Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 15 › Seite 231

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. Juli 1905, Seite 231

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht

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lehrt.

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Dasein zu rufen — ja, etwas Größeres, als so viele neue Welten
schaffen, als es Sterne am Himmel gibt, ist die Vergebung der Sünden
durch den Priester. Bei diesem großen Act Gottes wirkt der katholische
Priester mit, ja, was sage ich, wirkt der Priester mit? Das Wort
des Priesters selbst, das Wort: „Ich spreche dich los von deinen
Sünden“, bewirkt die Vergebung derselben. Dieses Wort kündigt
nicht allein an, sondern bewirkt die Nachlassung der Sünden, die
Recchtfertigung des Sünders, wie der heilige Kirchenrath von Trient
Gott hat gleichsam seine Allmacht für diesen Zweck, für diesen
Augenblick an seinen Stellvertreter auf Erden, den bevollmächtigten
Priester, abgetreten.“ — Gewiß, die Macht Sünden zu vergeben, ist
etwas Großes und Wunderbares. Und Gott hat diese Macht den
Menschen gegeben, Matth. 9, 8. Aber eben deshalb haben die
berufenen Diener Christi und der Kirche solche Gewalt nicht aus eigener
Macht, sondern nur als Gottes Werkzeuge durch das Wort, das sie
verkündigen. — Noch größer als die Gewalt der Sündenvergebung
ist dem Cardinal die Gewalt des Priesters, im Abendmahl Brod und
Wein zu segnen oder zu consecriren, die ihn über Gott selbst erhebt.
Der Priester verwandelt durch sein Machtwort Brod und Wein in den
wahren Leib und in das wahre Blut Christi. Das ist das größte der
Wunder, „ja, ein ganzes Meer von Wundern“. Darüber heißt es
im Hirtenbrief: „Sie opfern ihn, den Mensch gewordenen Gottes⸗
sohn, für Lebendige und Todte als unblutiges Opfer. Christus, der
eingeborene Sohn Gottes des Vaters, durch den Himmel und Erde
geschaffen sind, der das ganze Weltall trägt, ist dem katholischen
Priester hierin zu Willen. Mit Verwunderung lesen wir, wie der
heilige Evangelist uns erzählt, daß Jesus, unser Herr, Mariä und
Joseph gehorsam gewesen. „Und er war ihnen unterthan“, heißt es.
O höret, Geliebteste, wie ihr gerade vernommen, hat Christus dem
katholischen Priester über sich, uͤber seinen Leib, sein Fleisch und Blut,
seine Gottheit und Menschheit Gewalt gegeben und leistet dem Priester
Gehorsam. O Geliebteste, welche Gewalt, welche Würde! Gelieb⸗
teste, hatte ich also nicht recht, wenn ich sagte, die Gewalt zu consecriren
sei gleichsam noch größer als die Gewalt, Sünden zu vergeben.
Durch jene bekam der Priester Gewalt über Menschen, über die Gläu⸗
bigen, durch diese aber Gewalt über den Leib Christi, Christi heilige
Menschheit, Christi Gottheit!“ Und zum Schluß fragt Cardinal
Katschthaler mit dem heiligen Dionysius, „ob man denjenigen noch
einen Menschen nennen soll, den Gott aus den Menschen ausgewählt,
über die Schaar der übrigen so hoch emporgehoben, den Gott mit sich
so innig verbunden, ihm sogar uber sich Gewalt gegeben hat“? Dahin
fhrt die falsche römische Verwandlungslehre, der schändliche römische
Meßgreuel, daß der Priester thatsächlich zu Gott gemacht wird.
L. F.

Aus Welt und Beit.

Die Mission als Culturmacht. Bei einem in der Kriegs⸗
akademie zu Berlin gehaltenen Vortrag über dieses Thema wies Prof.
D. Mirbt aus Marburg auf folgende Thatsachen hin: Im Jahr 1900
unterhielt die evangelische Mission mehr als 18,000 Volksschulen mit
über 900,000 Schülern. Viele Völker haben erst durch die Missionare
eine Schriftsprache erhalten. Sehr bedeutend ist auch die sitiliche und
sociale Hebung der Eingeborenen durch die Thätigkeit der Mission:
Ueberwindung der Menschenfresserei, der Massenmorde, der scheußlichen
Gottesgerichte. Von den mit der Mission verbundenen Wohlthätig⸗
keitsanstalten seien nur erwähnt: 270 Waisenhäuser, 78 Aussätzigen⸗
asyle, 57 Opiumasyle, 395 Hospize, 770 Polikliniken. Nicht weniger

als 700 Aerzte stehen im Dienst der evangelischen Mission. Die
Christianisirung bringt auch der Frau eine höhere Stellung. Unter

1000 heidnischen Frauen in Indien sind 9 des Schreibens kundig,
unter 1000 christlichen aber 125. Wenn es zuweilen scheint, als ob
die bei der Missionsthätigkeit gezeitigten Früchte zu langsam reiften, so
gilt es zu bedenken, daß die Christianisirung Deutschlands Jahrhunderte
gedauert hat. Wer in die Geschichte der Mission blickt, wird von der
Ausdauer, Geduld, Liebe und Selbstlosigkeit, mit der sie arbeitet,
gerührt. Sie sucht keinen Gewinn noch Vortheil für sich selbst, nur
helfen will sie. Wir haben wahrlich ein Recht zu sagen: Die Mission
ist ein Culturfactor, und jeder Fortschritt der Mission ist ein Fort⸗
schritt der Cultur. (Ev.⸗luth. Kirchenblatt.)

D. Heinrich Müllers Testament.

Gott Lob, ich bin bereit. Mein Testament ist fertig. Mein
Vater, der du bist im Himmel und mich erschaffen hast, dir vermache
ich meine Seele. Du hast sie mir gegeben, ich gebe sie dir wieder.
In deinen Händen ist sie am besten verwahrt; auch darf ich ein fremdes
Gut nicht veräußern. Mein Heiland hat mir vorgebetet, dem bete ich
nach: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“ Mein
Bruder IEsus, der du mich erlöset hast, dir vermache ich meine
Sünde. Ach, nimm sie auf dich, du Lamm Gottes, der du trägst
die Sünde der Welt. Wirf sie ins tiefe Meer deiner Wunden, daß
ihrer nicht mehr gedacht werde in Ewigkeit. Mein Herzenströster,
du werther Heiliger Geist, der du mich so oft erquicket hast mit himm⸗
lischem Labsal, dir vermache ich meinen letzten Lebensblick. Wenn
ich nicht mehr reden kann, so vertritt du mich bei Gott mit unaus⸗
sprechlichem Seufzen; wenn ich nicht mehr hören kann, sprich du mir
Trost ins Herz; wenn ich nicht mehr sehen kann, so erleuchte du
meine Augen, daß ich nicht im Tod entschlafe. Ihr Engel, die ihr
mich auf den Händen getragen habt, euer sollen sein die Thränen, die
ich täglich weine über meine Sünde; da erquickt euch mit. Ich weiß
doch, daß bei euch im Himmel Freude ist, wenn ein Sünder Buße
thut. Teufel, willst du auch was haben? All die guten Werke, die
nicht aus gutem Herzen gethan sind, will ich dir geben. Fahre damit
wohl. Erde, dir vermache ich meinen Leib; hast so viele Jahre durch
Gottes Kraft meinen Leib versorgt, dafür will ich dir den Leib ver⸗
machen. Nackend bin ich von meiner Mutter Leib kommen, nackend
werde ich wieder dahinfahren. Pracht soll man mit meinem Leichnam
nicht treiben. Weib, dir erkiese ich einen Mann, der heißt Wittwen⸗
richter. Findest du auf Erden kein Recht, bleib ihm nur treu, er
wird dir Recht schaffen. Im Mangel wird er dein Versorger, im
Druck dein Schutz, in der Traurigkeit dein Trost sein. Darauf ver⸗
laß dich nur. Ich will der Welt nicht rathen, daß sie dir ein Leid
anthue. Er verachtet des Waisen Gebet nicht, noch die Wittwe, wenn
sie klagt. Die Thränen der Wittwe fließen wohl die Wangen herab,
sie schreien aber über den, der sie herauspreßt. Liebe Kinder, euch
wähle ich einen besseren Vater, als ihr an mir gehabt: den, der da ist
der rechte Vater über alles, das da Kinder heißt im Himmel und auf
Erden. Der aller Waisen Vater ist, wird auch euer Vater sein. Der
für die jungen Raben sorgt, wird auch euch nicht aus seiner Sorge
lassen. Aber höret, meine Söhne, euren Vater: dienet dem HErrn
in der Wahrheit und haltet euch rechtschaffen zu ihm; fürchtet ihn
allezeit und trauet ihm von ganzem Herzen. Ihr Freunde, euch lasse
ich einen gnädigen Gott, der ist der beste Freund. Laßt von Gott
nicht, so läßt er nicht von euch. Ihr meine Schäflein sollt haben
mein stetes Andenken im Himmel; vergesset ihr gleich meiner, ich
will euer doch nimmer vergessen. Euch Armen gebe ich einen reichen
Gott und ein gläubiges Vater⸗Unser. Mehr hab ich nicht. Wo
bleibt denn mein Gut? Gold und Silber habe ich nicht; was ich

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