Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 14 › Seite 218
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Juli 1907, Seite 218
Scan: Internet Archive item DerLutheraner63_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchenzucht
218
Luthsrane L
Am 28. Mai starb im Glauben an den Sünderheiland in
der Nähe von Benson, Minn., P. H. Vetter. Der Entschlafene
wurde am 25. August 1842 in Roßwein, Sachsen, geboren. Nach⸗
dem er das Jünglingsalter erreicht hatte, trat er in die Anstalt
P. Brunns ein, und im Jahre 1869 bezog er unser Predigersemi⸗
nar in St. Louis. Als er hier sein Studium vollendet hatte,
erhielt er einen Beruf als Hilfsprediger P. W. Friedrichs zu
Waconia, Minn. Hier sollte es jedoch seine hauptsächlichste Pflicht
sein, wie P. Friedrich in seiner Einführungsanzeige mitteilte, „die
von ihm erreichbaren predigerlosen Ortschaften und Familien auf—
zusuchen und seelsorgerlich zu bedienen“. In diesem Missions⸗
berufe hat P. Vetter lange Jahre gestanden und unter Gottes
reichem Segen Herrliches ausgerichtet. Viele, sehr viele Gemein—
den im Staate Minnesota weisen auf ihn als ihren Gründer hin.
Groß war das Gebiet, welches er in den ersten Jahren seiner
Amtstätigkeit bereiste! Heißt es doch in einem Missionsberichte
über den Staat Minnesota im 30. Jahrgang des „Lutheraner“:
„Das Arbeitsfeld P. Vetters . . . befindet sich im Nordwesten des
Staates und umfaßt folgende Counties: Wright, Meeker, Kan⸗
diyohi, Stearns. Benton, Morrison, Todd, Becker, Ottertail,
Douglas, Stevens, Pope, Bigstone, Swift, Chippewa, Renville
und Redwood.“ Und in einem andern Missionsberichte finden
wir, daß er in einem Jahre etwa 500 Familien, die sich aber auf
42 einzelne Plätze verteilten, aufgesucht und mit Wort und Sakra⸗
ment versorgt habe. Ja mit aufopfernder Liebe und Treue war
P. Vetter zur Ausrichtung dieses entsagungsvollen Amtes in rei⸗
chem Maße begnadigt. Während seiner Amtstätigkeit war er
noch an folgenden Plätzen im Staate Minnesota stationiert:
St. Cloud, Fairfield, Montevideo und Cashel, in der Nähe von
Benson. Am letztgenaunnten Orte war er vor vier Jahren ge⸗
nötigt, sein ihm so teures Amt niederzulegen, und hier war es
auch, wo ihn unser lieber himmlischer Vater von den mancherlei
Leiden, die er ihm zu seinem ewigen Heile auferlegt hatte, erlöste
und ihn in die Stadt droben im Lichte einführte, nach welcher er
sich mit kindlichen Verlangen sehnte. — Am 31. Mai wurde im
Trauerhause ein kurzer Gottesdienst abgehalten, wobei P. O.
Wolff und der Unterzeichnete amtierten. Letzterer predigte auf
Grund von Hebr. 13. 14. Hierauf wurde die teure Leiche nach
Fairfield gebracht und am 1. Juni unter großer Beteiligung be⸗
erdigt. Hier predigten die Pastoren H. Kollmorgen und Albert
Brauer. H. Klemp.
Am 7.. Juni entschlief im Glauben an seinen Heiland in der
Pfarrwohnung zu Atchison, Kans., der langjährige Seelsorger der
dortigen Dreieinigkeitsgemeinde, P. C. Vetter. Da er 39 Jahre
lang Glied unserer Synode gewesen ist und ebensolange dem
HErrn im Predigtamt gedient hat, so ist es wohl billig, daß ihm
im „Lutheraner“ ein Denkinal gesetzt werde. — Der Entschlafene
ist am 28. März 1835 in Ebsdorf, Kurhessen, in der Nähe von'
Marburg geboren. In Marburg hat er auch seine höhere Aus⸗
bildung erlangt. Von Oktober 1862 bis zum 10. Juli 1865
war er als Lehrer und Erzieher an einer Rettungsanstalt für
verwahrloste Knaben in Schladen, Hannover, tätig, und daß er
sich die Zufriedenheit seiner Vorgesetzten in hohem Maße erwor⸗
ben hat, zeigt ein ausgezeichnetes Empfehlungsschreiben, das er
bei seinem Fortgang erhielt. Er wollte dem HErrn in seiner
Kirche dienen und wandte sich deswegen an P. Louis Harms. Er
pflegte gelegentlich von seinem Besuch bei Harms in Hermanns⸗
burg zu erzählen und bewahrte auch einige Briefe auf, die er zu
jener Zeit von diesem erhielt. Er wanderte noch im Jahre 1866
nach Amerika aus und trat in die praktische Abteilung des Semi⸗
nars in St. Louis ein. Schon am 27. Dezember 1867 bekam er
sein Abgangszeugnis und trat ins heilige Predigtamt ein. Seine
ersten Erfahrungen im Amt waren nicht erfreulicher Art. Er
bediente eine Gemeinde in Warrenton, Mo. Aus einem Schrei⸗
ben D. Walthers an ihn geht hervor, daß ihm die Gemeinde das 3
J). Walther rät ihm nämlich
in dem Schreiben, er solle an seinem Posten so lange aushalten,
Leben herzlich sauer gemacht hat.
bis er mit gutem Gewissen sagen könne, er sei vertrieben worden.
P. Vetter nahm bald einen Beruf nach Calhoun County, Ill., an.
Am 23. Juli 1868 trat er mit Frl. Katharine Moormann in den
heiligen Ehestand, und seine Gattin ist ihm eine treue Lebens⸗
gefährtin in Freud' und Leid geworden. Nach etwa drei Jahren
folgte P. Vetter einem Beruf nach Osage Bluff, Mo., an der
Honey Creek. Dort hat er dreizehn Jahre lang in großem Segen
gearbeitet. Obwohl in zwölf Jahren dreizehn Berufe an ihn er⸗
gingen, blieb er doch an seinem Posten, bis er am Ende des Jahres
1883 dem Beruf der Dreieinigkeitsgemeinde in Atchison, Kans.,
folgte. 23 Jahre lang hat er im Dienste dieser Gemeinde ge⸗
standen, bis ihn der HErr der Kirche durch einen seligen Tod aus
der streitenden in die triumphierende Kirche versetzte. Die Ge⸗
meinde ist in der Zeit unter Gottes Segen innerlich und äußerlich
gepachsen. Besonders hat die opferwillige Gemeinde unter Lei⸗
tung P. Vetters sich in ihren äußerlichen Verhältnissen sehr ver⸗
bessert. Sie hat ein neues Grundstück erworben und darauf eine
neue stattliche Schule, eine prächtige, geräumige Kirche und ein
bequemes und geräumiges Pfarrhaus erbaut und dabei neben
den laufenden Ausgaben noch reichliche Kollekten für das Reich
Gottes gesammelt. In den letzten Jahren hat sie noch eine Orgel
sür 82100.00 und eine Stahldecke in der Kirche angeschafft.
P. Vetter hat auch während seiner Amtszeit in Atchison immer
synodale Amter bekleidet. Er war eine Zeitlang Visitator, Glied
der Missionskommission und bis an sein Ende Vorsitzer der Unter⸗
stützungskommission, sowie auch Vorsitzer der Ost⸗Kansas⸗Konfe⸗
renz. — Nach Schluß der letzten Konferenz in McFarland, Kans.,
weilte er noch einen Tag bei P. A. Schmid in Alma. Er wurde
dort krank und eilte nach Hause. Mit den Worten: „Gott Lob,
daß ich noch nach Hause gekommen bin!“ begrüßte er seine Gattin
bei seiner Heimkehr und begab sich alsbald zu Bett. Es wurde
sein Sterbebett. Als er in der Nacht vom 6. auf den 7. Juni
sein Ende herannahen fühlte, ließ er einen Notar kommen und
machte sein Testament. Dann sagte er: „Nun sind wir mit dem
Irdischen fertig. Es gibt aber auch ein himmlisches Gut, und
das ist viel wichtiger. Ich bekenne, daß ich das, was ich auf der
Kanzel gepredigt und im Konfirmandenunterricht und in der Schule
gelehrt, nicht allein mit dem Munde bekannt habe, sondern auch
von Herzen glaube. Ich bekenne mich auch zur Lehre der luthe⸗
rischen Kirche und ihren Bekenntnisschriften als der allein rich⸗
tigen. Bei diesem Bekenntnis wollen wir, ich und meine liebe
Frau und Kinder“ (ein anwesendes Gemeindeglied setzte schnell
hinzu: „und die ganze Gemeinde“) „und die ganze Gemeinde“,
wiederholte er, „bleiben.“ Er betete auch: „Christus ist mein
Leben, und Sterben ist mein Gewinn. Ich habe Lust, abzuschei⸗
den und bei Christo zu sein.“ Mit dem anwesenden Lehrer Roller,
der etwa zwanzig Jahre lang sein Mitarbeiter und Hausgenosse
gewesen ist, betete er das Vaterunser und das Lied: „Christi Blut
und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid; damit
will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd' eingehn.“
Dies alles sprach er mit kräftiger Stimme. Er forderte auch seine
Familie und Umgebung auf zu singen: „Wie sie so sanft ruhn,
alle die Seligen“ ꝛc., und als seine Gattin sagte: „Ach, wir
können ja nicht singen!“ stimmte er selbst an, und sie stimmten
mit ein, so gut sie es mit vom Weinen erstickter Stinune konnten.
Morgens, 10 Minuten vor 5 Uhr, ist er dann sanft entschlafen.
— P. Vetter hinterläßt nebst seiner trauernden Gattin 6 erwach⸗
sene Kinder. Ein Sohn und drei Schwiegersöhne stehen im hei⸗
ligen Predigtamt. — Am Sonntag, den 9. Juni, fand die Be⸗
—
— —— —
— —
English translation
Not yet translated.