Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 13 › Seite 200
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. Juni 1913, Seite 200
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Neuen als des Alten Testaments, die in irgendwelcher Landes⸗
sprache herausgegeben sind, zu erteilen, ihnen genommen ist.“
Dann folgt dieses Anhängsel: „Wenn aber derartige Bibel⸗
übersetzungen in der Volkssprache von dem päpstlichen Stuhl
gebilligt oder mit Anmerkungen aus den Schriften der Kirchen⸗
väter oder gelehrter katholischer Männer herausgegeben sind,
so sind sie erlaubt.“ (Decr. Sacr. Congr. Ind. 13. Junii 1757.)
Diese offiziellen Verordnungen, die aus der zuverlässigsten
Quelle genommen sind, bestätigen, was im vorhergehenden
Fe Wanppen ausgeführt ist, und beweisen unwiderleglich, daß
ie Papstkirche allerdings dem Volke die Bibel geraubt hat.
Klemens sagt ja ausdrücklich, daß die römische Inquisition das
Recht, Erlaubnis zum Lesen der Schrift zu erteilen, wieder
aufgehoben hat. Wir wissen auch, daß seit Sixtus V.
(1585—1590) die Päpste selbst in den Sitzungen der Inqui⸗
sition den Vorsitz führten. Es ist freilich wahr, die Index⸗
kongregation hat wieder im Jahr 1757 die Erlaubnis zum
Bibellesen unter den gewöhnlichen Bedingungen erteilt, aber
vor dieser Zeit hat kein Bischof oder Inquisitor das Recht dazu
gehabt. So hat man in der Tat dem Volk die Heilige Schrift
vorenthalten.
5. Im Jahre 1713 hat Papst Klemens XI. in der Bulle
Unigenitus folgende Thesen des Paschasius Quesnel verdammt:
„S80. Das Lesen der Bibel ist für alle. 82. Christen sollen den
Feiertag heiligen, indem sie fromme Bücher und vor allem die
Heilige Schrift lesen. Es gereicht zum Schaden, wenn man
einen Christen von solcher Lektüre zurückhält.“ Die Behaup⸗
tung, daß alle Menschen Gottes Wort gebrauchen und daß sie
am Sonntag die Bibel lesen sollen, ist verworfen und ver⸗—
dammt. Heißt das nicht, den Kindern Gottes die Bibel ver—
weigern?
Diese geschichtlichen Tatsachen beweisen unwiderleglich, daß
die Papstkirche offiziell, nicht nur einmal oder gelegentlich, son⸗
dern wiederholt, grundsätzlich und konsequent, den unbeschränk—
ten Gebrauch der Bibel dem Volk vorenthalten hat; und in
Spanien, Portugal und Italien, kurz, überall, wo sie ihre
Grundsätze zur Ausführung bringen konnte und wo sie von
der öffentlichen Meinung nicht geradezu gezwungen wurde, ihre
Praxis einzuschränken, da hat ihr Bibelverbot, das von dem
Index, der Inquisition und der weltlichen Gewalt ausgeführt
wurde, das Wort Gottes gänzlich aus den Händen des Volkes
gerissen. J. G. S.
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Unsere Missionen.
6. Die Heidenmission in Indien.
Ob der kriegerische Kaiser Konstantin wirklich einmal in
der untergehenden Sonne ein Kreuz mit danebenstehender
Schrift: „In diesem Zeichen siege!“ und in der folgenden Nacht
Christum selbst erblickt habe, der ihm Zeichen und Schrift im
Traum erklärte, wie der Kirchengeschichtschreiber Eusebius be—
richtet, der diese Geschichte aus des Kaisers eigenem Munde in
dessen Alter unter eidlicher Versicherung gehört haben will, mag
dahingestellt bleiben. Aber das ist gewiß, daß unsere Synode
jetzt in der großen, finstern Heidenwelt die herrlichsten Siege
feiert unter dem aufgeworfenen Panier des Kreuzes JEsu
Christi, nämlich unter dem Schall des Wortes vom Kreuz, das
sich durch Gottes wunderbare Gnade gerade jetzt an vielen armen
Heiden als eine Gotteskraft zur Seligkeit erweist. So schwierig
der Anfang und so gering die Erfolge in den ersten Jahren
waren, so hat doch Gott die saure, einzigartige Arbeit unserer
Missionare in Indien während der letzten Jahre mit so reichem
Segen gekrönt, daß wir uns nicht genug darüber verwundern
können. Der unter vielen Mühsalen ausgestreute Same fängt
an mächtig zu keimen und aufzugehen. Mehr als 500 getaufte
Christen stehen dort unter der Seelsorge unserer Missionare,
die auf allerlei Weise das arme Volk unter den Schall des
Evangeliums zu bringen, sogar auch auf den Landstraßen den
zu den Märkten Wandernden aus den verschiedensten Ortschaften
zu predigen suchen. Rings um die einzelnen Predigtstationen
her liegen Kreise von Schulen, in denen etwa 1600, größten⸗
teils noch nicht getaufte Kinder christlichen Unterricht empfangen
und treulich unterwiesen werden zur Seligkeit. Außerdem
stehen über 900 „Katechumenen“ im Taufunterricht. Ja, die
Heiden kommen selbst unsern Missionaren entgegengelaufen und
melden sich zum Unterricht: 120, 200, bis zu 1000 an der
Zahl haben schon mit einem Mal um die Predigt des Evange—
liums gebeten. ö
Nun aber, welch ein Jammer ist es, daß wir in dem großen
Heidenlande Indien nur 12 Missionare haben, und daß diese
Hunderte von bittenden Heiden abweisen müssen, weil sie nicht
mehr Arbeit als die, welche sie jetzt schon aufreibt, bewältigen
können! Gott vom Himmel tut uns eine große Tür nach der
andern weit auf, daß wir die arme Heidenwelt mit der Predigt
des seligmachen den Evangeliums beglücken sollen, und wir kön⸗
nen nicht hineingehen, weil es an den „großen Scharen Evan—
gelisten“ gerade für die Heiden fehlt. Unser Missionsdirektor
hat jetzt drüben auf unserm ganzen Gebiet Visitation gehalten.
Aber was er bereits berichtet hat und noch berichten wird, muß
uns ja die klägliche Not nur immer deutlicher vor Augen stellen,
nämlich, „die Ernte ist reif zum Schnitt, aber es fehlen die
Schnitter“. Ach, möchte doch in unserer ganzen Synode das
Gebet aller Christen um die Bekehrung der armen Heiden im
fernen Indien zum Throne Gottes emporsteigen als ein lautes
Geschrei, daß der HErr durch seine herzlenkende Kraft noch viel
mehr Heidenmissionare, Männer nach seinem Herzen, erwecken
und ausrüsten wolle, die mit unerschrockenem Mut in brünstiger
Liebe sich der Rettung unserer armen, unglückseligen Miter—
lösten widmen! „Sollte aber nicht hier und da ein Jüngling,
der dies liest, den der HErr mit den nötigen Gaben des Leibes
und Geistes beschenkt hat, gereizt werden, sich zu einem Missio⸗
nar unter den Heiden ausbilden zu lassen? Zum Schreiber
dieses kam gelegentlich ein Christ, der gerne noch Missionar
geworden wäre, wenn er nicht schon zu alt dazu gewesen wäre.
Sollte nicht an seine Stelle ein anderer Jüngling treten wollen?
Wer meldet sich?“ „Wer kann helfen, neue Missionare zu ge—
winnen und ihnen Mut und Lust zu machen, zu den Heiden zu
gehen?“ Sogar der römische Antichrist hat doch 15,801 Mis⸗
sionare in den Heidenländern; alle protestantischen Kirchen—
gemeinschaften dagegen haben zusammen 25,000. Und unter
diesen haben wir ganze zwölf, dazu noch eine Anzahl ein—
geborner Evangelisten und Katecheten, die in dem dortigen
Seminar zum Dienst in unsern Schulen herangebildet werden!
Ach, bedenken wir nun aber doch: ganze heidnische Ortschaften
kommen zu uns mit der flehentlichen Bitte um Hilfe, und wir
müssen ihnen antworten: Wir können euch nicht helfen; denn
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