Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 14 › Seite 220
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Juli 1912, Seite 220
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sozialismus
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—.
Synodalkasse haben sich ja auch im Vergleich zu früher geniehrt.
Aber sie reichen noch nicht aus. Auch haben die Gemeindever⸗
treter bei der letzten Delegatensynode Ausgaben, die früher auf
andere Weise bestritten wurden, der Synodalkasse zugewiesen.
Es sollten daher alle Gemeinden zu der ursprünglichen Ord—
nung zurückkehren und regelmäßige Beiträge für die Syno⸗
dalkasse einführen. Nach kürzerer oder längerer Darlegung und
Besprechung der Sachlage werden sicherlich alle Gemeinden willig
dazu sein. Es heißt in einem der uns zugesandten Zirkulare:
„Auf die Frage, wie eine Gemeinde ihren Synodalbeitrag auf⸗
bringen könne, antwortet ja unsere Synode: „Es bleibt jeder Ge⸗
meinde natürlich überlassen, auf welche Weise sie dies tun wolle.“
Auf Wunsch sei jedoch hier mitgeteilt, daß eine Gemeinde dies
etwa auf folgende Weise tun könne: 1. indem sie ein wöchentliches
oder monatliches Kuvertsystem für auswärtige Zwecke einführt,
oder 2. indem sie die wöchentlichen Sonntagskollekten dazu ver⸗
wendet, oder 3. indem sie besondere Kollektoren anstellt, die monat⸗
lich für Synodalzwecke kollektieren, oder 4. indem sie ihren Syno⸗
dalbeitrag aus der Gemeindekasse nimmt.“ Die zuletzt ange⸗
führte Weise gefiel unsern Vätern ganz besonders, weil dadurch
klar zum Ausdruck kommt, daß die Gemeinden die von ihnen ins
Amt Gestellten auch versorgen wollen. Mehrere Gemeinden haben
bereits diese Ordnung eingeführt. F. P.
Zwei unserer Anstalten schlossen das Schuljahr mit einem
Todesfall. In Springfield starb der Kandidat Wilhelm Nickel,
und in Milwaukee ertrank am letzten Tage der Primaner Albert
Schirm. Bei solchem Walten Gottes zu einer Zeit, wo die Chri⸗
sten schreien nach Arbeitern in der Ernte des HErrn, und wo die
Kirche sich freut auf jeden Arbeiter, der bald in die Arbeit ein⸗
zutreten fähig ist, müssen wir ausrufen: „Fürwahr, du bist ein
verborgener Gott“, aber auch hinzusetzen: „du Gott Israels, der
Heiland“. Sein ist das Reich, nicht unser. Er tröste die so schwer
getroffenen Eltern und gebe seiner Kirche Arbeiter, die andere
selig machen und sich selbst. E. P.
Aus der Synodalkonferenz. Das „Gemeindeblatt“ berichtet:
„Nach den in diesen Tagen erschienenen Katalogen der höheren
Lehranstalten in unserer Allgemeinen Synode von Wisconsin,
Minnesota, Michigan u. a. St. wurden diese Anstalten im letzten
Jahre von 407 Schülern besucht. Davon entfallen auf Saginaw
18, auf New Ulm 122, auf Wauwatosa 63 und auf Water⸗
town 204.“ In der Anstalt zu New Ulm feierte Prof. J. E.
Sperling sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum. In der Gyninasial⸗
abteilung der Anstalt zu Watertown graduierten 14 Schüler.
Die Minnesotasynode war dieses Jahr in St. Paul versammelt.
Gegenstand der Lehrverhandlungen war: „Die Sorge für die
konfirmierte Jugend.“ Zum Präses wurde P. Justus Naumann
gewählt. F. P.
Zum Eifer in der Mission drängt Gott uns in jeder Weise.
James Bryce, der englische Gesandte an die Vereinigten Staaten,
sagt in einem Artikel: „Eindrücke eines Reisenden unter nicht⸗
christlichen Völkern“: die gegenwärtige Zeit sei für diese Völker
die allerernsteste. Unsere abendländische Zivilisation dringe über⸗
all vor zu allen Völkern. Die heutigen schnellen Verkehrsmittel
brächten Abendländer in jeden Erdenwinkel. In den nächsten
fünfzig Jahren würde unsere Zivilisation die Gebräuche und
Sitten der barbarischen und halbzivilisierten Völker aus der Welt
geschafft haben, und damit würde auch ihr heidnischer Götter⸗
glaube und ihre Religionslehre, die sie in sittlicher Beziehung
doch einigermaßen im Zaum gehalten habe, dahinfallen. Da
müsse ihnen unbedingt als Ersatz eine bessere Religion gebracht
werden, sonst würden sie sittlich schlimmer, als sie jetzt seien. So
legt Gott uns die Heiden gerade vor die Tür, fügt und lenkt die
äußeren Umstände so, daß wir fast nicht umhinkönnen, das Evan⸗
gelinm in alle Welt hinauszutragen. Wem fällt dabei nicht das
Wort Christi ein (Matth. 24, 14): „Es wird gepredigt werden
das Evangelium vonr Reich in der ganzen Welt zu einem Zeug⸗
nis über alle Völker; und dann wird das Ende kommen“?
Die Amerikanische Bibelgesellschaft hat kürzlich in einer
Woche eine Sendung von Bibeln in der spauischen und portu⸗
giesischen und in mehreren Indianersprachen im Gewichte von
sieben Tonnen nach Südamerika geschickt. Die massenhafte Ver⸗
breitung der Bibel ist ein gutes Ding und geht gewiß nicht ohne
Segen ab. Wenn nur alle Kirchen ganz und voll zur Bibel und
auf und hinter der Bibel stünden! E. P.
Wir lasen kürzlich von einer Gemeinde in Wakefield, Nebr.,
die von April 1910 bis April 1911 ohne Pastor war, weil sie
beschlossen hatte, daß sie keinen Pastor wollte, der über fünfzig
Jahre alt sei. Schließlich baten sie einen 72 Jahre alten Mann,
ihnen zeitweilig zu dienen, und im September wurde er dauernd
berufen. Seit der Zeit sind in der Gemeinde über §6000.00 ge⸗
sammelt worden zur Verschönerung der Kirche, und vierzig neue
Glieder wurden aufgenommen. Der Pastor predigte während
der Fastenzeit jeden Tag außer am Samstag. Die Genieinde
wird aus der Geschichte wohl etwas für die Zukunft gelernt haben.
E. P.
Eine wundertätige Heilige. In New York befindet sich eine
römische Kirche, die der „heiligen Rita, der Heiligen des Un⸗
möglichen“, geweiht ist. Jeden Dienstag ist da ein großes Ge⸗
dränge von Katholiken, die Heilung oder sonst eine Gunst sich
erbitten. Es wird da eine Reliquie, ein Stück Knochen von der
Heiligen, aufbewahrt. Sie soll um 1386 geboren sein und wurde
1900 vom Papst zu einer Heiligen erhoben. Sie bekehrte ihren
ungläubigen Gatten. Als der ermordet wurde, wollten ihre zwei
Söhne ihres Vaters Mord rächen. Aber die Heilige betete zu
Gott, er möge sie lieber beide sterben lassen, als daß sie ihre
Hände mit Blut befleckten. So geschah es denn auch. Sie tat
in ihrem Leben viele Wunder. Als sie starb, behielt sie noch auf
längere Zeit ihre schönen Gesichtszüge und ⸗farbe. Und bis heute
soll ihr Leib unverwest sein und in dem Augustiner Nonnen⸗
kloster, wo er begraben liegt, einen lieblichen Geruch verbreiten.
Von ihrer Kindheit an hatte sie Bienen, die immer bei ihr
waren. Als sie starb, flogen diese um ihre Leiche herum. Papst
Urban VII. ließ sich eine dieser Bienen nach Rom bringen; aber
die flog in wenigen Stunden nach Cascia zurück. Diese Bienen
waren erst weiß und wurden dann gelb. Sie haben keinen Stachel
und machen keinen Honig. Sie paaren sich auch nicht und wohnen
in einem Stock, der die Gestalt einer Dorne hat. — Diese Bienen
sind also auch Mönche und Nonnen, haben auch das mit ihren
zweibeinigen Genossen gemein, daß sie keinen Honig machen,
Drohnen sind, ein faules Leben führen.
werden in unserer erleuchteten Zeit in weltlichen Zeitungen lang
und breit berichtet. Die alten römischen Fabeln und Märchen!
Ein gewesener Sozialist über den Sozialismus. In Buffalo
hielt kürzlich David Goldstein, der vordem ein hervorragender
Sozialist war, einen Vortrag, in dem er den widerchristlichen
Geist des Sozialismus kennzeichnete. Er sagte: „Niemand kann
zugleich ein Christ und ein Sozialist sein. Trotz aller heuchleri⸗
schen Verhüllungen zum Zweck, Kirchenglieder in ihre Reihen
zu locken, können die Sozialisten doch die Tatsache nicht ganz
berbergen, daß ihre Lehren sich in diametralein Gegensatz zu der
Religion befinden. Der Sozialismus hat zum Ziel, alle be⸗
stehenden Einrichtungen, sowohl bürgerliche als kirchliche, vom
Erdboden zu vertilgen. Die Taktiken der Sozialisten sind nicht
schwer zu verstehen, wenn man weiß, was das eigentliche Glau⸗
bensbekenntnis des Sozialisten ist. „Die Religion“, heißt es, ‚ist
nur ein kapitalistischer Knüppel, womit das Volk niedergehalten
wird.“ Was bedeutet dies? Es bedeutet, daß, wenn der Sozialis⸗
mus zur Machtentfaltung käme, er alle religiösen Einrichtungen,
Solche Geschichten x
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