Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 14 › Seite 211
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Juli 1907, Seite 211
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchenzucht · Viſitatiou. 21³3⁷ · Viſitation 5 · Viſitation 6 · Viſitation. 21¹⁵⁰ · Kirchengemeinſchaften. 4„99
fordert. Leider konnte der Hauptteil der so fruchtbaren Arbeit
nicht zur Verlesung und Besprechung gelangen, sondern mußte
auf die nächste Versammlung zurückgelegt werden.
Die zweite Arbeit hatte P. W. A. Frey aus Albany, N. Y.,
über „Kirchenvisitation“ vorbereitet. — „Die Kirchenvisitation
ist eine Erkundigung oder eine Nachfrage eines dazu berufenen
Pastors in einer zu seinem Visitationsbezirk gehörenden Ge⸗
meinde, ob das Predigtamt in derselben von seiten des Orts⸗
pastors recht verwaltet, und ob das Wort Gottes von seiten der
Gemeindeangehörigen fleißig gehört und willig angenommen
werde.“ Eine Visitation ist nicht eine richterliche Handlung,
sondern der Visitator kommt als ein Bruder, um mit Brüdern
das Wohl der Gemeinde zu besprechen. Dies wurde sonderlich
aus dem „Synodalhandbuch“ weiter ausgeführt.
Die Aufgabe der Visitation ist, zu erforschen, wie die
Seelsorge in der Gemeinde gehandhabt wird und wie die Ge—
meinde den Dienst des Pastors gebraucht. Predigt der Pastor
Gottes Wort rein und lauter? Scheidet er Gesetz und Evan⸗
gelium? Ist er treu im Besuchen der Kranken? Nimmt er
sich der Jugend an? Straft er die Irrtümer und sucht er die
Verirrten? Darüber soll die Gemeinde dem Visitator Aus⸗
kunft geben. Ob aber die Zuhörer, jung und alt, sich unter
das Wort beugen und es gerne hören und lernen, und ob sie
die heiligen Sakramente gebührend würdigen und gebrauchen,
das erfragt er vom Pastor.
Die Notwendigkeit' der Visitation erwies der Refe⸗
rent aus der von Gott geforderten Einigkeit inn Geist. Die
Christen verschiedener Gemeinden, die eine Synode bilden, kön—
nen nur dann einig im Geist sein und bleiben, wenn sie regel⸗
mäßig Gelegenheit haben, ihre Erkenntnis und ihr Bekenntnis
einander kundzutun. Das geschieht aber nicht nur auf den
Synodalversammlungen, sondern gerade auch durch die Visi—
tation. So fordert die Selbsterhaltung der Synode die In—
standhaltung der Visitation.
Die Visitation hat guten Schriftgrund. Zwar finden
wir keinen ausdrücklichen Befehl in der Bibel, Kirchenvisita—
tionen zu halten, aber wir haben das Vorbild der Apostel.
Diese haben fleißig visitiert. Apost. 15, 36 lesen wir: „Nach
etlichen Tagen sprach Paulus zu Barnabas: Laß uns wieder
umziehen und unsere Brüder besehen durch alle Städte, in
welchen wir des HErrn Wort verkündiget haben, wie sie
sich halten.“ Und Apost. 8, 14 wird berichtet, daß die
Apostel Petrus und Johannes in Saniaria eine Kirchenvisita⸗
tion hielten. — Aus der Kirchengeschichte führte der Referent
unter anderm an, wie 1). Luther große Visitationen in Sachsen
gehalten, welche Übelstände er vorgefunden habe und wie er
dadurch veranlaßt worden sei, seine zwei Katechismen heraus⸗
zugeben.
über den Nutzen und Segen der Visitation sagte
der Referent folgendes: „Da die Synode ein Bund von Ge⸗
meinden ist, so ist der Nutzen und Segen der Visitation für die
ganze Synode auch der Nutzen und Segen jeder einzelnen Ge⸗
meinde. Und umgekehrt, der Nutzen und Segen für jede Ge⸗
meinde ist auch der Nutzen und Segen für die ganze Synode.
Als einst die Apostel ihre Gemeinden visitierten, stärkten sie
die Brüder. Wo sie irrige Lehre vorfanden, da halfen sie
ihnen wieder zur rechten und reinen Lehre. Dadurch aber
leisteten die Apostel ihren Gemeinden einen wichtigen Dienst.
Darin besteht nun heute noch der Nutzen und Segen der Pisita⸗
tion, daß der Visitator den Gemeinden dadurch dient, daß er
die Brüder im Glauben stärkt und, wo er irgend etwas Irriges
vorfindet, den Irrenden wieder zurechthilft.
„Durch die wiederholten Besuche der Apostel kamen die
Gemeinden zu der freudigen und erhebenden Erkenntnis, daß
sie nicht einzelne zerstreute Häuflein seien, sondern mit allen
andern Gemeinden eine geistliche Gemeinschaft bildeten, daß
sie durch den wahren Glauben an Christum und sein Evange⸗
lium nicht allein auf dem Wege zur Seligkeit wandelten, son⸗
dern noch mit vielen andern Brüdern, die auf demselben
Grunde der Apostel und Propheten standen; daß sie nicht ver⸗
einzelt den Kampf gegen Sünde, Welt und Teufel kämpften,
sondern daß sie diesen Kampf gegen Lüge und Finsternis Seite
an Seite mit allen Gläubigen unter dem einen König und
HErrn, JEsu Christo, führten. Durch solches Bewußtsein
wurde ihr Herz freudiger, ihr Wille kräftiger, auf der einmal
eingeschlagenen Bahn weiter zu wandeln; durch solche Er—
kenntnis wurden sie auch mutiger und getroster im Kampf
gegen alle ihre Seelenfeinde.
„Auch unsere Gemeinden haben diesen Nutzen von der
Kirchenvisitation. Sie wissen, daß sie nicht allein in der Welt
stehen, sondern daß sie viele Brüder und Schwestern haben,
die mit ihnen im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung
einig sind, und daß sie mit diesen allen eine gottgewollte und
gottgefällige Geneinschaft bilden. Das gibt ihnen dann auch
Freudigkeit, Willigkeit und Eifer, in vereinter Kraft und
Stärke mit den vielen andern Gemeinden, die zusammen eine
Synode bilden, die mannigfaltigen und großen Arbeiten, die
es im Reiche Gottes auszuführen gibt, im Glauben und in
der Liebe anzufangen und als treue Arbeiter im Weinberge
des HErrn damit fortzufahren, bis uns der HErr des Wein⸗
bergs selbst Feierabend gebietet, entweder durch einen seligen
Tod oder durch seine Wiederkunst zum Gericht.“
In der Besprechung dieser schönen Arbeit, an der auch
die Gemeindeabgeordneten sich rege beteiligten, zeigte es sich,
wie zeitgemäß sie war; und ohne Zweifel wird für unsern
Distrikt ein großer Segen daraus erwachsen. Mögen recht
viele den. Bericht der Synode, in welchem die ganze Arbeit
erscheinen wird, kaufen, lesen und beherzigen!
Zum Segen einer Synode gehören auch die Predigten,
welche gehalten werden. Außer der schon erwähnten Eröff—
nungspredigt wurden am Synodalsonntag die üblichen Pre—
digtgottesdienste gehalten; und an zwei Abenden versammelte
sich die Synode in den Gotteshäusern der Schwestergemeinden,
um das Wort Gottes zu hören. In der Zionsktirche hielt
P. P. Rösener eine Pastoralpredigt über 2 Kor. 4, 7: „Wir
haben aber solchen Schatz in irdischen Gefäßen, auf daß die
überschwengliche Kraft sei Gottes und nicht von uns.“ Der
ehrwürdige Prediger spendete seinen Amtsbrüdern reichen
Trost und ernste Mahnung zur Treue in dem so schweren, aber
auch so seligen Amt. In der Immanuelskirche wurde ein
Missionsgottesdienst gehalten, in welchem I'. M. T. Holls auf
Grund des Missionsbefehls unsers HErrn Christi, Matth.
28, 19, die Herzen zu neuem Eifer im Missionswerk erwärmte.
Das Missionswerk ist ja unsere Hauptarbeit. Die Synode
verwandte darum auch viel Zeit auf diesen Gegenstand. Im
Dienst der Inneren Mission stehen laut des gedruckten Berichts
der Kommission 16 Pastoren, die an 22 Stationen arbeiten.
Da mehrere Gemeinden selbständig geworden sind, brauchten
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