Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 16 › Seite 255
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. August 1908, Seite 255
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lutheriſche Kirche 11 · Staatsſchule
S Ner Dutfieraner
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suchen und dann von den Pastoren ihrer Heimat oder von den
Taubstummenmissionaren auf die Konfirmation vorbereitet
werden? Oder könnte nicht der Unterricht in den Elementar⸗
fächern etwas beschränkt werden, damit die Unkosten doch etwas
geringer wären?
Solche Gedanken, meine Freunde, dürfen uns nicht irre
machen, dürfen uns die Freudigkeit zu diesem Werk nicht
rauben. Es kann auf keine andere Weise in wirklich christlicher,
in echt lutherischer Weise für diese Kinder gesorgt werden.
wiederhole es: diese in der heiligen Taufe Christo einverleibten
Keinder können nur in dieser unserer lutherischen Taubstummen⸗
schule wirklich christlich erzogen werden. In unserm ganzen
weiten Lande ist kein anderer Platz, wo das geschehen könnte.
Es ist nicht möglich, daß ein Pastor ein taubstummes Kind, das
in einer Staatsschule sprechen, lesen und schreiben gelernt hat,
ordentlich auf die Konfirmation vorbereitet, so daß es den
christlichen Glauben wirklich kennt, sich wirklich prüfen kann,
ehe es zum heiligen Abendmahl geht. Oder wäre es möglich,
daß ein Pastor drei oder vier Jahre lang fünf Tage wöchentlich
ein solches Kind in biblischer Geschichte und im Katechismus
unterrichtet? Das aber wäre zu einem einigermaßen erfolg⸗
reichen Unterricht nötig. Und ferner: Meinst du etwa, man
könnte Taubstumme auf dieselbe Weise unterrichten wie hörende
Menschen? Da irrst du dich. Taubstumme zu unterrichten,
ihnen Begriffe beizubringen, zu prüfen, ob sie eine Sache wirk⸗
lich verstanden haben, dazu gehört eine besondere übung und
Erfahrung, so daß das nicht alsbald ein jeder tun kann neben
seiner andern Arbeit. Du sagft: „Doch hat es schon so mancher
Pastor getan, und das sind doch auch gewissenhafte Leute.“
Jawohl. Der Unverstand mancher Eltern nötigt Pastoren,
daß sie lieber etwas tun, als solch ein armes Kind ganz dar⸗
ben lassen. Auch wir haben das schon tun müssen. Aber da⸗
her gerade wissen wir, wie unzulänglich das ist. Es bleibt
dabei, daß lutherischen Taubstummen eine lutherische Taub—
stummenschule schlechterdings nötig ist. Wir dürfen ihnen
nicht etwa am Wort des Lebens abbrechen, indem wir diese An⸗
istalt einschränken oder gar schließen.
Aber auch an dem Unterricht in irdischem Wissen dürfen
wir nichts abbrechen. Das ist wahr, für ihre Seligkeit macht
ees nichts aus, ob sie gut oder schlecht rechnen. Aber wäre es
nicht lieblos, wenn wir, um weniger geben zu dürfen, diese
Armen in ihrem irdischen Fortkommen behindern wollten?
Und meint ihr, daß man bei dem gegenwärtigen Stand der
Jugenderziehung überhaupt Kinder in unsere Schule senden
würde, wenn wir nicht bemüht wären, möglichst Tüchtiges auch
in diesen Dingen zu leisten?
5 Es kann also kein Zweifel bestehen: wir müssen unser
Werk fortsetzen. Wir müssen es nach Kräften zu heben suchen.
Wir müssen unsern Zöglingen im Geistlichen wie im Leiblichen
das Allerbeste zu bieten suchen. Wir müssen auch wieder laut
unsere Stimmen erschallen lassen, Pastoren und Eltern taub⸗
stummer Kinder zu bitten und zu ermahnen, an diesen zu tun,
was sie vor Gott um Christi willen schuldig sind, das heißt,
sie in diese Schule senden.
So lassen Sie uns denn ohne Unlust und ohne ängstliches
Sorgen an unsere Arbeit gehen, beraten und beschließen, was
nach unserer Erkenntnis nötig und förderlich ist. Und Gott
lasse seinen Segen in Strömen sich dazu ergießen!
ö W. Hagen.
Ich
Zur kirchlichen Chronik.
Amerika.
Ein seltenes goldenes Doppeljubiläum, wie es in der Ge⸗
schichte unserer Synode wohl noch nicht vorgekommen ist, war der
St. Paulusgemeinde zu North Dover, O., und ihrem Pastor,
J. Rupprecht, am 12. Juli zu feiern vergönnt. Die Gemeinde
besteht fünfzig Jahre, und diese fünfzig Jahre hat P. Rupprecht
ihr, als seiner ersten und einzigen Gemeinde, gedient. Beide
feierten ihr goldenes Jubiläum zusammen. In drei Gottes⸗
diensten brachten Gemeinde und Pastor dem HErrn ihren Dank
dar. Die ganze Kollekte wurde als ein Dankopfer verschiedenen
Kassen der Synode zugewandt. — Der SErr lasse über die werte
Gemeinde und ihren lieben Pastor mit seinem ganzen Hause ferner
sein Antlitz leuchten, daß sie in seinem Namen täglich fröhlich und
in seiner Gerechtigkeit herrlich sind! H. W.
Die lutherische Kirche unsers Landes ist eine Macht. Sie
zählt nach den neuesten Berechnungen 2,012,536 kommunizierende
Glieder und nimmt unter den protestantischen Kirchengemeinschaf⸗
ten unsers Landes die dritte Stelle ein. Nur die Methodisten und
Baptisten sind stärker; die größte Kirche überhaupt ist die römisch⸗
katholische. Von den 2 Millionen Gliedern bedient sich nicht ganz
die Hälfte, etwa 909,000, der deutschen Sprache im Gottesdienst;
etwa ein Drittel, 605,000, redet Englisch, ungefähr ein Sechstel,
305,000, Norwegisch, 154,000 Schwedisch, 21,600 Dänisch,
13,400 Finnisch, 4500 Isländisch, und die übrigen verteilen sich
auf die slowakischen, polnischen, böhmischen, estnischen, lettischen
und litauischen Lutheraner. 152 kirchliche Zeitschriften werden
herausgegeben, 233 Erziehungs⸗ und Wohltätigkeitsanstalten wer⸗
den unterhalten, 3200 Schüler und Studenten bereiten sich auf
das Predigtamt vor. — Wenn doch alle diese Lutheraner auch
ganz einig in der rechten Lehre und dem reinen Bekenntnis wären!
— In der Stadt New York haben die Lutheraner verhältnismäßig
das stärkste Wachstum unter allen protestantischen Kirchengemein⸗
schaften zu verzeichnen. Ihre Zunahme betrug in den letzten fünf⸗
zig Jahren in Greater New Nork 45,706 Kommunizierende und
116 Gemeinden; die Zunahme der Episkopalen, die in New Nork
einen außerordentlichen Vorsprung hatten vor allen andern, be⸗
trug 75,388 und 93 Gemeinden; der Baptisten 28,718 und
69 Gemeinden; der Methodisten 27,799 und 69 Gemeinden; der
Presbyterianer 34,010 und 68 Gemeinden; der Kongregationa⸗
listen 17,106 und 26 Gemeinden. Freilich hat in diesem Zeit⸗
raum gerade in New York auch die römisch⸗katholische Kirche ganz
gewaltig zugenommen, mehr als irgendwo sonst in den Vereinigten
Staaten, namentlich infolge der Einwanderung aus römisch⸗katho⸗
lischen Ländern Europas. L. F.
über die religionslosen Schulen unsers Landes redete vor
mehr als dreißig Jahren ein bekannter Schulmann, der langjäh⸗
rige Professor und nachmalige Präsident des Amherst⸗College,
Seelye, richtige Worte. Er hatte kurz zuvor Indien besucht, hatte
dort oft vor gebildeten, englischredenden Hindus Vorträge gehal⸗
ten über die Wahrheiten des Christentums und sagte nun auf einer
Jahresversammlung der Kongregationalisten in Minneapolis:
„Wenn es sich handelt um die Rettung einer Nation, so kann man
kein Vertrauen setzen in irgendwelche Schule, wenn sie ihr Werk
nicht treibt auf der Grundlage des christlichen Glaubens. Eine
Erziehung, die von Gottes Wort absieht und nicht den lebendigen
Glauben an den HErrn IEsum Christum ihre Grundlage sein
läßt, ist höchst oberflächlich. Die öffentlichen Schulen sind nicht
die Hoffnung der Nation. Die Kirche, und nicht die öffentliche
Schule, ist die Rettung der Nation. Menschen mit entwickelten
Verstandeskräften und dabei verderbten Herzen sind überall die
ärgsten Feinde der Freiheit und der öffentlichen Ordnung.“ Dazu
bemerkt das „Kirchenblatt“: „Seit der Zeit sind die öffentlichen
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