Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 16 › Seite 253
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. August 1908, Seite 253
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sonntagsſchule · Sonntagsſchule
r TutheranedSse
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Aus unserer Indianermission in Wisconsin.
„Die Rechte des HErrn ist erhöhet; die Rechte des HErrn
behält den Sieg.“ In diese fröhlichen Worte des heiligen
Sängers im 118. Psalm können auch wir einstimmen, indem
dianermission zu berichten. Wie die Leser des „Lutheraner“
sich wohl noch erinnern werden, so war in dem zuletzt erschie⸗
nenen Bericht über Indianermission nicht nur Erfreuliches,
sondern auch Betrübendes mitgeteilt worden. Auf unserer
Hauptstation Red Springs, wo P. R. Kretzmann sechsundein⸗
halb Jahre lang mit großer Treue und Aufopferung gearbeitet
hatte, und wo unter Lehrer Lübkes Leitung die schon früher
von unserm Missionar gegründete Gemeindeschule zur Blüte
gekommen war, war nicht nur ein Stillstand, sondern sogar
ein sehr empfindlicher Rückgang eingetreten. Die Ursache da⸗
von war die Handhabung streng lutherischer Zucht und Praxis
von seiten unserer Missionare, insonderheit aber das Eindrin⸗
gen der Presbyterianer auf der Reservation. Von etlichen
einflußreichen, uns nie recht wohlgesinnten Indianern dazu
aufgefordert, hatte ein Presbyterianerpastor aus der Nähe sich
bewegen lassen, ihnen zu predigen. Es kam unter ihm zur
Gründung einer Gemeinde und einer Sonntagsschule. Von
ö presbyterianischer Seite aus wurde diesen Abtrünnigen in der
allernächsten Zeit auch ein eigner Missionar, ein Pfarrhaus
und eine Kirche versprochen. So kam es denn, daß eine An⸗
zahl wankelmütig gewordener Indianer, denen lutherische Lehre
und Praxis nie recht zugesagt hatte, sich von uns zurückzogen,
ihre Kinder aus unserer Schule nahmen und sich zu der neu⸗
gegründeten Gemeinde der Presbyterianer hielten. Unsere
Gottesdienste wurden daher nur sehr spärlich besucht, und un⸗
sere Schule mußte wegen allzu geringen Besuchs geschlossen
werden. In dieser für unsere Mission so gefahrvollen Zeit
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und da sein Gesundheitszustand im letzten Jahre ein derartiger
geworden war, daß er sich den Strapazen, welche die Missions⸗
arbeit mit sich bringt, nicht länger, ohne bedenkliche Folgen
befürchten zu müssen, unterziehen konnte, nahm er den Beruf
an. Nach seinem Wegzug predigten dann abwechselnd benach⸗
barte Pastoren oder Lehrer Lübke hielt Lesegottesdienst. So
weit führte unsder vorige Bericht.
Aber das Maß unserer Betrübnis war noch nicht voll.
Wir sollten noch schwerer geprüft werden, um hernach Gottes
Güte und Treue desto mehr preisen zu können. Bald darauf
erhielt auch Lehrer Lübke nacheinander zwei Berufe, deren
zweiten er aus wohl gerechtfertigten Gründen annahm. So
stand denn unsere Station Red Springs ganz verwaist da, und
es schien, als sollte es dem bösen Feind gelingen, all unsere
saure Arbeit zunichte zu machen und unserer Mission an diesem
Ort den Todesstoß zu versetzen. Es wurde zwar noch wieder⸗
holt von benachbarten Pastoren und insonderheit von P. J. D.
Larsen von unserer ändern Station Zoar gepredigt, aber es
waren nur einzelne, die sich zu den Gottesdiensten einfanden.
Dreimal berief die Kommission vergeblich, um wieder einen
Seelsorger für diese Station zu gewinnen. So sah sie sich
denn schließlich genötigt, wenn Red Springs, die wichtigere
von unsern beiden Stationen, nicht gänzlich aufs Spiel gesetzt
werden sollte, einen Schritt zu tun, den sie nicht gerne ge⸗
hat.
wir uns anschicken, unsern lieben Mitchristen über unsere In⸗
erhielt P. Kretzmann einen Beruf an eine unserer Gemeinden,
Sie berief nämlich P. Larsen, der auf unserer Station
Zoar sowohl an den dortigen Kindern als auch Erwachsenen
in sichtlichem Segen arbeitete, und der und dessen Gattin so
geeignete Personen für den dortigen Platz mitten im Urwald
waren, wie wir sie wohl so bald nicht wieder finden werden.
Die obwaltenden Umstände bewogen dann Paftor Larsen auch,
dem Rufe Folge zu leisten. Am Sonntage Judica wurde er
in Red Springs eingeführt. Ungefähr zur selben Zeit traf
auch der schon erwähnte Missionar der Presbyterianer auf der
Reservation ein. So arbeitete nun unser Missionar Larsen,
unterstützt von unsern Gebeten, mit verdoppelter Kraft, um
der reinen Lehre und unserer Sache mit Gottes Hilfe zum
Siege zu verhelfen. Und was ist nach etlichen Monaten das
Ergebnis?
Des HErrn Wort und die Wahrheit haben den Sieg da⸗
vongetragen. Es ist schon wieder eine ansehnliche Schar, im
ganzen etwa 24 Familien, die von unserm Missionar seelsorger⸗—
lich bedient werden. Neun, darunter eine erwachsene Person,
sind von P. Larsen seit seiner Anwesenheit auf dieser Station
getauft worden, zwei sind konfirmiert worden, ein Mädchen,
das schon unsere Schule besucht hatte und auf die Konfirma⸗
tion vorbereitet worden war, und eine Frau, die an der
Schwindsucht schwer krank daniederliegt und bald vom Glau⸗
ben an ihren HErrn und Heiland, zu dem sie sich freudig be⸗
kannt hat, ins Schauen versetzt werden wird. Am Pfingstfest
wurde auch das heilige Abendmahl wieder gefeiert, an dem
15 Gäste teilnahmen. Auch 25 Schulkinder sind unserm Mis⸗
sionar bereits versprochen worden, falls wieder eine Schule ins
Leben gerufen wird. Etliche Familien halten sich zwar noch
zu den Presbyterianern, doch ist Aussicht, daß wir auch die
meisten von ihnen wieder gewinnen werden, falls ihr Missionar
die Reservation verläßt. Das wird aber, wie verlautet, in
der allernächsten Zeit geschehen. Er soll zwar durch einen
Nachfolger ersetzt werden, doch soll dieser nicht auf der Reser⸗
vation, sondern in Gresham, einem Städtchen drei Meilen
entfernt, seßhaft sein, und geschieht das, so ist die größte Ge⸗
fahr, welche wir von der Seite zu befürchten haben, beseitigt.
So haben wir denn wahrlich Ursache, nach einer solchen bangen,
trüben Zeit Gott für seine überschwengliche Güte und Treue
zu loben und zu preisen und mit dem Psalmisten zu sprechen:
„Lobe den HErrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen
heiligen Namen; lobe den SErrn, meine Seele, und vergiß
nicht, was er dir Gutes getan hat“, Ps. 103, 1 f.
Wir freuen uns, ihr lieben Mitchristen, daß der HErr
unser Seufzen erhört und sich wieder zu unserer Arbeit be⸗
kannt hat. Gewiß bereitet es auch euch Freude zu erfahren,
daß Gottes Wort und Luthers Lehr' den Sieg davongetragen
hat und sich unter den Ureinwohnern unsers Landes als eine
Kraft erweist, selig zu machen alle, die daran glauben. Ist
diese unser aller Freude aber eine aufrichtige, dann dürfen wir
nun auch getrost eine Bitte vorlegen, und wir können gewiß
sein, daß sie fröhliche Aufnahme, willige Herzen und Hände
finden wird. Welches ist denn diese Bitte?
Erstens: Unsere Kasse für Indianermission ist ganz leer.
Soll aber das Werk, das jetzt wieder seinen gesegneten Fort⸗
gang hat, nicht ins Stocken, ja gänzlich in Stillstand geraten,
dann müssen wir Mittel haben, um unserm Missionar den
schuldigen Gehalt auszuzahlen und auch sonst nötige Repara⸗
turen an den Stationsgebäuden vorzunehmen. Darum ist
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