Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 13 › Seite 205
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. Juni 1913, Seite 205
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Wiſſenſchaft 12
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festigen, auf dem sie versprechen, für ihn eine oder mehrere Messen
lesen zu lassen. Da packe man den Sarg voll Blumen, „und
währenddessen leidet die arme Seele im Fegfeuer und jammert
— ja, jammert nicht nach Blumen, sondern nach einer Messe,
nach einem Gebet. Bedenkt doch, wenn wir selbst in das läuternde
Fegfeuer kommen, was werden wir dann darum geben,. ob unser
Sarg mit Blumen überhäuft ist? Unsere arme Seele wird dür—
sten, seufzen nach Gebeten, nach dem kostbaren Blut im heiligen
Meßopfer. Erbarmt euch über mich, meine Freunde! Und unsere
Freunde, sogar die nächsten und teuersten, antworten auf unser
klägliches Schreien mit Blumen. Glücklich die abgeschiedene Seele,
deren Sarg bedeckt ist nicht mit Blumen, die verblühen und weg—⸗
geworfen werden, sondern mit Zetteln, auf denen ihre Freunde
Messen und Gebete versprechen für ihre baldige Befreiung in den
Himmel. Und wie werden wir uns freuen, sobald die Reihe an
uns kommt, wenn man so an uns denkt! O wenn diese Sitte
beobachtet würde, was für Ehre würde das Gott geben, was für
Erleichterung den leidenden Seelen, und was für Segen, Gnade
und Hilfe würde es uns bringen im Leben, in der Todesstunde,
und wenn wir in die Ewigkeit gehen“. — Es würde dies alles
nicht bringen, aber etwas anderes, was nicht genannt ist, aber
wohl die Hauptsache dabei ist. Wir sind auch nicht für über—
triebene Blumenspenden, um derentwillen, wenn sie bezahlt wer—
den sollen, die Kinder hernach vielleicht hungern müssen. Aber
aus noch viel gewichtigeren Gründen wollen wir keine Meßzettel
an den Särgen haben. Aber warum predigt man das immer den
armen Laien? Warum hängt der Papst nicht etwa am Tage
Allerseelen ein für allemal einen großen Zettel auf, mit dem er
allen aus dem Fegfeuer hilft? Er kann es doch; wozu ist er
sonst Papst? Und wenn er es kann und nicht will, dann sollte
man unter vier Augen ihm etwas über Liebe und christliches
Erbarmen sagen. E. P.
Chinesische Kindermorde. Die Polizeiverwaltungen unsers
Landes haben, wie berichtet wird, energische Maßregeln ergriffen,
um die unter den hier lebenden Chinesen in erschreckender Weise
zunehmenden Kindermorde möglichst zu verhindern. Vor allem
hat sich unter den Chinesen der schreckliche Greuel eingebürgert,
die Kinder, besonders die Mädchen, durch Skorpionstiche aus der
Welt zu schaffen. Die Chinesen berufen sich auf die in ihrer
Heimat übliche Sitte des Kindermordes, von dem hauptsächlich die
Mädchen betroffen werden, weil sie als unnütz gelten und die
Eltern in ihrem Nahrungserwerb nur stören. Bisher vollzogen
sich diese Morde in der Regel als „unglückliche Zufälle“; die
Mutter erstickte während des Schlafes das Kind „aus Versehen“.
Daneben verabreichte man auch einen süßen, mit etwas Opium
getränkten Sirup, der den Tod herbeiführte. In jüngster Zeit
aber werden unbequeme Kinder und bisweilen auch Erwachsene
durch Skorpionstiche oder durch die Bisse von „Hausschlangen“ be⸗
seitigt. Der Skorpion wird angesetzt, er sticht, die Wunde schwillt
etwas an, Krämpfe treten ein, und nach kürzerer oder längerer
Zeit ist das Kind tot. Etwa eine halbe Stunde nach dem Ansetzen
des Skorpions wird die Wundstelle mit kühlenden Flüssigkeiten
behandelt; nur winzige Pünktchen bleiben zurück, und sie werden
bei der meist sehr flüchtig vorgenommenen Leichenschau nicht oder
nur selten bemerkt. Dies berichtet die „Evangelische Zeitschrift“.
— Das ist ja ein schrecklicher Greuel. Aber die Chinesen sind
nicht die einzigen, die Kindermörder sind. Die Welt ist ein großer
Stall von Kindermördern. Wenn man den Greuel straft, dann
bekommt man den ganz verwunderten Bescheid: Es tut's doch
jedermann. Die meisten wenden freilich keine Skorpione an,
sondern allerlei andere Mittel und Schliche. Auch wartet man
gewöhnlich nicht bis nach der Geburt des Kindes, sondern sorgt
dafür, daß überhaupt kein Kind zur Welt kommt. Und das tun
nicht nur gefallene Mädchen, um die Spuren ihrer Sünde zu ver⸗
wischen, sondern auch Leute, die in der Ehe leben. Wie diese
Chinesen, treiben solche Leute ihr Morden versteckt, weil sie es
gegen ihr Gewissen tun. E. P.
„Der Kirchlich-Liberale Bote“, das neueste Kirchenblatt der
Berliner Gemeinden Gethsemane, Elias, Paul Gerhardt und
Segen, hat es fertiggebracht, in seiner Weihnachtsnummer zu
schreiben: „Wer gleich uns nicht mehr mit kindlich-gläubigem Ge—
müte die biblischen Erzählungen und Wundergeschichten in den
alten Formen hinnehmen will, wer da zweifelt und verzweifelt,
daß ihm die Kirche nichts mehr bieten kann, ihm Steine statt Brot
gibt, dem wollen wir zurufen: Verzage nicht! Was die Kirche
als Dogma lehrt, ist unwesentlich! Zum wahren Christentum
gehört es nicht! Strebst du nur zum Guten, hast du Religion im
Herzen, willst du in Jesu Sinn ein Gotteskind sein, so hast du
mehr Religion, als die da meinen, sie seien die wahrhaft From⸗
men, weil sie von Menschen aufgestellte Sätze blindlings aner⸗
kennen und für die Ewigkeit erhalten wollen.“ — Das als Weih—
nachtsbetrachtung für Christen! Sie sollen nur Weihnachten
feiern, aber die Weihnachtsgeschichte brauche man ja nicht zu
glauben. Und das schreiben nicht Sozialdemokraten, sondern
Pastoren, die in der Landeskirche ungestört ihr Werk treiben.
E. P.
Die „gesicherten Ergebnisse der Wissenschaft“ werden durch
folgenden Vorgang, über den die Monatsschrift des Keplerbundes
„Unsere Welt“ berichtet, in das grellste Licht gestellt. Kürzlich,
heißt es dort, wurde in der Teufelslochhöhle bei Steinau, Re—
gierungsbezirk Hanau, ein Schädel gefunden und einem Pro—
fessor in Breslau zur Begutachtung eingesandt. Der betreffende
Professor hielt nach Zeitungsnotizen den gefundenen Schädel für
eine Vorstufe des berühmten Neandertaler, des ältesten bisher in
fossilen (versteinerten) Resten gefundenen Menschen. Nach andern
Nachrichten sah dieser Forscher, von dem auch die Hygieneaus—
stellung Nachbildungen berühmter Schädelfunde aufwies, im
Steinauer Fund einen Affenschädel, der geologisch älter und
ursprünglicher sei als die heutigen Formen; er sei sehr menschen⸗
ähnlich. Und nun meldet sich ein Herr mit dem Bekenntnis, er
habe den Schädel eines vor zwei Jahren geschossenen Schimpansen
in die Höhle gelegt, um den Naturforschern etwas zu raten zu
geben! Wahrlich, es geht nichts über die „gesicherten Ergebnisse
der Wissenschaft!! — Ja diese Wissenschaft! Sie heißt zum
großen Teil Wissenschaft davon, daß sie nichts weiß. E. P.
Wie es in sittlicher Beziehung in Berlin steht, zeigt fol⸗
gende Notiz eines Berliner Blattes: Am Sonnabendabend ent⸗
stand ein großer Auflauf vor einem Kinotheater in der Nähe des
Alexanderplatzes. Mit einem Revolver in der Hand ging ein
Mann vor dem Eingange auf und ab und sah drohend nach der
Tür. Der Pförtner fragte, was dies bedeuten solle. „Meine
Frau ist mit ihrem Liebsten drin, und wenn sie herauskommen,
gibt es ein Unglück“, war die Antwort. Der Pförtner benach⸗
richtigte den Direktor, und dieser ließ das Theater sofort schließen
— es war nicht das erste Mal, daß Ehefrauen gesucht wurden —,
teilte den Zuschauern den Sachverhalt mit und bat die Frau
und ihren Liebhaber, das Theater durch einen Notausgang zu
verlassen. Zum Vergnügen des vollbesetzten Saales standen
9 Paare (I) auf und verließen den Saal. (E. K. Z.)
Die Sozialdemokraten und die Jugend. In welcher Weise
die Sozialdemokraten auch in diesem Jahre wieder am Konfir⸗
mationstage die eben konfirmierten Kinder zu sich herüber und
von der Kirche wegzuziehen suchten, zeigt ein vom „Alten Glau⸗
ben“ mitgeteilter Brief des sozialdemokratischen Vereins in Reuß
j. L., in welchem die Konfirmanden mit ihren Angehörigen zu
einem sozialdemokratischen Spaziergange und Unterhaltungs⸗
abende eingeladen werden. In demselben heißt es: „Gleich⸗
zeitig wollen wir bemerken, das wenn Sie unsere Veranstaltungen
besuchen, Ihnen keinerlei Schwirigkeiten vom seiten des Herrn
Pastor entstehen können; denn sobald das Kind Konfirmiert ist,
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