Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 14 › Seite 215
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Juli 1907, Seite 215
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gerechtigkeit 4 · Kirchenzucht · Gemeindeſchule
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21⁵5
hier wanderten, ohne es zu wollen, meine Gedanken einen
Augenblick in die Geisterwelt der Ureinwohner unsers Landes;
ich dachte an ihren Fabelgeist Manitou und dessen Lügenpro—
pheten, die Medizinmänner. Doch, die kannte man hier in
unserer lutherischen Schule nicht; immer wieder antworteten
die braunroten Schüler: „Gott der Vater hat uns erschaffen;
* Gott der Sohn, IEsus Christus, hat uns erlöst; Gott der Hei⸗
lige Geist bringt uns zum Glauben, erhält uns darin, bis wir
in den Himmel kommen“; und das sagten sie so frisch, so frei,
gar nicht so auswendiggelernt oder hergesagt. Wenn mich die
braunroten Gesichter nicht immer wieder an die Indianerschule
erinnert hätten, so hätte ich gemeint, in einer unserer alten
Kirchenschulen zu sein.
Als ich unsere lutherische Indianerschule verließ, da könnt
ihr euch denken, daß mein Herz nicht still war gegen den Gott
aller Gnade. In eben dieser Stimmung über unsere ganze
Indianermission bin ich denn auch nach Hause gefahren.
So segne denn fernerhin der liebe, treue Gott und erhalte,
bewahre, vermehre unsere Mission unter den Indianern um sei⸗
nes Sohnes willen, den er für alle dahingegeben hat!
Karl Rose.
Die lieben Gemeinden werden hiermit herzlich gebeten,
bei Gelegenheit der bevorstehenden Missionsfeste auch unserer
leeren Kasse zu gedenken.
Die Kommission für Indianermission.
Zur kirchlichen Chronih.
Amerika.
Wie man über die Gemeindeschule in den Kreisen urteilt,
in denen sie vielfach noch fehlt. Mitte April dieses Jahres tagte
in Chicago eine Versammlung solcher lutherischen Pastoren der
Stadt, die nicht mit der Synodalkonferenz in Verbindung stehen.
In dem gedruckten Protokoll dieser Konferenz finden wir in einem
von P. A. P. Foß, Ph. I)., gehaltenen Vortrage folgende Stelle
in bezug auf die Gemeindeschulen in der Stadt Chicago, die der
Beachtung wert ist und die wir in etwas freier übersetzung hier
wiedergeben: „Ich kann es nicht unterlassen, hier die herrliche
Arbeit zu erwähnen, die durch die lutherischen Gemeindeschulen
verrichtet wird, nicht bloß in Hinsicht auf die Nationalität, son⸗
dern auch in Hinsicht auf christliche Erziehung. Diese Schulen
werden jedoch nur gefunden unter den Deutschen, die 122 Lehrer
und 8163 Schüler, unter den Schweden, die 27 Lehrer und 1191
Schüler (deren Schulen aber hauptsächlich Sommerschulen sind),
unter den Slowaken, die 2 Lehrer und 100 Schüler, und unter
den Dänen, die 1 Lehrer und 75 Schüler haben. Zu erwarten
steht, daß solche Schulen auch unter den Norwegern zu finden
sind, doch konnten wir darüber keine Auskunft erhalten. Wie die
Zahlen jetzt stehen, befinden sich in den lutherischen Gemeinde⸗
schulen der Stadt Chicago 155 Lehrer und 9657 Schüler. Da
unter den Missouriern sich wenig Sonntagsschulen finden, so finden
wir sie am stärksten im Felde der Gemeindeschule. Das Amt eines
Schullehrers wird bei ihnen als sehr wesentlich angesehen, so daß,
wo immer eine Gemeinde zu klein ist, beide, Pastor und Lehrer,
zu erhalten, der Pastor genötigt wird, die Schule zu übernehmen.
Wir sind der festesten überzeugung, daß dieses eins der Geheim⸗—
nisse des Erfolges und der Stärke der Missourisynode ist. Wäh⸗
rend diese Schulen es zuwege bringen, daß die jungen Leute die
Kirchensprache verstehen, in der sie mit ihren Eltern zusammen
des öffentlichen Gottesdienstes pflegen, so prägen sie zugleich die
lutherische Lehre ihnen so ein, daß iin Vergleich mit den Ge⸗
meindeschulen die Arbeit unserer Sonntagsschulen gar nicht in
Betracht kommt (4is a pitiable excuse at best'). O daß alle un⸗
sere Synoden in der Weise begonnen hätten! Ja, wir halten da⸗
für, daß auch in den Kirchen, in denen die englische Sprache
Kirchensprache ist, Gemeindeschulen gehalten werden können und
sollten, und es gibt“ (in Chicago) „wenigstens eine englische
Gemeinde, die eine solche Schule hat, nämlich die Messiasgemeinde
der schwedischen Augustanasynode.“ — Wollte Gott, daß wir auch
ferner, wie bisher, die Gemeindeschule in unserer Synode recht
pflegen möchten zur Ausbreitung seines Reiches und zum Heile
vieler Seelen! F. P. Merbitz.
Ausland.
Die Lage der evangelischen Mission auf der Insel Mada⸗
gaskar ist seit einiger Zeit eine sehr bedrohte, und zwar geht die
Feindschaft aus von den kirchenfeindlichen französischen Beamten.
Alle Vorstellungen in Paris haben bis jetzt nichts gefruchtet. Ein
norwegischer Missionar schreibt in seinem Bericht: „So, wie die
Dinge jetzt liegen, kann man mit mathematischer Sicherheit sagen,
daß in Bälde unsere Schultätigkeit nur noch eine Legende sein
wird. In derselben Provinz und unter demselben Administrator
findet man einen Distrikt, in welchem ein Unterbeamter eine förm⸗
liche Verfolgung gegen die Mission und das Christentum organi⸗
siert, ohne daß ihn sein Vorgesetzter daran hindert. Von den Leh⸗
rern sind die einen verjagt, die andern als Lastträger verwandt.
Die Pfarrer hat man gezwungen, an den Straßen zu arbeiten,
die Schulen wurden geschlossen, die Schüler zerstreut, junge Leute
ins Gefängnis gesetzt; es ist ihnen verboten, die Versammlungen
zu besuchen, mit den ‚sehr verdächtigen Missionaren zu verkehren;
nur an einigen Orten sind Erbauungsversammlungen erlaubt.
Den Evangelisten aber ist verboten, in den Häusern singen. zu
lassen. Und in derselben Provinz wird in einem andern Diistrikt
die Missionstätigkeit noch frei gelassen. Aber das kann in der
nächsten Woche aufhören.“ L. F.
„Wir sfind redliche Leute!“
Das ist in der Tat ein schön klingendes Wort! Und noch
dazu aus der Bibel genommen! Das ist doch endlich einmal ein
Wort, das euch gefällt und zufriedenstellt, euch, die ihr es nicht
vertragen könnt und euch gelangweilt fühlt, wenn euer Seelsorger
es unaufhörlich wiederholt und es euch in die Gewissen ruft, daß
ihr Sünder seid und euch bekehren müßt!
Ebenso schön klingt es auch, wenn man euch sagen hört:
„Wir sind nicht schlechter als andere Menschen — wir stehen in
bürgerlicher Achtung — wir sind noch nicht mit dem Gesetz in
Konflikt geraten, haben nicht getötet, nicht gestohlen, kurz: „Wir
sind redliche Leute.““
Nun wohl, wo findet man denn dies schöne Wort in der
Bibel? Wir müssen es doch denen vorhalten können, die uns
immer sagen, daß wir sündige, schuldbehaftete Menschen sind, an
denen nichts Gutes, nichts Lobenswertes sei! Wohlan, wir wollen
einmal in der Heiligen Schrift suchen und eine Rundfrage bei
den Männern Gottes halten.
Vielleicht ist es der große Apostel St. Paulus, der dies ge⸗
sagt haben wird? Sehen wir in seine Briefe und hören wir diesen
gewaltigen Zeugen von Natur und Gnade, von menschlichem Ver⸗
derben und göttlichem Erbarmen: „Das ist je gewißlich wahr und
ein teuerwertes Wort, daß Christus JIEsus kommen ist in die Welt,
die Sünder selig zu miachen, unter welchen ich der vornehmste“,
das heißt, der größte, ärgste, „bin“, 1 Tim. 1, 15. Item: „Da
ist nicht, der Gutes tue, auch nicht einer “, Röm. 3, 12. Item:
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