Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 14 › Seite 221
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Juli 1912, Seite 221
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften. 4„99 · Sozialismus
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er „TutheranesS
namentlich auch die Heiligkeit der Eheordnung, zerstören würde.
Freie Liebe, eine der Kardinallehren des Sozialismus, würde
eingeführt werden. Aber hier tritt die Schalkheit und Zwei⸗
züngigkeit der Sozialisten ans Tageslicht. Trotz der Lehre, daß
die Religion und die Ehe abgetan werden müssen; trotz der Tat⸗
sache, daß die maßgebenden Werke sozialistischer Literatur diese
Lehre bekennen; trotzdem in ihren Versammlungen die Glieder
der Partei dieser Lehre lauten Beifall spenden, halten sie doch ihre
wahren Ansichten über Religion und über die Ehe vorsichtig zurück,
wenn sie eine politische Plattform aufstellen, oder wenn sie vor
Leuten reden, die sie erst gewinnen wollen. Offentlich in ihren
Versammlungen haben sie die Handlungsweise gutgeheißen, einen
Teil ihrer Lehren zu verschweigen; denn sie wissen, wenn sie
alles klar darlegten, würde nie ein Christ sich mit dem Sozialis⸗
mus bemengen.“ — An der Lauterkeit der Beweggründe Gold⸗
steins, den Sozialismus, dem er früher aufs treueste ergeben war,
zu bekämpfen, ist nicht zu zweifeln, noch weniger aber an der
Wahrheit seiner Anschuldigungen; denn es ist ja nichts Neues,
was er vorbringt, sondern nur eine Bestätigung dessen, was uns
und vielen andern schon längst bekannt war, was wir aber als
Zeugnis eines gewesenen Sozialisten für besonders geeignet halten,
allen denjenigen ein Licht aufzustecken, die etwa den Sozialismus
mit gleichgültigen Augen angesehen haben, weil sie seinen wahren
Geist und seine eigentlichen Ziele nicht kannten. (W. K.)
Ausland.
In Deutschland ist eine Bewegung im Gange, in Rom eine
lutherische Kathedrale zu errichten. Unterschriften kommen gut
ein, und einzelne Städte wollen besondere Gegenstände zur Aus⸗
schmückung der Kirche stiften: Wittenberg das Glockengeläut,
Magdeburg eine schöne, kunstvolle Kanzel, Eisleben, Luthers
Geburts⸗ und Taufstadt, einen herrlichen Taufstein, Mansfeld
ein silbernes Taufbecken, Erfurt einen Altar usw. Mehrere
Blätter, die diese Nachricht bringen, fügen die Frage bei: Wird
das dem Papst gefallen? Jedenfalls nicht. Aber dem Papste
schaden und Christo nützen wird die Kirche nur dann, wenn das
alte Evangelium, Gottes Wort und Luthers Lehre, darin wohnen
wird. Wenn aber der moderne Unglaube und Schwindelweisheit
darin gepredigt werden soll, dann mag sie auch den Papst ärgern,
aber dem Reiche Christi wird sie dann nicht dienen. Und bei dem
gegenwärtigen Zustand der Kirche in Deutschland läßt sich nicht
gerade viel Gutes hoffen. E. P.
Das Unheil der Kirche Deutschlands kommt zuni größten
Teil von den Universitäten, wo von ungläubigen Professoren die
studierende Jugend von Gottes Wort und dem Glauben der Kirche
abgebracht wird. Die Kirche, das heißt, die Christen und Ge—
meinden, hat darüber keine Verfügung. Sie müssen sich aufs
Bitten und Betteln verlegen, daß doch auch positive, das heißt,
rechtgläubige, Professoren neben den negativen, das heißt, un⸗
gläubigen, angestellt werden. Und wie es ihnen dabei geht, hat
sich kürzlich wieder gezeigt in bezug auf die Universität Heidelberg.
Als nämlich ein Abgeordneter im Landtage vor einiger Zeit den
Wunsch äußerte, daß doch in Heidelberg, wo nur ein positiver
theologischer Professor steht, die Zahl der positiven Theologen ver—
mehrt werden möge, da erwiderte der Kultusminister Dr. Böhm:
„Ich kann nur mit einem glatten Nein antworten“, und sagte
dann in seiner Begründung dieses „Neins“ unter anderm, daß
die Universität nur die Aufgabe habe, in die Wissenschaft einzu⸗
führen; die „Richtung“ solle sich dann der Student später selber
suchen; auch könne ein Student, dem die Fakultät nicht passe, ja
auswärts studieren. Das Schlußwort des Ministers lautete:
„Nach alledem bedaure ich, dem Herrn Abgeordneten Schmidt für
die Zukunft auch nicht die geringste Hoffnung eröffnen zu können.“
— Also das ist die Antwort des Staates auf den Wunsch und die
Bitte solcher seiner Untertanen hin, die noch gern Gottes Wort
für sich und ihre Kinder erhalten haben möchten. So werden
gläubige Christen, die doch in der Tat die besten und zuverlässig—
sten Staatsbürger sind, von eben diesem Staate kalt und lieblos
abgewiesen. Da möchte man wohl den Christen zurufen: Warunt
berlaßt ihr euch noch länger auf einen fleischlichen Arm? Ihr
Gläubigen, schart euch zusammen, gründet freie Gemeinden, grün⸗
det eure eigenen Lehranstalten, erzieht eure eigenen Prediger,
wählt eure eigenen Lehrer! Christi Reich ist einmal nicht von
dieser Welt. Das Staatsregiment hat der Kirche nie Segen ge⸗
bracht. Die traurigen Früchte der Vermischung von Kirche und
Staat liegen vor jedermanns Augen. Einmal muß die Trennung
stattfinden. E. P.
„Lasset euer Licht leuchten!“
„Herein!“ rief eine barsche Stinmne.
den Stuhl, der mir angewiesen wurde.
Ich brachte mein Anliegen vor. „Ich möchte die Halle iin
zweiten Stock des A.-Gebäudes mieten und bin an Sie gewiesen
worden. Ich möchte sie für gottesdienstliche Zwecke benutzen.“
„Zu welcher Zeit und wie oft?“
„Wir wollen jeden Sonntagabend Gottesdienst darin halten.
Was wären Ihre Bedingungen?“
„Drei Dollars den Abend; für weniger könnte ich sie nicht
vermieten.“
Er schien dies für den Schluß nuserer Unterredung zu“
halten, wenigstens redete er so, als ob dies sein letztes Wort sei.
Doch faßte ich Mut und bemerkte: „Unsere Missionskasse könnte
kaum so viel ausgeben. Würden Sie uns die Halle nicht für
weniger lassen, etwa für zwei Dollars?“
„Nein, das deckt kaum die Ausgaben für Licht usw. Welche
Gesellschaft vertreten Sie?“
„Die evangelisch-lutherische.“
„Lutherische!“ sagte er, und dabei nahm ein freundliches
Lächeln die Stelle des ungeduldigen und verdrießlichen Ausdrucks
seines Gesichtes ein. „Lutherisch“, wiederholte er; „das ist recht,
wir brauchen noch mehr lutherische Kirchen. Wissen Sie, ich fange
an, sehr viel von den Lutheranern zu halten. Ich habe ein Dienst⸗
mädchen zu Hause. Sie ist eine Lutheranerin, und tvenn alle
Lutheraner sind wie sie, und wenn, was sie lebt, lutherische Lehre
ist, dann braucht dies Land lutherische Leute und lutherischen
Unterricht. Ja, Sie können die Halle für Ihre Kirche zu zwei
Dollars haben.“
Dies ist keine Dichtung. Dies Gespräch fand statt zwischen
dem Erzähler und dem Herrn, der die Halle vermietete. Dies
Dienstmädchen spart der Missionskasse jede Woche einen Dollar.
So kann auch der geringste Lutheraner sein Licht leuchten
lassen, daß die Leute seine guten Werke sehen und den Vater im
Himmel preisen. (Z. u. A.)
Ich trat ein und nahm
Warum hassen viele Menschen die Bibel?
Viele Menschen hassen die Bibel, weil sie ihnen ihr Ver⸗
derben zeigt; sie wollen keine Sünder sein, und darum hassen sie
das Buch, welches ihnen klar macht, daß sie solche seien, ver⸗
dorben bis in ihr Innerstes, so daß nichts, auch gar nichts Gutes
an ihnen ist.
Eine Londoner Vibelgesellschaft schickte, um den Missionaren
leichteren Zutritt zu den Eingebornen Südafrikas zu verschaffen,
verschiedene Sachen dorthin, die sie an dieselben verhandeln konnte.
Darunter waren auch kleine Handspiegel, wie sie unsere Damen
zu haben pflegen. Die Eingebornen dort hatten niemals ihr
eigenes Antlitz gesehen außer in dem Wasser eines Sees oder
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