Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 11 › Seite 166

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. Mai 1912, Seite 166

165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176

Scan: Internet Archive item DerLutheraner68_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Pfingſten

⤓ Download .txt · copy text

166

sollte alles des, das er ihnen gesagt hatte, und ihn in ihren
Herzen verklären. Und der wurde eben zu Pfingsten über sie
ausgegossen. Da predigten sie dann die großen Taten Gottes,
nun lehrten sie Sünder den Weg zur Seligkeit, nun waren sie
unfehlbare, irrtumsfreie Lehrer der ganzen Christenheit. Sie
redeten „nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren
kann, sondern mit Worten, die der Heilige Geist lehret“,
1 Kor. 2, 13.

Es fehlte ihnen von Natur auch so ganz und gar an dem
nötigen Mut und der Kraft zu solchem schweren Amt. Wie
kleingläubig und verzagt waren sie, während der SErr noch
bei ihnen war! Und wie sollte das erst werden, wenn er von
ihnen genommen würde? Wenn Not und Gefahr an den Mann
kam, dann flohen sie und ließen sogar ihre Kleider im Stich
und saßen acht Tage lang bei verschlossenen Türen. Der unter
ihnen der beherzteste sein wollte, der das Wort der Warnung
gar nicht leiden konnte, der für den HErrn sein Leben lassen
und mit dem Schwert dreinschlagen wollte, dem wurde der Mut
so klein, daß er vor einer Magd verleugnete und sagte: „Ich
kenne des Menschen nicht.“ Und nun sollte die Gefahr erst
recht angehen. Sie sollten nicht sich versteckt halten, sondern
hervor in alle Welt. Und das mit einer Botschaft, die die
ganze Kreatur von Natur nicht hören will, die den Juden ein
Argernis und den Griechen eine Torheit ist. Der HErr hatte
ihnen gesagt: „Ich sende euch wie Schafe mitten unter die
Wölfe. Ihr müßt gehaßt sein von jedermann um meines
Namens willen. Sie werden euch in den Bann tun. Es kommt
aber die Zeit, daß, wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott
einen Dienst daran.“ Da hatte er diesen gebrechlichen Gefäßen
gesagt: „Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnet's jetzt
nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit,
kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten“, Joh. 16,
12. 13. „Wenn sie euch nun überantworten werden, so sorget
nicht, wie oder was ihr reden sollt; denn es soll euch zu der
Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt. Denn ihr seid
es nicht, die da reden, sondern eures Vaters Geist ist es, der
durch euch redet“, Matth. 10, 19. 20.
des Heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen
wird“, Apost. 1, 8. Das geschah zu Pfingsten. Da wurden sie
ausgerüstet mit Kraft aus der Höhe. Nun sitzen sie nicht mehr
bei verschlossenen Türen, sondern treten hervor und predigen.
Und was denn? Das den Juden und Heiden verhaßte Evan⸗
gelium von Christo. Sie sagen keinem Menschen Schmeiche⸗
leien, sondern predigen ernste Buße, zerschlagen alle eigene
Gerechtigkeit und Weisheit, machen alles zu armen Sündern
und bieten ihnen die Gnade Gottes in Christo an. Sie sagen
den Christusmördern ins Angesicht: „IEsum, den Mann von
Gott, habt ihr an ein Holz gehänget und erwürget. Den hat
Gott auferwecket. Und ist in keinem andern Heil, ist auch kein
anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig
werden“, Apost. 4, 12. Wenn ihr selig werden wollt, dann
müßt ihr bußfertig und gläubig zu seinem Kreuze kriechen.
Und dreitausend fallen ihnen an einem Tage zu. Menschen⸗
furcht kannten sie nicht mehr. Verbot der Hohe Rat mit dem
Hohenpriester an der Spitze die Predigt von IEsu, sie waren
um eine Antwort nicht verlegen: „Richtet ihr selbst, ob's vor
Gott recht sei, daß wir euch niehr gehorchen denn Gott. Wir
können's ja nicht lassen, daß wir nicht reden sollten, was wir
gesehen und gehöret haben“, Apost. 4, 19. 20. Schlägt man

„Ihr werdet die Kraft

sie blutig, dann „gehen sie fröhlich von des Rats Angesicht, daß
sie würdig gewesen waren, um seines Namens willen Schmach
zu leiden“, Apost. 5, 41.

So wurden die Apostel zu Pfingsten zu ihrem Amte aus⸗
gerüstet; sie wurden mit dem nötigen Mut und der nötigen
Erkenntnis begabt. Und davon haben wir und hat die ganze
Christenheit bis an den Jüngsten Tag Segen und Nutzen.
Denn die Kirche ist gegründet auf den Grund der Apostel und
Propheten, Eph. 2, 20. Die Apostel predigten ja nicht bloß
der bestürzten Menge in Jerusalem aus allerlei Volk, das unter
dem Himmel ist, sondern sie zogen aus in alle Welt, predigten
Juden und Heiden, erfüllten den Erdkreis mit der Predigt
von Christo und bauten und gründeten die christliche Kirche in
aller Welt. Und nicht nur mündlich haben sie bis an ihr
Lebensende die Christenheit gelehrt, sondern in ihren Schriften
lehren sie die Christenheit bis an den Jüngsten Tag. Die
Christenheit bis ans Ende der Tage sind lauter solche Leute,
die durch der Apostel Predigt an Christum glauben, Joh. 17, 20.

Aber nicht nur das. Wir sollen auch, wie die Apostel,
der Gabe des Heiligen Geistes teilhaftig werden. Da wurden
gleichsam Schleusen geöffnet, aus denen der Heilige Geist zu
allen Zeiten strömt. Die Apostel sagen den Leuten zu Pfingsten
nicht: Das, was ihr hier seht und hört, gilt uns allein, die
wir eben Apostel sind. In seiner folgenden Predigt sagt viel⸗
mehr Petrus den Leuten: „Das ist's, das durch den Propheten
Joel zuvor gesagt ist: Und es soll geschehen in den letzten
Tagen, spricht Gott, ich will ausgießen von meinem Geist auf
alles Fleisch“, Apost. 2, 16. 17. Und er sagt ihnen für
ihre Person das zu: „Tut Buße, und lasse sich ein jeglicher

taufen auf den Namen JEsu Christi zur Vergebung der Sün⸗

den, so werdet ihr empfahen die Gabe des Heiligen Geistes.
Denn euer und eurer Kinder ist diese Verheißung und aller,
die ferne sind, welche Gott, unser HErr, herzurufen wird“,
Apost. 2, 38. 39. Auch unser ist diese Verheißung. Der Hei⸗
lige Geist soll auch uns in alle Wahrheit leiten, Christum in
uns verklären. Wir bekennen: „Der Heilige Geist hat mich

durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, *

im rechten Glauben geheiligt und erhalten.“ Und das tut er
der ganzen Christenheit auf Erden. „Niemand kann JEsum
einen HErrn heißen ohne durch den Heiligen Geist“, 1 Kor.
12, 3.

Röm. 8, 9. Aber mit dem Heiligen Geiste sind wir wohl
daran. Er stärkt und erhält uns im Glauben und versichert.

uns unserer Gotteskindschaft und der ewigen Seligkeit.
welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder.

„Denn
Denn

ihr habt nicht einen knechtlichen Geist empfangen, daß ihr euch

abermal fürchtet müßtet, sondern ihr habt einen kindlichen
Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater!
Derselbige Geist gibt Zeugnis unserni Geist, daß wir Gottes
Kinder sind“, Röm. 8, 14—16. Deswegen nennt die Schrist

den Heiligen Geist ein Pfand, ein Pfand des Erbes und
der Seligkeit. Gott hat uns versiegelt und in unsere Herzen
das Pfand, den Geist, gegeben, 2 Kor. 1, 22. In allen
Schwachheiten und Anfechtungen tröstet, stärkt und erquickt uns
der Heilige Geist. Und wenn unser Glaubensmut so klein
werden will, daß wir keine Worte des Gebets recht finden
können, dann lehrt er uns recht gläubig beten, er schreit in

unsern Herzen und vertritt uns mit seinem Seufzen, wie die 3 ö

Schrift das sagt: „Desselbigengleichen auch der Geist hilft

„Wer Christus' Geist nicht hat, der ist nicht sein“,

English translation

Not yet translated.