Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 8 › Seite 130

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. April 1914, Seite 130

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Zeitſchriften 3 · Zeitſchriften 6

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130

S Der „Tutheranets⸗

—

Gar nicht erstaunlich.
bringt eine Notiz über ein Menschenskelett, das bei Ausgrabungen
in Deutsch⸗Ostafrika gefunden wurde.
— nach dem Deutsch zu urteilen — aus einer deutschländischen
„wissenschaftlichen“ Zeitung. Die Notiz lautet: „Erstaunlicher—
weise zeigt dieses erste aus ganz Afrika bekannt werdende fossile
Menschenskelett recht wenig primitive Merkmale, trotzdem es sei⸗
ner geologischen Lagerung und seiner Vergesellschaftung mit
andern Tieren wegen als überaus alt angesehen werden muß.
Es hat also schon seit vielen Jahrzehntausenden eine hochentwickelte
Menschenrasse den alten afrikanischen Kontinent bewohnt.“
ist nicht im mindesten „erstaunlich“, da die „primitiven Merk⸗
male“ sich nie am Menschengeschlecht gefunden haben. Gott hat
die Menschen in vollkommener Gestalt geschaffen, und die „primi⸗
tiven Merkmale“ sind ihnen von einer tollgewordenen „Wissen⸗
schaft“L angedichtet worden. Auch die „vielen Jahrzehn⸗
tausende“ lassen sich auf einige tausend Jahre reduzieren, ohne
daß man mit der wirklichen Wissenschaft brechen müßte.

F. P.

Jene Bibelverbrennung auf den Philippinen, von der hier
neulich berichtet wurde, hat schon die Folgen gehabt, die voraus⸗
zusehen waren. Nach einer Meldung im Continent waren nicht
nur Schulkinder, sondern auch Erwachsene, und zwar eine Menge,
die nach Tausenden zählte, zugegen, als die Bibeln verbrannt
wurden. Während die Schuljugend über das Schauspiel jubelte,
kamen den Erwachsenen allerlei Gedanken, was denn wohl in den
Büchern stehen möchte, daß sie den Priestern so verhaßt seien,
und bald wurden Reden laut, daß man wohl das Volk in seiner
Unwissenheit zu erhalten bestrebt sei, und Ahnliches. Es trat
ein großer Umschwung in der öffentlichen Meinung ein, und die
Agenten der Bibelgesellschaft, die nun merkten, daß die Bibel⸗
verbrennung nicht in ihre Arbeit, sondern in die Priesterherrschaft
ein Loch gemacht hatte, eilten wieder in das Gebiet mit neuen
Bibeln und verkauften in einigen Tagen mehr als 3000 Exem⸗
plare. Nicht nur in der Stadt Vigan, sondern in der ganzen
philippinischen Inselgruppe ist gerade durch das Werk der Priester
neues Interesse an der Bibel erweckt worden, denn jene Bibel⸗
verbrennung ist bis in die fernsten Winkel der Inseln gemeldet
worden und hat überall großes Aufsehen erregt. Da der Vorfall
in Vigan in allen Zeitungen Manilas berichtet worden ist, werden
amerikanische Priester kaum wagen, die Geschichte für eine ge⸗
hässige Erfindung protestantischer Missionare zu erklären.

G.

Das

———.—

Was liest dein Kind?

Zu der Aufsicht, die christliche Eltern über ihre Kinder nach
der Konfirmation zu üben haben, gehört vor allem auch die Auf⸗
sicht über die Lektüre der Kinder. Eine einzige unsittliche
Erzählung, ein schlechtes Gedicht kann in der Seele des Jüng⸗
lings oder der Jungfrau einen Schaden anrichten, der vielleicht
nicht wieder zu heilen ist. Vor allem gilt es auch zu wachen
über die Zeitschriften, die unser junges Volk liest. Nun gibt
unsere Synode zwei Zeitschriften heraus, durch die gerade diesem
Bedürfnis Rechnung getragen wird. Auf eine oder beide dieser
Zeitschriften sollten die Eltern unserer diesjährigen Konfirmanden
abonnieren, und zwar eben im Namen ihrer Kinder, damit diese
wissen: Das ist meine Zeitung, und danach greifen, sowie sie
im Hause abgeliefert werden. Wir nennen zuerst die ältere
dieser Zeitschriften, das „Kinder⸗ und Jugendblatt“, dessen
Aprilnummer gerade zuhanden kommt. Welch eine Fülle an⸗
regenden und interessanten Materials! Da ist eine Beschreibung
der „Heimreise“ des Erzvaters Isaak von dem Redakteur des
Blattes, Prof. L. Dorn; dann eine Fortsetzung von „Manitous

Eine St. Louiser deutsche Zeitung⸗

Die Notiz stammt wohl

eintraten. Wie durchsichtig waren die Wangen der Kranken, aber

Opfer“, einer Indianergeschichte von Stadtmissionar Herzberger.
Es folgen reichillustrierte Erlebnisse eines Reisepredigers im fer⸗
nen Westen und eine Beschreibung zweier deutscher Schlösser!
P. Hüschen schreibt einen Artikel von ganz besonderem Interesse
für junge Leute, die zum erstenmal in die große Welt hinaus⸗
wandern. Fast eine Seite ist mit Rätseln gefüllt und als be⸗
sondere Zugabe ein Gedicht Prof. Dorns, „Ostergesang“, das alt'
und jung zur Erbauung dienen wird. In keinem christlichen
Hause sollte das „Kinder⸗ und Jugendblatt“ fehlen. 1
Dasselbe läßt sich von dem Toung Lutherans Magazine I
sagen. Die letzte Nummer enthält, um nur einiges hervorzuheben,
einen illustrierten Artikel des Direktors unserer indischen Mis⸗
sion, P. Friedrich, sodann eine Beschreibung häuslichen Lebens in
Agypten, einen Artikel über „Breathing“, eine Erzählung sowie
eine Anzahl kürzerer Aufsätze aus der Feder des Redakteurs,
P. Dörffler.
Der Subskriptionspreis dieser zwei vortrefflich redigierten
und schön ausgestatteten Monatsschriften ist je fünfundzwanzig
Cents das Jahr. G.

„Denn du bist bei mir!“

Kalte Winde fegten durch die Gassen und wirbelten die!
Schneeflocken hin und her, bis sie zur Erde auf Dächer und
Bäume fielen, die ganze Welt in glitzerndes Weiß kleidend. Arm
in Arm gehen einige Mädchen durch die Straße, sich mühsam Wege
bahnend durch die angehäuften Schneemassen. „Heute ist es
wahrhaftig kein Vergnügen, spazieren zu gehen; kommt mit mir?
ins warme Zimmer, da setzen wir uns behaglich zum großen
Kachelofen!“ begann eins der Mädchen. „Das wäre hübsch!“
sagte Johanna. „Aber ich möchte euch noch einen andern Vor⸗
schlag machen. Wie wäre es, wenn wir das kranke Lieschen be⸗!
suchten? Sie würde sich sehr freuen.“ „Offen gestanden, ich
habe keine Lust“, sagte Marie. „Ich weiß nichts zu reden, wenn“
die Kranken von ihren Leiden erzählen; ich möchte ihnen wohl!
helfen, aber es steht nicht in meiner Kraft.“ „O komm nur“,
sagte Johanna; „es wird dich nicht reuen. Lieschen gehört ja
leider zu den hoffnungslosen Kranken, denn sie ist gelähmt und
hat viele Schmerzen.“

Lieschen freute sich von Herzen, als die Mädchen bei ihr

die Blauaugen blickten so freundlich, daß Marie sich sehr ange⸗
zogen fühlte. „Ach Lieschen“, sagte Johanna, „wie hältst du es!
nur aus, Tag für Tag. Jahr für Jahr so still und ruhig da⸗
zuliegen? Da würde ich fast vergehen.“

„Nun, das habe ich auch nicht in einem Tag gelernt; es!
gab Zeiten, wo ich einen schweren Kampf mit mir selbst zu be⸗
stehen hatte. Als mir nach und nach zum Bewußtsein kam, wie!
schwer und hoffnungslos mein Leiden ist, da gab es ein heißes
Ringen um Ergebung in den Willen Gottes. Wie habe ich mich
angeklammert an meinen Gott und Heiland! „Warum, lieber!
Vater“, hieß es immer wieder, führst du mich solch dornige Pfade?!
Wie werde ich es ertragen können, immer hilflos, krank, gefesselt
zu bleiben an den Ort, wo liebende Hände mich hintragen. mei⸗
nem lieben Mütterlein statt einer Stütze nunmehr eine Last zu
werden? O SErr', flehte ich immer wieder, ‚gib mir Kraft, gib!
mir einen Glaubensblick, daß ich auf solch rauhem Wege deine
Liebe sehen kann!' Auf einmal, als meine Seele am Ertrinken
war, fühlte ich den Sieg. Es durchdrang meine Seele ein Licht, ö
eine Kraft, wie ich sie noch nie verspürt hatte. Vor meinem
geistigen Auge stand der auferstandene Heiland, und durch seinen
Geist vernahm ich die Worte: Fürchte dich nicht, denn ich habe
dich erlöset; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist
mein!“ Und so du durchs Wasser gehst, will ich bei dir sein, daß

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