielten Versammlungen,
um die nöthigen Mittel für diesen guten Zweck aufzubringen. Einer
dieser Männer, der Prediger Dudley, kam unter andern auch in eine
Landstadt, wo er in einer großen Bersammlung für die armen Neger
Fürsprache einlegte und zur Beisteuer aufforderte. Nach Schluß der
Versammlung wurde er von einer Familie eingeladen, bei der er als
Gast die Nacht zudringen sollte. Am andern Morgen, so erzählt er
selbst weiter, trat beim Frühstück die älteste Tochter des Hauses, ein
Mädchen von vierzehn Jahren, begleitet von ihren drei jüngeren
Schwestern, zu mir und bot mir ein versiegeltes Paket dar, fügte aber
die Bitte hinzu, es nicht eher zu öffnen, als bis ich das Haus verlassen
habe. Es sei ein kleiner Beitrag, sagte sie schüchtern, um den armen
Negern in Westindien die Bibel zu dringen. Außer mir und der
Familie war nur noch ein Freund des Hauses anwesend, der mir aber
völlig unbekannt war. Gerade mit diesem Herrn traf ich, als ich bald
darauf die Stadt verließ, im Postwagen wieder zusammen, und zwar
gamz allein. Kaum hatten wir unsere Sitze eingenommen, so erbrach
ich das Siegel des kleinen Paketes und fand zu meinem Erstaunen die
Summe von fünf Pfund Sterling darin. Als ich mich nun gegen
meinen Begleiter über das liebenswürdige Benehmen des Kindes beim
Frühstück aussprach, füllten sich seine Augen mit Thränen. „Ja, mein
Herr“, erwiderte er, es ist in der That ein liebes und frommes Kind;
diesem Kinde habe ich nächst Gott mein ganzes Glück auf Erden und
alle meine Hoffanung für die Ewigkeit zu verdanken. Als ich ihn um
nãhere Erklärung hierüũber bat, erzählte er, wie er schon längere Zeit
mit dem trefflichen Vater dieses Kindes in Geschäftsverbindungen ge⸗
standen habe, aber leider nicht, wie dieser, ein Freund der Bibel gewesen
sei; auch habe er aus seinem gottlosen Unglauben kein Hehl gemacht.
Eines Tages sei nun dieses Kind, damals erst neun Jahre alt, an⸗
wesend gewesen, als gerade der Vater bemũht war, wiewohl vergebens,
ihn von seinem gefährlichen Irrthum zu überzeugen. „Als die Unter⸗
redung zu Ende war, und der Vater das Zimmer verlassen hatte,
fuhr er fort, „bdat mich das Kind, ob ich nicht mit ihm in den Garten
gehen wolle. Gern nahm ich die Einladung an. Dort im Garten
fragte mich das Kind, ob es eine Frage an mich richten dürfe. „Welche
du willst“, war die Antwort. „Nun denn“, fuhr das Kind fort,, haben
Sie je einmal das Neue Testament durchgelesen mit dem Wunsch, es
zu verstehen? „Nein“, antwortete ich,, das habe ich nie gethan. Ich
habe es wohl gedacht“, sagte das Mädchen, denn sonst hätten Sie
gewiß nicht so mit meinem Vater üͤber die Bibel geredet, wie Sie es
eben thaten; und dann fügte sie mit einem sanften, bittenden, tief
eindringenden Ton hinzu: „O bitte, lesen Sie es, lesen Sie es, mit
dem Wunsch, es zu verstehen.
Diese Erzählung schloß mein Begleiter mit den Worten: „Mein
lieber Herr, dieses Kindes Bitten und Thränen haben bei mir mehr
gewirkt, als irgend eine gelehrte Beweisführung bei mir hãtte wirken
können; sie haben mich zur Bidel, und die Bibel hat mich zu meinem
Heiland geführt. (Bläthen aus dem Garten Gottes.)
Neunn Worte.
Ein Mann hatte einen Meineid begangen. Zwanzig Jahre waren
seitdem vergangen. Die Seinen ahnten nichts von der Sünde; sie
verwunderten sich aber über das sonderbare Verhalten des Vaters, des
Gatten. Bleich und verstört lief er umher; während des Tischgebets
zuckte es in seinen Gliedern; des Nachts warf er sich unruhig hin und
her, konnte oft nicht schlafen und erhob sich von seinem Lager. Seine
Ruhe war dahin. Am merkwürdigsten war sein Zustand zweimal im
Jahre. Zweimal pflegte man zum heiligen Abendmahl zu gehen.
Wenn nun die Frau und die erwachsenen Kinder sich ruͤsteten zu dem
ernsten, schönen Gange, wurde der Mann jedesmal krank, blieb zu
Hause und erhob sich erst nach einigen Tagen. Wenn er einmal ins
Gotteshaus ging, so war es für ihn eine Qual, bis zum Ende aus⸗
zuhalten. Und wenn der Segen gesprochen wurde, war es, als wenn
sich in ihm alles sträubte, diesen mit gläubigem Herzen zu empfangen.
Oft wandelte er unstet und flüchtig umher, erklimmte Felsen und schaute
mit einer Art Verzweiflung hinab in die Tiefe. Eines Tages fand
ihn der Prediger im Walde irrend, seine Augen starrten den Boden an.
Theilnehmend erkundigte sich der Prediger, was er denn verloren habe.
„Gott verloren, alles verloren!“ war die grausige Antwort. Der
Seelsorger suchte zu trösten, doch vergeblich. „Es ist schrecklich, in
die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Mit diesen Worten
schnitt er jeden Zuspruch ab. 60
Wochen vergingen. Da verdreitete sich die Kunde, der Mann
sei erkrankt, ähnlich wie Herodes Agrippa. (Apost. 12, 33.) Der
Kranke mußte unsägliche Leiden ertragen, er stöhnte und jammerte;
als man ihm freundlich zuzureden versuchte, äußerte er: „Meine
Sünde ist größer, denn daß sie mir vergeben werden könnte. Als
alles nichts helfen wollte, sagte der Pastor, er wolle am nächsten
Sonntag mit der Gemeinde um ein seliges Ende für ihn beten. „Das
hilft nichts“, lautete der Bescheid; „neun Worte stehen wie eine Mauer
zwischen mir und meinem Gott. Kurz vor seinem Ende forderte er
die Seinen, auch den Prediger zu sich, um ihnen die erschütternde
Mittheilung zu machen, daß er einen Meineid begangen habe.
Erräthst du nun die Worte? Es waren die Worte, die der
Schwörende zu sprechen hat: „So wahr mir Gott helfe durch IEsum
Christum, Amen.
Durch eine Spinne.
Ein merkwürdiges Verhör fand vor einigen Jahren in Paris
statt. Die Umstände waren folgende: Ein Mann, der mit seiner
Frau in unglücklicher Ehe lebte, nahm sich vor, sie zu vergiften. Lange
wartete er auf eine passende Gelegenheit, diesen schrecklichen Plan aus⸗
zuführen.
Einst war es ihm gelungen, beim Mittagessen das tödtliche Pulver
in die Speise seiner Frau zu mischen, ohne daß diese es gemerkt hãtte;
aber es war ihm nicht möglich, zuzusehen, wie sie es essen würde, und
darum verließ er unter irgend einem Vorwande das Zimmer. Während
seiner Abwesenheit, und noch ehe die Frau die Speise angeruͤhrt hatte,
fiel eine Spinne auf den Teller; der Anblick flößte der Frau solchen
Ekel ein, daß sie unmöglich hätte essen können; aber sie dachte, da ihr
Mann es ja nicht gesehen hätte, werde es ihm keinen Unterschied
machen, und wechselte schnell die Teller, ehe er wieder hereinkam.
Der Mann aß und wurde nach kurzer Zeit von Krämpfen befallen;
und da sich mehrere Anzeichen von Vergiftung zeigten, so wurde die
Frau in Verwahrung genommen auf den Verdacht hin, als habe sie
ihren Mann umbringen wollen. Sie betheuerte ihre Unschuld und
theilte auf Befragen das Erlebniß mit der Spinne mit, wodurch sie
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