Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 23 › Seite 358
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 12. November 1912, Seite 358
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften. 4„99
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SE Der V„Tutherane
Jahrhunderte wie durch einen Tag, ja wie durch einen klei⸗
nen Augenblick. Ihr sterbt, ihr steht auf, und das Ende aller
Dinge ist da. Ihr sterbt sozusagen hinein in das Ende aller
Dinge. O mein Gott und SErr, hilf mir! Ich bin alt, der
Tod ist mir nahe. Und ihr? Wie ist es mit euch? Ach, wie
geschwinde und behende kann kommen eure Todesnot! Und
dann? „Es ist nahe kommen das Ende aller Dinge“, ganz
nahe. Selbst wenn — was Gott alleine weiß — der Jüngste
Tag auch noch ein Jahrhundert oder zwei ausbleibt, so ist
doch einem jeden von uns nahe gekommen das Ende aller
Dinge, ganz nahe.
Merke, fasse, fasse das doch zu Herzen ein jeder! Das ist
kein gering Ding. Das ist das allergrößte Ding, das es über⸗
haupt geben kann. Das ist nicht ein Ding, das du hören oder
lesen und wonach du dann die Zeitung in die Hand nehmen
und es vergessen kannst, sondern mit Furcht und Zittern sollen
wir alle fragen:
Da nahe gekommen ist das Ende aller Dinge, wie sollen
wir Christen uns da verhalten?
Und hierauf gibt die Exaudi⸗Epistel Bescheid. Sie zeigt
uns, wie wir Christen uns verhalten sollen 1. in bezug auf
uns selbst, 2. gegen unsern Nächsten, 3. gegen Gott.
Und was sie sagt, ist so schön und nütze! C. M. Z.
Die Lehre der Mormonen.
(Fortsetzung.)
Die Lehre von der Erlösung und Seligkeit. „Die Er⸗
lösung Christi wird von allen, die sich Christen nennen, als
ein Hauptartikel angesehen.“ (Art. of F., S. 76.) Aber die
Christen verstehen sie nicht. „Die Erlösung, die Christus voll⸗
bracht hat, ist eine notwendige Folge der Übertretung Adams.“
(S. 77.) „Da die Strafe in die Welt kam durch eines
Menschen Tat, so wäre es offenbar ungerecht, alle daran ewig
leiden zu lassen ohne eine Gelegenheit der Befreiung.“ (S. 78.)
„Sein Blut wurde vergossen für die Sünden der ganzen Welt:
für die Erbsünde unbedingt, für wirkliche Sünde bedingt. Die
Menschheit hatte keinen Anteil an dem Begehen der ursprüng⸗
lichen Sünde; sie tut auch nichts zur Erlösung von derselben.
Ihre Wirkungen kommen ohne ihr Zutun; diese Wirkungen
werden auch weggenommen ohne irgendein Tun ihrerseits. Es
werden keine Bedingungen gestellt zur Teilhabe an der Erlö⸗—
sung von der Erbsünde; die wurde von Adam begangen und
von JEsu Christo gesühnt. Aber da jede Person eigener
Sünde schuldig ist, so muß sie sich in die Bedingungen fügen,
die sie berechtigen, teilzuhaben an dem vollen Segen der durch
Christum für die Sünde geleisteten Sühne. Zu diesen Be⸗
dingungen gehören Glaube, Buße und Taufe.“ (Morm. Doctr.,
S. 16.)
Der Glaube wird aufgezählt unter den „Bedingungen“
zur Seligkeit. Und doch kennen die Mormonen keine Recht⸗
fertigung durch den Glauben. Die wird geradezu verworfen.
„Dem klaren Worte Gottes zum Trotz hat man die sektiererische
Lehre verbreitet, daß der Mensch allein durch den Glauben die
Seligkeit erlangen könne, und daß ein bloßes Bekenntnis des
Glaubens dem Sünder die Tür zum Himmel auftue. Die
angeführten Schriftstellen und der dem Menschen innewoh⸗
nende Gerechtigkeitssinn bilden eine genügende Widerlegung
dieser falschen Lehre.“ (Art. of F., S. 112.) „Gerechtigkeit
verbietet die Darreichung einer allgemeinen und unbedingten
Vergebung der begangenen Sünde ohne Gehorsam gegen ein
geordnetes GesetzZ.“ (S. 124.) Mit Namensnennung wird
Luthers Lehre von der Rechtfertigung verworfen und dabei
als ein besonderer Greuel zitiert sein bekanntes Wort: „Diesen
Artikel sollen stehen lassen Papst, Teufel“ usw. (S. 120 f.)
Was heißt bei ihnen Glaube? „Ein lebendiges, belebendes
Vertrauen zu Gott, seinen Willen als unser Gesetz annehmen
und sein Wort als unsern Führer im Leben.“ (Art. of F.,
S. 102.) „Sogar die verfinsterten Heiden zeigen manche von
den Früchten des Glaubens.“ (S. 103.) „Des Heiden Glaube
mag unvollkommen und schwach sein, weil er nicht viel Er⸗
kenntnis von Gott hat.“ (S. 104.) Der Glaube ist: glauben,
daß Gott ist, daß er die Welt geschaffen hat, die Wahrheit
ist usw. (S. 103.) Bei solcher Definition ist leicht verständ⸗
lich, warum der „Glaube“ unter den Bedingungen zuerst
gesetzt, ja mehr vorausgesetzt wird. „Auf den Glauben
folgt die Reue. Sie umfaßt Leid für das Begangene und
guten Vorsatz für die Zukunft.“ (Morm. Doctr., S. 14.)
„Das Mittel der Sühne für eigene Sünde ist Glaube und
gute Werke des Sünders.“ (Art. of F., S. 89.) „Da diese
Sünden das Resultat sind von eigenen Werken, so ist es nicht
mehr als recht, daß Vergebung für dieselben bedingt ist durch
das Sichfügen des einzelnen in vorgeschriebene Leistungen,
Gehorsam gegen die Gesetze und Einrichtungen des Evange⸗
liums.“ (Art. of F., S. 90.)
Eine solche Einrichtung ist die Taufe. Sie geschieht
nur durch Untertauchen. Die Kindertaufe wird ausdrücklich
verworfen. Kinder haben keine Sünde, bedürfen der Taufe
nicht. „Diese Bedingungen schließen alle diejenigen von der
Taufe aus, die noch nicht die Jahre der Reife erlangt haben.
Nach besonderem Befehl Gottes verbietet die Kirche, irgend⸗
welche aufzunehmen, die die Jahre noch nicht erreicht haben.
Durch eine Offenbarung hat der HErr das achte Jahr als das
Alter bezeichnet, in dem Kinder getauft werden können. Die
Heiligen der letzten Tage sind gegen die Kindertaufe, die sie
für einen Greuel in Gottes Augen halten. Niemand, der
Gottes Wort glaubt, kann ein Kind als unrein ansehen; solch
ein unschuldiges Wesen braucht nicht in die Herde eingeführt
zu werden, weil es sie nie verlassen hat; es braucht keine
Vergebung der Sünden, weil es sündlos ist.“ (Art. of P.,
S. 127.) „Eine Wiederholung der Taufe an derselben Person
ist zulässig unter gewissen Bedingungen. So wenn jemand,
der durch die Taufe in die Kirche aufgenommen worden ist,
abfällt oder ausgeschlossen wird und nachher Buße tut.“ (Art.
0f F., S. 144.) „Doch wollen die Heiligen der letzten Tage
nicht als Wiedertäufer gelten.“ (S. 146.) Die Wiedertaufe
ist nicht nötig. Unsere Schwachheiten und kleinen (1) Über⸗
tretungen nach der Taufe werden uns vergeben auf wahre
Buße hin. (S. 148.)
Eine solche Ordnung ist auch die Konfirmation.
„Die Zeremonie der Mitteilung des Heiligen Geistes heißt
Konfirmation. Wie die Taufe die Geburt aus dem Wasser ist,
so ist die Konfirmation die Geburt oder Taufe des Geistes.
Beide sind notwendig zum Eintritt ins Reich Gottes hier und
dort.“ (Morm. Doctr., S. 21.) Diese Ordnungen wirken
mechanisch. „Wahrer Glaube, rechte Reue, richtige Taufe,
recht verwaltet, haben so gewiß die Mitteilung des Heiligen
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