Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 14 › Seite 214

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Juli 1907, Seite 214

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchenzucht

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214 S Ner Hu

ist diese Lehre zur Besserung, indem sie den Christen reizt, den
alten Menschen immer mehr aus⸗, den neuen dagegen an—
zuziehen.

Zum Schluß führte der Referent noch aus, welche Be⸗
wandtnis es mit der Leichenverbrennung habe. Diese ist zwar
ein Mittelding; doch finden wir nichts in der Schrift darüber,
daß die Kinder Gottes sie je gebraucht haben bei ihren Verstor⸗
benen. Dagegen aber finden wir, daß das Begräbnis von jeher
gebränchlich war, sowohl im Alten als im Neuen Testament.
Das Vegräbnis war ja das letzte, was an unserm Heilande
vollzogen wurde. Deshalb bleiben wir mit aller Entschieden⸗
heit beim Begräbnis. Die Befürworter der Leichenverbrennung
bringen allerlei Gründe vor, um ihre Sache zu unterstützen;
doch sind es meistenteils Scheingründe. Die heutzutage zur
Sitte gewordene Feuerbestattung ist nichts anderes als ein
Zeichen des neumodischen Heidentums.

Besondere Anfmerksamkeit wurde dem Werke der Mission
gewidmet. Die Klage, die überall laut wird, hört man auch
hier: Arbeit genug, aber keine Mittel und keine Arbeiter!
Auf 7 Feldern sollten Arbeiter tätig sein, wenn unser Werk
vorwärts gehen soll. Es ift zu bedauern, daß der großen Not
nicht abgeholfen werden kann. — Seit Jahresfrist haben wir
an dieser Küste auch ein College. Es gedeiht, und etwa 15 neue
Schüler werden im Herbst eintreten. Deshalb ist mehr Raum
nötig. Es muß gebaut werden; und dazu sind §1200.00 bis
51400.00 nötig, die innerhalb des Distrikts aufgebracht wer⸗
den müssen. Aber nach reichlicher Beratung wurde beschlossen,
mit Gottes Hilfe mutig ans Werk zu gehen. Gott, der bis
hierher geholfen hat, wird auch fernerhin uns seine Hilfe nicht
versagen. — Zu unserm großen Bedauern mußten wir hören,
daß weder der Präses der Allgemeinen Synode noch einer sei⸗
ner Gehilfen bei unserer Versammlung zugegen sein konnte.

Im Synodalgottesdienste am Sonntagvormittag predigte
P. Möbus. Am Abend fand ein Missionsgottesdienst statt.
P. Schlottmann hielt eine eindringliche Predigt über Jes. 62,
6—12, indem er die Kennzeichen eines treuen Missionars und
Boten der Kirche schilderte. Am Dienstagabend wurde eine
Pastoralpredigt gehalten, verbunden mit der Feier des heiligen
Abendmahls. Die Beichtrede hielt P. J. H. Theiß, die Pasto⸗
ralpredigt P. J. H. Schröder. Zugrunde lag 2 Tim. 1, 7. 8,
und der Prediger redete von der Quelle der Freudigkeit im
heiligen Predigtamt.

ö Mit Lob und Dank gegen Gott schloß die Synode mit dem
dritten Vers aus dem Lied No. 346 und mit dem Gebet des
HErrn. P. S.

Ein Besuch in der Indianermission.

Meinen Besuch in unserer Indianermission in Red
Springs, Wis., werde ich so bald nicht vergessen. Mir war
dieser Besuch nicht etwa nur interessant, sondern wirklich lehr⸗
reich, ja tröstend. Schon seit Jahren nämlich beschäftigten sich
meine Gedanken mit einer etwaigen Indianermission im Staate
North Dakota. Dort war eine Reservation in meiner Nähe,
und wenn ich zur Poststation fuhr, war ich fast mitten unter
den Rothänten. Zwar missionierten die Römisch-Katholischen.
unter ihnen mit großem Pomp und Aufsehen; doch diese kennen
wir ja als solche, „welche auswendig hübsch scheinen, aber in⸗

wendig sind sie voller Totenbeine und alles Unflats“.
liebe Gott mir jedoch zunächst und vor allem meine weißen Mit⸗
menschen anempfohlen hatte, so mußte ich von einer Mission
unter den Indianern abstehen, da meine Zeit und Kraft von
meinem eigentlichen Amt und Beruf voll und ganz in Anspruch
genommen wurden. Und nun denke dir, lieber Missionsfrennd,
meine helle Freude, als ich die Mission unter Indianern, die
mir in North Dakota so am Herzen lag, hier in Wisconsin in
vollem Gange fand! Welche Freude, daß der liebe Gott für
„Gottes Wort und Luthers Lehr'“ eine Tür uns geöffnet hat
unter einem Volke, das seit Jahrhunderten von den Römisch⸗
Katholischen mit Werk⸗ und Zeremoniendienst in die Irre ge—
führt wird! An dergleichen dachte ich denn auch, als ich an dem
kleinen See entlang fuhr, an dessen einem Ende die nette Kirche
nebst den Pfarrgebäuden anschaulich, still und friedlich ge—
legen ist.

Herzlich begrüßt und aufgenommen von den lieben Pfarr⸗
leuten, erwartete ich mit mehr oder weniger Ungeduld den
Abend, bis von da und dort Bewohner der Reservation dem
Gotteshause zupilgerten. Es sollte nämlich Gottesdienst statt⸗
finden, verbunden mit der Feier der heiligen Taufe. Nach und
nach kamen die Rothäute an; ruhig, still, sittsam traten sie ein
ins Gotteshaus, jedes Alter in jeder Schattierung vertreten.
Auch ich stellte mich ein. Da saßen sie denn andächtig im luthe⸗
rischen Gotteshause und lauschten der herrlichen Himmelsbot⸗
schaft des Indianermissionars Larsen von Zoar. Sie, die dem
Fleische nach wohl dachten an die vergangenen Zeiten, da ihre
Vorfahren ungestört in dem dichten Urwald hausten, sie wurden
erinnert an die durch Christum uns erworbene Herrlichkeit, die
allen Gläubigen zu teil werden soll. Statt des Indianergeheuls
ihrer Vorfahren sangen sie jetzt geistliche, liebliche Lieder. Da
sah, da fühlte ich den Segen, den Gott auf unsere Opfer für
die Indianermission gelegt hat. Und nun gar erst der Segen
an den Herzen, den der HErr im stillen wirkt!

Nach der Predigt hielt Missionar Kretzmann mit allen
Kindern eine kurze Katechese, wobet er uns zu unserer großen
Freude zeigte, daß die Kinder nicht nur den Text der sechs
Hauptstücke, sondern auch — soviel es ihm die Zeit erlaubte —
einigermaßen den Inhalt gefaßt hatten. Das Herz wurde mir
recht warm dabei, wenn die kleinen Rothäute D. Luthers Kate⸗
chismus hersagten.

Nun wurde die Feier der heiligen Taufe vorgenommen.
Du hättest wohl gerne mit dabei sein mögen, lieber Mitchrist!
Ich glaube es dir. Ich hätte es dir auch gerne gegönnt. Es
ist doch etwas ganz anderes, wenn man selber einmal den Lauf
des Wortes Gottes und seiner heiligen Sakramente in dem
Missionswerk mitansehen kann! Da zeigt der liebe Gott
so recht handgreiflich, was für einen großen Schatz wir an Wort
und Sakrameunt haben, und da besonders kann man sich des Ge⸗
dankens nicht erwehren: Wahrlich, wir sind dem lieben Gott
großen Dank schuldig für seine Gnade gegen uns, Dank mit
Herzen, Mund und Händen..

Am nächsten Morgen besuchte ich die Schule. Das Lokal
dazu ist angebaut an die Kirche. Die Kinder, meistens kleine
Rothäute, stellten sich auch bald ein. Nach dem Gesang des
Liedes „Allein Gott in der Höh' sei Ehr'“ in englischer Sprache
hielt Lehrer Lübke Katechismusunterricht, ebenfalls in eng⸗
lischer Sprache, und zwar über die heilige Dreieinigkeit. Auch

Da der 4

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