Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 1 › Seite 10
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Januar 1914, Seite 10
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tod 3
8 Der „Tutheranee
Eine Frucht der Gemeindeschule.
Es gibt in unserer lieben Synode so manche Lehrer und
Pastoren, die jahraus, jahrein treu und gewissenhaft in der Schule
arbeiten, ohne besondere Frucht ihrer Arbeit zu sehen. Solchen
lieben Brüdern zur Ermunterung möchte ich eine ganz kürzlich
gemachte Erfahrung mitteilen, die mir das Herz vor Freuden
springen machte. Ein etwa zehn⸗ oder elfjähriger Knabe unserer
Gemeindeschule überreichte mir mittags einen selbstverfaßten Brief
folgenden Inhalts:
„Philadelphia. 26. November 1913. Werter Herr Pastor
B 1WLetztes Jahr am Danksagungstage gaben mir meine
lieben Eltern einen Cent, um ihn zu vervielfältigen, und dieses
ist das Resultat meiner Arbeit. Vierzig Dollars hat dieser Cent
in einem Jahre eingebracht, und es ist mein Wunsch, daß diese
Summe für unsere deutsche Schule (die Gemeindeschule ist ge⸗
meint! verwendet wird. Ich hoffe, daß meinem Beispiele andere
folgen werden. Herzlich grüßt Sie Ihr N. N.“
So weit der Brief. Demselben waren zwei Zwanzigdollar⸗
Goldstücke beigelegt, die unserer Schule zugute kommen sollen.
Der Knabe hat sich erst einige Postkarten für 1 Cent angeschafft,
diese verkauft, später einen Kleinhandel mit Streichhölzern usw.
getrieben und den Verdienst seiner Schule zur Verfügung gestellt.
Ist das nicht ein herrlicher Beweis, daß auch Kindern die christ⸗
liche Schule lieb ist? Übrigens gehören diese Eltern nicht zu
unserer Gemeinde. Schon einmal hatten sie ihren Knaben aus
unserer Schule genommen und ihn in die Freischule geschickt.
Dort hielt er es aber nur einige Tage aus. Er erklärte, er wolle
nicht in eine Schule gehen, in der man nichts vom Heiland lerne
und nicht einmal bete, und drang mit Tränen darauf, wieder die
Gemeindeschule besuchen zu dürfen. Seit etwa einem Jahre be⸗
sucht er auch — ohne seine Eltern — fleißig unsere Gottesdienste.
Er ist ein frommer, gottesfürchtiger Junge.
Solche Kinder müssen uns doch den unermeßlichen Segen
unserer christlichen Schule erkennen lassen und uns ermuntern,
sie zu pflegen, wo wir sie haben, und sie ins Leben zu rufen, wo
sie noch fehlen. H. B.
——93——
Behaltet den Stern in Sicht!
Ein alter, ergrauter Seemann pflegte abends so lange in die
Wolken zu sehen, bis er den Abendstern entdeckte. Dabei erzählte
er gern seinen Kindern und Enkeln, daß der Stern ihm einst das
Leben gerettet habe. Bei einem gewaltigen Sturm, der Schiff
und Mannschaft in große Gefahr gebracht habe, sei ihm zur Seite
durch einen herabstürzenden Mast der Kapitän erschlagen worden;
sterbend habe er ihm, dem Steuermann, noch zugerufen: „Siehst
du den Stern da oben? Behalte ihn in Sicht und steure auf
ihn zu!“ Der Kapitän starb, und zwei Matrosen wurden von
der Gewalt der Wellen über Bord gespült. Mit übermenschlicher
Anstrengung gelang es mir unter Gottes Beistand, das Schiff an
den Strand zu setzen; es zerschellte, ich aber behielt den Stern
in Sicht und wurde gerettet. Mit zitternder Stimme fügte der
alte Steuermann hinzu: „Kinder, ihr habt noch ein langes
Leben vor euch; behaltet allzeit den Stern in Sicht!“
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Auch ein Neujahr.
Mehrere Zimmergesellen in einem Vorort von Altona waren
auf dem Heimweg von der Arbeit in einen Wortwechsel geraten.
Fleißige, ordentliche Männer sonst. Aber heute hatten drei eine
Extrarunde ausgegeben, „weil Reujahr war“. So waren die
Gemüter erhitzt, die zügelnden Mahnungen des Gewissens, der
Erziehung, der Erinnerung waren gelähmt. Auf der Treppe zum
Bahnhof, von dem der Zug die Männer ihren Familien zuführen
soll, dreht sich der eine, ein Österreicher, um und schlägt seinem
Widersacher mit einem schweren Hammer über den Kopf. Der
taumelt zurück und ist tot. Nun warten vier Kinder und eine
Witwe bergeblich zu Neujahr auf den Vater. Und der Täter?
Einer von den 200,000 Unglücklichen, die „der gemütliche deutsche
Trunk“ alljährlich vor den Strafrichter und hinter Gefängnis⸗
mauern führt. Ein Toter und ein verlorenes Leben — um einen
Neujahrstrunk!
——3——9———
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Aus dem Armenhaus.
Eines Sonntags wurde mir auf dem Wege zur Kirche ein
junger Mann gezeigt, der eine alte Mutter an seinem Arme
führte. Man erzählte mir folgende Geschichte: Sein Vater war
ein wohlhabender Mann, der ein schönes Landgut besaß, aber
durch sein unordentliches Leben hatte er alles vergeudet. Er starb
im Elend, und seine Frau mußte ins Armenhaus. Sein Sohn,
eben dieser junge Mann, hat dann mit großer Aufopferung und
Hingabe gearbeitet, bis es ihm gelang, so viel zu erwerben, daß
er das Gut seines Vaters wieder kaufen konnte. So brachte er
seine alte Mutter aus dem Armenhaus wieder in ihre liebe.
schöne Heimat. Nun sah man ihn regelmäßig glücklich mit ihr
die Kirche besuchen.
Ich dachte, das ist eine kleine Erläuterung für die Geschichte
der Menschen. Der erste Mensch, unser Vater Adam, hatte uns
um alles gebracht. Aber dann kam Christus, des Menschen Sohn,
und erwarb uns das Paradies zurück. Er brachte uns aus dem
Armenhaus der Sünde und machte uns zu reichen Kindern des
himmlischen Vaters. In Christo gewinnen wir alles wieder, was
wir in Adam verloren haben, und das ist: Erlösung!
— 2
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Die Beobachtung eines Arztes.
Ein Arzt teilt in seinem Testamente eine sehr bemerkens⸗
werte Beobachtung mit. Er sagt: „Nichts hat, nach zurückgelegter
Jugend, in Glaubenssachen einen tieferen Eindruck auf mich ge⸗
macht als der Akt des Sterbens. Beim Tode eines Ungläubigen
sind Trostlosigkeit und Verzweiflung die vorherrschenden Erschei⸗
nungen, was mir besonders bei manchen sterbenden Juden sehr
auffallend gewesen ist. Ungewöhnlich starke Geister sterben auch
wohl mit kalter Ergebung. Mit einer gewissen Freudigkeit sah
ich nur Christen sterben.“ (Z. u. A.)
Vorlänfige Todesanzeige.
D. H. Wunder hat Heimfahrt gehalten. Der HErr hat
seines Dieners Flehen erhört und ihn im Frieden fahren lassen.
— Geboren wurde der nun verewigte Gottesmann zu Muggen⸗
dorf im Bayernlande am 12. März 1830; er entschlief am
22. Dezember 1913. Er überschritt also die schon von dem
Manne Gottes Moses als hoch gesetzte Grenze des menschlichen
Alters um drei Jahre und neun Monate. Nach Vorstudien in
Neuendettelsau unter Pfarrer Löhe war er einer der ersten Kan⸗
didaten des heiligen Predigtamtes, die aus unserer Anfangs⸗
anstalt in Altenburg hervorgingen. Eingeführt als Pastor der
Gemeinde zu Millstadt, Ill., wurde unser Wunder durch D. Wal⸗
ther am 16. Dezember 1849 und stand tätig im Predigtamt bis
wenige Wochen vor seinem Feierabend, also ganze vierundsechzig
—
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