Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 1 › Seite 3
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Januar 1914, Seite 3
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SVer Vutheran- 3
daß für sie keine Opfer zu groß sind; daß sie zum rechten Bauen
im Reiche Gottes durchaus nötig ist; daß sie der Pflanzgarten
der Kirche Gottes ist; daß sie die Schule ist, die allein das von
Gott gesteckte Ziel, die Kinder in der Zucht und Vermahnung
zu dem HErrn zu erziehen, recht erreicht. Unserer Synode ist
Luthers Wort aus dem Herzen heraus geredet: „Es ist kein
größerer Schade der Christenheit, denn der Kinder versäumen;
denn soll der Christenheit wieder geholfen werden, so muß man
an den Kindern anheben.“ Wie herrlich ist daher auch das Amt
eines christlichen Gemeindeschullehrers! Was Luther von den
Predigern sagt, gilt ebensowohl von dem christlichen Lehrer:
„Es ist kein teurer Schatz noch edler Ding auf Erden und in
diesem Leben denn ein rechter, treuer Pfarrherr oder Prediger“
und: „Kein Goldberg oder Silberberg in einem Lande ist dem
Schatze zu vergleichen, daß es einen frommen Prediger hat.“
„Ein Pfarrherr und Schulmeister pflanzen und zeugen eitel
zunge Bäumlein und Wurzsträuchlein in den Garten. O sie
haben ein köstlich Amt und Werk und sind die edelsten Kleinode
der Kirchen.“ „Einen fleißigen, frommen Schulmeister oder
Magister, oder wer es ist, der Knaben treulich zeucht und lehrt,
den kann man nimmermehr genug lohnen und mit keinem Gelde
bezahlen, wie auch der Heide Aristoteles sagt.“
Wer ein Schullehreramt begehrt, der begehrt ein köstlich
Werk, zu dem Gott ihm gratuliert!
Welch ein köstlich Werk, wenn Eltern ihre Söhne auf unsere
Lehrerseminare schicken, daß sie dort zum Dienst an christlichen
Gemeindeschulen zugerichtet werden!
Ein großer Mangel an Lehrern ist in unserer Synode.
Viele Gemeinden bitten unsere Synodalbeamten flehentlich:
Schickt uns doch Lehrer für unsere Kinder! Aber die Lehrer
sind nicht da! Die Kinder müssen den herrlichen Unterricht
einer Gemeindeschule entbehren. Luther sagt einmal: „Wenn
du Gotte in deinem Kinde einen Pfarrherrn, Prediger, Schul⸗
meister geben kannst und tust es nicht, so raubst du viel tausend
Seelen aus dem Reiche Gottes.“ Und an einer andern Stelle:
„Ziehest du dein Kind, daß es ein Seelsorger“ (Lehrer) „wer⸗
den kann, so gibst du nicht einen Rock, stiftest auch nicht ein
Kloster oder Kirche, du tust wohl ein Größeres, du gibst einen
Heiland und Gottesdiener, der viel tausend Seelen zum Him⸗
mel helfen kann.“
Es ist Gott eine Lust und ein Wohlgefallen, daß von unsern
Seminaren viele Lehrer der himmlischen Weisheit ausgehen
und Licht, Leben und Heil tausend und aber tausend Menschen
bringen, Lehrer, von denen das Wort gilt: „Wohl denen, die
durch das Jammertal gehen und machen daselbst Brunnen!
Und die Lehrer werden mit viel Segen geschmückt“, Ps. 84, 7.
Darum freue dich deiner Anstalten zur Ausrüstung von
Gemeindeschullehrern, du Volk der evangelisch⸗lutherischen Mis⸗
sourisynode! Liebe und pflege sie, daß sie wachsen und blühen;
denn solange deine Lehrerseminare blühen, wirst du auch blühen!
H. W.
Der Sozialismus hat keinen Raum für den Glauben
an Gott.
In dem Artikel „Der Sozialismus und die Religion“ ist
dargelegt worden, daß der Sozialismus der Religion, aller
Religion, feindlich ist, daß er in seinen Grundsätzen Verwerfung
und Bekämpfung der Religion fordert. Gehen wir jetzt einmal
etwas ein auf die Lehre von Gott. Daß ein Gott ist, ist der
erste Grundartikel aller Religion. Religion bekennen zu wol⸗
len und dabei doch nicht an Gott zu glauben, ist widersinnig.
Wie vertragen sich nun diese beiden miteinander, der So⸗
zialismus und der Glaube an Gott? Wie Licht und Finsternis,
wie Feuer und Wasser; sie schließen einander aus. Für den
Glauben an Gott findet sich nirgends ein Räumlein, er ist
abgetan im sozialistischen System. Wohl kann sich ein Christ
beschwätzen lassen, unter die Sozialisten zu gehen und mit
ihnen eine Zeitlang an einem Strange zu ziehen, ohne sofort
seinen Glauben an Gott zu verlieren; er ist dann aber noch
kein echter Sozialist, er versteht die eigentlichen grundlegenden
Lehren des Sozialismus noch nicht. Werden ihm diese klar,
so fällt er entweder ab von seinem Glauben, oder er verläßt
das Lager der Sozialisten; nur eins von diesen beiden ist
möglich.
Die Gottesleugnung ist der unterste Grund
der sozialistischen „Wissenschaft“; sobald der
Sozialismus die Gottesleugnung fallen läßt,
fällt er damit selbst. Das wird uns klar, wenn wir
erwägen, daß der Glaube an Gott auch den Glauben an die
Schöpfung, Erhaltung und Regierung aller Dinge durch Gott
fordert.
Das ist ein wichtiges Stück unsers christlichen Glaubens
an Gott, daß er Himmel und Erde und das Meer und alles,
was darinnen ist, beide das Große und das Kleine, aus nichts,
durch sein bloßes Wort, geschaffen hat, ein jegliches Ding nach
seiner Art, jedes Licht am Himmelsgewölbe, Sonne und
Mond und Sterne, die Fische im Wasser, die Tiere auf Erden,
die Vögel in der Luft, alles Gras, Kraut und Bäume, ein
jegliches Geschöpf nach seiner Art und zu seinem Zweck
und zuletzt den Menschen als die Krone und den Herrn der
ganzen Schöpfung, dem alles dienen sollte, der daher auch ge⸗
schmückt war mit Gottes eigenem Bilde, so daß Gottes Majestät
sich an dem Menschen wie in einem Spiegel abbildete. Und
das alles tat Gott in sechs Tagen. Und dann sah er an alles,
was er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr gut. Es sollte
sich nicht erst noch nach und nach, in vielen Millionen Jahren,
entwickeln und gut werden, es war gut, es war voll⸗
kommen.
Gott hat seitdem seine Hand nicht von der erschaffenen
Welt abgezogen und sie sich selbst überlassen, sondern er erhält
und regiert auch ohne Unterlaß die ganze Welt. „Es besteht
alles in ihm. Er trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort.“
Es fällt kein Sperling vom Dache ohne Gottes Willen, er hat
auch unsere Haare auf dem Haupte alle gezählet. „Gott, der
die Welt gemacht hat und alles, was drinnen ist, hat gemacht,
daß von einem Blut alle Menschengeschlechter auf dem ganzen
Erdboden wohnen, und hat Ziel gesetzt, zuvor versehen, wie
lang und weit sie wohnen sollen, daß sie den HErrn suchen
sollten, ob sie doch ihn fühlen und finden möchten. Und zwar
er ist nicht sferne von einem jeglichen unter uns; denn in ihm
leben, weben und sind wir.“
Das glauben wir Christen von Gott; die Schöpfung, Er⸗
haltung und Regierung aller Dinge ist sein Werk; das lehrt
die Heilige Schrift gleich im ersten Kapitel und das bestätigt
sie immer und immer wieder bis zum Schluß. Die Natur⸗
religion oder die Vernunftreligion, soviel sich davon bei den
Heiden noch findet, lehrt dies alles nicht so klar und deutlich,
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