Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 1 › Seite 7
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Januar 1914, Seite 7
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Wohltätigkeit 2
8 er „Tutheransr
zwei Leuchter mit Kerzen, einer rechts, der andere links, ge⸗
stellt und in deren Mitte ein Kruzifix. Die Kanzel besteht aus
einem Pult, das ebenfalls mit einem schwarzen Tuch geziert
wird. An der Vorderseite des Tuches sind die Worte: „Dein
Wort ist die Wahrheit“ eingestickt. Punkt 4 Uhr beginnt der
Gottesdienst, der ebenso verläuft wie auch bei uns in Amerika.
Nur ist es des Pastors Pflicht, sich einzurichten, bis spätestens
534 Uhr fertig zu sein mit Predigt und Christenlehre, und
zwar aus dem Grunde, weil die Gemeinde bis 6 Uhr den Saal
für die Humanistensekte geräumt haben muß. Die Kirchen⸗
geräte werden dann schleunigst wieder an ihren Platz, in eine
Dachkammer, gebracht. In den Gemeindeversammlungen, die
monatlich stattfinden, werden unter regster Beteiligung der
Glieder alle vorliegenden Gegenstände beraten. Die Gemeinde
setzt sich zusammen aus folgenden Berufsarten: aus Kaufleuten,
Handwerkern, Beamten, Dienstmädchen und Krankenpflegerin⸗
nen; auch Soldaten aus in Berlin und in Vororten liegenden
Kasernen stellen sich regelmäßig zum Gottesdienst ein. Beson⸗
ders zu erwähnen ist die Opferwilligkeit, mit der die Glieder
ans Werk gehen. Auch ermuntern und ermahnen sie sich gegen⸗
seitig fleißig und fördern sich so in der Erkenntnis ihres Hei⸗
landes. Da die einzelnen Glieder meist weite Strecken mit
der Vorort⸗ und Straßenbahn zurücklegen müssen, um das Got⸗
tesdienstlokal zu erreichen, so ist ihre Opferwilligkeit doppelt
anzuerkennen. P. Amling, der dort amtiert, ist amerikanischer
Bürger.
Da die Verhältnisse teils, wie in allen Großstädten, kost⸗
spielig und teils mit viel Unannehmlichkeiten verbunden sind,
ist in der Gemeinde schon seit Jahren der Plan gereift, für
einen Kirchbau zu sammeln. Nur ist die Gemeinde klein und
in ärmlichen Verhältnissen und kommt darum mit ihrer Sache
nur langsam vorwärts. Deshalb möchte ich die Aufmerksam⸗
keit solcher lieben Christen, die willens sind, eine Gabe für
Gottes Reich zu spenden, darauf lenken, daß eine Gabe für den
Kirchbau in Berlin gewiß sehr angebracht wäre. Wie schön
wäre es, wenn auch diesen fernen Seelen ihr sehnlichster Wunsch,
ein Gotteshaus zu besitzen, recht bald in Erfüllung ginge! Da⸗
durch würde die Gemeinde auch äußerlich bei den Andersgläu⸗
bigen mehr Aufmerksamkeit erwecken, und ich glaube sicher, daß
es gerade in Berlin nicht fruchtlos wäre. Auch möchte ich den⸗
jenigen Lutheranern, welche eine Deutschlandreise machen und
nach Berlin kommen, es dringend ans Herz legen, ja den
Gottesdienst nicht zu versäumen. Sie werden den Besuch nicht
bereuen, sondern dieser Gemeinde gewißlich ein treues Anden⸗
ken bewahren.
Ein früheres Mitglied der Berliner
Gemeinde.
Zur kirchlichen Chronik.
Ob die „Kirche“ in den Zeitungen „anzeigen“ solle, wird
gegenwärtig sehr lebhaft von St. Louiser Zeitungen und von
St. Louiser Sektenpredigern besprochen. Es ist gewißlich nicht
zu verwerfen, wenn christliche Gemeinden und christliche Prediger
die öffentlichen Gottesdienste in den Zeitungen bekanntgeben. Für
Reiseprediger ist die Zeitungsanzeige wohl oft das beste und ein⸗
zige Mittel, eine Zuhörerschaft an einem bestimmten Ort und zu
einer bestimmten Zeit zusammenzurufen. Wir sehen, daß zum
Beispiel unsere Reiseprediger in Canada Zeit und Ort der zu
haltenden Gottesdienste durch die Ortszeitungen zur allgemeinen
Kenntnis bringen. Aber das „Anzeigen“ in den Zeitungen kann
auch die Kirche vor der Welt in ein ganz falsches Licht stellen.
Dies ist dann der Fall, wenn als Inhalt der zu haltenden Pre⸗
digten politische oder rein weltliche Dinge angegeben werdem wie
Prohibition, Besserung der bürgerlichen Moral, Neugestaltung des
Polizeiwesens usw. Dadurch bekommt das Publikum den Ein⸗
druck, als ob die christliche Kirche es nicht mit der Seligkeit der
Menschen durch den Glauben an den gekreuzigten Heiland der
Welt, sondern nur mit dem Leben hier auf Erden und der bürger⸗
lichen Moral zu tun habe. Mit solchen Anzeigen wird die christ⸗
liche Kirche nicht „angezeigt“, sondern verleugnet. F. P.
Unsere Immanuelsgemeinde in London, England, durfte
am 19. Sonntag nach Trinitatis ein schönes Missionsfest feiern.
Nachmittags erzählte uns P. Holls von Friedrich Wyneken, dem
treuen Missionar der Missourisynode; und abends suchte der
Unterzeichnete die Festversammlung zu dem köstlichen Werk der
Seelenrettung zu erwärmen. Die Kollekte betrug 540.18. Eine
Teestunde vereinigte unsere lieben Glieder zu geselliger Unter⸗
haltung; auch trug der gemischte Chor ein geistliches Lied vor. —
Zu unserer Aussaat des Samens seines goldlauteren Wortes hat
der HErr der Ernte auch in diesem Jahre wieder seinen Segen
gegeben. Sind auch große Erfolge nicht zu verzeichnen, so haben
wir doch für allezeit regen Kirchenbesuch viel zu danken. Finan⸗
ziell ist die Gemeinde so erstarkt, daß sie die Lehrerin der neu⸗
gegründeten zweiten Klasse unserer Schule ohne besondere Bei⸗
hilfe aus der Missionskasse selbst erhalten konnte. Freilich, die
bisher empfangene Unterstützung der teuren Glaubensbrüder auch
für die Zukunft zu erbitten, sehen wir uns durch die Verhältnisse
gezwungen. Christus aber, das Haupt seiner Kirche und der
Immanuelsgemeinde in London, wolle ferner Gedeihen schenken
zu dem Werk, das wir hier treiben in seiner Kraft und zu seines
hochheiligen Namens Ruhm! K. Knippenberg.
In Canada befanden sich nach dem Zensus vom Jahre 1881
46,350 Lutheraner. Im Jahre 1911 war diese Zahl auf 229,864
gewachsen. Im Jahre 1881 war in Canada eine Person aus 100
lutherisch. Jetzt ist das Verhältnis auf drei zum Hundert ge⸗
stiegen. Keine andere Kirchengemeinschaft in Canada außer der
anglikanischen (episkopalischen) hat eine solche Zunahme im Ver⸗
hältnis zur Bevölkerungszahl zu verzeichnen. Das Wachstum
von 46,350 auf 229,864 erklärt sich allerdings zum großen Teil
durch Einwanderung teils aus den Vereinigten Staaten, teils aus
Europa. Unter den Lutheranern Canadas arbeitete unsere Synode
im Jahre 1912 an 237 Ortschaften. Trotzdem ist gerade in
Canada der Mangel an Arbeitern fühlbarer als wohl in irgend⸗
einem andern Felde unserer Synode außer Brasilien. G.
Die Zahl der Gemeinden unserer Synode, die das Kuvert⸗
system einführen, ist stetig im Wachsen. Das geht auch aus einer
Mitteilung hervor, die uns der Generalagent unsers Verlags
kürzlich machte. Vor einigen Jahren, als sich der Verlag zuerst
mit dem Drucken von Sammelkuverten befaßte, beliefen sich die
Bestellungen des ersten Jahres auf insgesamt 8000 Kuverte.
Im letzten Jahre waren kurz vor Weihnachten Bestellungen auf
2,000,000 Kuverte eingelaufen. Letzten Herbst, zur Zeit der
Missionsfeste, waren den üblichen Meldungen häufig Bemerkungen
beigefügt, die den Nutzen des Kuvertsystems vor allem auch in
Sammlungen für die Kassen der Synode hervorhoben. Wir
lassen einige dieser Aussprachen folgen. Ein Pastor schrieb aus
Michigan: „Kollekte: 8487.00. Noch nie dagewesen. Ursache:
Vorträge über die verschiedenen Missionen, ein Brief an die
Konimunizierenden, envelope system. Kollekte letztes Jahr:
§176.00.“ Aus Illinois: „Kollekte: 8452.00. Letztes Jahr,
ohne Kuverte, 8270.00. Dies Jahr mit Kuberten.“ Ebenfalls
aus Illinois: „Da wir diesmal Kuverte gebrauchten und manche
spät einkamen, daher jetzt erst die Anzeige. Haben aber etwa
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