Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 1 › Seite 4
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Januar 1913, Seite 4
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Besser kann's nicht gesagt werden. Natürlich nicht. Wenn
du ein Amt in der Gemeinde Gottes hast, so richte es aus
nicht unwillig, sondern willig, nicht nachlässig, sondern eifrig,
nicht schlecht, sondern gut. „Gut?“ spricht einer; „ich glaube
nicht, daß ich es gut ausrichten kann. Ich habe zu wenig
Begabung, Kenntnis, Geschick, Weisheit, Kraft dazu, ich Elen—
der!“ Tue es, mein Lieber, nach der Kraft, nach dem Ver—
mögen, das Gott dir darreicht. Bitte Gott um Vermögen
dazu! Er wird dir's geben über dein Bitten und Verstehen.
Tue dein Amtswerk in betendem Aufblick zu Gott und in
brünstiger Liebe, ja in brünstiger Liebe zu deiner Gemeinde,
zu deinen dir befohlenen Mitchristen. Gott wird dich segnen
über dein Bitten und Verstehen. Und das Ende aller Dinge,
das dir so nahe gekommene Ende aller Dinge, wird dich als
einen frommen und getreuen Knecht finden. C. M. Z.
Die fröhliche Grundsteinlegungsfeier des neuen
Lehrerseminars zu River Forest, Ill.
Ja, eine wahrhaft fröhliche, liebliche Feier war es, zu
der eine große Anzahl Christen aus Chicago und Umgegend
sowie auch aus andern Gemeinden unserer Synode am Nach—
mittag des 3. Adventssonntags, den 15. Dezember, in River
Forest, dem von der Synode im Mai 1911 bestimmten Orte
des neuen Lehrerseminars, sich versammelt hatte. Nicht ganz
ohne Sorge war jener Tag zur Festfeier angesetzt worden; denn
Mitte Dezember herrscht hier öfters empfindliche Kälte. Es
wäre aber nur schwer zu ermöglichen gewesen, ein früheres
Datum zu wählen. Und siehe! während hier etliche Tage vor
dem Feste die Kälte geradezu bitter war, so bescherte uns unser
freundlicher HErr und Gott für unsere Feier einen wunder—
vollen Herbsttag. Bald nach dem Vormittagsgottesdienst mach⸗
ten sich daher unsere lieben Christen in hellen Scharen auf nach
dem Festplatz. Dieser liegt etwa neun Meilen direkt westlich
von dem Geschäftszentrum Chicagos und grenzt fast an die
wunderschöne etwa 27,000 Einwohner zählende Stadt Oak
Park an, dessen hübsche lutherische Kirche, der P. W. Röcker
als Seelsorger dient, vom Seminarplatz zu sehen und nur
etwa sechs Blocks entfernt ist. Unsere Kirche in Harlen (E.
Markus Wagner) ist zu Fuß in etwa 25 Minuten zu erreichen.
Die nach Chicago führende Straßenbahn liegt etwa fünf, die
Hochbahn ungefähr fünfzehn Minuten vom zukünftigen Semi—
nar entfernt.
Es war ein erhebender Anblick, vom Festplatz aus die von
Oak Park nach diesem führenden Straßen zu beobachten. Ein
langer Zug folgte dem andern. Sobald wieder eine Reihe
von Straßen⸗ oder Hochbahnwagen, deren eine große Zahl be—
sonders vorgesehen war, anlangte, formierte sich eine neue Ko—
lonne. Erkundigte sich ein Fremdling bei den Zugbeamten nach
dem Wege, so erhielt er wohl als Antwort: „Follow the
crowd!'“ Das war genügend.
Kurz vor halb drei Uhr gab Lehrer Hoffmann von Aurora
seinem Posaunenchor das Zeichen, und durch treffliches, wür—
diges Spiel riefen nun seine Musiker die Menge zum Beginn
der Festfeier. Der ehrwürdige, im Dienst an unserm Lehrer—
seminar als Professor ergraute und numnehrige Direktor Th.
Brohm eröffnete hierauf dieselbe durch etliche die Herzen als—
bald zu der rechten Stimmung erhebende Worte. Nun folgte
„
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unter Begleitung des Posaunenchors mit freudiger Begeiste—
rung, weithinschallend, der erhebende Festgesang: „Gelobet sei
der HErr“ (Nr. 144 unsers Gesangbuchs), gesungen von der
gesamten, etwa 8000 Personen zählenden Festgemeinde. Nach
demselben erhob sich der erste Festredner des Tages, unser
Hochw. Allgemeiner Präses, P. F. Pfotenhauer, und wies in
beredten Worten hin auf die Bedeutung der heutigen Feier.
Ausgehend von Luthers Worten: „Kauft, weil der Markt vor
der Tür ist!“ schilderte er in seiner klaren, zu Herzen gehenden
Weise die Wichtigkeit unsers lutherischen Schulwesens, die Weis⸗
heit und Treue der Väter unserer Synode auch in dieser Sache,
den Segen Gottes, den er auf dieses Werk gelegt habe, die
heilige Pflicht, die uns in diesem Stück obliege, und den seligen
Erfolg, den wir zu hoffen haben von der rechten Ausrichtung
des christlichen Erziehungswerkes.
Auf eine gute Predigt gehört ein guter Gefang. Und
der wurde uns in meistervoller Weise durch einen Massenchor.
Unter der fähigen Leitung Lehrer M. Friesers von der hiesigen
St. Lukasgemeinde hatten sämtliche lutherische Lehrer Chicagos
und achtzehn Männerchöre aus den Gemeinden dieser Stadt
(im ganzen 400 Mann) sich gerüstet zu gemeinsamem würde—
vollen Vortrag des Hymnus: „Jauchzet dem SErrn, alle
Welt!“ Es war ein Hochgenuß, diesem Gesang zu lauschen,
und man konnte es den Sängern abfühlen, wie sie so recht mit
fröhlichem Herzen dem HErrn jauchzten und sangen.
Unsere lutherische Kirche ist durch Gottes Segen eine viel—
sprachige, und in diesem Lande gewinnt in ihr das Englische
stetig zunehmende Bedeutung. Somit war denn auch ein eng—
lischer Teil für das Fest vorgesehen. Eröffnet wurde er durch
die feurige und begeisterte Rede des aus Fort Wayne erbetenen
Ehrw. Allgemeinen Vizepräses J. W. Miller. Er führte aus,
welch ein hohes Gut wir überkommen hätten von unserm Gott,
wie ernst daher unsere Verpflichtung sei, und bat darum alle
seine Zuhörer, doch ja den großen himmlischen Schatz, der uns
ohne unser Zutun geworden sei, treu zu bewahren und also
Gott recht zu ehren. Als er geendet hatte, erfreute uns wieder
eine vortrefflich vorgetragene Festhymne. Auf einer besondern
Bühne, angrenzend an die Rednerbühne, stand eine große Schar
junger Männer und Knaben. Es waren die Seminaristen und
Schüler unsers Lehrerseminars in Addison. Als Dirigent stand
vor ihnen ihr Professor G. C. A. Käppel. Und einfach er⸗
hebend erklang es nun: *0 Lord, Our God, How Greéat Art
Thou!“ Nur zu gerne hätte man solchem Gesang noch länger
zugehört.
Schon während desselben hatten nach vorheriger Abkün⸗
digung sich etwa 75 Kollektoren unter die Festmenge begeben,
um das Lobopfer der Hände zu heben. Während dieses dar—
gereicht wurde, gab die große Festversammlung auf den Gesang
der Seminaristen gleichsam die Antwort, indem sie anhob:
0 That I Had a Thousand Voices!“ von welchem Liede drei
Strophen gesungen wurden. —
Es ist eine schöne, alte Sitte, den Grundstein kirchlicher
Gebäude nebst allerlei interessanten Dokumenten auch mit
Schriften und Büchern, die unsere Lehre und unser Bekenntnis
enthalten, zu versehen. Beides geschah auch hier. P. Th.
Kohn, Sekretär der Aufsichtsbehörde des Seminars, trat daher
nun vor und kündigte nach etlichen passenden Einleitungs-—
worten die Titel aller für den Grundstein bestimmten Schrift⸗
stücke an, während sie zugleich der Menge gezeigt wurden.
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C S S
E A
— L—
C /
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