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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. Mai 1912, Seite 176

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften. 4„99

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Und ich sahe einen Engel 5

iegen mitien durch den CE
himmel, der hatte ein ewig

Cvangelium, zu verkündigen
denen, die auf Erden sihen
und wohnen, und allen Hei-
den, und Otschlechtern, und
prachen, und Välkern, und
sprach mit großer Slimme:
Liirchter Gott, und gebet

ihm die Ehre; denn die Zeit. HU
seines Gerichts ist ommien,
und betel an den, der gemacht
hat Bimmel, und Erder und
Aeer, und die Wasser⸗
brunnen. Ofsb. Joh. 14, 6. 7.
EEE —

SSSSSIE‚‚

Herausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missonri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkolleginm des theologischen Seminars in St. Lonis.

68. Jahrgang. St. Louis,

Mo., den

11. Zuni 1912.

Gottes Wort und Luthers Lehr'.

IV.

Wir haben ausgeführt, daß wir mit dem bekannten Vers⸗
lein nicht Luthers Wort über oder neben Gottes Wort stellen
wollen, sondern, wie alles, unter Gottes Wort, ja daß wir
damit vielmehr sagen wollen: Luther hat gar kein eigenes
Wort und eigene Lehre; seine Lehre ist die Lehre des Wortes
Gottes; sie ist Gottes Wort, weil sie aus der Schrift genom⸗
men ist, die Gottes Wort ist. So sagen wir von Luthers Lehre,
der Lehre der Schrift, dasselbe, was wir von der Schrift sagen.
Es wäre ja reine Tollheit, wenn jemand sagen wollte: Gottes
Wort vergeht nicht, aber von der Lehre des Wortes Gottes
kann man das nicht sagen.

Da könnte einer noch fragen: Warum sagen wir das ge⸗
rade von Luthers Lehre? Wenn Luthers Lehre deswegen
Gottes Wort ist, weil sie der Schrift entnommene Lehre ist,
kann man das dann nicht auch von jedem reinen Lehrer sagen?
Allerdings kann und soll man das. Jeder rechte Prediger, der
bei seiner Predigt ein gutes Gewissen hat, muß sagen können:
Ich predige meiner Gemeinde Gottes Wort, meine Predigt ist
Gottes Wort, meine Lehre und Predigt macht Leute selig,
Gottes Wort und meine Lehre und Predigt, oder, was dasselbe
ist: die Lehre des Wortes Gottes, die ich predige, vergeht nun
und nimmermehr. Ein Prediger, der nicht so von seiner Pre⸗
digt sagen kann, soll sich lieber eine andere Beschäftigung suchen.
Luther drückt das einmal so aus: „Ein Prediger muß mit
Jeremia sagen und rühmen: SErr, du weißest, daß, was aus
meinem Munde gangen ist, das ist recht und dir gefällig; ja
mit St. Paulo, allen Aposteln und Propheten trotziglich sagen:
Das hat Gott selbst gesagt. Ich bin ein Apostel und Prophet
JEsu Christi gewesen in dieser Predigt. Hier ist nicht not,
ja nicht gut, Vergebung der Sünde zu bitten, als wäre es un⸗
recht gelehret; denn es ist Gottes und nicht mein Wort, das
mir Gott nicht vergeben soll noch kann, sondern bestätigen,
loben, krönen und sagen: Du hast recht gelehret, denn ich habe

durch dich geredet, und das Wort ist mein. Wer solches nicht
rühmen kann von seiner Predigt, der lasse das Predigen nur
anstehen; denn er leuget gewißlich und lästert Gott.“ Bei
einem solchen Prediger dürften die Zuhörer nicht zu Anfang
des Gottesdienstes singen:
Liebster IEsu, wir sind hier,
Dich und dein Wort anzuhören.
Vor einer solchen Predigt wäre es sinnlos zu singen:
HErr, öffne mir die Herzenstür,
Zeuch mein Herz durch dein Wort zu dir!
Und wenn die Gemeinde zum Schluß singen wollte:
Amen, wir hab'n gehöret,
Was uns Gott hat gelehret;
Der Heil'ge Geist von oben
Versiegl' es in uns. Amen,
dann müßte ja ein solcher Prediger vor Scham und Schrecken
davonlaufen, wenn er nicht ein elender Mietling ist, der sich
nur mit dem Gedanken beschäftigt, wie lange es noch ist, bis
der nächste Gehalt kommt.

Allerdings, Lehre des Wortes Gottes, aus der Schrift
geschöpfte Lehre ist Gottes Wort, mag es predigen, wer will.
Das ist ein Gedanke, den gerade Luther oft ausspricht. Er
sagt zum Beispiel: „Es ist ja sein und nicht unser Wort. So
will er, daß auch wir allein auf das Wort sehen, er rede es,
wie oder wo er wolle.“ (III, 412.) „Gott nimmt jetzt einen
Engel, bald Petrum oder Magdalenen oder auch irgends wohl
einen Esel, wie mit dem Bileam geschah, durch welche er sein
Wort redet.“ (726.) Luther war weit davon entfernt zu
glauben, daß nur er Gottes Wort lehren könne. Das würde
ihn sehr betrübt haben, wenn es so wäre. Mit Freuden er⸗
kannte er vielmehr auch in anderer reinen Lehrer — natürlich
nur solcher — Lehre, Predigten und Büchern Gottes Wort an.
Ja in seiner Demut zog er anderer Männer Bücher den seinen
vor und wünschte, daß seine Bücher untergingen. In einer

Empfehlung eines Buches von Melanchthon schreibt er: „Ich

habe zwar selbst solche Magistri Philipps Bücher lieber denn

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