Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 4 › Seite 57
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 12. Februar 1907, Seite 57
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Buße 9 · Gericht 6 · veiden Chriſti · Leiden C Shriſtt. 67 · Spott 2
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wisse, bestimmte Zeit im Jahre habe, da man sie vom Anfang
bis zum Ende, von Wort zu Wort in der Kirche dem Volke vor⸗
lese und davon rede, was sie uns nütze und wie wir ihr brauchen
sollen.
Die eine Ursache, daß wir sonderlich gern von dem Leiden
unsers HErrn JEsu Christi predigen und hören sollen, ist die, daß
wir solcher Wohltat nicht vergessen, sintemal der Satan dem Wort
feind ist und es so gern dämpfen oder hindern wollte. Sollte
man ein, zwei oder drei Jahre nichts davon predigen, würde es
so rein erlöschen, daß der gemeine Haufe nicht viel davon würde
wissen.
Die andere Ursache ist, daß solches unsere hohe Not erfor⸗
dert. Denn wir sind hier in der Welt und leben im Fleisch; das
hängt uns an wie ein Mühlstein. Unser Herz ist beschwert mit
leiblicher Not und unserer eigenen Bosheit und endlich mit des
Teufels Gedanken. Wo man da nicht immer wieder anschürt
durch das Wort mit Reden, Singen, Predigthören, daß wir Christi
nicht gar vergessen und er in unsern Herzen nicht gar erlösche,
ist's unmöglich, daß unser Herz nicht sollte sinken und von Christo
abfallen. Darum bedürfen's wir sehr wohl, daß solche Predigt
stets getrieben werde, und wir das Wort hören und behalten;
denn des HErrn Christi ist sonst bald vergessen. (Luther.)
Schreckliches Ende in der Fastnacht.
Ein vornehmer Herr zu Raab in Ungarn lud zu den Fast—
nachtslustbarkeiten in seinem Wohnhause am 19. Februar 1753
die Vornehmsten der Stadt und unter andern auch den Kriegs⸗
kommissär Joseph Treithofer. Letzterer war noch nicht lange von
der protestantischen Kirche abgefallen, um zu der römisch-papisti⸗
schen überzutreten, und suchte nun die Kirche, die er verleugnet
hatte, bei jeder Gelegenheit lächerlich zu machen. Eine willkom⸗
mene Gelegenheit dazu schien ihm die Fastnacht. Er verkleidete
sich, um D. Luther vorzustellen, und ein junger adeliger Herr
mußte sich als Luthers Frau, Katharina von Bora, verkleiden.
In diesem Anzuge kamen beide auf den Fastnachtsball. Der ber⸗
kleidete Luther trug ein großes Buch unter dem Arm und machte,
bei seiner Ankunft gleich bekannt, er sei gekommen, um Beichte zu
hören. Der anwesende katholische Bischof war der erste, der ihm
beichtete; andere folgten seinem Beispiel. Hierauf hielt der Ver⸗
kleidete eine Rede und erteilte die Absolution, worüber die ganze
Menge der Zuhörer in schändliches Gelächter ausbrach.
Endlich beschloß er seine Spöttereien mit dem heiligen Vater⸗
unser. Als er jedoch an den Schluß kam: „Denn dein ist das
Reich und die Kraft“, wurde er vom Schlage gerührt, stürzte zum
Schrecken der lustigen Gesellschaft zu Boden, wälzte sich herum und
schäumte vor dem Munde wie ein toller Hund. Kaum war man
noch inistande, ihm die Kleider vom Leibe zu reißen und ihn in
seinem Wagen nachts um 12 Uhr nach Hause zu bringen. Man
»versuchte alle Mittel, ihm zu helfen; allein alles war umsonst.
Nachdem er elf Tage in großem Jammer zugebracht hatte, gab er
am 2. März in seinem entsetzlichen Zustande den Geist auf. Bald
darauf erkrankte auch der junge Adelige, der sich als Katharina
von Bora verkleidet hatte, und starb den 16. März 1753. —
„Irret euch nicht; Gott läßt sich nicht spotten.“
Aschermittwoch.
Mancher Leser hat sich gewiß schon gefragt, was diese Be⸗
zeichnung des Anfangs der Passionszeit eigentlich für eine Bedeu⸗
tung habe. Ich sehe das Wort im Kalender mit großen Buchstaben
gedruckt, ein Beweis, daß dieser Tag vor andern Tagen ausge⸗
zeichnet wird; aber was die Bedeutung ist, weiß ich nicht. Nun,
es ist dies der Fall nicht nur mit Bezug auf diesen Tag, sondern
mit noch vielen andern Kalendertagen. Um ihre Bedeutung zu
erklären, müssen wir zurückgehen in vergangene Jahrhunderte.
Wie ist der Ausdruck Aschermittwoch entstanden? Die Geschichte
erzählt, daß der Papft Gregor der Große am Schlusse des 5. und
zu Anfang des 6. Jahrhunderts den Aschermittwoch oder auch
„Aschertag“ zu den üblichen Fest- und Fastentagen hinzugefügt
und ihn an die Spitze der Fastenzeit gestellt habe. Nach altchrist⸗
licher Sitte wurde den Büßenden, wenn sie öffentlich ihre Sünden
bekannten, Asche aufs Haupt gestreut. Der Gebrauch der Asche
stammt noch aus israelitischer Zeit her und war bei den Israeliten
ein Bild der Vergänglichkeit und Eitelkeit, ein Zeichen der Trauer
und Buße, wobei man sich Asche aufs Haupt streute oder sich in
die Asche setzte; daher die Redeweise „im Sack und in der Asche
Buße getan“, Matth. 11, 21, und ähnliche andere Ausdrücke, die
in der Heiligen Schrift vorkommen. Seit dem 12. Jahrhundert
besteht infolge einer Anordnung des Papstes Cölestin III. in der
römisch⸗katholischen Kirche die Sitte, daß der amtierende Priester
am Aschermittwoch etwas von der Asche der im vorausgegangenen
Jahre gesegneten und dann verbrannten Palmzweige erst sich und
dann den am Altar niederknieenden Laien auf das Haupt streut
und dabei spricht: „Memento, homo, quiâ pulvis es et in pul-
verem reévertéris.“ (Gedenke, o Mensch, daß du Staub bist und
zum Staube zurückkehren wirst.) Gewöhnlich wird aber nur die
Stirn mit einem Aschenkreuz bezeichnet. In der lutherischen
Kirche wurde es dann vielerorts üblich, am Aschermittwoch die
„Fastenpredigten“ zu beginnen und den Anfang des Gedächtnisses
des Leidens und Sterbens Christi zu machen.
Passionszeit in alter Zeit.
In dem Kirchenbuche einer norddeutschen Gemeinde steht
aus dem Jahre 1680 folgendes zu lesen: Von der Woche Esto⸗
mihi an wurden die Wochengottesdienste vom Mittwoch auf den
Freitag gelegt, um sich so recht an das Sterben Christi zu erin⸗
nern. Manche Häuser waren geschlossen, weil alle Hausgenossen
in der Kirche waren. Zum heiligen Abendmahl gingen in dieser
Zeit alle erwaͤchsenen Glieder der Gemeinde. In allen Häusern
wurde Andacht gehalten, und zu derselben Passionslieder gesungen.
Durch die ganze Gemeinde ging eine wunderbare Stille, so daß
man wahrnehmen konnte, welch eine Bewegung unter der großen
Liebestat des HErrn durch die Herzen ging.
Heute!
Du sprichst: „Morgen, morgen will ich mich bekehren!“
Willst du dann dich erst bekehren, wann du nicht mehr sündigen
kannst, so haben dich wohl die Sünden verlassen, aber du hast sie
nicht verlassen. Wer die Zeit der Gnade hier verlor, wird in der
Ewigkeit keine Gnade mehr finden. Es gibt Dinge, die keinen
Aufschub leiden und durch denselben nur verschlimmert werden.
Die Buße, die Bekehrung ist ein solches: sie ist der Anfang des
Lebens. Bevor du nicht hiemit im reinen bift, sollteft du billig
für nichts anderes Zeit haben. O daß du den HErrn keine Stunde
länger warten ließest! daß du sprächest mit dem Psalmisten (Pf.
119, 60): „Ich eile und säume mich nicht, zu halten deine
Gebote!“
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