Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 14 › Seite 216
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Juli 1912, Seite 216
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da sagt der menschliche Wahn: „Ob was dran ist, weiß ich
nicht; aber der Sicherheit wegen will ich es dahingestellt sein
lassen und es mit dem halten, der sagt, er sei seiner Sache
gewiß.“ Er hat keinen Beifall; er hält Gottes Wort nicht
für wahr. Es ist Streit darüber unter den Menschen; da will
er den Sicheren spielen und annehmen, es wäre wahr. Ist
es nicht wahr, dann hat er weiter nichts verloren, als daß er
eben getäuscht ist in einer Sache, von der er überhaupt nie
gewußt hat, ob er sie für wahr halten soll. Und gar erst von
Zuversicht kann da keine Rede sein, von dem fröhlichen
Vertrauen, das sich auf Gottes Wort verläßt, darauf bant und
traut und seiner Sache gewiß ist. Er läßt alles im Zweifel.
Er rechnet ja damit: „Es mag sein, daß ich mich tänsche mit
dem, was ich glauben will.“ Aber wenn ein Gott ist, dann
soll der ihm das zum Guten anrechnen, daß er doch kein Un⸗
gläubiger sein wollte. Es ist also im Grunde auch wieder
Werklehre. Gott soll ihm das lohnen, ihn das genießen lassen,
daß er doch kein Ungläubiger sein wollte, sich vorgenommen
hat, daß er das glauben will, wovon er nicht recht weiß, ob
man es glauben sollte oder nicht. Dagegen der wahre von
Gott gewirkte Glaube ist seiner Sache gewiß, verläßt sich dar⸗
auf, traut und baut auf Gottes Verheißung. Luther sagt:
„Glaube ist eine lebendige, erwegene Zuversicht auf Gottes
Gnade, so gewiß, daß er tausendmal darüber stürbe. Und
solche Zuversicht und Erkenntnis göttlicher Gnade macht fröh—
lich, trotzig und lustig gegen Gott und alle Kreaturen; welches
der Heilige Geist tut im Glauben.“
Der wahre Glaube hat quch eine ganz andere Vorge⸗
schichte als der menschliche Wahn. Der menschliche Wahn,
der sich vornimmt: Ich glaube, handelt nach einer vernünftigen
Überlegung und Berechnung, was er für das Sicherste und
Geratenste hält. Der wahre von Gott gewirkte Glaube hat
zur Voraussetzung die ernste Buße. Da geht vorher der
Schrecken des Gesetzes, die Gewissensangst, die Sündennot. Da
fragt dann ein menschliches Herz in Angst und Zagen: „Ihr
Männer, lieben Brüder, was sollen wir tun?“ Apost. 2, 37.
„Lieben Herren, was soll ich tun, daß ich selig werde?“ Apost.
16, 30. „Wo soll ich fliehen hin? Wo soll ich Rettung finden?“
Einem solchen zerschlagenen Herzen wird dann im Evangelium
gesagt: „Glaube an den HErrn JEsum Christum!“ Und wie
die Schrecken des Gesetzes ernst und wirklich waren, Verstand
und Willen, das ganze Herz und Seele bewegten, so ist auch
das folgende Vertrauen des Glaubens ernst und wirklich,
macht gewiß, bringt Trost und Freudigkeit.
Der menschliche Wahn von einem selbstgemachten Glauben
richtet in der Kirche auch viel Unheil damit an, daß er die
Lehre vom Glauben und von der Rechtfertigung durch den
Glauben bei ernsten Leuten verhaßt und verächtlich macht.
Darüber klagt Luther in seiner Vorrede zum Brief an die
Römer: „Glaube ist nicht der menschliche Wahn und Traum,
den etliche für Glauben halten. Und wenn sie sehen, daß keine
Besserung des Lebens noch gute Werke folgen, und doch vom
Glauben viel hören und reden können, fallen sie in Irrtum
und sprechen: der Glaube sei nicht genug, man müsse Werke
tun, soll man fromm und selig werden. Das macht, wenn sie
das Evangelium hören, so fallen sie daher und machen ihnen
aus eigenen Kräften einen Gedanken im Herzen, der spricht:
Ich glaube; das halten sie dann für einen rechten Glauben.“
Dann sagt er vom wahren von Gott gewirkten Glauben: „Aber
Seward stehen.
Glaube ist ein göttlich Werk in uns, das uns wandelt und neu⸗
gebieret aus Gott und tötet den alten Adam, macht uns ganz
andere Menschen von Herzen, Mut, Sinn und allen Kräften
und bringt den Heiligen Geist mit sich. O es ist ein lebendig,
schäftig, tätig, mächtig Ding um den Glauben, daß unmöglich
ist, daß er nicht ohn' Unterlaß sollte Gutes wirken. Er fraget
auch nicht, ob gute Werke zu tun sind, sondern ehe man fragt,
hat er sie getan und ist immer im Tun.“
Da gilt es, Luthers Warnung zu beherzigen: „Darmn
siehe dich vor vor deinen eigenen falschen Gedanken und un⸗
nützen Schwätzern, die von Glauben und guten Werken klug
sein wollen zu urteilen, und sind die größten Narren. Bitte
Gott, daß er den Glauben in dir wirke, sonst bleibest du wohl
ewiglich ohne Glauben, dichtest und tust, was du willst und
kannst.“ E. P.
Mehr Schüler für unsere Lehrerseminare!
Treffliche Worte hat in der letzten Nunnner des „Luthe⸗
raner“ Herr D. Pieper geredet — ja, gewisserinaßen allen zu⸗
gerufen — über das Thema: „Mehr Arbeiter für die verschie⸗
denen Zweige unserer Synodalarbeit, unserer Missionsarbeit!“
Darin ist selbstverständlich unsere „innerste Mission“, die Ge⸗
meindeschule, mit eingeschlossen. Aber daß auch gerade dafür
niehr Arbeiter, nämlich mehr Lehrer, gebraucht werden, und
daß deshalb, um diese zu stellen, mehr Schüler als bisher auf
Unsere Lehrerseminare in Addison und Seward geschickt werden
müssen, das zu zeigen, ist Zweck dieser Zeilen.
Man möchte denken: Das kann doch nicht eben so nötig
sein; denn während bei der letzten Kandidatenverteilung 69
Berufe für Predigtanitskandidaten unbefriedigt bleiben muß⸗
ten, so waren es bei den Lehramtsberufen nur drei. Dagegen
ist aber folgendes zu bedenken.
1. Es waren doch immerhin weniger Kandidaten als
Berufe.
2. Jetzt sind schon wieder so viele Aushilfsgesuche für das
nächste Schuljahr in Addison eingelaufen, daß, wenn sie alle
berücksichtigt werden sollten, ein Drittel der nächsten ersten
Klasse hinausgeschickt und so diese sehr lahmgelegt werden
müßte. Und bis das nächste Schuljahr weit vorangeschritten
sein wird, werden es ohne Zweifel wieder, wie gewöhnlich,
40 bis 60 solche Gesuche werden. Ahnlich wird es auch in
Offenbaren diese Zahlen nicht einen großen
und gefährlichen Mangel und Notstand?
3. Daß so viel mehr Predigt⸗ als Lehramtsberufe ein⸗
laufen, läßt sich auch leicht erklären, abgesehen von dem Mangel
an Arbeitern im allgemeinen und dem Wachstum unserer Ar⸗
beit. Eine vakante Gemeinde kann gewöhnlich leicht durch
Vakanzprediger aus der Nähe bedient werden und längere
Zeit, nämlich bis zur Kandidatenverteilung, warten; eine
vakante Schule aber selten, ohne Schaden zu leiden oder gar
eingehen zu müssen. Denn da kann eben nicht ein Nachbar⸗
lehrer in seiner und zugleich in der vakanten Schule unter⸗
richten. Eine solche Gemeinde fängt also Ileich an, im Amte
stehende Lehrer zu berufen.
4. Ein Teil der Predigtamtsberufe kommt dann noch auf
Konto der Schule. Denn es werden oft Predigtamtskandidaten
gerade der Schule wegen berufen. Da hat vielleicht eine große 1
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