Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 14 › Seite 218
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Juli 1912, Seite 218
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solcher streitenden Christen geht also das Wort des Apostels
in Erfüllung: „Eurethalben wird Gottes Name gelästert unter
den Heiden.“ Streitigkeiten zwischen Gemeindegliedern sollte
die Gemeinde schlichten und entscheiden. — Doch wurde auch
gezeigt, wann ein Christ vor der Obrigkeit klagen und wann
er ihren Entscheid in Form einer Klage holen darf, zum Bei⸗
spiel bei Feststellung von Grenzen, bei Erbschaftsangelegen⸗
heiten und dergleichen. Auch kann ein Christ gezwungen wer⸗
den, einen Weltmenschen zu verklagen, zum Beispiel in groben
Verleumdungsfällen. Generalregel aber muß bei den Christen
bleiben, lieber Unrecht zu leiden, es lieber zu verschmerzen, als
klagbar zu werden, nach den Worten des Heilandes: „Liebet
eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch
hassen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen.“
Tief ergriffen wurde die Versammlung bei Behandlung
des dritten Schadens: Sünden gegen das sechste Gebot. Welch
ein Nachtgebiet der Sünde entrollte der Referent da vor den
Augen der Anwesenden, Sünden, bei deren bloßer Namens⸗
nennung die Schamröte ins Gesicht steigt: Hurerei, Unzucht,
Verhinderung des Kindergebärens, Mord ungeborener Kinder,
das sogenannte Zwei⸗Kinder⸗System. Frech und schamlos
werden in unsern Tagen die heiligen Schranken des sechsten
Gebots durchbrochen innerhalb und außerhalb des Ehestandes.
Es ist ein Stück der Weltordnung Gottes, daß durch die Ehe
das menschliche Geschlecht fortgepflanzt werden soll. Das
Kinderzeugen ist der Hauptzweck der heiligen Ehe. Mit dem
Vorsatz in die Ehe treten, keine Kinder haben zu wollen, ist
gottlos. Kindersegen wird infolge der Sünde angesehen als
eine Last, ja als eine Schmach. Was Gott einen Segen nennt
— Pf. 127 und 128 —, wird vielfach belächelt, ja für nicht an⸗
ständig gehalten. Mit frevelnder Hand wird in unsern Tagen
eingegriffen in das Wort des SErrn: „Seid fruchtbar und
mehret euch!“ Durch sündliche, oft so raffinierte Mittel, daß
selbst Arzte über die Geriebenheit mancher Eheleute staunen,
wird der Kindersegen verhindert. Gewissenlose Agenten gehen
von Haus zu Haus und bieten Mittel feil, die die Frauen
schützen sollen gegen allzureichen oder sogar jeglichen Kinder⸗—
segen. Es ist nachgewiesen, daß in unserm Lande wenigstens
eine viertel Million — 250,000 — Kinder jährlich im Mutter⸗
leibe getötet werden. Und wie viele Nachtsünden werden
außerhalb der Ehe begangen! Nicht eheliche Liebe, sondern
„freie Liebe“ ist die Parole vieler Tausende. Unter dem jün⸗
geren Geschlecht grassiert die Selbstbefleckung und andere Sün⸗
den, die schändlich zu sagen sind. In bezug auf die Sünden
gegen das sechste Gebot erscheint Sodom gegen unser Land
wie eine fromme Stadt. Auch in unsere Gemeinden drohen
diese Sünden Eingang zu gewinnen. Wie die Christen zu
Korinth in einer wahren Pestluft lebten, so sind auch unsere
Christen von derselben Luft umgeben. Wie groß ist also die
Gefahr der Ansteckung! Ach, wie manche unserer Christen
mögen sich schon mit diesen Sünden besudelt und beschmutzt
haben! Wie gilt es daher, in diesem Stücke über sich selbft
und über unsere liebe Jugend zu wachen und es an der rechten
Belehrung nicht fehlen zu lassen! Mit heiligem Ernst und
mit keuschen Worten legte der Referent auf diese Schäden den
Finger. Nicht Fleischeskitzel weckte er, sondern ein Schaudern
durch Mark und Bein, daß wohl jeder Zuhörer in seinem
Herzen seufzte: „Ach Gott, in welch greulichen Zeiten leben
wir! Schaffe in mir, Gott, ein rein Herz!“
Wie aber bei den ersten beiden Schäden, so wurde auch
bei diesem größten Schaden der Arzt und die Heilung ins
rechte Licht gestellt:
Lassen wir zum Schluß den Heiligen Geist, der da ist ein Geist
der Keuschheit, selbst reden über diese Sünden und die Mah⸗
nung, sich davor zu hüten. Er spricht: „Wisset ihr nicht, daß
eure Leiber Christi Glieder sind? Sollte ich nun die Glieder
Christi nehmen und Hurenglieder draus machen? Das sei
ferne! Oder wisset ihr nicht, daß, wer an der Hure hanget,
der ist ein Leib mit ihr? Denn sie werden (spricht er) zwei
in einem Fleisch sein. Wer aber dem SErrn anhanget, der
ist ein Geist mit ihm. Fliehet die Hurerei! Alle Sünden,
die der Mensch tut, sind außer seinem Leibe; wer aber huret, 3
der sündigt an seinem eigenen Leibe. Oder wisset ihr nicht,
daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in ..
euch ist, welchen ihr habt von Gott, und seid nicht euer selbst?
Denn ihr seid teuer erkauft; darum so preiset Gott an eurem
Leibe und in eurem Geiste, welche sind Gottes!“ 1 Kor. 6,
15—20.
Reinigt euch von euren Lüsten,
Besieget sie, die ihr seid Christen
Und stehet in des GErren Kraft!
Stärket euch in JIEsu Namen,
Daß ihr nicht strauchelt wie die Lahmen!
Wo ist des Glaubens Eigenschaft?
Dieser Bericht sollte die weiteste Verbreitung finden.
Nicht nur die Erwachsenen sollten ihn studieren, sondern die
Eltern sollten ihn auch ihren heranwachsenden Söhnen und
Töchtern in die Hand geben, damit sie durch Gottes Gnade
bewahrt bleiben „vor der Pestilenz, die im Finstern schleichet,
vor der Seuche, die im Mittag verderbet“, Ps. 91, 6. —
In den Geschäftsverhandlungen wurde insonderheit das
Werk der Mission auf all unsern verschiedenen Gebieten im
In⸗ und Ausland besprochen. Der Ehrw. Allgemeine Präses
bat unsern Distrikt, doch ja nicht müde werden zu wollen, mit⸗
ziehen zu helfen, daß aller Segen könne eingeheimst werden,
und also auch durch uns die Welt voll werde der Erkenntnis
des HErrn.
„Darum, meine lieben Brüder, seid feste, unbeweglich und
nehmet immer zu in dem Werk des SErrn, sintemal ihr wisset, “ ö
daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in den HErrn“, 1 Kor.
15, 58. A. Pf.
Bericht über die Verhandlungen des South Dakota⸗
Distrikts.
Der South Dakota⸗Distrikt versammelte sich inmitten der
gastfreien St. Paulsgemeinde zu Freeman, S. Dak. (P. G.
Döge), vom 5. bis zum 11. Juni. Zugegen waren 85 Pastoren
und Deputierte und 9 Gäste. Der Ehrw. Allgemeine Vize⸗
präses Strasen predigte im Eröffnungsgottesdienst über Röm.
12, 4—6. Die Sonntagspredigt hielt P. O. E. Heilmann,
die Pastoralpredigt Vizepräses F. Oberheu, die Schulpredigt
P. H. Lübke, eine Missionspredigt P. F. Leyhe.
war P. G. Waack.
Am Nachmittag des 5. Juni organisierte sich die Synode
unter dem Vorsitz von Präses J. D. Ehlen. Es wurden im
ganzen neun Sitzungen abgehalten, die von dem dazu erwähl⸗
Beichtredner
IEsus und sein heilbringendes Wort.
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