Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 1 › Seite 8
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Januar 1913, Seite 8
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht
Das Schlimmste an der ganzen Geschichte, vom Standpunkt der
„Wissenschaftler“ aus betrachtet, ist die Tatsache, daß Herr George
W. Glover, der Sohn der Mrs. Eddy, und Ebenezer J. Foster
Eddy, deren Stiefsohn, durch diese Gerichtsverhandlung gesetzliche
Stellung gewonnen haben und somit eine Möglichkeit vorliegt,
daß sie in den Besitz des großen Eigentums ihrer „Mutter“ ge⸗
langen mögen. In jedem Fall ist festgestellt, daß die Hinter⸗
lassenschaft der Mrs. Eddy nicht von der „Kirche“ verwaltet wer⸗
den kann. Diese „vergeistigte“ (2) falsche Prophetin hatte nach
allem noch einen sehr materialistischen Zug in ihrem Wesen; sie
liebte den ungerechten Mammon und verstand es, ihn aus den
von ihr Betrogenen herauszulocken. (Chr. Botsch.)
Weltliche Musik darf auf Befehl des Erzbischofs Ireland von
St. Paul in keiner katholischen Kirche seiner Diözese mehr ge—
spielt werden. Bei Leichenfeiern sowie bei Hochzeitsfeiern sind
fortan nur Kirchentöne erlaubt. „Schwerer Mißbrauch“, sagt
der Erzbischof, „hat sich in einige Kirchen eingeschlichen, so daß
zuweilen der Hörer nicht mehr weiß, ob er an einem katholischen
Gottesdienst oder an einer ganz weltlichen Sache teilnimmt“ usw.
„Nichts darf in Zukunft mehr gespielt werden ohne Erlaubnis des
Priesters. Weder Chor noch Organist haben freie Wahl, nicht
einmal für Vorspiel und Nachspiel.“ — Darin hat der Erz⸗
bischof recht: weltliche Musik gehört nicht in die Kirche. Nicht
alles, was Musik heißt, taugt auch für den Gottesdienst. Die
lutherische Kirche hat es von allem Anfang an nicht mit den
wilden Stürmern gehalten, die mit Beil, Säge und Feuer mit
den vorhandenen Orgeln aufräumten. Aber sie hält es ebenso⸗
wenig mit den Leuten, die mit solchen und ähnlichen Anzeigen:
„Herrliche Musik, prächtiger Chorgesang, kurze Predigt“ die Leute
in die Kirche locken wollen. Die Predigt und der Gemeinde—
gesang sind die große Hauptsache. Dieser soll die Musik dienen.
Und wenn sie das nicht will, dann ist es allerdings besser, man
hat gar keine. E. P.
Eine nationale Gefahr nennt der Lulheran die Mormonen
und sagt von ihnen: Das Mormonentum ist immer noch eine
lebende Frage und eine wachsende Gefahr. Dem letzten Zensus
zufolge haben sie eine Zunahme von 38 Prozent zu verzeichnen.
RNan hat das Mormonentum beschrieben als eine Zusammen⸗
setzung von Türkentum, Judentum, Heidentum und Teufeltum.
Man sagt, daß die Mormonen einen Staat geradezu besitzen, sieben
andere politisch kontrollieren und das Recht beanspruchen, über
jede Handlung, auch über die Ausübung des Stimmrechts jedes
einzelnen Gliedes, zu verfügen. Es ist ein festgefügtes Reich
innerhalb unserer Nation, das von einem Manne beherrscht
wird, der „von Gott gesetzt“ ist. Dabei stehen ihm staunenswerte
Geldmittel und eine feste Organisation zur Verfügung; seine
Macht reicht weit; es beeinflußt alle Abteilungen der Regie⸗
rung, des Handels und der Industrie und sucht sie zu kontrollie⸗
ren. Das Mormonentum ist im Verhältnis die stärkste Organisa⸗
tion in der Welt. Die „göttliche Ordnung“ der Vielweiberei, die
nur versteckt wurde, damit man Aufnahme in den Staatenbund
finde, liegt dem ganzen Glauben der Mormonenkirche zugrunde;
sie läßt sich von ihrer Lehre von Gott, Tugend und Familie nicht
trennen. Leute in Utah, die ausgetreten sind, und Leute, die die
Zustände untersucht haben, bezeugen, daß die Vielweiberei noch
nicht tot ist. Es fehlt ihnen nur die Macht, sie zu einer natio⸗
nalen Frage zu machen. E. P.
Wieviel in bezug auf Sittlichkeit und Sicherheit der Staat
und die menschliche Gesellschaft der Kirche zu danken haben, hat
kürzlich ein Richter so ausgedrückt: „Wo eine respektable, mora⸗
lische Bürgerschaft zu finden ist, läßt sich diese auf das Vorhanden⸗
sein der Kirche zurückführen. Ist eine Bürgerschaft anziehend und
einladend und nicht eine Brutstättte des Lasters, der Trunksucht
und des Verbrechens, dann kommt dies daher, daß die Kirche dort
ihren Einfluß geltend macht. Kirchenmitglieder sind meistens nicht
Verbrecher, was immerhin sie auch sonst sein mögen. Während
solche, die keiner Kirche angehören, der Mehrzahl nach es auch nicht
sind, so kommen doch solche meistens aus dieser Klasse. Eine Ort⸗
schaft, in welcher der Einfluß der Kirche ganz fehlte, würde in—
folge der Verbrechen unbewohnbar werden. Jeder Bürger hat
daher der Kirche viel zu verdanken. Er hat von ihr einen Gewinn,
ob er ihr angehört oder nicht. Je stärker der Einfluß der Kirche,
desto reiner, gesunder, glücklicher und anständiger ist die Um⸗
gebung. Wäre jedermann mit der Kirche verbunden, so würde
der größte Teil der Ausgaben für Polizeischutz, Richter, Advokaten
und Gerichte erspart bleiben. Das Verbrechen kostet dem Lande
jetzt jährlich §5700,000,000. Diese Unkosten wären tausendmal
größer, wenn es keine Kirchen gäbe. Gehörten alle Menschen zur
Kirche, dann würden sie uns aber fast ganz erspart bleiben. Tat⸗
sache ist, daß ein Mann, der in einer angesehenen, gerne bewohn⸗
ten Gegend wohnt und nichts für die Kirche tut, auf Kosten der
Wohltätigkeit lebt. Er läßt sich den Nutzen, den die Kirche der
Bürgerschaft bringt, zugute kommen, ohne ihr einen Gegendienst
zu leisten.“ — Wo keine Furcht Gottes ist, da kann ein Staat
nicht bestehen, und da läßt sich's nicht gut wohnen. So ist die
Kirche die stärkste Stütze des Staates und der beste Freund der
menschlichen Gesellschaft, auch abgesehen von ihrem Hauptliebes—
werk, daß sie die Menschen gern selig machen will. E. P.
über die Albernheiten der Logen schreibt ein Blatt: „Jedes⸗
mal wenn die Gründung einer geheimen Gesellschaft vor der
Offentlichkeit ausposaunt wird (denn Geheimtuerei und Markt—
schreierei vertragen sich hier merkwürdig), dann möchte man sich
mit der Hoffnung trösten, daß doch jetzt die höchste Staffel der
Unsinnigkeit einmal erreicht sein müsse. Aber es konimt immer
noch ärger. Die neueste Errungenschaft der Logenmacher ist der
Orden der Bären, der in mehreren Städten in Ohio ins Leben
getreten ist mit seinen grausigen und fürchterlichen Zeremonien.
Jede Loge heißt dann bezeichnend genug eine Bärenhöhle. Es
müßle doch interessant sein, mathematisch genau festzustellen, wie
tief ein Mensch sinken und wie sehr er alle Selbstachtung ver—
lieren muß, ehe er daran seine Freude haben kann, sich selbst mit
einem unvernünftigen Tiere des Waldes zu vergleichen, das sich
in seiner schmuͤtzigen Höhle herumtreibt.“ — Verständige, den—
kende Leute können nicht verstehen, warum es, um sich gegenseitig
zu unterstützen, solcher Albernheiten bedarf. Ebensowenig läßt
sich einsehen, warum dazu nötig ist, mit Gebet und Goltesdienst
zu spielen und eine heidnische Religion zu führen. Vielleicht
wollen die Gründer solcher Logen mit den Namen unvernünftiger
Tiere andeuten, was für Leute es sein müssen, die auf solchen
billigen Versicherungsschwindel hereinfallen. E. P.
Häuser der Unzucht und ein Unzuchtsviertel will man in
Chicago nicht mehr dulden. „Die Chicagoer Reformer versichern.
daß dadurch nicht notwendigerweise die Huren sich über die Stadt
hin zerstreuen. Ausrottung ist ihr Wahlspruch, und sie haben
nicht so wenig Vertrauen zur Menschennatur, daß sie denen bei⸗
stimmten, die knieschwach meinen, daß eine Ausrottung der ge—
werbsmäßigen Unzucht unmöglich sei.“ — Vertrauen zur mensch⸗
lichen Natur — das ist nicht der Griff dazu. Die rechten Mittel
sind: Belehrung, vor allem mit Gottes Wort, Schärfung der Ge⸗
wissen, energische Bestrafung der Unzucht und Wiederaufrichtung
der Ehe. Luther hat sich schon über die Sache ausgesprochen. Er
sagt: „Von den unzüchtigen Häusern, die man in großen Städten
duldet, ist nicht wert, daß man viel davon disputiert. Denn es
ist offenbar wider Gottes Gesetz, und sollen die für Heiden gehal—⸗—
ten werden, die solche Schande öffentlich dulden und geschehen
lassen. Denn dies ist gar ein loser Behelf, daß sie vorgeben, es
geschehe damit desto weniger Schändens und Ehebruches. Denn
ein junger Geselle, der mit Huren umgeht und seiner Ehre und
Zucht sich einmal begeben hat, wird sich, da er Fug und Gelegen—
heit haben kann, weder von Eheweibern noch Jungfrauen ent—
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