Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 13 › Seite 201
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. Juni 1913, Seite 201
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I
Lutheranet
— — SI
es fehlen uns die Leute! Bedenken wir doch, was das heißt,
und was wir tun, wir, die wir das reine Evangelium in reichster
Fülle haben: ganze Ortschaften weisen wir ab mit dern Be—
scheid: Wir können euch nicht helfen! O,
Wach' auf, du Geist der ersten Zeugen,
Die auf der Mau'r als treue Wächter stehn,
Die Tag' und Nächte nimmer schweigen
Und die getrost dem Feind entgegengehn,
Ja, deren Schall die ganze Welt durchdringt
Und aller Völker Scharen zu dir bringt.
O daß doch bald dein Feuer brennte!
O möcht' es doch in alle Lande gehn!
Ach, sende, HErr, in deine Ernte
Viel Knechte, die in treuer Arbeit stehn.
O SeErr der Ernte, siehe doch darein:
Die Ernt' ist groß, da wenig Knechte sein!
Wenn „die Macht der Heiden zu uns kommt“, dann müssen
unsere Herzen sich wundern und ausbreiten; dann müssen auch
unsere Hände sich füllen, Gold, Weihrauch und Myrrhen als
wohlgefällige Opfer dem HErrn darzubringen. Die erforder—
lichen Geldmittel für das erwünschte Bergheim, das unsern
lieben Missionaren samt ihren Familien als eine Erholungs—
und Genesungsstätte dienen soll, sind ja durch die Liebe unserer
Christen schön zusammengekommen. Dieselbe Liebe wolle nun
auch dafür sorgen, daß die nötigen §30,000 für die laufenden
Ausgaben zur Fortführung des gottgesegneten Werkes unserer
Heidenmission in diesem Jahre gesammelt werden, damit sich
unsere Kommission nicht durch fortwährenden Mangel an Geld—
mitteln in ihrer Tätigkeit behindert und aufgehalten sehen
müsse! Hat die Herrnhuter⸗ oder Brüdergemeine, die kaum
40,000 Mitglieder in Amerika und Europa zählt, im vorletzten
Jahr §473,000 allein für Heidenmission opfern können, obwohl
sie nicht in allen Stücken die reine Lehre hat, was können und
was sollten wir tun? Gerade die Sache mit dem Bergheim
hat ja Gott dazu benutzt, daß überall in unserer Synode das
Interesse für die Heidenmission mächtig erwacht ist. Möge
nun auch die Teilnahme an dem großen, herrlichen Gotteswerk
andauern und zunehmen zu Gottes Ehre und aller Christen
Freude und vieler Heiden Heil! Weitere Mitteilungen aus
unserer Heidenmission und Ermunterungen zum Eifer für die—
selbe bleiben diesmal billig dem Missionsdirektor überlassen.
7. Die Emigrantenmission.
Obgleich der Strom der Einwanderung deutscher Prote—
stanten schon seit einer Reihe von Jahren viel schwächer als
früher geflossen ist und jetzt fasft ganz zu fließen aufgehört hat,
so ist doch unsere Emigrantenmission immer noch berechtigt und
wichtig. Sie hat nach wie vor ein fruchtbares Feld ihrer Tätig—
keit, zumal die Missionare auch angefangen haben, sich der
Seeleute ganz besonders anzunehmen. Sie hat gerade im letz⸗
ten Jahre herrlich wachsen und ihre Flügel weiter als zuvor
ausbreiten können.
Der Brasilianische Distrikt hat in der großen Hafenstadt
Buenos Aires (in Argentinien) eine Emigrantenmission ins
Leben zu rufen beschlossen und hat bereits eine solche Mission
in Porto Alegre (in Brasilien), wo die Regierung eine große,
schöne Einwandererherberge eingerichtet hat, von welcher aus
die Ankömmlinge in einer halben Stunde (zu Fuß) leicht und
bequem zu unserer dortigen Kirche geführt werden können. —
Da jedoch die Einwanderung aus Rußland und Ssterreich sich
in den letzten Jahren größtenteils den canadischen Häfen zuge⸗
wendet hat, und wir jedenfalls viel segensreiche Arbeit in
Städten wie Montreal, Quebec, Halifar usw. finden können,
so erscheint die Einrichtung einer Emigrantemmission in den
canadischen Hafenstädten an der Atlantischen Küste wünschens⸗
wert und der Canada⸗Distrikt hat es auch bereits als seine
unaufschiebbare Pflicht erkannt, sich der über canadische Häfen
einwandernden Glaubensgenossen hilfreich anzunehmen, und hat
beschlossen, zu diesem Zweck vom 1. März dieses Jahres an
einen Emigrantenmissionar in der Hafenstadt Quebec anzu—
stellen, was auch versuchsweise und vorläufig bis jetzt geschehen
ist. — In Galveston, Tex., ist das vom Texas⸗Distrikt kaum
begonnene gute Werk der Emigrantenmission infolge von Weg⸗
berufung des Missionars, und weil wegen Mangels an Mitteln
ein neuer Missionar nicht berufen werden konnte, leider bald
wieder zum Stillstand gekommen, hoffentlich nur zeitweilig.
Die Frage wegen Wiederaufnahme der dortigen Mission sollte
jedenfalls ernstlich in Erwägung gezogen werden. Auch Gal⸗
veston ist nämlich bereits für viele europäische Einwanderer ein
beliebter Landungsplatz geworden, den sie deshalb vorziehen,
weil die Reise zwischen drüben und irgendeinem Ort in unsern
Südstaaten sowie auch in den Staaten westlich vom Mississippi
über Galveston bedeutend billiger zu stehen kommt als über
eine unserer östlichen Hafenstädte.
Über unsere Emigrantenmission in New Nork und Phila⸗
delphia hat der „Lutheraner“ erst kürzlich, in den Nummern 4,
6 und 10, ausführliche, von den Missionaren selbst verfaßte Be⸗
richte gebracht; und das dort vor einigen Monaten Gesagte
jetzt schon zu wiederholen, wäre wohl des Guten zu viel getan.
New York betreffend, dürfte es jedoch wohl am Platze sein, noch
eine besondere Erinnerung an unser dortiges Pilgerhaus bei⸗
zufügen. Bei Gelegenheit einer im letzten Herbst abgehaltenen
amtlichen Visitation wurde unter anderm auch die Frage ein⸗
gehend erwogen, ob sich das Pilgerhaus für die Synode ren—
tiere und jetzt noch bei der geringen Einwanderung von Nutzen
sei. Diese Frage mußte dahin beantworet werden, daß das
Pilgerhaus immer noch eine gute. Kapitalanlage für unsere
Synode sei. Konnte es auch der Synodalkasse in der letzten
Zeit keine Zusendungen machen, so hat es doch immer noch viel
Gelegenheit, der Synode direkt zu dienen. „Es erzielt nicht
nur einen Gewinn aus dem Geschäft, sondern erspart auch
unserer Mission große Auslagen, indem es uns eine für unsere
Zwecke bequeme und geräumige Office stellt, dem Missionar eine,
wenn auch nur bescheidene Wohnung bietet und für Unterkunft
und Beköstigung der übrigen im Missionsdienst angestellten
Personen sorgt.“ Ferner sorgt das Pilgerhaus auch für die
Beförderung unserer Kandidaten nach dem Ausland und be—
fördert kostenfrei die Geldsendungen des Allgemeinen Kassie⸗
rers nach Südamerika. Auch die freie Beförderung der Weih⸗
nachtskisten nach Indien geschieht schon seit Jahren durch das
Pilgerhaus, so daß niemand eine unserer Heidenmission zuge⸗
dachte Weihnachtsbescherung aus Befürchtung allzuhoher Trans—
portkosten zurückzuhalten braucht. Das Pilgerhaus ist gründ⸗
lich renoviert, so daß es in seiner jetzigen Einrichtung besser als
je zuvor den gerechten Ansprüchen aller Reisenden, die nicht
allzuhohe Anforderungen stellen, entspricht. Bei zuvorkom⸗
mender Bedienung sind die Preise so niedrig wie möglich ge—
stellt; und aller Reingewinn fließt die Kasse der Allgemeinen
Synode. „Da darauf Rücksicht genommen werden muß, daß
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