Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 17 › Seite 271

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. August 1908, Seite 271

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Der Tutheranese

271

eine Prediger sind, geschickt, die christliche Gemeine im
Gottes zu unterrichten, sondern auch sonderlich gelehrte
te, die auch den Rotten und falschen Geistern wehren können.
u sollen helfen und geben nicht allein Fürsten und Herren,
auch Bürger und Bauer.“ E..

Unsere Missionare leiden Not!

Nur ungern tritt heute der Unterzeichnete, dem es sonst
eine Freude ist, über die fremdsprachigen Missionen unserer
Synode zu berichten, vor den Leserkreis des „Lutheraner“, weil
er diesmal nicht sowohl über etwas Erfreuliches zu berichten,
als vielmehr über Unerfreuliches Klage zu führen hat. Die
bittere Not ist es, die ihm die Feder in die Hand drückt; er darf
naicht schweigen, denn Schweigen wäre Lieblosigkeit gegen die
Arbeiter in den fremdsprachigen Missionen und auch Lieblosig⸗
keit gegen die lieben Christen unserer Synode, die diese Mis⸗
sionen, das heißt, die Mission unter den Lutherischen Esten,
Letten, Litauern und Polen, die ihrigen nennen.

Die Klage aber, die erhoben werden muß, richtet sich nicht
gegen die Arbeiter in den verschiedenen Arbeitsfeldern.
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unsere Missionare arbeiten — Gott sei dafür gedankt! — mit
vieler Treue und großer Selbstverleugnung und tun, soviel
ihnen Gott Kraft und Gnade schenkt, was ihres Amtes ist.
Unsere Missionare sind wackere Leute, die den HErrn IEsum
lieb haben und ihm gerne, wenn auch unter mancherlei Ent⸗
behrungen, dienen. Die Klage geht vielmehr gegen die, in
deren Dienst die Missionare stehen, die die Missionen über⸗
nuommen haben und es nun unterlassen, sie zu pflegen, die die
Arbeiter in das Erntefeld senden und ihnen nun ihren Lohn
naicht rechtzeitig und pünktlich geben. Das ist die Klage, daß
unsere Missionare das Geringe, zum Leben Unentbehrliche
nicht erhalten, daß sie Not leiden. Und warum Not? Weil
in die Kasse für diese Mission in letzter Zeit nichts geflossen ist.
Es ist gewiß keine Übertreibung, wenn gesagt wird, daß
unsere Missionare Not leiden. Einer, der für eine Familie
von sieben Personen zu sorgen hat und vergeblich auf sein letzt⸗
monatliches Gehalt warten muß, schreibt: „Ich habe keinen
Cent mehr in der Tasche. ... Heute früh mußte ich meiner
Frau alles geben, was ich noch hatte, und muß nun zusehen,
wo ich etwas für Rorgen auftreiben kann. .. Ich weiß oft
nicht, wo ich das zum Leben Nötige hernehmen soll.“ Ein an⸗
derer, der schon zwei Monate vergeblich auf sein geringes
Salär wartet, der für sich, seine Frau und zwei Kinder zu
sorgen hat, bittet dringend um Zusendung des ihm Zugesag⸗
ten; „denn ich befinde mich mit meiner Familie in Not“. Noch
einer berichtet: „Ich habe bis fünfzig Meilen Fußreisen ge⸗
macht, dabei ohne einen Cent in der Tasche und ohne ein
Krümchen Brot.“ Er wartet seit zwei Monaten vergeblich auf
sein Gehalt. —

Das sind die ungeschminkten Tatsachen. Sie verschweigen,

dern auch an denen, in deren Dienst die Missionare stehen.
Und das sind, wie gesagt, die Chriften unserer Synode.

Nun wird vielleicht eingewandt: Wenn dem so ist und
ie Not so groß, warum borgt dann die Kommission nicht, bis
dessere Zeiten eintreten und die Kasse sich wieder füllt? Ja,

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IIIINr

Alle⸗

hieße nicht nur unrecht handeln an unsern Missionaren, son⸗

geborgt, sie hat viel geborgt, so oft und so viel, daß sie das
Herz nicht hat, noch mehr zu borgen, denn ihre Schuldverschrei⸗
bungen häufen sich fort und fort, während die erhofften besseren
Zeiten und die gefüllte Kasse ein frommer Wunsch bleiben.
Die monatlichen Anforderungen an die Missionskasse, seit die
Synode zu der Letten⸗ noch die Litauer⸗ und Polenmission hin⸗
zugenommen hat, belaufen sich auf etwa 8250.00. Seit der
Synode, also seit anfangs Mai, sind in die Kasse unsers Schatz⸗
meisters geflossen 000.00. Die Rechnung kann nun jeder leicht
machen, wie es um die Kasse steht und mit welchem Mut die
Kommission ans Weiterborgen denken kann.

Was ist zu tun? Nur eins: das Versäumte nachholen
und in Zukunft sich solcher Versäumnis nicht wieder schuldig
machen. Anders können wir als Christen nicht handeln. Wir
können nicht und wir wollen nicht vor Gott und der
Kirche und der Welt rühmen, daß wir Mission in vielen
Sprachen treiben, und dabei die, die wir in diese Missionen
senden, Hunger leiden lassen. Das soll, das darf nicht
geschehen. Das wird sicherlich auch die Herzensgesinnung eines
jeden sein, dem diese Zeilen zu Gesicht kommen.

Wohlan, ihr lieben Christen, die ihr also gesinnt seid,
handelt gemäß dieser Gesinnung. Gedenkt nun auch der
Esten⸗, Letten⸗, Litauer⸗ und Polenmission mit einer Gabe!
Dann wird die Klage verstummen, und der freudige Dank
unserer treuen Arbeiter wird euer reicher Lohn sein.

Im Namen der Kommission für Esten⸗, Letten⸗
Litauer⸗ und Polenmission
Boston, 1. August 1908. H. Birkner, Sekretär.

Zur kirchlichen Chronik.

Amerika.

Vom 19. bis zum 23. Juli hielt die Walther⸗Liga, ein Ver⸗
band von Jugendvereinen innerhalb der Synodalkonferenz, ihre
sechzehnte Jahresversammlung in der St. Matthäusgemeinde
(P. Walker) zu Cleveland, O. In sechs Sitzungen, die jedesmal
von einem Pastor mit Gottes Wort eröffnet und mit Gebet ge⸗
schlossen wurden, wurden wichtige und interessante Gegenstände
besprochen und nötige Beschlüsse gefaßt. Die Sitzungen waren
gut besucht, und den Verhandlungen wurde von seiten sämtlicher
Delegaten und Gäste lebhafte Teilnahme entgegengebracht. Im
Eröffnungsgottesdienst am Sonntagabend hielt P. Eckhardt die
Predigt und im Schlußgottesdienst in der St. Johanneskirche
(P. Wefel) predigte P. Weseloh, und P. Wefel hielt eine Abschieds⸗
rede. Die Liga zählt gegenwärtig 55 Vereine und 2721 Glieder.
Drei neue Vereine und ein beratendes Glied wurden aufgenom⸗
men. Lehrer F. A. Klein wurde einstimmig zum Präsidenten
wiedergewählt, Herr John Renn zum Setretär und Herr R. E.
Bräunlich zum Schatzmeister. Th. G. Hahn.
Was für kranke und altersschwache Pastoren und Lehrer in
unserer Synode getan wird, möchte man in andern Kreisen wissen.
Die Zahlen über das Jahr 1907, die uns zu Gebote stehen, sind
die folgenden: 50 Pastoren und Lehrer wurden unterstützt und
309 Pastoren⸗ und Lehrerwitwen und ⸗Waisen. Die Summe der
Ausgaben dieser Unterstützungskasse belief sich auf 830,480.14.
Dies würde für die einzelne Person 884.90 ergeben; doch ist
dabei zu beachten, daß die Waisen bei ihren Müttern sich befinden
und darum nur eine geringe Unterstützung erhalten. Immerhin
sollte die Unterstützung höher sein, und unsere Gemeinden dürfen

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