Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 1 › Seite 11
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Januar 1913, Seite 11
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner69_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
11
Wehe der Frau, die es sich erlaubte, alt und gebrechlich zu
werden! Das wurde ihr geradezu als Verbrechen angerechnet.
Einst kam ich in ein Dorf, wo ein großer Häuptling namens
Mukuwusu wohnte. Ich gab ihm eine Rolle Tabak, denn das ist
das sicherste Mittel, einen Indianer gesprächig zu machen. Er
liebt den Tabak ebensofehr wie der Araber das Salz. Mukuwusu
ließ sich dann auch gern zu einem Spaziergang bereit finden.
Gerade vor dem Dorfe war ein schwarzer Aschenhaufen. Ich
fragte ihn: „Was ist das?“ „Ach“, sagte er, „da habe ich meine
Mutter zu Asche verbrannt.“ „An was für einer Krankheit starb
deine Mutter?“ „Sie starb am Strick.“ „Wie meinst du das?“
fragte ich befremdet. Er antwortete: „Sie konnte keine Kanin—
chen mehr fangen noch fischen, und ich wollte mit dem alten Dinge
nicht mehr belästigt werden, so legte ich eines Tages einen Strick
um ihren Hals und erdrosselte sie. Damit ihr Geist mich aber
hernach nicht heimsuchte, habe ich ihren Leichnam zu Asche ver—
brannt.“ Er rühmte sich, daß er seine eigene Mutter ermordet
hatte.
Glücklicherweise ist durch die Predigt des Evangeliums vieles
anders und besser geworden. Vor einem Jahre, es war im letzten
Januar (das Buch ist 1897 geschrieben worden, machte ich eine
Besuchsreise bei allen diesen Stämmen; wir durchreisten mehrere
tausend Meilen und hielten in zahlreichen Kirchen Gottesdienst.
Die Kirchen sind ziemlich groß und gerämnig, aus Holz gebaut.
Ich stehe in einer derselben vor dem Lesepult, da öffnet sich die
Tür. Welch ein Anblick! Tränen treten mir in die Augen.
Zwei große Indianer, 28 bis 30 Jahre alt, kommen herein; sie
haben ihre Hände zu einem Sitz vereinigt, ein Tuch ist darüber
gebreitet. Auf diesem Sitz, ihre Arme um den stählernen Nacken
ihrer Söhne geschlungen, wird die alte, gebrechliche Mutter ins
Gotteshaus getragen. Ein anderer Bruder geht voran, das Schiff
der Kirche hinab. Wir haben keine Polster auf unsern schlichten
Sitzen; so faltet er ein Tuch zusammen und legt es als weiches
Kissen auf die harte Bank. Die andern beiden Söhne kommen
herbei und setzen die Mutter darauf, und einer der großen Bur—
schen sitzt neben ihr und schlingt seinen Arm um sie, und sie legt
seinen Kopf gegen seine männliche Brust. Ja, meine Augen wur⸗
den verschleiert, es war, als steckte mir etwas im Halse, als ich
das sah, und ich dankte Gott für diese Uümwandlung. Die Mut⸗
ter, verbrannt und ermordet — im Heidentum; die Mutter, von
den eigenen Söhnen ins Gotteshaus getragen — im Christentum
„Wenn wir Nahrung und Kleider haben, so lasset
uns begnügen.“
„Habt denn Ihr unserm HErrgott so gar viel zu danken“,
sagte der reiche Wirt zu seinem Nachbarn, dem armen Weber,
„weil Ihr jeden Abend singt: Nun danket alle Gott'?? Euer
Handwerk wirft wenig ab, und Ihr habt eine starke Familie zu
ernähren; da nruß es doch knapp genug bei Euch hergehen.“
„Ist wohl wahr, Herr Nachbar“, sagte der Weber, „aber
mit dem Danken verhält es sich so: Für das, was wir haben,
danken wir Gott, weil es uns wohl tut, und für das, was wir
nicht haben, danken wir Gott, weil wir's nicht brauchen.“
— —
Ein rechter Kommunist.
N., ein frommer Mann, war einst auf einem Dampfschiffe
des Thunersees Zeuge eines heftigen Wortwechsels über Politik.
Die Gesellschaft hatte sich in zwei Parteien geteilt und stritt nun
lebhaft. N. blieb unbeteiligt auf seinem Platze sitzen, bis einer
der Radikalen auf ihn eindrang mit der Frage: „Was sind denn
Sie?“ „Ich bin ein Kommunist“, meinte N.
mehr“, rief jener erfreut; „so sind wir also Brüder, denn ich
bin auch einer.“ Nun stand N. auf und sagte ruhig: „Lieber
Freund, ich muß mich doch etwas näher erklären. Ich kenne
nämlich zwei Arten Kommunisten und möchte doch gern erst wissen,
ob wir zur gleichen Art gehören, ehe wir Brüderschaft machen.“
Da der Frager nichts von zwei Arten wußte und somit keine Aus—
kunft geben konnte, fuhr N. fort: „Es waren schon zu der Apostel
Zeiten Kommunisten, denn es heißt: Sie brachten ihre Güter;
jetzt gibt es aber eine Art, von der es immer heißt: Sie nah—
men den Reichen ihre Güter. Ich gehöre zu der ersten Art —
und Sie?“
„Wieder einer
Todesanzeigen.
Am 4. Dezember 1912 entschlief im Glauben an seinen Hei—
land P. Johann Christian Hermann Martin. Der
Entschlafene wurde am 13. März 1835 zu Kahla im Herzogtum
Sachsen-Altenburg geboren. Nach seiner Konfirmation erlernte
er zunächst die Weberei, später dann auch das Kaufmannsgeschäft.
Ein schöner Zug in seinen Jünglingsjahren war, daß er nicht, wie
so manche seiner Altersgenossen, weltlichen Vergnügungen nach—
hing, sondern sich zu den Frommgesinnten gesellte und mit diesen
an den Sonntagnachmittagen und -abenden sogenannte Missions⸗
stunden abhielt. Hierdurch wurde die Liebe zu Gottes Wort
immer brünstiger, und es wurde der Wunsch in ihm erweckt, ein
Prediger des Evangeliums zu werden. Bereits dreißig Jahre alt.
bezog er zunächst die Anstalt in Steeden. Nach dreijährigem Stu—
dium kam er 1866 nach Amerika und trat alsbald in unser theo⸗
logisches Seminar zu St. Louis ein. Nach zwei Jahren bestand
er sein Examen und erhielt seine erste Pfarrstelle zu Dorsey und
Bethalto, Ill. Außer diesen Gemeinden hat P. Martin während
seiner 38jährigen Anitstätigkeit nacheinander noch folgende Paro—
chien bedient: 1871 bis 1884 New Bremen und Orland, Cook Co.,
Ill.; 1884 bis 1889 Waltham, Sargeant und Austin. Minn;
1889 bis 1899 Pleasant Valley, Sargeant und Stewartville,
Minn.; 1899 bis 1902 Sabin und Muskoda. Minn., und Fargo.
N. Dak.; 1903 bis 1906 Pequot und Stony Brook, Minn. Ob⸗
wohl sein Amtseifer mit zunehmendem Alter nicht nachließ, so sah
er sich doch wegen abnehmender Geisteskräfte genötigt, aus dem
ihm so lieb gewordenen Amte zu scheiden. So zog er denn 1907
mit seiner ihm im September 1911 in die Seligkeit voraufge⸗
gangenen Gattin wieder nach Mower Co., Minn., um bei seinen
Töchtern und Schwiegersöhnen seinen Lebensabend zu beschließen.
Allein der SErr hatte es noch anders beschlossen. Infolge seiner
Geistesschwäche, die sich schließlich bis zu völliger geistiger Um-⸗
nachtung steigerte, mußte er in die Staatsanstalt zu Rochester,
Minn., übergeführt werden, wo er am obgenannten Datum sein
Leben beschloß. Die Beerdigung erfolgte am 9. Dezember unter
Beteiligung der Amtsbrüder, die in nächster Umgebung wohnen,
auf dem Friedhofe der St. Johannisgemeinde bei Sargeant, Minn.
P. A. F. Ude hielt in der Kirche auf Grund von Ps. 97, 11 eine
dem Falle angemessene Leichenpredigt. Die anwesenden Amts⸗
brüder trugen die entseelte Hülle zum Grabe, wo der Unterzeich⸗
nete, der auch im Trauerhause amtiert hatte, den Gottesdienst
leitete. Der Entschlafene trat 1868 mit Henriette, geb. Haack, in
die Ehe, die der HErr mit drei Söhnen und drei Töchtern seg—
nete, die alle die Eltern überleben. Dan. 12, 3.
C. A. Affeldt.
Am 17. Dezember 1912 entschlief in Christo P. em. J. G.
Oskar Katthain zu Hoyleton, Ill. Der Entschlafene wurde
geboren am 5. Mai 1843 in Filshofen, Königreich Bayern. Seine
Elementarbildung erhielt er in Filshofen und Petersdorf, Schle⸗
English translation
Not yet translated.