Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 13 › Seite 203
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. Juni 1913, Seite 203
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Versammlung des Atlantischen Distrikts.
Der Atlantische Distrikt hielt seine diesjährige Versamm⸗
lung inmitten der St. Lukasgemeinde (P. W. Köpchen) zu
New Nork City vom 14. bis zum 20. Mai. Im Eröffnungs—
gottesdienst predigte der erste Allgemeine Vizepräses, P. P.
Brand. Er zeigte auf Grund von Kol. 1, 3—8 den anwesen—
den Synodalen „Die Frucht des Wortes der Wahrheit“. Wie
sie sich einst in der Gemeinde zu Kolossä gezeigt hat, so zeigt
sie sich auch in unserer Synode und in der ganzen Welt, wo
immer das Wort der Wahrheit verkündigt wird. Der Prediger
ermunterte deswegen zu treuem Festhalten an dem Worte der
Wahrheit und zum fleißigen Ausbreiten derselben. In der
ersten Sitzung verlas Präses Schulze seine Synodalrede, in
der er auf Grund des Schriftwortes: „Lasset uns nicht ver—
lassen unsere Versammlungen, wie etliche pflegen“ zeigte, wie
auch unsere Synodalversammlungen solche gottesdienstliche Ver—
sammlungen sind, wie hoch und wichtig sie uns deshalb sein
müssen, und ermunterte die Anwesenden, sich ihrer hohen Auf—
gabe als Synodale bewußt zu sein.
Der Referent für die Lehrverhandlungen war P. Paul
Rösener. In seiner klaren, trefflichen Weise führte er das
schon im Jahre 1910 begonnene Referat über „Die Wunder der
christlichen Religion“ fort und zeigte dieses Mal, worauf sich
diejenigen berufen, welche die Wunder leugnen. Nachdem er
alle Einwürfe der Gegner gründlich zuschanden gemacht hatte,
zeigte er, daß es sich bei der Sache eigentlich nur um zwei
Fragen handele, einmal, ob Gott Wunder tun kann, und so—
dann, ob Gott Wunder getan hat. Wer das erste leugnet,
leugnet die Allmacht Gottes; wer das zweite leugnet, leugnet
die Wahrhaftigkeit Gottes. — Der verehrte Referent wurde
gebeten, auf der nächsten Synodalversammlung seine Arbeit
fortzusetzen.
Unter den mancherlei Geschäften, die der Synode vor—
lagen, nahm naturgemäß der Bericht der Missionskommission
die meiste Zeit in Anspruch. Gerade der Atlantische Distrikt
hat mit seiner Millionenstadt und ihren vielen Vorstädten, auch
in dem dichtbevölkerten Neuengland, ein sehr wichtiges und
volkreiches Missionsgebiet. Auch im vergangenen Jahre hat
das Werk seinen gedeihlichen Fortgang gehabt, und die Liebe
der Christen hat das Nötige dargereicht. Es wurde beschlossen,
die Gehälter der Missionare auf §65.00 und freie Miete fest—
zusetzen. Ferner wurde der Missionskommission der Auftrag,
den schon früher gefaßten Beschluß, einen Missionsdirektor zu
berufen, nun auszuführen. Die Kommission hatte nämlich
wegen der beständigen Ebbe in der Kasse gezögert, diesen Be—
schluß zur Ausführung zu bringen. Man erkannte aber allge—
mein, wie wichtig und nötig gerade hier ein solcher Missions—
direktor ist, und im Vertrauen auf Gottes Hilfe und die Liebe
seiner Christen soll jetzt der wichtige Posten besetzt werden.
Auch dem Schulwesen wurde gebührliche Zeit gewidmet.
Auf Antrag eines der Herren Deputierten wurde der Stand
der Gemeindeschule in unserm Distrikt besprochen. Fast unüber—
windliche Schwierigkeiten machen es den einzelnen Gemeinden
besonders in den großen Städten unmöglich, aus eigenen Mit—
teln eine Gemeindeschule zu unterhalten, und so erklärt es sich,
daß im Atlantischen Distrikt verhältnismäßig wenig Gemeinde—
schulen sind. Das Ergebnis der Besprechung war, daß der Herr
Präses gebeten wurde, ein Komitee zu ernennen, das die Sach⸗
lage gründlich besehen und auf Mittel und Wege sinnen soll,
wie durch gemeinschaftliches Handeln die Schwierigkeiten über—
wunden werden können.
Über unsere Prophetenschule in Bronxville lag ein erfreu⸗
licher Bericht der Aufsichtsbehörde vor. Bis auf die kleine
Summe von etwa 55000.00 ist die Schuld auf dem Eigentum
gedeckt. Man erwärmte sich, eine letzte Kraftanstrengung zu
machen, und so wurden in der Synodalsitzung Versprechen für
etwas über §53000.00 gemacht, und nun ist die Hoffnung ohne
Zweifel berechtigt, daß bei der nächsten Delegatensynode be—
richtet werden kann: „Auf dem prächtigen Eigentum in Bronx—
ville ruht keinerlei Schuld mehr.“ Dr. G. Sihler, Professor
der lateinischen Sprache in der New Lork University, suchte in
einer längeren Rede unter den Synodalen Begeisterung für den
Ausbau unserer Gymnasien und zur Errichtung einer lutheri—
schen Universität zu erwecken. Er erinnerte daran, daß die
Gründer und ersten Leiter unsers höheren Schulwesens zumeist
Leute waren, die Universitätsstudien gemacht hatten, und wies
darauf hin, wie wünschenswert es auch heute noch ist, daß die
Lehrer an unsern höheren Schulen fachmännische Ausbildung
genießen. Es wurde beschlossen, die Rede Herrn Dr. Sihlers
mit einer diesbezüglichen Eingabe, die von der New York—
Lokalkonferenz vor die Synode gebracht worden war, zur
Massenverteilung drucken zu lassen.
Vizepräses Brand legte den Synodalen das Werk der All—
gemeinen Synode ans Herz. Er berichtete über den Stand der
Synodalkasse und der Synodalbaukasse sowie über den gedeih—
lichen Fortgang des Neubaus in River Forest. Er lobte den
Eifer der Gemeinden, den sie für die Concordia in Bronxville
an den Tag gelegt hätten, und sprach die feste Hoffnung aus,
daß auch hier trotz der großen Opfer, die man für Bronxville
gebracht habe, doch auch noch einige Brocken für River Forest
übrig sein würden. Die Mission in Indien sowie die Innere
Mission im Auslande wie im Julande gedeihen alle unter
Gottes reichem Segen. Es fehlen nur die Männer und die
Mittel, um den Segen Gottes einzuheimsen.
Schon vor zwei Jahren hatte der Distrikt eine Eingabe
an die Delegatensynode eingereicht, welche die Vereinfachung
der Kassen im Auge hatte. Aus Mangel an Zeit kam sie aber
damals nicht zur Besprechung. So wurde denn der Beschluß
gefaßt, noch einmal die Sache vor die Synode zu bringen, und
zwar diesmal nicht theoretisch, sondern praktisch. Präses
Schulze, der sich viel mit der Sache beschäftigt hatte, legte der
Synode einen Plan vor, nach welchem alle Gelder in fünf Kassen
fließen sollen: die Synodalkasse, die Kirchbaukasse, die Missions⸗
kasse, die Unterstützungskasse und die Studentenkasse. Ein
Komitee hat die Kasse unter sich und verteilt die Gelder je nach
Bedürfnis. Es wurde beschlossen, in unserm Distrikt diese
Vereinfachung der Kassen vorzunehmen, und zwar am 1. Juni
dieses Jahres den Anfang damit zu machen, um die Sache zu
erproben.
Herrliche Gottesdienste wurden während der Synode ge—
halten. In dem Missionsgottesdienst ermunterte ''. Walter
König zu eifriger Arbeit in dem Weinberg des HErrn. Im
Pastoralgottesdienst zeigte P. W. Weinbach, was einen Prediger
ermuntern soll, mit dem Evangelium an den ihm anvertrauten
Seelen treulich zu arbeiten, nämlich die Tatsache, daß Christus
uns von Gott gemacht ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur
Heiligung und zur Erlösung. Der herrlichste Gottesdienst fand
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