Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 17 › Seite 269
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. August 1908, Seite 269
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S Ver „Dutheraneb
269
deutsch⸗katholische Kirche.
Gemeinde P. A. Brauers, eines unserer ersten australischen
Studenten,
der hier vor siebzehn Jahren sein Studium
vollendete.
Auf dieser schönen Synode sah es der Schreiber wieder,
daß es wohl steht mit unsern Brüdern in Australien. Von
allen Seiten waren die Pastoren und Gemeindedeputierten in
großer Anzahl erschienen. Welch brüderliche Liebe und Ein⸗
tracht erfüllte hier alle Besucher! Ja es war so, wie Prof.
Gräbner zu mir sagte; „Wir sind hier auf unserer Synode eine
große happy family!' Jeder wurde von allen begrüßt und
herzlich bewillkommt, denn alle kannten sich und Fenten sich
des Wiedersehens.
Die geräumige Kirche, in der der kurz vorher heim⸗
gegangene Vater, Präses Strempel, so lange Jahre das Evan⸗
gelium gepredigt hat, war zum Erdrücken voll. Manche der
Gäste konnten keinen Einlaß finden. Höchst eindrucksvoll war
der Eröffnungsgottesdienst mit seiner Synodalpredigt von
Präses Nickel, früher in Shawano, Wis., und seiner gemein⸗
schaftlichen Abendmahlsfeier. Herrlich war das am Nachmittag
folgende Missionsfest, auf welchem P. Bläß, früher Heiden⸗
missionar unter den Maori in Neuseeland, predigte, sowie auch
der Unterzeichnete und Missionar Wiebusch, auch aus Amerika,
der unter den armen heidnischen Eingeborenen mit großer
Selbstverleugnung arbeitet. Man merkte es schon am ersten
Synodaltag: hier ist ein frisches geistliches Leben; hier steht
es gut!
Und nun die solgenden Synodalsitzungen, von denen der
Schreiber zu seinem größten Leidwesen nur zwei Tage mit⸗
machen konnte. Wie fühlte man sich da zu Hause und dachte
nicht anders, als daß man auf einer Synode in Perry
County, Mo., sei, denn Kirche, Leute, Sprache, Landschaft,
kurz, die ganze Umgebung war ein getreues Abbild jener un⸗
vergeßlichen Wiege unserer Missourisynode.
Wohl hat der Schreiber bei dieser Synode in Hahndorf
auch erfahren, daß dieselben Leiden über unsere dortigen Brü⸗
der gehen wie über uns hier in Amerika. Man schätzt die deut⸗
schen Einwohner von Australien mit ihrer Nachkommenschaft
auf 25,000 Seelen. Unter diesen befindet sich keine einzige
Was sich noch zur Kirche hält, nennt
sich „lutherisch“. Aber äußerlich ist die lutherische Kirche dort
ebenso, ja noch mehr zerrissen als bei uns. Da gibt es neben
unsern treulutherischen Brüdern, die sich die „Ev.⸗Luth. Synode
in Australien“ nennen und, Gott sei Dank, es auch nach Be⸗
kenntnis wie Praxis sind, noch die Immanuelssynode in Süd⸗
australien, die Generalsynode in Australien, bestehend aus der
Synode von Victoria, der Immanuelssynode auf alter Grund⸗
lage in Südaustralien und der Synode von Queensland.
Ferner gibt es eine vereinigte deutsch⸗skandinavische Synode
in Queensland und endlich Pastoren und Gemeinden, die keiner
Synode angehören. Nebenbei finden sich fast alle hierzulande
bekannten englischen Sekten, und ganz besonders sind es die
Mormonen und Siebententags⸗Adventisten, die sowohl unter
den Eingeborenen wie unter den Weißen um Anhänger werben.
Neben dem Sektentum macht das christusfeindliche Logenwesen,
das in die dortigen Gemeinden auch immer mehr eindringen
will, unsern Brüdern viel Not. Aber gerade da kam es nun
bei der Synode an den Tag, daß es wohl um unsere Brüder
steht. Sie kämpfen treulich und ernstlich wider alles Sek⸗
ten⸗ und Logenwesen. Prof. Koch hatte Thesen wider das
ursachen.
Logenwesen aufgestellt, deren Ausführungen man große Auf⸗
merksamkeit schenkte, und zu denen man sich freudigst bekannte.
Aus dem Bericht des Präsidiums ging hervor, daß der
Südaustralische Distrikt 71 Synodalgemeinden zählt, 3 nicht
zur Synode gehörende Gemeinden und 13 Predigtplätze; ferner:
8248 Seelen, 1595 stimmberechtigte Glieder, 32 Gemeinde⸗
schulen mit 21 Lehrern und 15 Lehrerinnen und 4 Privat⸗
schulen. Mit dem Sstlichen Distrikt zusammen zählt die ganze
Synode 144 Gemeinden und Predigtplätze, 13,131 Seelen und
55 Schulen. Also über die Hälfte der deutschen Einwohner
von Australien gehört zu unserm lutherischen Zion, und unsere
Brüder dort sind auch die an Zahlen stärkste Synode. Ja,
„Gottes Wort und Luthers Lehr'“ ist eine Macht in Australien
und erlangt einen Sieg nach dem andern, daß man sehen muß,
der rechte Gott sei zu Zion. Was jener Deputierte dem seligen
D. Gräbner vor sechs Jahren auf der Synode in Hochkirch
voller Freude zurief: „Gottes Wort hat gesiegt!“ ist heute noch
wahr. Unsere Brüder in Australien haben, um mit Luther
zu reden, das Wort, und das Wort hat sie! Das Wort treibt
sie an, Ernst zu machen in der Lehre und im Leben. Das Wort
erfüllt sie mit Freudigkeit, reichlich zu opfern für kirchliche
Zwecke. Das Wort hat sie auf der Synode in Hahndorf zum
Entschluß getrieben, das Werk der Mission in den obenerwähn⸗
ten Großstädten zu treiben. Da ist zum Beispiel die Haupt⸗
handelsstadt Sydney, die unter ihren 600,000 Einwohnern
gegen 4000 Deutsche zählt, in deren großem, herrlichem Hafen
alljährlich viele deutsche Schiffe landen und in der eine treu⸗
lutherische Mission so not tut. Da ist das volkreiche Melbourne,
die Bundeshauptstadt, in der sich ein kleines Häuflein unserer
Mitchristen befindet, das schon jahrelang sehnlichst, aber ver⸗
geblich nach einem eigenen Hirten schreit. Fast ein Fünftel der
ganzen Bevölkerung von Australien wohnt in den genannten
fünf Hauptstädten, und doch haben wir lutherische Christen
für diese fast eine Million zählende Menschenschar nur eine
größere Stadtgemeinde, die blühende Gemeinde P. W. Jan⸗
zows, früher in St. Ansgar, Jowa, und jetzt in Adelaide. In
dem großen Gebiet von Queensland, dreimal so groß wie unser
Staat Texas, steht nur ein Paftor, der fünf Gemeinden und
zwei Predigtplätze bedienen muß. In dem ungeheuren West⸗
australien mit seiner Hauptstadt Perth bedienen zwei Pastoren
eine Anzahl weitzerstreuter Gemeinden und Predigtplätze. Ja,
die Ernte ist groß in Australien, aber gar wenig sind der Ar⸗
beiter. Die meisten Gemeinden sehen ihre Prediger nicht, wie
bei uns, allsonntäglich auf der Kanzel, weil diese noch drei, fünf
oder gar acht andere organisierte Gemeinden mitbedienen
müssen. Wie allgemein ist doch die Predigernot, und wie
sollten wir doch auf den Hilferuf der Brüder hören und ihnen
mehr Arbeiter schicken, damit Zion bei ihnen gebaut werde und
uns nicht so viel teuererkaufte Seelen an die Sekten ver⸗
loren gehen.
Auf der Delegatensynode zu Fort Wayne hat die Allge⸗
meine Innere Missionskommission diese Not wieder zur allge⸗
meinen Kenntnis gebracht. Aber auch Geldunterstützung tut
not. Bei aller Opferwilligkeit können die australischen Brüder
doch nicht die vermehrten Ausgaben bestreiten, die ihnen die
Anstellung eines dritten Professors in Adelaide, die Inangriff⸗
nahme der Mission in den Großstädten, sowie die Mission unter
den Heiden und die Innere Mission in Westaustralien ver⸗
In den letzten drei Jahren haben wir, wie unsere
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