Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 23 › Seite 366
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 12. November 1912, Seite 366
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tod 3 · Kirchengemeinſchaften. 4„99
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S Ner Tutheran-Se.
mitzuteilen, die mir an dem Sterbebette meines Vaters von
neuem bestätigt wurden, und Sie zu bitten, lieber durch Er⸗
fahrung anderer als durch eigenen Schaden klug werden zu wollen.
„Um das Sterbebett mieines Vaters standen viele alte Leute
aus dem Volke, die nicht aus unserer aufgeklärten Zeit waren,
kernhafte, treue Christen. Es herrschte Stille; auf aller Ange—
sicht war ein leises Beten zu sehen und zu vernehmen. Mein
Vater lag schon regungslos ohne Lebenszeichen da. Ich fragte
ihn laut, ob er Schmerzen habe. Er gab keine Antwort; doch
bemerkte ich in seinen Zügen den Ausdruck des Schmerzes und
der Bekümmernis. Ich sagte ihm einen Spruch ins Ohr. Da
neigte er sich zu mir, und auf seinen Lippen sah ich die Worte:
„Noch mehr!“‘ Ich forderte seine danebenstehende alte Schwester,
die er sehr liebte, auf, ihm auch zuzusprechen. Nachdem sie sich
aus Schüchternheit und Bescheidenheit lange geweigert hatte, sagte
sie endlich: „HErr, du hörest das Lallen der unmündigen Kinder;
du hörest auch das Lallen eines alten Weibes!' Und dann sprach
sie ein Gebet voll Geist und Kraft (Sie wissen, daß ich mit meinen
Ausdrücken nicht freigebig bin), das meine ganze Verwunderung
erregte. Es war ein Weib, das sich den guten Schatz christlicher
Erkenntnis, den sie sich in der Schule angeeignet, erhalten und
gemehrt hatte, die guten, alten Kernsprüche, die in unserm Volke
gang und gäbe sind.
„Weil mir die Wahrheit über alles geht, so muß ich be⸗
kennen, daß mein Vater zwar ein rechtschaffener und wegen seines
Wohlwollens und Biedersinnes allgemein geachteter Mann war,
doch nicht in dem lebendigen, christlichen Glauben stand. Jetzt
aber, im entscheidenden Augenblick, ergriff er die Rettung, ohne
welche wir alle verloren sind, die da ist in IEsu Christo. Hier
erfuhr ich wieder die Kraft des Wortes Gottes, das allein im⸗
stande ist, einen sterbenden Menschen zu trösten, und zwar das
Wort Gottes, wie es wörtlich in der Bihel steht und mit gött⸗
licher Weisheit für das menschliche Herz und für die menschlichen
Bedürfnisse geschrieben ist, nicht wie es Menschen umsetzen, um⸗
schreiben und verwässern. Es waren die einfachen Sprüche des
Evangeliums, die meinen Vater erquickten, besonders: „Fürwahr,
Er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen!“
oder: ‚Das ist je gewißlich wahr und ein teuerwertes Wort, daß
Christus IEsus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu
machen“, und was IEsus zum Schächer sprach: Heute wirst du
mit mir im Paradiese sein.“ Mein Vater stammelte noch: „Himmel
— JéEsus!“ — und so verschied er.
„Wenn man solche Erfahrungen macht von dem Worte
Gottes, so ergreift einen ein wahrer Grimm über unsere Feder⸗
helden und Aufgeklärten, welche dem Volke das Teuerste ent⸗
reißen wollen, was allein im Leben und Sterben tröstet. Das
wäre meine Freude, wenn ich das bei Ihnen erreichen könnte,
daß Sie nicht erst durch eigenen Schaden wollten klug werden,
sondern jetzt schon das Wort Gottes ergreifen, das uns zu unserm
Heil gegeben ist.“ (Freimund.)
Die Ersten die Letzten und die Letzten die Ersten.
„Viele, die da sind die Ersten, werden die Letzten, und die
Letzten werden die Ersten sein“, Matth. 19, 30.
Judas predigte bereits, da Nikodemus als ein Abe⸗Knabe
und Katechismusschüler zu IEsu kam. Judas folgte IEsu un⸗
gescheut bei hellem Sonnenschein, da Nikodemus ein Nächtling war
und sich heimlich zu Christo stahl. Aber wie ging es zuletzt?
Nikodemus glaubte an Christum, als er tot war, da ihn Judas
noch bei Lebzeiten verlassen und schändlich verraten hatte. Denk
auch an Judas und den Schächer! Wenn es auch keinen gewissen
Grund haben mag, daß der Schächer, wie bei den frommen Vätern
die Sage ging, ein Bruder des Judas mit dem Namen Dysmas
gewesen, der, während sich Judas anfänglich zu den Pharisäern
hielt, unter eine Räuberbande geriet, hernach aber Christo nachzog
und bei dem Einzug Christi in Jerusalem, da Judas bereits ihn
zu verraten gedachte, unter dem „Hosianna!“ rufenden Volke er⸗
griffen und zur Haft gebracht wurde, so bleibt doch dieser Schluß
stehen: Der Schächer ward zum Jünger, der Jünger ward zum
Schächer.
Die Sünderwage.
Eine Kuriosität ist die berühmte Sünderwage in der Kirche
zu Wilsnack, in der Mark Brandenburg. Das Original stammt
aus dem Jahre 1384. Wer damals auf bequemem, aber freilich
nicht ganz billigem Wege seine Sünden los werden wollte, setzte
sich auf die eine Schale der Wage und legte in die andere Schale
so viel Korn, Eier, Schinken, Speck und andere schmackhafte Sachen,
daß die Wage und das Gewissen ins Gleichgewicht kamen. Eine
geheime Schnur unter der Schale des Sünders sorgte dafür, daß
namentlich reiche Bösewichter nicht zu leicht befunden wurden,
sondern recht tüchtig und recht schtver auf die andere Schale auf⸗
zuladen hatten.
Die Menschen haben schon von alters her allezeit das Be⸗
wußtsein gehabt, daß ihre Werke nach dem Tode gewogen wür⸗
den, und um nicht zu leicht erfunden zu werden, gaben sie so
viele Almosen. Vor Gott sind aber die besten Werke der Men⸗
schen nicht hinreichend, das volle Gleichgewicht in der Schale des
Gerichtes Gottes herzustellen, weil alles, was der Mensch bringen
kann, zu leicht erfunden wird, um das göttliche Gesetz zu be⸗
friedigen. Dies kann allein das Blut Christi tun. (Apol.)
Worüber Newton sich im Himmel wundern werde.
Der fromme Isaak Newton sagte einst, er werde sich wohl
im Himmel über drei Dinge wundern: 1. einige dort zu finden,
von denen er nicht geglaubt hätte, daß sie dort sein würden;
2. andere nicht zu finden, die er dort erwartete; 3. das größte
Wunder aber werde sein, wenn er selbst dort sein werde.
Gerade das letzte Stück kennzeichnet die Gesinnung eines
bußfertigen, gläubigen Christen.
Wir sollen das vorwitzige Warum kreuzigen.
Darum sollen wir die vorwitzige und schädliche Frage
„Warum?“ kreuzigen und sagen: Dem Gott, der allein weise ist,
sei Ehre, uns aber Schande. Im Paradiese hat uns der Satan
die Augen geöffnet: nun aber haben wir daran unser Leben lang
genug zu schaffen, daß wir sie wieder zutun und blenden können.
Denn daß Adam geöffnete Augen gehabt hat, ist allen seinen
Nachkommen eine Ursache gewesen des Todes und der Ver⸗
dammnis. (Luther.)
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Todesanzeigen.
Dem HErrn über Leben und Tod hat es nach seinem un⸗
erforschlichen Rat gefallen, aus der streitenden in die triumphie⸗
rende Kirche zu holen seinen treuen Diener, P. Martin Mertz,
weiland Pastor dex Gemeinde zu Helena, Mont. Er starb nach
längerem Leiden an Kehlkopfschwindsucht im Glauben an seinen
Heiland am 26. April dieses Jahres. Er erreichte ein Alter von
44 Jahren, 11 Monaten und 19 Tagen. Seine Beisetzung er⸗
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