Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 13 › Seite 202
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. Juni 1913, Seite 202
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202
S Ver 2„TutheranebS
die Synode Einnahmequellen dringend nötig hat, so sollten
alle Aufträge für Schiffskarten aus unsern Gemeinden durch
das Pilgerhaus oder einen unserer andern Emigrantenmissionen
besorgt werden. Der erzielte Überschuß kommt der Synode
zugute. Diese Sache scheint immer noch nicht genügend be⸗
kannt zu sein; und auch das kommt immer noch oft vor, daß
Leute sich erst dann an unsere Missionare wenden, wenn andere
Agenten den Nutzen bereits in der Tasche haben.“ „Würden
alle Geschäfte, die sich auf Reisen und Geldsendungen nach dem
Auslande beziehen und von New Nork aus am bequemsten be⸗
sorgt werden können, unserm Pilgerhause übertragen werden, so
könnte unsere Mission in New York sich selbst und ihre Filialen
in Hamburg und Bremen erhalten, ja noch einen Überschuß
aufweisen.“
Tatsache ist, daß New Nork mit Bremen und Hamburg im
letzten Jahre nur noch einen Zuschuß von §550.00 bedurfte,
5250.00 weniger als das Jahr zuvor. In Baltimore und
Philadelphia, wo wir kein Pilgerhaus haben, war und ist frei—
lich mehr nötig; und da immer auch blutarme Einwanderer
zu unterstützen sind, nämlich nach dem Wort unsers Heilandes:
„Ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, kömit
ihr ihnen Gutes tun“, Mark. 14, 7, so müssen wohl auch für
dieses Jahr wieder etwa §3000.00 zur Fortführung unserer
ganzen Emigrantenmission angesetzt werden.
„ Aus Philadelphia wird gemeldet, daß die Missionsarbeit
sich beständig mehrt, daß zwei neue Dampferlinien in der näch⸗
sten Zeit Einwanderer besonders auch aus den deutschen Kolo⸗
nien in Rußland direkt herüberbefördern werden, und daß dies
einen erheblichen Zuwachs für unsere dortige Mission bedeutet,
weil in Zukunft der Hafen von Philadelphia noch mehr, als
es jetzt schon der Fall ist, der Haupthafen für die Eimvande—
rung der deutschen Lutheraner aus Rußland sein wird; ferner,
daß in den ersten drei Monaten dieses Jahres schon miehr
Schiffsgottesdienste abgehalten werden konnten als im letzten
ganzen Jahr, und daß kürzlich die erste christliche Beerdigung
eines im Hospital selig entschlafenen Seemannes in Gegenwart
von 40 Matrosen, die unter der Führung des zweiten Offiziers
mit der Schiffskapelle zun Kirchhof gekommen waren, statt⸗
fand. „Die Gelegenheit zu einem Zeugnis für den Sünde und
Tod überwindenden Christenglauben hätte gewiß nicht günstiger
sein können als dort am Grabe eines selig vollendeten See—
mannes.“ „Diese Mission bietet auch die herrlichste Gelegen⸗
heit zur Verbreitung des Wortes Gottes in die weitesten Kreise.
In 32 verschiedenen Sprachen habe ich so weit Neue Testamente
oder andere Teile der Heiligen Schrift, sonderlich das Evan—
gelium St. Johannis, unter die Seeleute austeilen können.
Die Kommission in Milwaukee hat auch dafür gesorgt, daß ich
passende Traktate in deutscher und englischer Sprache zur Ver⸗
teilung erhielt. Bis zum letzten April habe ich 712 Seeleuten
in dieser Weise gedient.“
In Baltimore, wo früher die Unierten und die Presby—
terianer das Heft fast allein in Händen hatten, soviel die Emi—
grantenmission betrifft, während unsere Synode hierin hinter
jenen weit zurückstand, haben wir seit einer Reihe von Jahren
— und sonderlich in den letzten Jahren — recht erfreuliche
Fortschritte zu verzeichnen, wie aus folgenden Angaben, die
sich auf das Jahr 1912 beziehen, hervorgeht: Am Hafen in
Empfang genommen wurden 207 Personen, denen Rat und
Beistand erteilt wurde; 39 Personen wurden von den Bahn⸗
höfen abgeholt, 95 an die Bahnhöfe, 46 an den Hafen und 81
ins Logis geführt. Arbeit und Verdienst konnte 10 Personen
zugewiesen werden. 324½ Fahrkarten wurden ausgestellt.
Ganz besonders widmete der Missionar seine Aufmerksamkeit
den Detinierten und Deportierten im Detentionshaus und in
den Hospitälern; es wurden dort von ihm 454 Personen be⸗
sucht und je nach Umständen gestraft, getröstet, gewarnt, be⸗
raten usw. 2722 Synodalkalender, Traktate, „Lutheraner“,
„Missionstaube“, „Stadtmissionar“ und andere Zeitschriften
wurden frei verteilt. P. Tober assistierte dem Missionar am
Landungsplatz unter den Polen. 1327 Personen wurden zum
Zweck kirchlicher Versorgung an Pastoren der Synodalkonferenz
gewiesen, und erhaltenen Nachrichten zufolge wurden 174 für
deren Gemeinden und Schulen gewonnen. Schon dieser eine
Umstand beweist deutlich, daß auch unsere Emigrantenmission
in Baltimore eine treue Gehilfin unserer eigentlichen synodalen
Missionsarbeit und daher wohl wert ist, daß wir sie nicht nur
erhalten, sondern auch heben und fördern, zumal sie auch so
kräftig mithilft, unsere Schulen zu füllen.
Unsere Missionare sehen es eben als ihre Hauptaufgabe
an, die Neueingewanderten rechtgläubigen Pastoren und Ge⸗
meinden zuzuweisen und zuzuführen, also wirkliche Missions—
arbeit zu tun. Sie sagen selbst: „Es kann nicht genug betont
werden, daß unsere Emigrantenmission in erster Linie eine Mis⸗
sion ist, und daß die den Emigranten diesbezüglich geleisteten
Dienste auch gewürdigt werden. Fast täglich bekommen wir
dahinlautende Briefe.“ Doch auch die rein äußerlichen Hilfs—
leistungen, die den Einwandernden oft in größter Not und
äußerst bedrängter Lage erwiesen werden, und von denen rüh—
rende, herzbewegliche Beispiele erzählt werden könnten, sind
gewiß ein „vernünftiger Gottesdienst“ (Röm. 12, 1), den wir
nicht unterschätzen dürfen. Darauf Bezug nehmend, schreibt
zum Beispiel unser nach Canada ausgeborgter Baltimore⸗
Missionar: „Ein kirchloser Mann, der von den angeführten
Fällen und der damit verbundenen segensreichen Tätigkeit un—
serer Emigrantenmission gehört hatte, sagte mir: Ich reise
oft mit meiner Familie nach Deutschland. In Zukunft werde
ich meine Schiffskarten durch Sie beziehen; denn eine so gute
Sache verdient unterstützt zu werden. Wieviel mehr sollten
nicht die Unsrigen, die eine Reise in die alte Heimat beabsichti⸗
gen oder Personen herüberkommen lassen wollen, die Gelegen⸗
heit gern benutzen, eine so gute Sache nach Kräften zu unter—
stützen! Das können sie tun, wenn sie die entsprechenden
Fahrkarten von uns beziehen. Das können alle tun, wenn sie
sich auch sonst bemühen, unserer Emigrantenmission Aufträge
für Besorgung von Schiffsscheinen zuzuwenden. Man bekommt
dieselben von uns nicht nur ebenso billig, als man sie von der
Schiffsgesellschaft direkt beziehen kann, sondern man unterstützt
damit zugleich, und zwar ohne auch nur einen Cent selbst
opfern zu müssen, auch unsere Emigrantenmission und hilft
mit, daß Leuten, wenn sie in ähnliche Lage kommen, wie oben
angedeutet, gedient werden kann.“ „Schließlich möchte ich noch
darauf aufmerksam machen, daß Emigranten, welche durch Ver—
mittelung unserer Mission reisen, bei ihrer Ankunft nicht nur
glatter und rascher durchkommen, sondern auch von den hiesigen
Beamten zuvorkommender behandelt werden als andere. Auch
aus diesem Grunde empfiehlt es sich, Leute, welche Verwandte
oder Freunde herüberkonimen lassen wollen, auf diese Mission
aufmerksam zu machen.“ Fr. S.
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