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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Juli 1912, Seite 213

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Und ich sahe einen Engel
iegen mitlen durch den
Himmel, der hatte ein ewig
Cuangelium, zu verkündigen
denen, die auf Erden siten
und wohnen, und allen Hei-
den, und Stschlechlern, und
Sprachen, und Völkern, und
sprach mit großer Klinmne:
Lürchter Gott, und gebet J

ilmn die Chre; denn die Stit.

stines Gerichts ist Konimien,
und belet an den, der gemacht
hat Himmel, und Erde, und
Meer, und die Wasser⸗
brunnen. Ossb. Joh. 14, 6.7.

2=.·..—

Herausgegeben von der Zeutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Lonis.

Nr. 14.

68. Jahrgang.

Hl. Louis, Mo., den 9. Zuli 1912.

Gottes Wort und Luthers Lehr'.

V.

Nun ist noch ein Grund möglich, aus dem ein Christ sich
an dem Sprüchlein von „Gottes Wort und Luthers Lehr'“
stoßen kann. Und der wird es in den meisten Fällen wohl sein.
Ja, es wäre sonderbar, wenn auch lutherische Christen nicht
oft davon angesteckt würden, weil es gleichsam in der Luft
liegt. Das ist der Unionismus und Indifferentismus, das
heißt, die Gleichgültigkeit gegen die reine Lehre. Man mag
das gar nicht hören, wenn Leute ihrer Lehre gewiß sind und
sagen: Wir haben die reine Lehre. Das gilt als Eigenlob,
Selbstüberhebung, Dünkel. Noch weniger mag man hören,
daß man von der Gegenlehre sagt: Das ist falsche Lehre; die
Leute, die sie führen, sind falschgläubige Kirchen. Das hält
man für Lieblosigkeit, Stolz, verbotenes Richten und Verdam⸗
men und wer weiß was. Man findet es natürlich und mensch⸗
lich, wenn gestritten wird um äußere Dinge, wo es sich um
Geld, Gewalt, Machtstellung und Ehre handelt; aber Streiten
über die Lehre, darüber sei unsere Zeit hinaus, das gehöre
ins Mittelalter. Man solle liberal sein, das heißt, es mit
der Lehre nicht genau nehmen, um Lehrunterschiede nichts
geben. Man soll jeden lehren und glauben lassen, was er will,
und bei bestehenden Unterschieden in der Lehre sollen die
Kirchen sich äußerlich vereinigen. Je liberaler einer ist, desto
populärer ist er natürlich bei der ungläubigen Welt. Diese
Gleichgültigkeit in der Lehre ist eine förmliche Mode und Seuche
geworden. Darüber sollen Christen nicht geistlicherweise ihren
Verstand verlieren. Sie sollen auch darin sich von Gottes
Wort leiten lassen.

Was ist nun da die richtige Anschauung? Gibt es eine
reine, gewisse Lehre? O ja, und die ist sehr rein und sehr
gewiß. Gott selbst hat nämlich den Menschen sein Wort ge⸗
geben, und der Sohn Gottes selbst sagt betend zum Vater:
„Dein Wort ist die Wahrheit“, Joh. 17, 17. „Das Zeugnis

des HErrn ist gewiß“, Ps. 19, 8. Kann man aber auch die
Schrift verstehen, darin die Wahrheit finden und ihrer gewiß
sein? Ja, wenn es wahr ist, was die Schrift selber sagt, daß
sie ein Licht und eine Leuchte sei, daß sie unterweisen könne zur
Seligkeit, 2 Tim. 3, 16; wenn es wahr ist, was der Psaln sagt:
„Das Zeugnis des SErrn ist gewiß und niacht die Albernen
weise“, Ps. 19, 8. Die Frage hat der Sohn Gottes doch wohl
entschieden, wenn er sagt: „So ihr bleiben werdet an meiner
Rede, so seid ihr meine rechten Jünger und werdet die Wahr⸗
heit erkennen“, Joh. 8, 31.

Wie wird man der Wahrheit gewiß? Durch fleißiges
Umgehen mit der Wahrheit, daß man es macht wie jene Be⸗
roenser, von denen es heißt: „Die nahmen das Wort auf ganz
williglich und forschten täglich in der Schrift, ob sich's also
hielte“, Apost. 17, 11. Wo gibt es also rechte, reine Lehre?
„Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehret wird.“ Wer
lehrt falsch? „Wer aber anders lehret, denn das Wort Gottes
lehret.“ „So jemand anders lehret und bleibet nicht
bei den heilsamen Worten unsers HErrn JEsu Christi und bei
der Lehre von der Gottseligkeit“, 1 Tim. 6, 3.

Zeugt das von Hochmut und Dünkel, wenn jemand sagt:
Wir haben die rechte Lehre? Wenn es keine Bibel gäbe, ja.
Wenn wir die Lehre von Gott selbst erdenken und suchen müßten,
dann wäre es unleidlicher Hochmut, wenn jemand sagen würde:
Ich allein hab's gefunden, ihr andern seid alle im Irrtum.
Aber wenn Gott uns sein Wort gibt und uns dabei sagt: Das
ist klar, das kann man verstehen, daraus werdet ihr die Wahr⸗
heit erkennen, was soll denn daran Dünkel sein, wenn jemand,
der dies Wort lernt und sich vom Wort lehren läßt, sagt: Ich
habe die Wahrheit erkannt? Ist es da löbenswerte Bescheiden⸗
heit, daß man seines Glaubens und seiner Lehre nie gewiß ist,
ja daran verzweifelt, je gewiß zu werden? Die Heilige Schrift
redet von solchen Leuten, die „lernen inimerdar und können
nimmer zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“, 2 Tim. 3, 7;
aber damit will sie den Leuten kein Lob erteilen. Wir wissen

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