Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 1 › Seite 8
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Januar 1914, Seite 8
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sozialismus
5 TutßsraneSE
fünfmal so viel als früher.“ Aus einem andern Distrikt: „Bei
uns bekommt jeder Kommunizierende ein Kuvert. Am Sonntag
vorher werden die Herzen etwas für die Sache erwärmt. In
dieser Weise haben wir in den letzten zwei Jahren unsere Mis⸗
sionskollekte im Vergleich mit früher verdreifacht. Seit Januar
haben wir auch das Duplex System. Unser Gemeindebeitrag
kommt dadurch sehr gut ein, und die Kollekten für auswärtige
Zwecke haben sich dadurch verdreifacht. In andern Jahren gaben
wir für die Synodalkasse 870.00. Durch die Kuverte werden
wir bis Ende Dezember etwa §185.00 bekommen.“ Aus Ohio
schrieb ein Pastor: „Während man früher jedes Jahr bei der
Abrechnung ein Defizit verzeichnen mußte, fand man nach Ein⸗
führung des Kuvertsystems schon im ersten Halbjahr eine
Zunahme von 81000.00 in den Einnahmen. Meine Gemeinde
besteht aus Arbeitsleuten.“ Das sind einige aus einer großen
Anzahl von Aussprachen, die einstimmig von unerwarteten Er⸗
folgen reden, die man durch die Einführung des Kuvertsystems
erfahren hat. Fast allen solchen Meldungen war eine Bemerkung
beigefügt des Inhalts: „Die Leute freuen sich nun selber dar⸗
über, daß das Geld für den Gemeindehaushalt so leicht einkommt
und die Missionen so viel reichlicher bedacht werden können als
früher.“ G.
Gegen das Bestreben der römisch⸗katholischen Kirche, Gelder
aus dem Schulfonds des Staates zu erlangen, richtet sich fol⸗
gender Protest, den der Zentral-Illinois-Distrikt unserer Synode
in seiner letzten Versammlung zum Beschluß erhob: „Da die
römisch⸗katholische Kirche, wie allgemein bekannt, fortwährend
Ansprüche macht auf Staatsgelder als Bezahlung für den in ihren
Parochialschulen erteilten Unterricht in weltlichen Fächern, und
da nach den Berichten der öffentlichen Presse vom 11. August 1913
dieses Bestreben der genannten Kirche aufs neue deutlich an den
Tag getreten ist auf der kürzlich zu Milwaukee, Wis., gehaltenen
Versammlung der Federated Catholie Societies“ in folgender
„solution' des Bischofs McFaul: First, let Catholic schools re-
main as they are; secondly, let no compensation be made for
religious instruction; our principle is, let the pastors take care
of the flock and live by the flock; thirdly, let Catholic children
be examined by a state or municipal board, and if Catholie
schools furnish the secular education required, let the state put
down the cash', so sei es hiermit beschlossen, daß wir, die ver⸗
sammelten Vertreter des Zentral⸗Illinois⸗Distrikts der Ev.⸗Luth.
Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten, gegen diese be⸗
harrliche Agitation der römisch-katholischen Kirche auf das ent⸗
schiedenste protestieren, weil diese Agitation, der Landeskonstitution
zuwider, eine Vermischung von Staat und Kirche in sich schließt.
weil sie infolgedessen auch die hier herrschende Religionsfreiheit
bedroht und weil sie den Publie School Fund in Gefahr bringt,
von einer religiösen Gemeinschaft für ihre kirchlichen Zwecke aus⸗
gebeutet zu werden. Ferner beschlossen, daß dieser Protest in der
öffentlichen Presse und im Lutheraner“ veröffentlicht werde; und
endlich beschlossen, daß wir es bei der Allgemeinen Synode be⸗
antragen, daß auch sie gegen obengenanntes Bestreben der römi⸗
schen Kirche energisch protestiere.“ G.
Der Sozialismus ist aus dem Atheismus (Gottesleugnung)
hervorgegangen und führt zum Atheismus. Das sprach man schon
zur Zeit seiner Neugründung, in den siebziger Jahren, ungescheut
aus. Der „Leipziger Volksstaat“, ein sozialistisches Blatt, schrieb
im Jahre 1871: „Niemand anders ist des Namens eines Sozia⸗
listen würdig, als wer, selbst Atheist, der Ausbreitung des Atheis⸗
mus mit allem Eifer seine Anstrengung widmet.“ Und ein Jahr
später: „Die Zukunft muß dem Atheismus gehören; nur in ihm
ist das Heil für die Menschheit zu finden.“ Im Jahre 1873
wurde ein sozialistisches Pamphlet gedruckt, das folgende Sätze
enthielt: „Die kultivierte menschliche Gesellschaft ist das höchste
Wesen, an das wir glauben.“ „An Stelle der Religion setzt der
Sozialismus Humanität.“ Erst kürzlich gab der canadische
Sozialistenführer Moses Baritz folgende Auslassung an die
Offentlichkeit: „Der sozialistische Standpunkt gründet sich auf
die soziologische und ökonomische Wissenschaft. Als solcher ist
er gegen alle Religion. . . . Die Sozialisten können an keinen
übernatürlichen Gott glauben. Wenn sie das tun, sind sie keine
Sozialisten. . .. Kurz und gut, ein Christ kann kein Sozial⸗
demokrat sein, und ein Sozialdemokrat kann nicht an Christum
oder Gott glauben.“ Das Urteil, welches der „Lutheraner“ vor
dreißig Jahren abgab, steht noch fest: „Die Grundlage des
Sozialismus ist Atheismus in seiner zerstörendsten Gestalt.“
G.
Was an anderer Stelle über weltliche Musik, speziell über
weltliche Lieder, gesagt worden ist, findet seine Anwendung
auch auf viele Phonographenrollen oder -scheiben (phonograph
records). Es ist ein Jammer, anzusehen, wie der Teufel auch
diese Erfindung, eine der wunderbarsten, die das Menschenhirn
je ersonnen, in seinen Dienst gezwungen hat. Der allergrößte
Teil der records ist derart, daß ihm in einem christlichen Hause
kein Platz eingeräumt werden sollte. Ist es Vokalmusik, so sind
es sehr oft von Sängern dritter und vierter Güte vorgetragene
Gassenhauer, die im besten Falle fades, seichtes Gewäsch ohne
eine Spur von wahrer Poesie, oft aber noch Schlimmeres, näm⸗
lich Lockungen zur Unzucht, mehr oder minder verhüllt, enthalten.
Besonders sind die angeblich humoristischen (oomic) records fast
sämtlich anstößiger Art. Ist es Instrumentalmusik, die wieder⸗
gegeben wird, so wird fast in jedem Falle, wenigstens unter den
billigen records, die leidige rag-time-Musik geboten, die an ihrem
Teil — und zu einem nicht geringen Teil — die
Sittlichkeit des Volkes untergraben hilft. Und nun erst die
Vorträge! Es wäre wirklich zu wünschen, daß die record-
Händler in ihren Katalogen eine kleine Abteilung einrichteten,
betitelt: „Anständige Vorträge.“ Sehr viele, wohl die mei⸗
sten dieser Vorträge sind anstößiger, manche geradezu zotenhafter,
unzüchtiger Art. Ist es demnach nicht Elternpflicht, über den
Einkauf von phonographischen und grammophone-records mit der⸗
selben Vorsicht zu wachen wie über die Lektüre, die im Hause
aufliegt? Leider fehlt es aber vielfach an solcher Aufsicht. So
kommt es, daß man auch in christlichen Häusern zuweilen mit
phonographischen Vorträgen und Musik traktiert wird, die offen⸗
bar in den niedrigsten Theatern und Tanzhallen ihr eigentliches
Publikum haben. Unbegreiflich ist, daß christliche Eltern solche
Schund⸗records in ihrem Hause dulden, nachdem sie sie auch nur
einmal gehört haben. Würde ein Besucher es wagen, dem
christlichen Familienkreis mit solchen Liedern oder Vorträgen auf⸗
zuwarten, so würde der Hausvater dem Sohne oder der Tochter
bedeuten: „Du, den bringst du mir nicht wieder ins Haus; der
paßt nicht in unsere Gesellschaft!“ Warum macht man dann
nicht kurzen Prozeß mit phonographischen records, die den An⸗
stand und das christliche Gefühl verletzen? G.
Daß ein Schulunterricht, in dem nicht Gottes Wort regiert,
ein ganz verfehlter ist, das erkennen auch ernstere Leute in den
reformierten Sekten unsers Landes. Vor einiger Zeit sprach sich
Rev. Wallace Radcliffe, Pastor einer großen Presbyterianerkirche
in der Stadt New York, also in dieser Sache aus: „Aus einer
gott⸗losen Schule geht ein gottloser Bürgerstand hervor. Bildung
ohne Frömmigkeit führt zu ehrloser Handlung. In unsern öffent⸗
lichen Schulen wird das Gewissen nicht berücksichtigt. Aber wie
das Gewissen, so ist die Person. In bloßem Wissen liegt nichts
Heilsames; durch naturwissenschaftliche Kenntnisse wird kein
Trinker oder Dieb reformiert. Man bildet sich vielfach ein, daß
das Verbrechen aus der Unwissenheit und Armut entspringt, und
daß mit dem Wissen und Wohlstand auch die Tugend wächst; aber
das ist ein großer Irrtum. Unsere Schulen, wie sie sind, erziehen
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