Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 1 › Seite 5
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Januar 1913, Seite 5
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Selbstverständlich waren in diesem Falle ganz besonders ver⸗
treten die mancherlei Schulbücher, sowohl religiösen wie sonsti⸗
gen Inhalts, die in unsern Schulen gebraucht werden.
Nach diesen mannigfachen, die Herzen erhebenden Vor—
bereitungen war nun der Zeitpunkt gekommen, in dem die
eigentliche Handlung, die feierliche Grundsteinlegung, vor sich
gehen sollte. Der Ehrw. Präses des Distrikts, P. W. C. Kohn,
redete unter anderm folgende Worte: „Einen andern Grund
kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist
IEsus Christ. IEsus Christus, vom Vater in Ewigkeit ge—
boren, und auch wahrhaftiger Mensch, von der Jungfrau Maria
geboren, unser HErr, samt dem Vater und dem Heiligen Geist,
gelobet in Ewigkeit, soll auch ferner der Eckstein unsers Glau—
bens, der ganzen evangelisch-lutherischen Missourisynode und
dieser unserer Anstalt sein. Des zu einem Zeugnis legen wir
hiermit den Grundstein zu diesem unserm neuen Lehrerseminar
im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Anien.“
Diesen Worten schlossen sich an solche der Pastoren W.
Röcker und P. Sauer, während, allen sichtbar, der geschmackvoll
geschmückte Stein durch eine Winde herabgelassen und an den
bestimmten Platz gesenkt wurde. Nach einem kurzen Gebet
bekannte die ganze Versammlung die drei Artikel des christlichen
Glaubens.
Sehr passend war an dieser Stelle die Ankündigung, die
nun durch Herrn Alderman A. W. Beilfuß geschah. Den hier
Versammelten, die eben unsern heiligen Glauben bekannt hat⸗
ten, traten nämlich zur Seite die lieben Brüder von nah und
fern. Durch telegraphische Depeschen hatten ihre Segens⸗—
wünsche gesandt der äußerste Osten und der entfernteste Westen
unsers Landes: unsere beiden Colleges in New Nork und Cali—
fornia. Und indem die Gratulationen durch den genannten
Herrn mit lauter Stimme verlesen wurden, beseelten die freu⸗
digsten Gefühle die Zuhörer. Den obigen Wünschen fügte
Herr Vizepräses Miller noch mündlich hinzu die unserer Anstalt
in Fort Wayne.
Die unvergeßliche Feier schloß mit dem heiligen Vater⸗
unser und dem Segen, worauf die Menge nach dem Gesang der
letzten zwei Strophen des Liedes 144 fröhlich den Heimweg
antrat unter dem herzlichen Wunsche: Gott gebe seine Gnade,
daß das begonnene herrliche Werk weiter glücklich vonstatten
gehe und bis zu Beginn des neuen Schuljahres vollendet sei!
Da wollen wir denn, so Gott Leben und Gesundheit verleiht,
wiederum, und zwar dann begleitet von Zehntausenden
von nah und fern, hinauspilgern nach dem schönen River
Forest und fröhliche Weihe halten. Bot schon diesmal der Fest⸗
platz mit seinem reichen Flaggenschmuck und der da versam—
melten Christenschar einen herrlichen Anblick, so soll's dann
doppelt und dreifach prächtiger sein. Also auf fröhliches Wieder⸗
sehen an jenem schönen Tage! Der SErr aber segne ferner
die lieben Brüder, die so fleißig und treu an dem Werk arbeiten:
Aufsichtsbehörde, Baukomitee und alle, die sonst hilfreiche Hand
leisten, und erwecke im ganzen Kreise unserer lieben Synode
die Herzen zur tatkräftigen Unterstützung, Stärkung und Für⸗
bitte! F. Ss.
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Man muß nicht harren, bis sie (christliche Schullehrer)
selbst wachsen; man wird sie auch weder aus Steinen hauen
oder aus Holz schnitzen. Darum müssen wir Mühe und Kosten
dran wenden und sie selbst erziehen. (Luther.)
Zwei Briefe aus Brasilien.
Der erste Brief ist von Präses Vogel, geschrieben am
11. September 1912. Darin heißt es unter anderm: „Fast
möchte ich sagen, wir freuen uns, daß nicht mehr Kandidaten
gekommen sind, denn wir können ihnen den Gehalt doch nicht
auszahlen. Unser Kassierer mußte verschiedenen Brüdern
schreiben: „Wenn ihr euren Gehalt wollt, so müßt ihr ihn aus
den Gemeinden nehmen; ich habe kein Geld mehr.“ . . . Sollte
wirklich die Liebe unserer Christen zum Werke des SErrn, zu
ihrer Mission in Brasilien, nachgelassen haben, daß sie es
gestatten, daß ihre Missionare Mangel leiden? Das ist doch
kaum anzunehmen. Gewiß, unsere Gemeinden hier sollen
ihren Teil zum Unterhalt des Pastors beitragen, und sie tun
es auch; etliche haben sogar auf Bitten des Pastors die jähr—
lichen Beiträge erhöht und tun, was sie können, ja manche tun
bei weitem mehr als ähnlich gestellte Landgemeinden in den
Vereinigten Staaten. Wo sie mehr tun könnten, sich aber noch
nicht dazu verstehen können, dürfen wir nicht vergessen, daß
eben alle unsere Gemeinden, richtig betrachtet, Missionsge⸗
meinden sind, die erst in Gottes Wort unterrichtet werden, die
also auch das rechte Geben erst lernen müssen. Etwas anderes
wäre es, wenn sie, wie die Gemeinden in Nordamerika, jahr—
zehntelang Gottes reines Wort gehabt hätten oder in unserer
Synode groß geworden wären. Ferner ist es für den betreffen⸗
den Pastor und auch Visitator eine heikle Sache, immer wieder
mit der Bitte um Gehaltserhöhung vor die Gemeinden zu
treten, weil es leicht den Eindruck erwecken könnte, als ob die
Pastoren nie genug bekämen — ein Vorwurf, niit dem immerzu
von „evangelischer Seite gegen uns operiert wird. Kurz, wir
tun, was in unsern Kräften steht, um die Gemeinden durch
fortgesetzte Belehrung immer mehr dahin zu bringen, daß sie
gern und reichlich für Gottes Reich geben. Aber das erreicht
man nicht in kurzer Zeit, sondern dazu gehört jahrelange treue
Arbeit, wie jeder weiß, der Erfahrung in Missionsarbeit hat.
— Noch ein Grund, weswegen unsere Ansprüche an die Kasse
so gestiegen sind, ist der, daß die meisten der Kandidaten in
den letzten zwei Jahren in neue Gegenden zu Neueingewander—
ten gekommen sind, die beim besten Willen noch fast nichts zum
Unterhalt des Pastors beitragen können, aus dem einfachen
Grunde, weil sie selbst am Hungertuche nagen. — Ich bitte
um Verzeihung, wenn ich einmal offen in dieser Sache geredet
habe, aber ich bin von meinen Brüdern dazu beauftragt wor—
den, weil es uns scheinen wollte, als beurteile man uns in
diesem Punkte nicht ganz richtig. Unsere lieben Christen möch⸗
ten also nicht die Lust verlieren, für unsere brasilianische Mis⸗
sion zu geben, denn diese ist eben ihre Mission, die der Unter⸗
stützung der Christen in Nordamerika dringend bedarf.
x „Ich lege einen Brief P. Kemners bei, aus dem Sie er—
sehen können, unter was für Verhältnissen unsere Pastoren zum
Teil arbeiten. Ich habe ja kürzlich jene Gebiete besucht und
dabei gesehen, daß nur Leute, die von der wahren Liebe zu
Christo, ihrem Heilande, beseelt sind, dort aushalten können.
Es herrschen dort Zustände und eine Armut, wovon man sich,
wenn man sie nicht gesehen hat, keinen Begriff machen kann.
Daher dürfen wir unsere Missionare dort unter keiner Be—
dingung Mangel leiden lassen an Geld, sonst sind sie bei der
schlechten Kost und den zum Teil furchtbaren Strapazen bald
aufgerieben.“
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