Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 23 › Seite 364

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 12. November 1912, Seite 364

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht

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364 en „VTutheraned
Herr! Ich sehe in unsern Stadtblättern, daß Ihre Gemeinde Stratege, ein Mann, dessen Leben für das Vaterland noch einen

nicht, wie es üblich ist, eine Subskriptionsliste unter den Ge⸗
schäftsleuten zirkulieren lassen will um Beiträge zu ihrem Kirch⸗
bau. Dieses Verfahren ist so ungewöhnlich und deswegen so
anerkennenswert, daß ich und eine Anzahl anderer, mit denen
ich geredet habe, uns entschlossen haben, aus eigenem Antrieb
einen Beitrag zu liefern. Hiermit sende ich Ihnen eine An⸗
weisung auf 5— — mit besten Glückwünschen für Sie und Ihre
Leute.“ — Auch in andern Stücken würde lutherische Lehre und
lutherische Praxis bei allen verständigen Christen Beifall finden,
wenn sie diese nur recht kennen würden. Unsere Aufgabe ist,
das zu verkündigen, was wir durch Gottes Gnade haben.
E. P.

Auch ein Missionswerk. Die Predigernot ist groß. Wollen
wir aber Prediger ausbilden, so müssen wir Studenten haben.
Gar manche christliche Knaben oder Jünglinge, die gut begabt
sind, sind Söhne armer Eltern, die wohl Lust, aber nicht die
nötigen Mittel haben, ihre Söhne studieren zu lassen. Zur
Unterstützung solcher Jünglinge haben Distrikte und Konferenzen
sogenannte Studentenkassen eingerichtet. Und daß das für ge⸗
nannten Zweck verausgabte Geld nicht schlecht, sondern gut und
zum Segen des Reiches Gottes angewandt ist, zeigt auch der Be⸗
richt eines solchen „Studentenvaters“, der neun Jahre eine Stu⸗
dentenkasse verwaltet hat. Im Laufe dieser Zeit sind 56000.00
durch seine Hände gegangen, wovon vielleicht 556.61 als Verlust
bezeichnet werden kann, indem so viel für Schüler bezahlt wurde,
die das Studium aufgegeben und die erhaltene Unterstützung noch
nicht zurückerstattet haben. Jedoch sind in dieser Zeit mit der
obengenannten Summe 32 Schüler unterstützt worden, von denen
9 im Predigt⸗ und 3 im Schulamte tätig sind und sich gut be⸗
währen, treue Arbeiter im Weinberge des HErrn sind. Und
außerdem studieren noch 15 Schüler auf unsern Anstalten, die
zum Teil oder ganz aus jener Summe unterstützt wurden. So
kann man auch Arbeit für das Reich Gottes tun, indem man sich
armer christlicher Schüler annimmt, die sonst nicht als Arbeiter
für Gottes Reich gewonnen werden könnten. W. F. G. S.

Katholische Verblendung. Aus Brasilien berichtet ein Kol⸗
porteur der Schottischen Bibelgesellschaft, daß ein katholischer
Priester in der Stadt Socoro, im Staate Minas, gegen ihn ge⸗
predigt und gesagt habe, kein guter Katholik sollte den Kol⸗
porteuren auch nur ein Glas Wasser verabreichen, und wer eine
Bibel gekauft habe, müsse sie verbrennen. Trotzdem verkaufte er
am andern Vormittag eine Anzahl Bibeln. Eine alte Frau aber,
die ein Evangelium gekauft hatte, brachte es wieder zurück und
rief: „Behalte das Buch und das Geld; ich will lieber beides
missen, als meine Seele verlieren.“ — Christus ermahnt: „Suchet
in der Schrift; denn ihr meinet, ihr habt das ewige Leben darin⸗
nen“, Joh. 5, 39. Und hier ist eine Seele mitten in der soge—
nannten Christenheit so erzogen, daß sie mit bösem Gewissen eine
Bibel in Händen hat und meint, nicht selig werden zu können,
wenn sie sich dieselbe nicht aus dem Hause schafft. Ein ziemlicher
Gegensatz das! E. P.

„Rührende Narrheit“ und „asiatische Barbarei“. Eine
uns vorliegende politische Zeitung schreibt unter der überschrift
„Rührende Narrheit“ über den Selbstmord des japanischen Feld⸗
herrn Nogi und seiner Frau beim Tode des japanischen Kaisers
folgendes: „In den Zeitungsberichten war zu lesen, daß, wäh⸗
rend der japanische Kaiser Mutsuhito mit dem Tode rang, eine
ganze Anzahl Soldaten und Studenten vor den Pforten des
Palastes Selbstmord begingen in der Hoffnung, daß die Götter
das Opfer annehmen und dem geliebten Monarchen die Genesung
gewähren würden. Seit dem Tode des Kaisers sollen sich Hun⸗
derte von Japanern selbst entleibt haben, um ihren Schmerz zum
Ausdruck zu bringen. Wenn aber Graf Nogi, der größte japanische

großen Wert besaß, mitsamt seiner Gattin Harakiri (Selbst⸗
mord] verübt und sich in dem Moment, wo die große nationale
Trauerfeier für den verstorbenen Kaiser beginnt, das Samurai⸗
schwert, das kostbarste Vermächtnis seiner Ahnen, in die Kehle
stößt, damit der tote Fürst nicht allein den weiten Weg zu gehen
braucht, so beruht eine solche Handlungsweise denn doch auf einer
Anschauung, welche beweist, daß die Japaner, obschon ihre Er—
rungenschaften auf so vielen Gebieten die Bewunderung der
ganzen Welt erweckt haben, doch noch bis über die Ohren in
der asiatischen Barbarei stecken. Ein Völk, das ein solcher
Fanatismus beseelt, mag im Kriege ein furchtbarer Gegner sein.
allein es kann der westlichen Kultur kaum ernstlich gefährlich
werden.“ — So weit die Zeitung. Der Hinweis auf die über⸗
legenheit der „westlichen Kultur“ ist nicht am Platze. Die
„rührende Narrheit“ und die „asiatische Barbarei“ findet sich in
den mannigfachsten Formen auch bei den Leuten, die sich der
„westlichen Kultur“ rühmen. Nogis und seiner Frau Selbst⸗
mord ist zugleich als Opfer zur Versöhnung der Gottheit gedacht
und im Grunde nicht unsinniger als die allgemein verbreitete
Vorstellung, daß ein Mensch durch von ihm selbst dargebrachte
Opfer Gott versöhnen könne. Von dieser „rührenden Narrheit“
und „asiatischen Barbarei“ wird die Menschheit nur dann be⸗
freit, wenn sie die Wahrheit annimmt, daß die Menschheit ein
für allemal und vollständig durch das Opfer Christi am Kreuz
mit Gott versöhnt worden ist. F. P.

Rom in Deutschland und bei uns. Nach dem Bericht deutsch⸗
ländischer Zeitungen stellen die eifrigen Katholiken in Deutsch⸗
land an die deutschen Bürger die Forderung: „Ihr müßt uns
nehmen, wie wir sind.“ Sie wollen damit sagen: Es ist ein
Teil unserer Religion, daß wir Katholiken die Alleinbe⸗
rechtigung im Staat beanspruchen und erstreben. Und wenn
ihr diese unsere Ansprüche und Bestrebungen bekämpft, so mischt
ihr den Staat in die Kirche.“ In derselben Weise lassen auch die
amerikanischen römischen Blätter sich vernehmen. Sie beschul⸗
digen uns der Vermischung von Staat und Kirche, wenn wir nicht
nur als Christen, sondern auch als Bürger Rom staatsfeindlich
nennen, weil es die bei uns bestehende Trennung von Kirche und
Staat beseitigen und als Staatsreligion anerkannt sein will.
Traurig ist es, wenn auch Protestanten und Lutheraner sich
durch diesen Einwurf der römischen Presse verblüffen lassen.
Wenn der römische Einwurf gelten soll, kann man für irgend⸗
eine Schandtat, auch Diebstahl und Mord, staatliche Freiheit for⸗
dern mit der Begründung, sie seien aus religiösen Gründen her⸗
vorgegangen. F. P.

Die ArLANTIC Moxrurr hat einen Artikel unter der über⸗
schrift: „Sollte Schmidt zur Kirche gehen?“ und kommt zu dem
Schluß, daß man es Schmidt nicht verargen kann, wenn er es
nicht tut. Und als Grund dafür wird angegeben, was man kurz
so zusammenfassen kann: weil die Kirche Gottes Wort als eine
gewisse Wahrheit lehrt und dafür Glauben fordert. Dieser
Schmidt muß ein wunderlicher Kauz sein. Und wenn er es ist.
dann soll die Kirche den Schmidt fahren lassen; vielleicht nimmt
der Müller und Meier und Schulz das Evangelium an. Und
selbst wenn auch die es nicht annehmen, dann soll die Kirche über
sie den Staub von ihren Füßen schütteln und sie fahren lassen und
dabei festhalten, daß sie nun einmal keinen andern Auftrag hat,
als das Evangelium zu predigen, und daß die Kirche nicht
Schmidts Haus ist, sondern Gottes Haus, in welchem Gottes
Wort verkündigt werden soll. Die Leute, die „juckende Ohren“
haben, mögen anderswohin gehen. Und wenn sie in der Ewig⸗
keit auch anderswohin gehen, dann mögen sie schreien über sich
selbst, weil sie das Evangelium von sich gestoßen und sich selbst
nicht wert geachtet haben des ewigen Lebens. E. P.

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