Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 23 › Seite 362

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 12. November 1912, Seite 362

358 359 360 361 362 363 364 365 366 367 368

Scan: Internet Archive item DerLutheraner68_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

* * —
—

4

I TutheraneESSe

In Cheyenne, Wyo. (also in unferm Distrikt), wohnt auch
ein Allgemeiner Vizepräses, P. Hilgendorf, der früher unser
Präses war. Der redete herzandringend für die Synodalkasse
und für die Synodalbaukasse. Er sagte, wenn der Heiland mit
seinen durchbohrten Händen vor uns stünde mit der Frage:
„Wer hat was übrig für mein Reich?“ wie würden wir ihn
bestürmen mit unsern Gaben!

Aus unserm eigenen Distrikt war auch der Referent,
P. Ernst Eckhardt. Er sprach über Mitteldinge. Leute, was
war das interessant! Man wurde nicht müde. Aber darüber
muß der Pastor berichten; das kann ich nicht. Ihr kriegt auch
bald einen Auszug aus dem Referat; und wenn der Bericht
kommt, der wird auch frei verteilt. Ich weiß, wer anfängt zu
lesen, der wird auch zu Ende lesen.

Am Sonntag war's schön. Da wurden die zwei jungen
Kandidaten nach Indien abgeordnet. Die sind beide aus Ne⸗
braska. Harms ist der Sohn unsers Vizepräses,' und Lutz
hat seine Eltern bei Kiowa. Das macht dann mit Missio⸗
nar Gutknecht drei Nebraskaner in der Heidenmission. Aber
der Gottesdienst war nicht in der Kirche. Die ist ja groß
und schön, aber 5000 Menschen faßt sie doch nicht. Auf den
Fair Grounds hatten sie eine mächtige Plattform errichtet. Da
saßen zwei Singchöre, ein Pastoren⸗ und Lehrerchor von etwa
80 Stimmen und der ebenso große gemischte Chor der Ge⸗
meinde; und auch noch ein Blaschor. Dirigent war natürlich
Prof. Haase. Und dann kamen die Pastoren mit den beiden
Kandidaten, alle im Talar. Da war der Allgemeine Vize—
präses Hilgendorf, P. Kretzschmar von St. Louis, Präses Becker,
Vizepräses Harms, unser Sekretär, P. Meyer (Pastor unsers
Lutz), P. Brommer (der vertritt die Heidenmission in unserm
Distrikt) und Harms' Onkel, P. Kühnert. P. Kretzschmar
hatte den Text Jos. 1, 9. Er sagte, sie könnten ebenso getrost
sein wie Josua, wenn sie in Indien auch schlimmere Feinde
hätten als die Kanaganiter. Und dann legten sie noch alle der
Reihe nach jedem der beiden jungen Missionare die Hand auf
und sagten einen Spruch. Ich glaube, die Mütter der beiden
waren auch da. Die fühlten wohl „beides, Lachen und auch
Zittern“. Er wird ja säuberlich mit ihnen fahren, der treue
Heiland!

Nachmittags sollte auch Te Punga von Neuseeland einen
Vortrag halten, aber er konnte nicht kommen. So predigte
denn Waisenvater Wolter, und zwar englisch. Er zeigte, warum
das reine Evangelium in allen Sprachen verkündigt werden
sollte — nach einem Text aus der Offenbarung. Dann sprach
der Rußländermissionar Bäder über Lincoln. Da sind drei
Pastoren und vier Lehrer. Sie zählen nicht weit von 800
Seelen, fast 300 Kinder in der Wochen⸗ und über 200 in der
Sonntagsschule. Dann stellte P. Bäder als Sekretär der Mis⸗
sionskommission einige Reiseprediger vor: Wockenfuß, Lang,
Eggold aus Nebraska und Dannenfeldt und Leimer aus Wyo—
ming. Die bedienen zusammen etwa 40 Plätze. Die hielten
alle kurze Ansprachen. Zions schöne junge Mannschaft! Abends
war ein Gesangsgottesdienst. Na, ich sag', was will's erst da
droben werden, „wo die Engel singen dem lieben JEsulein,
und die Psalmen klingen im Himmel hell und rein“! Dann
waren noch drei Gottesdienste während der Synode. Am Mitt⸗
wochmorgen predigte P. Hilgendorf über „Siehe, ich bin bei
euch“. Das ist ein Sporn und auch ein großer Trost. Am
Freitagabend hielt P. Firnhaber eine Schulpredigt über Ps. 71,

17. 18. Die Beichtrede am Montagabend hielt P. Ollenburg
über 1 Kor. 10, 17, und P. Lang sen. die Pastoralpredigt über
1 Kor. 4, 2. Gottes Brünnlein hat Wassers die Fülle.

Dem P. Friedrich von St. Charles, der jetzt auf der Reise
nach Indien ist, um da zu visitieren, schickten wir einen Gruß
und Gottes Segen nach. Er hat sich sehr gefreut. Er schrieb
von New Nork: „Nun in Gottes Namen hin!“ — Und damit
will ich aufhören. Es muß ja alles ein Ende haben, bloß nicht
Gottes Gnade. Die nächste Synode ist in Battle Creek. Gottes
Segen über Nebraska! E. O.

Versammlung des Kansas⸗Distrikts.

Zum zweitenmal hat die größte Gemeinde des Kansas—
Distrikts, P. F. A. Mehls Gemeinde zu Sylvan Grove, die
Distriktssynode beherbergt, und zwar vom 9. bis zum 15.
Oktober. Im Eröffnungsgottesdienst predigte der Ehrw. All⸗
gemeine Präses F. Pfotenhauer über 1 Petr. 1, 3—9. Mit
zu Herzen gehenden Worten redete er von der Hoffnung der
Christen: worin sie besteht, wie sie erworben ist, wie sie er⸗
langt und wie sie bewahrt wird.

Den Lehrverhandlungen lag zugrunde ein Referat über
das Amt der Schlüssel. Referent war Prof. Herzer. Folgende
vier Fragen wurden ausführlich beantwortet: „Was ist das
Amt der Schlüssel? Wem ist die Schlüsselgewalt ursprünglich
und unmittelbar gegeben? Durch wen soll das Amt der
Schlüssel nach Gottes Ordnung öffentlich verwaltet werden?
Wie soll die Gewalt der Schlüssel, insonderheit der Löse⸗ und
Bindeschlüssel, ausgeübt werden?“ über diese Lehre haben ja
schon unsere Väter ihren ersten Lehrkampf in Amerika geführt,
noch ehe unsere Synode gegründet wurde, und haben sie später
Grabau und andern gegenüber festgehalten. Wer aber darum
meinte, das seien alte Sachen, die hätten wir ja und könnten
uns daher mit mehr Nutzen andern, moderneren Dingen zu—
wenden, der hat durch aufmerksames Anhören der Lehrver—
handlungen anderer Meinung werden können. Da hörten
wir: Das Amt der Schlüssel ist die Macht, das Recht, Evan⸗
gelium zu predigen, zu taufen, Abendmahl auszuteilen, in⸗
sonderheit Sünde zu vergeben und zu behalten. Das alles
kann eigentlich nur Gott tun; aber er hat diese Macht und dies
Recht den Christen, allen Christen, gegeben; die Christen sollen
je nach ihrem Stand und je nach Umständen selber privatim
oder durch andere dazu berufene Personen öffentlich das Amt
der Schlüssel verwalten. Weißt du, lieber Christ, wie du das
tun sollst? Wenn dir die Sache nicht ganz klar ist, dann schaffe
dir den diesjährigen Synodalbericht des Kansas⸗Distrikts an;
aus dem kannst du lernen, wie du das dir von Gott befohlene
Amt der Schlüssel ausüben sollst. Wenn du den Bericht ge—
lesen hast, dann — lies ihn noch etliche Male; du wirst nur
Segen davon haben.

Mehrere Nachmittagssitzungen wurden der Besprechung
der Inneren Mission unsers Distrikts gewidmet. Zwischen
40 und 50 Pastoren und Studenten standen im vergangenen
Jahre längere oder kürzere Zeit im Dienste der Inneren Mis⸗
sion. Verausgabt wurden über §511,000. Viel Geld? Ja,
eine schöne Summe, aber sie wurde ausgegeben, um Seelen
vom ewigen Verderben zu retten, und so angesehen, ist die
Summe nicht sehr groß. Gott mache uns immer williger, für
diesen Zweck zu geben!

English translation

Not yet translated.