Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 14 › Seite 217

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Juli 1907, Seite 217

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchenzucht

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sich die Gefühle des Predigers! Er hatte auch Bradfords letzte
Beichte gehört, aber damals gemeint, der Mann lüge ihn an.
Der arme Verurteilte hatte ihm nämlich mitgeteilt, wie er zwar
tatsächlich rein sei vom Blut des Ermordeten, wie er aber doch in
Gedanken und Vorsatz sein Mörder gewesen sei. Er hatte eben⸗
sowohl wie der Bediente vernommen, daß Herr Hayes viel Geld
bei sich trage, und war nachts auf dessen Zimmer gegangen mit
der gleichen Absicht wie der Bediente. Entsetzen befiel ihn, als er
sah, daß ihm schon ein Verbrecher zuvorgekommen war. Er traute
seinen Augen nicht, und als er die Bettdecke zurückschlug, um sich
von der Tatsache zu überzeugen, ließ er in seiner Aufregung das
Messer auf den blutigen Leichnam fallen, wodurch seine Hände
und die Waffe blutig wurden. Vor der wirklichen Tat war er
bewahrt geblieben, aber die Strafe seiner Mordlust hatte er den⸗
noch tragen müssen! (Wunderbare Führungen.)

Kleinigkeiten.

Wie oft hört man im Leben: „Ach, das ist ja nur eine Klei⸗
nigkeit!“ O daß wir doch alle mehr auf die Kleinigkeiten achteten!
Aus kleiner Treue wird große Treue! „Wer im Geringsten treu
ist, der ist auch im Großen treu.“

Als Dienstmädchen bekam ich von meiner frommen Mutter
die gute Mahnung mit auf den Weg: „Sei getreu in allen Dingen.
Laß nie die Lüge deinen Mund entweihen. Bedenke stets, daß
Gott dich sieht!“ Diese Mahnungen sind mir zum Segen ge—
worden durchs ganze Leben.

An einem schönen Sommerabend saß ich mit einer Hand⸗
arbeit vor der Haustür. Meine Herrschaften waren in Gesell—
schaft. Da kommt eine Schar junger Mädchen, die noch einen
Spaziergang machen wollen.

„Komm mit uns!“ hieß es.

„Nein, ich darf nicht ohne Erlaubnis weggehen“, war meine
Antwort.

„Ach, du mußt nicht zu gewissenhaft sein; davon weiß ja
niemand etwas; ehe deine Herrschaft kommt, sind wir schon lange
ö wieder zurück.“

Ich ließ mich überreden und ging iit.

Etwa eine halbe Stunde später kommt der Hausherr, um
ein Schriftstück zu holen, das er vergessen hatte. Glücklicherweise
hatte er einen Hausschlüssel bei sich.

Am nächsten Vormittag fragte der Herr mich ganz ruhig,
ob gestern abend noch jemand dagewesen wäre. Ich hatte beinahe
schon das Nein auf den Lippen, da gedachte ich noch rechtzeitig
an die Mahnung der Mutter. Ich erzählte ehrlich den Vorfall
und bat um Verzeihung. Der Herr war ein gütiger, freund⸗
licher Mann. Er sagte: „Es freut mich nur, daß Sie die Wahr⸗
heit sagen. Ich bin unterdessen hier gewesen. Hätten Sie die
Unwahrheit gesagt, so hätten Sie unser Vertrauen berloren. Wer
einmal lügt, dem glaubt man nicht.“

Ich dankte Gott, daß die Mahnung meiner lieben Mutter
mir noch rechtzeitig geholfen hatte.

Möchten doch alle Mütter ihre Kinder aufziehen in der Zucht
und Vermahnung zum HErrn — die Zeitungen würden dann
nicht immer voll sein von allerlei Schwindel, Lug und Trug.

Eine Blutschuld.

In den sechziger Jahren des Reformationsjahrhunderts
suchten einige hundert evangelische Franzosen, die in ihrem Vater—
lande verfolgt wurden, Zuflucht auf der nordamerikanischen Halb⸗
insel Florida. Kaum hörte man davon in Spanien, als auch

dem SeErrn und seiner Kirche in Crozier,

sofort ein Kreuzzug gegen sie veranstaltet wurde. Im Jahre 1565
landete das spanische „Kreuzheer“ auf Florida, und alsbald be⸗
gann eine blutige Verfolgung der „lutherischen Ketzer“. Wie
wilde Tiere wurden sie von den spanischen Soldaten gejagt, nie⸗
dergeschossen, verstümmelt, gefoltert, aufgehängt, bis die unglück⸗
lichen Ansiedler bis auf den letzten Mann ausgerottet waren.
Menendez, der berüchtigte Anführer des Kreuzzuges, ließ an einer
Anzahl von Bäumen, die er als Ketzergalgen verwendete, die
Inschrift anbringen: „Nicht als Franzosen, sondern als Luthera-⸗
ner sind sie getötet worden.“ So ist der amerikanische Boden
mit Protestantenblut gedüngt worden. Das damalige Frankreich
wagte nicht, Spanien wegen dieser Bluttat zur Rechenschaft zu
ziehen; in die Abrechnung aber, welche die Vereinigten Staaten
in unserer Zeit mit Spanien gehalten haben, darf man solche
ungesühnte Blutschulden auch mit einschließen. Von dem blut—
gedüngten Florida aus unternahm das heutige Nordamerika seinen
Angriff gegen das spanische Kuba.

Nächstenliebe.

Der hugenottische Prediger Ruyere war verhaftet worden
und sah seinem Tode entgegen — es war zur Zeit der schlimmsten
Hugenottenverfolgungen in Frankreich.

Eines Tages gelang es einem seiner Freunde, Zutritt zu
ihm zu erlangen; als er wieder gehen wollte, fand er den Wärter
in tiefstem Schlafe. Er teilte dies Ruyere mit; beide gingen bis
an das Tor des Gefängnisses, das sie öffneten, denn der Wärter
hatte die Schlüssel liegen lassen. Der Freund ermahnte den Pre⸗
diger, diese Gelegenheit zu benutzen und mit ihin zu entfliehen,
es sei der Finger Gottes, der ihn hierauf hinweise. Aber der
hugenottische Pastor entgegnete: „Und was wird dann aus dem
Wärter? Sie werden ihn töten, wenn ich entwische; und er hat
mich stets so freundlich behandelt. Nein, das sei ferne von mir
— meinen Leib können sie töten, aber unsern Glauben werden sie
damit nicht aus der Welt schaffen.“ Er warf einen langen sehn—
süchtigen Blick in die stille Nacht hinaus, verschloß das Tor wieder
und kehrte dann in seine Zelle zurück, um eine Woche später den
Tod zu erleiden.

—— k? Däbwb
Todesanzeigen.

Am 3. Mai starb in Palmyra, Mo., an der Schwindsucht
'. Wilhelm C. Lauer, zuletzt Seelsorger der Gemeinden in
Dunkirk und Fredonia, N. J. Er war am 10. Februar 1861 in
Springfield. Ill., geboren und, nachden er in Fort Wayne und
Springfield studiert hatte, im Jahre 1884 ins heilige Predigt⸗
amt getreten. Während seiner 23jährigen Amtstätigkeit hat er
Jowa, Garden City,
Ala., Wellsville, Mo., Palmyra, Mo., und Dunkirk, N. Y., ge⸗
dient, am längsten, über zehn Jahre, in Palmyra. Schon seit
längeren Jahren leidend, verschlimmerte sich sein Zustand in Dun⸗
kirk, so daß er einen Monat vor seinem Tode sein Amt niederlegen
mußte und nach Palmyra zog in der Absicht, sich später in Han⸗
nibal, Mo., niederzulassen. Aber ehe es dazu kam, rief ihn der
HErr zu sich. Fein sanft und stille, im Glauben an seinen Hei—
land, ist er eingeschlafen. Am 5. Mai wurde er in Palmyra
unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. P. H. J. Frey
redete in deutscher Sprache über Dan. 12, 3 und der Unterzeich⸗
nete über Joh. 12, 26 in englischer Sprache. Amtsbrüder aus
der Quincy⸗Konferenz waren Träger, und am Grabe amtierte
P. J. Nachtigall. Der Selige hat sein Alter auf 46 Jahre,
2 Monate und 21 Tage gebracht und hinterläßt seine betrübte
Gattin und 4 Kinder. C. F. Drewes.

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