Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 11 › Seite 173
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. Mai 1912, Seite 173
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treiben, und so sie etwas Tödliches trinken, wird's ihnen nicht
schaden“. Wir haben noch nie gehört, daß einer aus diesen
Zeichen eine Spezialität gemacht hätte. Man geht lieber auf
den armen Kranken los. Vielleicht bezahlt sich das besser.
E. P.
Ausland.
Des Papstes Namen und Titel. Im Jahrbuch der Papst⸗
sekte für das Jahr 1912 werden dem Papst unter andern die
folgenden Titel gegeben: „Bischof von Rom, Stellvertreter Christi,
Papst der allgemeinen Kirche, Souverän aller römisch-katholischen
Herrscher und Länder“ usw. Anders lauten die Namen und
Titel, die die Schrift dem Papst beilegt. Nach der Schrift ist
der Papst „der Mensch der Sünde und das Kind des Verderbens,
der da ist ein Widerwärtiger und sich überhebet über alles, das
Gott oder Gottesdienst heißt, also daß er sich setzt in den Tempel
Gottes als ein Gott und gibt sich vor, er sei Gott. Welches
Zukunft geschieht nach der Wirkung des Satans mit allerlei
lügenhaftigen Kräften und Zeichen und Wundern und mit aller⸗
lei Verführung zur Ungerechtigkeit unter denen, die verloren
werden“, 2 Thess. 2, 3. 4. 9. 10. Auch sollen wir in unserer
Zeit wohl darauf achten, wie auf Grund der Schrift das luthe⸗
rische Bekenntnis den Papst beschreibt: „Dies Stück“ — daß
der Papst der Oberste sein will in der Kirche — „zeiget gewal⸗
tiglich, daß er der rechte Endechrist oder Widerchrist sei, der sich
über und wider Christum gesetzt und erhöhet hat, weil er will die
Christen nicht lassen selig sein ohne sein' Gewalt, welche doch
nichts ist, von Gott nicht geordnet noch geboten. Das heißt
eigentlich über Gott und wider Gott sich setzen, wie St. Paulus
sagt 2 Thess. 2. Solches tut dennoch der Türk' noch Tatar nicht,
wie große Feinde sie der Christen sind. . .. Des Papstes Lehre,
wo sie am besten ist, lehret weltliche Händel und Gerichte.
Danach lehret sie Zeremonien von Kirchen, Kleidern, Spei⸗
sen, Personen und des Kinderspiels, Larven und Narrenwerks
ohne Maße, aber in diesem allem gar nichts von Christo“ (näm⸗
„lich daß er unser einziger Heiland sei), „Glauben und Gottes
Geboten. Zuletzt ist nichts denn eitel Teufel, da er seine Lügen
von Messen, Fegfeuer, Klösterei, eigen Werk und
Gottesdienst — welches denn das rechte Papsttum ist —
treibet über und wider Gott, verdammt, tötet und plaget alle
Christen“ (wo er die Macht dazu hat), „so solchen seinen Greuel
nicht über alles heben und ehren. Darun sowenig wir den Teufel
selbst für einen Herrn oder Gott anbeten können, so wenig können
wir auch seinen Apostel, den Papst oder Endechrist, in feinem
Regiment zum Haupt oder Herrn leiden. Denn Lügen und Mord,
Leib und Seel' zu verderben ewiglich, das ist sein päpstlich Regi⸗
ment eigentlich. .. . Darum müssen wir nicht seine Füße küssen
oder sagen: Ihr seid mein gnädiger Herr! sondern wie im
Sacharja (3, 2) der Engel zum Teufel sprach: trafe dich
Gott, Satan!?“ (Schmalk. Artikel, S. 308 f.) F. P.
Den sächsischen Volksschullehrern, die den Katechismus und
die biblische Geschichte aus der Schule geschafft und einen „moder⸗
nen“ Religionsunterricht eingeführt haben wollten, hat sich der
Kultusminister energisch entgegengestellt. Ein deutsches Kirchen⸗
blatt schreibt: „Der sächsische Kultusminister Dr. Beck hat sich
durch das Toben der Volksschullehrer nichts vormachen lassen,
sondern im Landtage aufs bestimmteste erklärt, daß er nun und
nimmermehr einen solchen „verschwommenen Religionsunterricht',
wie ihn die Lehrerschaft hie und da gefordert hat, zulassen werde,
daß er vielmehr an dem konfessionellen Religionsunterricht fest⸗
halte, und daß jeder Lehrer, der eine andere Religion lehren wolle,
für ihn nicht mehr zu haben sei, also sein Amt niederlegen müsse.
1 Er wandte sich auch auͤfs entschiedenste gegen die Redensarten von
den gesicherten Ergebnissen der Wissenschaft und von der Gesinnung
Christi, mit denen der Religionsunterricht nicht in Widerspruch
stehen dürfe, oder die er vor allem in den Kindern wecken müsse,
und wies nach, daß die Gesinnung IEsu doch nur aus der Bibel
erkannt werden könne, und daß IEsus, wenn er nicht wirklich
der sei, als den er sich selbst bezeugt habe, nämlich der einge⸗
borne Sohn des Vaters, dann auch nicht in seiner Gesinnung
unser Vorbild sein könne. Eine Stelle aus den köstlichen Reden
des Ministers möchten wir wenigstens mitteilen. Nachdem er von
den berechtigten pädagogischen Grundsätzen, auf die selbstverständ⸗
lich auch der Religionsunterricht aufgebaut werden müsse, ge⸗
sprochen hatte, fuhr er unter lebhafter Zustimmung der Rechten
sort: „Aber Kern und Stern des Religionsunterrichts muß doch
das Evangelium von JEsu Christo bleiben, und es muß dahin
gewirkt werden, daß nicht ein innerer Widerspruch in der Kindes⸗
seele zwischen dem Inhalte des Religionsunterrichts in der Schule
und dem Inhalte des Gottesdienstes in der Kirche entsteht. Was
soll aus unsern Kindern werden, wenn sie am Sonnabend in der
Schule einen Religionsunterricht erhalten würden, der das volle
Gegenteil von dem bedeutet, was am Sonntag, wenn die Kinder
mit ihren Eltern in die Kirche oder wenn sie in den Kindergottes⸗
dienst gehen, dort gelehrt wird? Unsere Kinder würden, wenn
sie in dem Innersten und Heiligsten, was sie im Leben brauchen,
nicht sicher sind, auf das Meer des Lebens hinausgetrieben wie
ein Boot ohne Steuer und müßten untergehen. Die Kinder sind
nicht der Schule wegen, sondern die Schule ist der Kinder wegen da.
Wir müssen verlangen, daß unsere Kinder, in denen die Eltern
ihr Bestes der Schule anvertrauen, und zwar nicht nur freiwillig,
sondern anvertrauen müssen, nicht zu Versuchsobjekten genommen
werden, um theologische Streitfragen, die innerhalb des Lehrer⸗
standes zum Austrage kommen mögen, in der Schule zu be⸗
handeln. Das geht nicht.““
Folgendes schöne Lob der gegenwärtigen Königin von Eng⸗
land finden wir in einem deutschen Blatt: „Aus England kommt
die erfreuliche Nachricht, daß an Londoner Hofe seit dem Tage,
an dem Eduard VII. die Augen schloß und sein Sohn Georg V.
König wurde, eine neue Zeit angebrochen ist, eine Zeit, die eine
Rückkehr zu den einfachen Sitten und dem ernsten Tone bedeutet,
die während der langen Regierung dex Königin Viktoria im
Buckingham⸗Palaste herrschten. Der Umschwung ist namentlich
auf die Königin Mary zurückzuführen, die eine tiefe Abneigung
gegen jede Frivolität und Leichtfertigkeit empfindet. Sie hat
manche schöne Frau, deren Ruf nicht als unantastbar galt, von
der Liste der Hoffeste streichen lassen. Sie hat den Damen ihrer
Umgebung das Tragen der modernen enganliegenden Kleider ver⸗
boten, und keine Frau, die von ihrem Manne geschieden wurde,
darf vor ihr Antlitz treten. Jetzt wendet sich die Königin Mary
gegen die bedenklichen modernen Tänze, die sich in den Londoner
Salons einzubürgern begannen; sie hat keinen Zweifel darüber
gelassen, daß diese neuen Tanzarten ihr gründlich zuwider sind,
und ausdrücklich verboten, daß ihre Kinder sie lernen.“ — Auch
in einem hiesigen weltlichen Blatt lasen wir von ihr, daß sie an
erster Stelle Hausfrau ist und Mutter ihrer Kinder. Welch ein
garstiges Bild sind dagegen die modernen unhäuslichen, kinder⸗
losen, hundeliebenden Zierpuppen und Kleidernarren oder die
Reden haltenden, Weiberrechte fordernden, Fenster zerschmettern⸗
den unweiblichen Weiber! E. P.
Das Fünklein.
Hofprediger Keßler, der bekannte Erzieher der kaiserlichen
Prinzen, erzählte folgende Begebenheit aus einem Aufenthalt in
London. Als er eines Tages mit einigen Freunden durch eine
Straße ging, die entlang der Themse führte, gewahrte er mit
einem Male einen Menschenauflauf, und als er sich auch herzu⸗
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