Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 16 › Seite 252
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. August 1908, Seite 252
Scan: Internet Archive, from the Graduate Theological Union's copy (one item per issue).
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sonntagsſchule · Sonntagsſchule
252
8 Der VutheranedS
tionen gelassen hatte, und traf am 3. Februar mit den Seinen
in Nagercoil ein. Das ist recht! Und zu der Zeit war Ernte
und Erntefest. Und dann —
„Da brach die Cholera aus“, schreibt er. „Wir hatten sie
auch hier in Nagercoil in Arsertr Nachbarschaft; am schlimm⸗
sten aber wütete sie unter den Parias in Vadasery, von denen
in zwei Wochen täglich durchschnittlich zwei Menschen starben.
Von unsern Leuten starben ein größerer Schuljunge und eine
Frau. Letztere konnte ich noch vor ihrem Tode besuchen und
taufen. Vom Tode des ersteren wurde ich benachrichtigt, als
ich gerade in der Schule war. Die Leute hatten das Ende nicht
so schnell erwartet; es war am Anfange, als die Leute das
Auftreten der Cholera noch nicht wahr haben wollten. Der
Junge hatte am Abend vorher in der Christenlehre noch gut
geantwortet und war am Vormittage seines Todestages noch in
der Schule gewesen. Nachmittags um 4 Uhr starb er. Ich habe
ihn dann gleich beerdigt. Abends um? Uhr war alles vorüber.“
„Nun war es mit dem Schulbesuch vorbei, und ich konnte
auch die Leute abends nicht in den Unterricht bekommen. Ich
versuchte es mehrmals, traf aber nur einige Personen an, mit
denen ich eine Art Examen anstellte, dessen Resultat mich er—
munterte. Die Leute haben während der Cholerazeit eine große
Abneigung, abends aus dem Hause zu gehen. Wahrscheinlich
ist es ein Überbleibsel der heidnischen Furcht vor den Cholera⸗
göttinnen, die umherfliegen sollen.“
„Die Gottesdienste sind natürlich regelmäßig gehalten
worden, wurden auch wie zuvor gut besucht. Den jungen Leu⸗
ten habe ich im Februar 24 Unterrichtsstunden erteilt.“
Gott behüte unsere lieben Missionare und Christen in aller
Fährlichkeit! Die Cholera dauerte nicht lange, und bald war
wieder alles in rechtem Geleise. —
Wer ist denn der Jesudasen, der, wie ich in der vorigen
Nummer schrieb, lernt und lehrt? Das ist ein Paria, ein
Christ, ein wackerer Mann, der Universitätsbildung hat und
der bei dem englischen Residenten) in Travancore Privat⸗
sekretär ist. Dem liegt es sehr am Herzen, daß seiné Kasten⸗
genossen Kirche und Schule haben, so sehr, daß er sein Amt und
seinen hohen Gehalt aufgeben und in unserer Mission arbeiten
will für nur so viel, daß er leben kann. Unter dem 14. April
schreibt Missionar Hübener: „Jesudasen lernt fleißig und sucht
mir auf alle Weise zu helfen. Vormittags nimmt er an meinen
Stunden teil und macht von den ihm zur Verfügung gestellten
Büchern fleißig Gebrauch. Einmal hat er schon gepredigt.
Hinfort wird er an jedem Freitagabend eine Katechismusstunde
in Vadasery halten.“ — Gott segne Jesudasen! Der Teufel
wird ihm sehr feind sein und ihn zu Fall zu bringen suchen.
Gott behüte Jesudasen!
Von Missionar Gutknecht schreibt Missionar Hübener so:
„Bruder Gutknecht scheint sich in Indien wohl zu fühlen und
ist uns ein lieber Hausgenosse. Er hat im Tamulischen schon
so viele Fortschritte gemacht, daß er mit den jungen Leuten
der Präparandenklasse das Johannesevangelium kursorisch (mit
nur kurzer Auslegung) lesen kann, wovon man sich für beide
Teile Gutes versprechen kann.“
Nun noch etwas aus Missionar Hübeners Brief vom
5. Mai. Er schreibt: „Einliegend sende ich zwei Bilder. Auf
dem einen Bilde sehen Sie die am Sonntage nach Ostern Ge⸗
tauften in unserm Gottesdienstlokal, das zugleich als Schule
1) Siehe unter Abschnitt 2.
dient. Es mißt 135431 Fuß und hat nur zwei kleine Fenster
2942 Fuß. Das Dach ist niedrig, läßt Sonnenstrahlen durch
und ist so leicht gebaut, daß wir unsere Gottesdienste nur ganz
früh morgens halb 8 bis 9 Uhr und abends halb 7 bis 8 Uhr
halten können, sonst müßten wir Europäer die Sonnenhüte
aufsetzen. Bei der Schriftverlesung lasse ich die Leute sitzen,
sonst nehmen sie mir alles Licht. Die Liturgie kann ich ziemlich
auswendig. Die 100 sonntäglichen Besucher füllen das Lokal
vollständig aus, und woher Luft für so viele nehmen, das ist
oft die bange Frage. Namentlich jetzt im April und Mai hat
man schon beim Eingangsliede keinen trockenen Faden mehr
am Leibe. An Luft und Durchzug ist bei dieser eingeborenen
Bauart überhaupt nicht zu denken. Eine luftige geräumige
Kirche ist das erste, was uns der liebe Gott durch unsere Christen
in der Heimat bescheren wolle.“
„Auf dem andern Bilde sehen Sie unser Wohnhaus.
Unten und oben ist je ein großer Raum. Oben schlafen wir.
Ein hochgelegenes Schlafzimmer ist etwas Herrliches in Indien.
Es ist dort nachts viel kühler als unten, während am Tage
wiederum der Oberstock den unteren kühler hält. In dem
Hinterbau ist unser Eßzimmer und die Badestuben. Wegen
des niedrigen Daches und des Luftmangels ist es dort viel
heißer. Schade ist es, daß wir keinen eigenen Brunnen für
Trinkwasser haben. Es muß aus einem öffentlichen Straßen⸗
brunnen geholt werden, und das ist, wenn man an die häufigen
Seuchen denkt, ein großer übelstand. Mit dem Hause kann
man sonst sehr zufrieden sein, mit der nächsten Umgebung aber
weniger. Es liegt leider mitten in der Eingeborenenstadt, und
Frau und Kinder kommen, abgesehen von dem kleinen Hof,
selten einmal ins Freie. Auch aus andern Gründen wäre die
Erwerbung eines eigenen Grundstücks und der Bau eines
Hauses sehr wünschenswert. Auch ist ja zu bedenken, daß wir
für beide Häuser (das Haus, in welchem Missionar Gutknecht,
der jetzt heiratet, wohnt, ist das zweite) jährlich über 500 Ru⸗
pien Miete zahlen müssen“ (etwa 200 Dollars).
Ja, das ist gewiß, wir müssen Kirche und Schule bauen
in Vadasery und Wohnhäuser in Nagercoil. Und wir müssen
Arbeiter anstellen zum Säen und Ernten.
Seit unsere Heidenmission besteht, haben wir, Ich nie
öffentlich um Geld dafür gebeten. Denn wir hatten Vorrat.
Und es kamen ja manche Gaben ein. Aber — ohne daß Tra⸗
vancore in Betracht kam — ist unser Geldvorrat arg zusam⸗
mengeschmolzen, und die einkommenden Gaben deckten die lau⸗
fenden Ausgaben nicht.
Im Namen und Auftrag der Kommission für
Heidenmission und im Namen dessen, der ge⸗
sagt hat: „Gehet hin in alle Welt und prediget
das Evangelium aller Kreatur!“ bitte ich jetzt
um Geld und Gaben für unsere Heidenmission.
Mehr brauche ich nicht zu sagen. Es wird kommen.
Noch eins will ich sagen: Wir brauchen auch zum wenig⸗
sten zwei neue Missionare. Und das sehr bald. Sonst leidet
unser Werk Schaden. Wo sind sie?
Wie viele Schulen könnten wir gründen und in wieviel
Kinderseelen könnten wir Tag für Tag den Samen des Evan⸗
geliums säen in Indien, wenn wir mehr Missionare und mehr
Geld hätten!
SErr JEsu, segne 8018 in Ostindien und mache uns bereit,
deinen Segen einzubringen! C. M. 3.
English translation
Not yet translated.