Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 23 › Seite 359

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 12. November 1912, Seite 359

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S Ner V„Tuthsranes

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Geistes im Gefolge, wie die Ernte aus der Saat kommt und
reift von Regen und Sonnenschein vom Himmel, oder wie das
Gelingen eines chemischen Experiments, wenn die nötigen Ele⸗
mente richtig zusammengetan werden.“ (S. 20.)

Im Abendmahl sind Brot und Wein Sinnbilder
(emblems) des Leibes und Blutes Christi. (Pearl, ete., S. 74.)
Es können auch andere Elemente als Brot und Wein gebraucht
werden. Statt Wein gebrauchen sie meist Wasser, wo sie selbst
Weinberge haben, Wein. (Art. of F., S. 180.) „Das Sa⸗
krament ist nicht eingesetzt als ein besonderes Mittel zur Ver⸗
gebung der Sünden noch zur Erlangung irgendeines andern
besonderen Segens außer einer frischen Stärkung mit dem
Heiligen Geiste, was ja alle nötigen Segnungen in sich faßt.“
(S. 173.)

Von all diesen Ordnungen wird ernstlich eingeschärft, daß
sie nur von den rechten Personen und an den rechten Orten
gültig verwaltet werden können. Die richtigen Personen sind
die Beamten der Mormonenkirche, sonst kein Mensch auf Erden.
Der rechte Ort ist ihr Tempel. Alle andern Kirchen haben keine
rechtskräftigen Sakramente, weil sie nicht das Priestertum
haben, das Gott Smith gegeben hat und das dieser forterbt.

Seligkeit und Verdammnis hängen nicht von Glauben
und Unglauben ab, sondern davon, wie einer zur Kirche ge⸗
standen, sich in ihre Ordnungen gefügt hat. „Ein Leben in
Sünden wird nicht getilgt durch eine Buße auf dem Sterbe⸗
bett.“ (Art. of F., S. 149.) üÜberhaupt heißt es nicht beim
Tode: entweder selig oder verdammt, wie die Christen lehren.
(Morm. Doctr., S. 43.) Hoffnungslos ewig verdammt sind
nur die Leute, die die Sünde wider den Heiligen Geist begangen
haben. (S. 73.) Die andern Verlornen haben Aussicht, nach
kürzerer oder längerer Zeit, wenn sie ihre Strafe abgebüßt
haben, herauszukommen und noch selig zu werden. „Wie die
Belohnung für gute Werke im Verhältnis steht zum Verdienst,
so richtet sich auch die Strafe für die Sünde nach der Schwere
des Vergehens. Strafe wird über den Sünder verhängt, um
ihn zu züchtigen und zu bessern und der göttlichen Gerechtig⸗
keit Genüge zu tun.“ (Art. of F., S. 61.) Die Dauer der
Strafe wird sich richten nach der Sünde. Sünde ist ja ein
ernstes Ding; aber Gott kann auch in der Ewigkeit noch ver⸗
geben. Die Schrift redet allerdings von ewiger Strafe; alle
Strafe, die Gott auflegt, ist ewig, weil er ewig ist. Die Strafe
und die Hölle selbst sind ewig; aber der einzelne bleibt nicht
ewig darin, sondern nur so lange, bis er sich bessert und den letz⸗
ten Heller bezahlt. Die Lehre von der Ewigkeit der Höllen⸗
strafen ist unvernünftig, grausam und ohne Schrift. (S. 63.
64.) „Die Strafe ist immerwährend, daher ist es ewige Strafe.
Aber der einzelne, der sie erleidet, bekommt nur das ihm zu⸗
kommende Teil davon.“ (Morm. Doctr., S. 71.) Aber das
ist auch wahr: ewigen Schaden haben sie davon. Sie kön⸗
nen selig werden, aber es nie zur höchsten Stufe der Vollkom⸗
menheit bringen; sie können wohl Engel werden, aber nicht
Götter; sie dürfen auch nicht in Ewigkeit Kinder zeugen — den
Schaden behalten sie. (S. 72.)

Es gibt auch einen Zwischenzustand zwischen Himmel und
Hölle. Darin sind die Heiden, die das Evangelium nicht ge—
hört haben; da sind die Katholiken und Protestanten, die Ju⸗
den und Mohammedaner, alle, welche die Offenbarung Joseph
Smiths nicht angenommen haben. (Key, S. 133. 134.) Der
Ort dieses Fegfeuers ist auf demselben Planeten, auf dem einer

*

gelebt hat — für uns auf dieser Erde. Da wird noch einmal
das Evangelium gepredigt und Gelegenheit zur Buße gegeben.
(S. 132.) Da gibt es ein großes Missionsfeld für die Apo⸗
stel und Altesten der Kirche der letzten Tage; da haben sie so
recht Gelegenheit, aller Kreatur das Evangelium zu predigen.
(S. 135.) Die sich dann noch bekehren, können selig werden,
werden aber nie Götter, sondern Engel und dienen denen, die
die höchste Stufe der Vollkommenheit erlangt haben.
Leute, die sich da bekehren, müssen aber auch getauft werden.
Aber wie das tun? Da sollen sich die Lebendigen für die Toten
taufen lassen. „Da die Taufe unbedingt nötig ist zur Selig⸗
keit, so ist sie auch unbedingt nötig zur Rettung der Toten.“
(Art. of F., S. 152.) Was auf Erden geschieht, wird in der
Ewigkeit, „hinter dem Vorhang“, nachgemacht. (S. 156.) Die
Taufe ist unerläßlich nötig zur Seligkeit. Aber solche Ord—
nungen wie Taufen und Handauflegen gehören ins leibliche
Leben; Wasser ist ein irdisches Element. Millionen von Len⸗
ten sterben ohne Taufe. Viele kommen in der Ewigkeit zu
besserer Einsicht und begehren die Taufe. „Da können die
Lebenden für die Toten getauft werden“ (Morm. Doetr.,
S. 47.—49), und zwar Männer für Männer und Frauen für
Frauen (S. 49). Darüber wird auf Erden Buch geführt, und
die Bücher müssen stimmen mit denen im Himmel. Darum
dürfen solche Akte nur vollzogen werden von Leuten, die das
rechtmäßige Priestertum haben, und in dem Tempel, der nach
dem Plan gebaut ist, den Gott gemacht hat. (S. 50.) Weil
es vor der Sendung Smiths keine wahre Kirche gab, so sollen
die Gläubigen fleißig forschen nach ihren verstorbenen Ange⸗
hörigen, daß sie ihnen durch stellvertretende Taufe zur Selig⸗
keit verhelfen. (S. 52.)

Die Seligkeit, den Himmel stellen die Mormonen sich vor
nach Türkenart mit allerlei sinnlichen Freuden. Die Haupt⸗
freude ist das geschlechtliche Leben, das da nicht aufgehoben ist,
sondern verstärkt wird, da die Seligen viele Weiber haben und
in Ewigkeit Kinder zeugen. Dazu bedarf es viel Raumes im
Himmel. (Key, S. 60.) Da gibt es auch ewiges Gold, Sil⸗
ber und Edelsteine, Gärten, Flüsse, Blumen und Früchte, Seide,
Leinwand, Essen und Trinken, Lieben und Genießen. Dort
entwickeln sich die Seligen zu Göttern, zeugen Kinder, Geister,
die dann auf Erden einen menschlichen Leib annehmen, durch
den Tod zur Unsterblichkeit gehen, dann auch Götter werden.
Und so geht das im ewigen Kreislauf. Und dazu werden
immerfort neue Welten hergerichtet. E. P.

(Fortsetzung folgt.)

Die

Bericht Missionar Freches in Vanihambadi, Indien.

Die ersten drei Monate dieses Jahres waren für uns ein
schweres Vierteljahr. Von zwei Seuchen zugleich wurde Vani⸗
hambadi heimgesucht, von Pest und Cholera. Schon ani Epi⸗
phanienfest hörten wir, daß die Pest am Orte ausgebrochen sei.
Ami darauffolgenden Tage begegnete ich auf dem Bahnhof dem
Verwalter des Stadtgebietes; dieser sagte mir, fünf Leute seien
schon an der Seuche gestorben, davon drei in Pudur, zwei in
unmittelbarer Nähe unsers Missionsgehöfts, in Settuponnur,
einem Dorfe, acht Minnten entfernt von uns gelegen. Settu⸗
ponnur ist ein Sudradorf, dessen Bewohner der Manurerkaste

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