Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 16 › Seite 257

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. August 1908, Seite 257

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Theater 4

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deckt wurde. Es wurde sodann ein Protest aufgesetzt, dem wir
folgendes entnehmen: „Da wir die sogenannten Fünf⸗Cents⸗Thea⸗
ter in unserer Umgebung genau haben untersuchen lassen und in
ihnen eine drohende Gefahr für die öffentliche Sittlichkeit gefun⸗
den haben; da diese Theater durch verführerische Anzeigen, wie:
New Show Every Day, Nothing in the Least Objectionable,
High Class Vaudeville' 2c., eine Menge Kinder anlocken, in deren
junge Herzen unter dem Vorwand unschuldiger Erholung desto
sicherer das Gift der Unsittlichkeit eingeträufelt wird durch das
Zeigen höchst unzüchtiger moving pictures' und Aufführungen sei⸗
tens schamloser Darsteller; da Diebstahl, Raub, Mord, Selbst⸗
mord und Unzucht als ⸗bewunderungswürdige Taten hingestellt
werden, sowie auch Widersetzlichkeit gegen Autorität und Wider⸗
spenstigkeit gegen Eltern, Laster, die täglich in stets ausgedehnterer
Weise um sich greifen und Familie und Staat zu untergraben
drohen; und da diese Theater aus den angeführten Ursachen unsere
allerernstesten und rastlosen Bemühungen bereiteln, unsere Kin⸗
* der zu Christen und zu ehrbaren Mitgliedern der Gemeinde und
dieser Stadt zu erziehen: so fassen wir den Beschluß, daß wir,
die Unterzeichneten, Protest erheben mit allem Ernste und dem
größten Nachdruck gegen diesen Gelderwerb auf Kosten der Sitt⸗
lichkeit und Unschuld unserer Kinder, und wir wenden uns um
Schutz an den Bürgermeister und die Stadtobrigkeit und beschwö⸗

ren sie, alle Mittel zu ergreifen, die ihnen zu Gebote stehen, um
dieses verführerische und beständig wachsende, unheilstiftende Un⸗
geheuer, das dem Wohl dieser Gemeinde und der Sittlichkeit
.. unserer Kinder droht, zu zermalmen und demselben die Lebensader
zu durchschneiden.“ Die „Luth. Kirchenzeitung“, der wir diese
Mitteilung entnehmen, bemerkt noch dazu: „Welch einen Anklang
diese Fünf⸗Cents⸗Theater jedoch bei dem Volke finden, zeigt die

—

Tatsache, daß eine einzige Fabrik in New York an jedem Arbeits⸗
tag in der Woche nicht weniger als 144 der in diesen Theatern
gebrauchten Maschinen für bewegliche Bilder herstellt und ver⸗

sendet.“ L. F.
Der römisch⸗katholische König von Sachsen hat kürzlich bei
Gelegenheit einer Kunstausstellung sich gegen die Ausstellung
ungehöriger Bilder ausgesprochen. Er war gebeten worden, den
Als er aber

Ehrenvorstand bei dieser Ausstellung zu übernehmen.
die Gemäldegalerie besuchte, fand er ein Bild ausgestellt, das gute
Zucht und Sitte verletzte. Da erklärte er ganz offen, er werde es

sich in Zukunft reiflich überlegen müssen, ehe er wieder die Ehren⸗
vorstandschaft einer solchen Ausstellung übernehmen werde. Der
König geht von dem richtigen Grundsatz aus, daß Bilder, die
öffentlich zur Anschauung gebracht werden, so beschaffen sein
müssen, daß jedermann sie ansehen kann, ohne zu erröten. Die
Kunst der Malerei ist eine schöne, herrliche Kunst und soll den
verherrlichen, der sie den Menschen geschenkt hat. D. Luther sagt
einmal: „Ich bin nicht der Meinung, daß durchs Evangelium
sollten alle Künste zu Boden geschlagen werden und vergehen, wie
etliche Abergeistliche vorgeben, sondern ich wollte alle Künste, son⸗
derlich die Musicam, gern sehen im Dienste des, der sie gegeben
und geschaffen hat.“ Leider aber steht, wie die Musik, so auch die
Kunst der Malerei vielfach im Dienste der Sünde und des Fleisches.
Auch in den Ausstellungen und Gemäldegalerien unsers Landes
finden sich öfters Bilder, die anstößig sind. L. F.

Wie ein armer Pfarrer seinen Einzug hielt.

Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts lebte ein badischer
Pfarrer auf dem Hundsrücken in einer armen, windigen Gegend
mit viéel Steinen und wenig Geld, so daß man von ihm sagen
konnte: „Der Pfarrer von N. N. ist steinreich.“ Zu allem über⸗
fluß waren noch die Franzosen gekommen und hatten die Nachlese
gehalten und mitgehen heißen, was nicht nagelfest war. Da bat

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denn der Pfarrer bei seiner Behörde um geneigte Versetzung vom
Hundsrücken hinunter ins Altbadische hinein. Freilich ging es
dazumal nicht so schnell, denn die Briefe brauchten Zeit, dazu gab's
nicht gleich eine Stelle, und mußte erst hin und her beraten werden,
und so dauerte es bei dem Pfarrer noch über zwei Jahre, und er
ward einstweilen in die große Schule geschickt, wo die Lektion „Ge⸗
duld“ heißt, die man auswendig und inwendig lernen muß. Da
man das nicht auf der hohen Schule beim Herrn Professor lernt,
so sorgt der liebe Gott dafür, daß fleißig nachexerziert wird im
Leben, was man dort nicht gelernt hat. Denn das Leben mit sei⸗
nen Leiden ist auch eine rechte Hochschule fürs Reich Gottes.
Darin studierte jetzt der Hundsrücker Pfarrer fleißig. Und da er
seine Lektion gelernt hatte, wurde er herausgelassen. Denn dann,
wenn man die Tür nicht selbst mit einem Stemmeisen aufbrechen
will, macht Gott, wie bei Noah, die Tür selber auf zur rechten Zeit,
keine Stunde zu früh und keine Stunde zu spät. Da kam also ein
Brief mit herrschaftlichem Siegel, worin stand, daß der Hunds⸗
rücker Pfarrer in Anbetracht seiner Umstände herunter versetzt sei
auf die Pfarrei L. Diese Pfarrei war auch eine der geringsten,
und so kam der Pfarrer aus einer Armut in die andere. Er zog
herunter mit seiner Familie und hatte seine Siebensachen auf
einem großen Leiterwagen mit Segeltuch darüber gespannt, und
vorn saß er mit Frau und Kindern. In Heidelberg ließ er seine
Familie und machte sich allein auf den Weg, um das Pfarrhaus
zu inspizieren, ob etwa noch ein Schrank oder Ofen vonnöten wäre.
Abends spät kam er an und ging in einem schlichten Reiseanzug,
unter dem man keinen Pfarrer vermutete, ins nächste Gasthaus
und setzte sich ermüdet auf die Ofenbank zu den Gästen und aß mit
ihnen ein Käsebrot. Bald kam das Gespräch auch auf den neuen
Pfarrer, den die Leute kriegen follten; da ging ihnen der Mund
auf. Der eine meinte dies, der andere jenes. Da sagte einer:

„Wißt ihr auch, daß er blutarm ist? Mir hat's einer von
den Herren in Karlsruhe gesagt.“

„Der wird bei uns reich werden wollen“, warf ein anderer
ein; „da ist er an die Rechten gekommen.“

„Dem können wir noch Frau und Kinder erhalten“, meinte
ein Dritter. „Uns sollen sie einen schicken, der etwas hat und
der Gemeinde was zu verdienen gibt, aber keinen armen Schlucker.“

In diesem Tone ging es nun weiter, und der Pfarrer saß
dabei und hörte zu und sprach kein Wörtlein. Das hatte er in der
berühmten Schule gelernt, von der vorhin erzählt worden ist. Er
gedachte an das Wort: „Ein Geduldiger ist besser denn ein Star⸗
ker, und der seines Mutes Herr ist, denn der Städte gewinnet.“
Da ergriff aber ein anderer das Wort, der die ganze Zeit geschwie⸗
gen hatte. Es war ein großer alter Mann mit silberweißem
Haar, der sich erhob und mit tiefer Stimme zu reden begann:

„Ich dente“, sagte er, „ihr seid jetzt fertig; laßt mich auch
etwas sagen. Dreißig Jahre nacheinander bin ich im Kirchenrat
gewesen und kann darum auch ein Wörtlein mitreden. Ein reicher
Pfarrer wäre unser Schaden, denn die reichen Leute verstehen den
armen Mann nicht, und der Arme versteht den Reichen nicht.
Gleich und gleich gesellt sich gern. Akkurat darum paßt er für
uns. Ist unser neuer Pastor arm, da weiß er auch, wie's armen
Leuten tut, und kann sich mit unserm HErrgott vertrösten. Drum
laßt das Schelten bleiben. Die Hauptsache ist, daß unser Pfarrer
uns Gottes Wort predigt, das ist besser, als wenn er mit Gulden
um sich schmeißt.“ Damit setzte er sich nieder.

Unter dieser Rede waren aber dem Pfarrer die Augen naß
geworden, und nun konnte er sich nicht länger halten, sondern stand
auf und sagte: „Ich danke Euch, Altvater, für diese Rede! Ihr
habt mir das Herz erquickt. Denn ich bin Euer neuer Pfarrer
und will nichts anderes sein als der armen Leute Pfarrer. Will's
Gott, werde ich Euch ein rechter Pfarrer werden.“ Damit schüt⸗
telte er dem Alten treuherzig die Hand. Als die andern aber

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