Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 15 › Seite 226

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. Juli 1905, Seite 226

225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240

Scan: Internet Archive, from the Graduate Theological Union's copy (one item per issue).

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

226

S er Vu

theraner

zur Verfügung haben. Die Zahl der Lehramtscandidaten wird
von 1906 an größer sein. Zur Zeit leiden wir noch stark an den
Nachwehen der Panik von 1896. Die von der letzten Delegaten⸗
synode beschlossene Erweiterung der Lehranstalten in Hawthorne,
Concordia und St. Paul ist ausgeführt worden und hat an ihrem
Theil zur Vermehrung der Schülerzahl beigetragen. Nun liegen
der Ehrw. Synode die Anträge der betreffenden Aufsichtsbehör⸗
den und Districtssynoden vor, die Anstalten mit Einschluß von
Seward zu vollen Anstalten zu erheben. Ich, für meine Per⸗
son, halte dafür, daß diesen Anträgen Folge gegeben werden
sollte. Die Verhältnisse drängen dahin. Wir sind längst
über die Verhältnisse hinaus, wo zwei Vollgym⸗
nasien und ein Vollseminar uns die nöthigen Lehr⸗
kräfte zuführen könnten.

Unsere Kassen.

Die meisten unserer Kassen konnten den an sie gemachten
Ansprüchen genügen. Aber zwei Kassen schlossen am 1. Februar
dieses Jahres mit einem Deficit ab: die Allgemeine Baukasse
und die Synodalkasse, die letztere vornehmlich deshalb, weil sie
außerordentliche Ausgaben hatte und von der Baukasse in Mit⸗
leidenschaft gezogen wurde. Das eigentliche Deficit ist in der
Baukasse. Diese nahm bei der letzten Delegatensynode ein De⸗
ficit von circa 30,000 Dollars aus früheren Jahren herüber, und
in dem letzten Triennium ist, wie in früheren Jahren, das letzte
Drittel der bewilligten Summe nicht collectirt worden. Außer⸗
dem hatte die Baukasse außerordentliche größere Ausgaben für
Straßen⸗ und Canalbauten in Fort Wayne, Milwaukee, St. Paul
und Seward im Betrage von etwa 12,000 Dollars. Auch hat
Gott uns mit einem Brandschaden in Concordia heimgesucht,
dessen Ausbesserung etwa 3000 Dollars erforderte. Dies alles
hat die alte Schuld in der Baukasse sehr vermehrt. Wie willig
aber unsere lieben Christen sind, die Schulden der Baukasse zu
tilgen, geht daraus hervor, daß auf eine Anregung von Illinois
hin in sechs Synodaldistricten Extrabeiträge für die Baukasse im
Betrage von etwa 850,000 versprochen und zum Theil schon ein⸗
gezahlt sind. Wenn in den übrigen Distiricten die lieben Christen
mit der Nothlage der Baukasse auch bekannt werden, so wird
sicherlich das ganze Deficit im Betrage von etwa 68,000 Dollars
bald geschwunden sein. Wenn ich von unsern Kassen rede, so
muß ich auch darauf hinweisen, daß in unserer Mitte eine Art
Spannung zwischen den Beförderern der sogenannten Wohl⸗
thätigkeitsanstalten und den Befürwortern der Allgemeinen Kassen
der Synode vorhanden zu sein schien. Nähere Nachfrage hat
mich aber davon überzeugt, daß im Grunde keine Differenz vor⸗
liegt. Die für die sogenannten Wohlthätigkeitsanstalten ein⸗
treten, geben den Vorrang der Allgemeinen Kassen (als der Syno⸗
dalkasse, Baukasse und der Missionskassen) bereitwillig zu. Und
diejenigen, welche besonders für die Allgemeinen Kassen eintreten,
wollen auch die Wohlthätigkeitsanstalten keineswegs unterdrücken.
Gott hat unsere Christen im Irdischen so gesegnet, daß die Mittel
sowohl für die allgemeinen Synodalkassen als auch für die be⸗
sonderen Wohlthätigkeitskassen reichlich vorhanden sind. Noch
mehr: er hat uns auch im Geistlichen so gesegnet, daß auch die
Willigkeit zum Geben um Christi willen reichlich vorhan⸗
den ist. Wir würden unsern Gemeinden Unrecht thun, wenn
wir ihnen die Willigkeit zum Geben für das Reich Gottes ab⸗

sprechen wollten. Das hat wiederum die Erfahrung der letzten

Monate gezeigt, als um besondere Gaben zur Tilgung der Schuld

in der Baukasse gebeten wurde. Was der selige D. Walther zu
sagen pflegte: „Wir können mit einer Ermahnung und Bitte um
Christi willen bei unsern lieben Christen alles erlangen“, das ist
auch jetzt noch wahr bei uns, weil noch das lautere Evangelium
unter uns im Schwange geht und seine Kraft äußert. Bleiben
wir nur bei der altbewährten christlichen Art und Weise, die
darin besteht, daß wir erstlich einander sagen, was der HErr
in seinem Reiche bedarf, und dann zum andern um Christi
willen zum Geben ermahnen. Gibt es einzelne Fälle, wo
diese Weise keinen augenblicklichen Erfolg hat, so können wir
eben warten, bis das Wort Frucht bringt. Das Wort, das
Evangelium, soll's allein thun, kein gesetzlicher Zwang. Diese
evangelische Weise schließt eine gewisse Ordnung und Regel⸗
mäßigkeit nicht aus, wie wir aus 1 Cor. 16, 2. ersehen.

Unsere auswärtigen Beziehungen.

Innerhalb der Synodalconferenz ist die brüderliche Ein⸗
tracht bewahrt geblieben. Gerade auch die im letzten Triennium
abgehaltenen „freien Conferenzen“ haben wiederum gezeigt, daß
die Synodalconferenz im Glauben und Bekenntniß einig ist.
Denn bei diesen Conferenzen standen die Glieder aus den ver⸗
schiedenen Synoden der Synodalconferenz dem Itrthum gegen⸗
über Schulter an Schulter. Diese Bethätigung der glaubens⸗
brüderlichen Gemeinschaft innerhalb der Synodalconferenz war
eine der erfreulichen Erscheinungen bei den „freien Conferenzen“.
Auf eine immer wiederkehrende Gefährdung der brüderlichen
Gemeinschaft innerhalb der Synodalconferenz muß ich jedoch
aufmerksam machen. Es kommt, wie in früheren Jahren, so
auch jetzt innerhalb der Synodalconferenz immer wieder vor,
daß Glie der aus Gemeinden einer Schwestersynode aufgenommen
oder kirchlich bedient werden, ehe sie eine „friedliche Entlassung“
erlangt haben. Dies Verfahren streitet sowohl mit dem glaubens⸗
brüderlichen Verhältniß als auch mit den besonderen Abmachungen,
die zwischen den Synoden der Synodalconferenz bestehen. Hält
man dafür, daß die „friedliche Entlassung“ mit Unrecht ver⸗
sagt werde, so halte man die Betreffenden an, daß sie bei ihrer
Gemeinde, beziehungsweise bei ihrer Synode, ihre Beschwerde
einreichen. So wird einerseits dem Unrecht abgeholfen, falls
ein solches vorliegt, andererseits wird der Störung der brüder⸗
lichen Gemeinschaft zwischen den Synoden vorgebeugt. — Mit
unsern Glaubensbrüdern in Australien stehen wir in brüder⸗
lichem Verkehr, und das gegenseitige Vertrauen hat keine Trübung
erfahren. Unsere Glaubensbrüder in Deutschland haben uns
einige Bitten vorzutragen, die die Synode gerne anhören wird.
Herr P. Amling aus Berlin ist bei dieser Versammlung gegen⸗
wärtig.

Freie Conferenzen.

Im letzten Triennium haben, wie schon erwähnt wurde,
mehrere sogenannte „freie Conferenzen“ zwischen Lutheranern
Americas stattgefunden. Auch einige aus unserer Mitte haben
an diesen Conferenzen Theil genommen, einmal, weil solche aus
dem gegnerischen Lager, die dem Lehrstreit über die Bekehrung
und Gnadenwahl ferner standen, eine Darstellung unserer Lehre
aus dem Munde von Missouriern wünschten, sodann, um den
Schein zu meiden, als ob wir einem Frieden auf dem Grunde

English translation

Not yet translated.