Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 1 › Seite 3

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Januar 1913, Seite 3

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Regiſter

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Wir wollen uns daran genügen lassen, im Glauben und
noch nicht im Schauen zu wandeln. — Wir wollen wandeln
fein auf Gottes Wegen und wirken die Werke des, der uns
gesandt hat, solange es Tag ist. Das Schauen wollen wir
dann versparen aufs ewige Leben, wo wir „den Engeln gleich“
sein werden; denn die „sehen allezeit das Angesicht des Vaters
im Himmel“, Matth. 18, 10. Bis dahin genügt uns die Zu⸗
sage: „Mein Angesicht soll gehen; damit will ich dich leiten.“

— 2
———

Betrachtungen über 1 Petr. 4, 8—11.

Die Liebe, die wir Christen untereinander haben sollen,
die Liebe, die der Heilige Geist, der Geist Christi, in uns wirkt
durchs Wort, die Liebe, in welcher Gott uns finden will bei
dem so nahen Ende aller Dinge — wie, in welchem Werk und
Tun soll sie sich erweisen?

„Seid gastfrei untereinander ohne Mur—
meln“, sagt der Apostel zunächst.

Auslegen? soll ich das auslegen? Das ist doch nicht
nötig. Wir sollen uns freuen, wenn wir einen allernächsten
und geliebtesten Verwandten beherbergen dürfen. — Der aller—
nächste und geliebteste Verwandte ist aber jeder, der mit uns
Glied am Leibe Christi ist.

Es geht nicht anders. Ich muß erzählen, was ich jüngst
gesehen habe. Da war ein alter, einsamer, hilfloser Mann. Er
wollte sich auch nicht recht helfen lassen. Und doch war er so
gebrechlich! Und da war eine Familie. Nein, reich war sie
nicht. Viel Platz im Haus hatte sie auch nicht. Aber viel
Arbeit war da für die Hausfrau. Diese Familie holte sich
den alten Mann und hat ihn noch, und er hat es sehr gut da.
Dann meldete eine aus fernen Landen kommende Familie,
Mann, Frau und acht Kindlein, sich telegraphisch, etwas ratlos,
bei jener Familie an. Die wurde auch ebenda eine Woche
beherbergt. Und es war eine Lust und Freude. „Gehe hin
und tue desgleichen“, sagt der HErr JEsus, nachdem er die
Geschichte vom barmherzigen Samariter erzählt hat.

Er sagt noch etwas. Er sagt: „Wenn du ein Mahl
machest, so lade die Armen, die Krüppel, die Lahmen, die
Blinden, so bist du selig; denn sie haben's dir nicht zu ver⸗
gelten; es wird dir aber vergolten werden in der Auferstehung
der Gerechten“, Luk. 14, 13. 14.

Bei Synoden und andern kirchlichen Versanmmlungen ist
auch gute Gelegenheit, Liebe zu üben und gastfrei zu sein ohne
Murmeln.

„Und dienet einander, ein jeglicher mit der
Gabe, die er empfangen hat, als die guten
Haushalter der mancherlei Gnade Gottes“, sagt
der Apostel ferner.

Liebt man, so dient man. Das ist gewiß. Und wenn
Gott einem Christen Gnadengaben gegeben hat, so hat er sie
ihm dazu gegeben, daß er seinen Mitchristen mit denselben
dienen soll. Eine Hand wäscht die andere, sagt das Sprich⸗
wort. Und wir Christen sind alle Glieder an dem einen
Leibe, dessen Haupt Christus ist. So sollen wir einander die⸗
nen, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die
guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.

Der eine hat diese Gabe, der andere jene.

Daß ein

Christ gar keine Gabe hat, mit welcher er dienen kann, das ist
nicht wahr. Jeder hat etwas. O du altes gebrechliches Groß—
mütterchen, du denkst, du bist zu nichts mehr gut und nur eine
Last? Kannst du nicht für die Deinen beten? Das ist ein
großes, großes Ding! Und kannst du nicht auch ein gutes
Wort ihnen sagen? Und kannst du ihnen nicht ein gutes
Beispiel geben der Geduld und des Trachtens nach dem, das
droben ist? Und hat Gott dich ihnen nicht hingegeben, daß
sie Liebe an dir üben? — Aber ich will eine alte Geschichte
erzählen. Vier Geschwister gingen am Ufer eines Sees ent⸗
lang. Das jüngste wollte eine hart am Wasser stehende Blume
abpflücken, glitt aus und fiel in den See. Beherzt sprang der
älteste Bruder ihm nach und holte es glücklich wieder ans
Land. Als das der Vater der Kinder hörte, lobte er den
Retter seines Schwesterleins und fragte dann den andern etwa
zehnjährigen Bruder: „Hast du denn nichts zur Rettung deiner
Schwester getan?“ „O ja“, antwortete der Knabe, „ich griff
nach Martins Rock, als er wieder nah ans Ufer kam, und half
mitziehen.“ „Und du“, fragte der Vater den dritten Bruder,
der erst sechs Jahre alt war, „was hast denn du für deine
Schwester getan?“ „Ach Vater“, sagte das Kind, dem noch
die hellen Tränen über die Backen liefen, „ich schrie!“

Und weiter sagt der Apostel: „So jemand redet,
daß er's rede als Gottes Wort.“

Christen, wahre Christen, reden miteinander und zuein—
ander gewißlich nicht nur vom Wetter und vom Hausreinmachen
und von der Präsidentenwahl und von dergleichen Dingen.
Sie reden auch und vornehmlich von den Dingen, welche sich
auf den Christenstand und die Christenhoffnung beziehen. Wie
könnten sie anders? Des ist ihr Herz ja voll. Und wes das
Herz voll ist, des fließt der Mund über. Und wieviel besondere
Gelegenheit gibt es hierzu! Wie oft geschieht es, daß ein Mit⸗
christ in leiblicher und geistlicher Not, krank, traurig, angefoch—
ten, schwach, irrend, auf verkehrtem Wege ist! Wenn jemand
da zu seinem Mitchristen redet, so soll die Liebe ihn treiben, daß
er die aller⸗allerbesten Worte redet. Und welches sind die aller—
allerbesten Worte, die wirklich und wahrhaftig Kraft geben und
helfen können? Die Worte Gottes. „So jemand redet, daß
er's rede als Gottes Wort.“ Und inimer und unablässig müssen
wir Christen doch erbaut, fürder und fester erbaut werden auf
unserm allerheiligsten Glauben. Dazu, daß das geschehe, sol⸗
len wir uns untereinander in Liebe helfen — auch und sonder⸗
lich durch Reden. Und „so jemand redet, daß er's rede als
Gottes Wort“. Das, und das allein, erbaut. Alle auf den
Christenstand sich beziehenden Worte, die dein Nächster — auch
ein solcher, der noch nicht dein Mitchrist ist — aus deinem
Munde hört, müssen so göttlich gewiß und wahrhaftig sein, als
flössen sie aus Gottes eigenem Munde. Du hast ja Gottes ge⸗
schriebenes Wort. Aus dem nimm. „So jemand redet, daß
er's rede als Gottes Wort.“ Das will Gott. Sei gehorsam!
Und die Liebe zum Nächsten treibe dich, daß du dem, o so gerne!
gehorsam bist.

Und nun gar wenn jemand ein Amt in der Gemeinde
hat, das eines Pfarrers, eines Lehrers, eines Vorstehers, eines
in die Häuser kommenden Kollektors, eines für besondere Zwecke
erwählten Komiteegliedes, eines Kirchendieners, oder was
immer es ist, wie dann? St. Petrus sagt durch den Heiligen
Geist: „So jemand ein Amt hat, daß er's tue
als aus dem Vermögen, das Gott darreicht.“

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