Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 8 › Seite 121
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. April 1914, Seite 121
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unterſtützungskaſſe · Unterſtützungskaſſe 1 · Unterſtützungskaſſe 6
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Berausgegeben von der Peutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
2
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Lonis.
70. Jahrgang.
St. Jouis, Mo., den 14. Kpril 1914.
Nr. 8.
—“—
Wie steht es um die Versorgung amtsunfähiger Diener
der Kirche sowie deren Witwen und Waisen?
„Also hat auch der HErr befohlen, daß die das
Evangelium verkündigen, sollen sich vom
Evangelium nähren.“ 1 Kor. 9, 14.
1.
Mein lieber „Lutheraner“-Leser, ich wünschte, daß das,
was ich hier schreibe, nicht von einem Pastor, sondern von einem
Laien, von einem Gemeindeglied, geschrieben und dir ans Herz
gelegt würde. Denn einmal spricht ein Pastor in der Regel
überhaupt nicht gern von dem, was der obenstehende Spruch
besagt, von seiner leiblichen Versorgung; und sodann tut er
das besonders deshalb nicht gern, weil ihm das leicht falsch
ausgelegt und mißdeutet wird und in solchem Fall natürlich
der gewünschte Zweck nicht erreicht wird. Aber ich habe das
Vertrauen zu unsern lieben „Lutheraner“⸗Lesern, daß sie das,
was in diesem Artikel enthalten ist, als ein freundliches Wort
der Lehre und Ermunterung an⸗ und aufnehmen.
Der kürzlich erschienene Synodalbericht des Zentral⸗Illi⸗
nois⸗Distrikts enthält unter anderm auch einen Bericht über
die Unterstützungskasse des Distrikts. In diesem Bericht macht
die Kommission aufmerksam, wie schlecht und mangelhaft es
unter uns bestellt sei mit der genügenden Versorgung amtsun⸗
fähiger Diener der Kirche und deren Angehöriger; die Kom⸗
mission bemerkt dazu, es sei an der Zeit, daß in dieser Sache
gründlich Wandel geschafft werde, und empfiehlt der Synode,
diese Angelegenheit einmal gründlich und eingehend zu be⸗
sprechen. Das ist denn auch geschehen. Was nun da geredet
und verhandelt worden ist, haben aber nur die angehört, die in
jener Synodalversammlung anwesend waren, und doch ist es
gewiß zeitgemäß und ersprießlich, einmal allen unsern lieben
Mitchristen ans Herz zu legen, was Gott in seinem Wort be⸗
treffs dieser Sache von ihnen fordert.
Woran liegt es, daß amtsunfähige Diener der Kirche oder
deren Witwen und Waisen nicht genügend versorgt werden?
Können unsere Christen es nicht oder wollen sie es nicht tun?
Ich bin überzeugt, beides ist nicht der Fall. Aber es fehlt wohl
zum großen Teil an der richtigen Auffassung der Sache, an
dem richtigen Verständnis des Spruches: „Die das Evange⸗
lium verkündigen, sollen sich vom Evangelium nähren.“ Mit
andern Worten, man sieht die Versorgung invalider Diener
der Kirche an als ein Werk der Barmherzigkeit, als eine
Armenunterstützung, während doch Gottes Wort klar
lehrt, daß diese Versorgung eine der Kirche von Gott auferlegte
Pflicht ist. Nach Gottes Wort und Willen ist die Kirche es
ihren Dienern schuldig, sie lebenslänglich genügend zu versor⸗
gen, und läßt sie es daran fehlen, dann ladet sie eine schwere
Schuld auf sich.
Hören wir, was Gottes Wort darüber sagt! In ausführ⸗
lichster Weise redet wohl über diesen Punkt der Heilige Geist
durch Paulus im 9. Kapitel des ersten Korintherbriefßoꝰ⸗. Da
lesen wir im 7. Vers: „Welcher zieht jemals in den Krieg auf
seinen eigenen Sold? Welcher pflanzet einen Weinberg und
isset nicht von seiner Frucht? Oder welcher weidet eine Herde
und isset nicht von der Milch der Herde?“ Verhältnisse aus dem
Leben wendet hier der Apostel auf die Diener der Kirche und
deren Versorgung an. Wie der Kriegsmann ein Anrecht auf
Sold und Lohn, wie der Gärtner des Weinbergs das Recht hat,
von den Früchten, der Hirte, von der Milch der Herde zu ge⸗
nießen, so hat der Diener am Wort das Recht, von der Kirche
Versorgung zu erwarten. Und das, sagt der Apostel, rede er
nicht auf Menschenweise, sondern auf Gottes Weise; es sei auch
so im Gesetz geschrieben, also Gottes heiliger Wille. Er führt
dann aus dem Gesetz Mosis das Wort an: „Du sollst dem Ochsen
nicht das Maul verbinden, der da drischet“, und fügt hinzu:
„Sorget Gott für die Ochsen? Oder sagt er's nicht allerdinge
um unsertwillen?“ Es ist hier dasselbe gesagt, was der HErr
— und ihm nach auch Paulus — mit den Worten ausspricht:
„Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert.“ Und was sagt der Apo⸗
stel von diesem Lohn? „So wir euch das Geistliche säen, ist es
ein groß Ding, so wir euer Leibliches ernten?“
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