Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 8 › Seite 127

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. April 1914, Seite 127

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8 er „Tutheranesss

127

einem Überschlag des Architekten auf etwa §32,000 zu stehen
kommen sollte. Die kleine Gemeinde hatte dafür selbst 53000.00
Unterschriften gesammelt, und §53000.00 sollten ihr von der
Allgemeinen Kommission zinsfrei geliehen werden. Als jedoch
die Angebote der Baumeister eingezogen wurden, stellte es sich
heraus, daß der Bau mit innerer Einrichtung und Gebühren
des Architekten nicht unter 538,561 hergestellt werden könne.
Es war jetzt Ende November, und in übereinstimmung mit den
Baugesetzen der Stadt und in zweckentsprechender Weise viel
billiger bauen zu können, dazu war kaum Aussicht vorhanden;
so entschloß sich denn die Allgemeine Kommission, der Gemeinde
aus den eingegangenen Liebesgaben folgende Bewilligungen
zu machen: für den Bauplatz 54000.00, für den Bau §32,561;
Summa: 836,561. Die Gemeinde selbst übernimmt alles, was
darüber hinausgeht, also etwa §6000.00.

Nachstehend bringen wir noch einen Bericht über die in
der Synode eingegangenen Liebesgaben für die durch Sturm
und Fluten geschädigten Glaubensgenossen, datiert am 3. Fe⸗
bruar 1914:

Eingegangen an Liebesgaben bis zum 3. Februar 1911.1l4d!1llil 757395.93
Ausgezahlt: An einzelne Personenr 4 1405.95
An Glaubensgenossen in: Logansport, Ind. 600.00
Peru, Iannnnnn 1515.00
Terre Haute, I1ʃnnds. 200.00
Hamilton, dddd̃ 8190.66
Zanesville, ꝛz.œ)II JI. 382.00
Pomeroy, IzJ. 200.00
bei Chicaahss 25.00
An die Gemeinde in Plentywood, Mont. 400.00
Für das Seminar in Seward, Nebbdd. 1250.00
An die Gemeinde in Nord⸗Omaha, Nebt. . . 25321.97

Auslagen der Allgemeinen Unterstützungskommis⸗

si˖nssnnnnnnndn””” 78.07
Auslagen der Nebraskaer Kommissioooos 118.40

TotaalWou. 34687.05

Gegenwärtiger überschuunR˖uꝘu. 322708.88

Noch auszuzahlen an die Gemeinde in Nord⸗Omaha 11²³9.03

In der Akzidentkasse verbleibender Überschuß... . 511469.85

Retourniert haben Liebesgaben: die Gemeinde in Hamil⸗
ton, O., §154.34, und der Südliche Distrikt 5800.00.

Dem SeErrn aber sei Lob, Ehre, Preis und Dank gesagt,
daß er durch die Liebe unserer Christen so viele Tränen getrock⸗
net und seine Verheißung wahr gemacht hat: „Ich will dich
nicht verlassen noch versäumen.“

Die Allgemeine Unterstützungskommission:
Aug. Lange.
F. Zucker.
H. C. Paul.

Fort Wayne, Ind., 3. Februar 1914.

Zur kirchlichen Chronik.

Der Lurnrnax vom GENERAL CouNCIL unterrichtet seine
Leser ganz falsch über die Hindernisse der Einigung der ameri—
kanisch-lutherischen Kirche. Er schreibt: „Die Aussagen des
lutherischen Bekenntnisses sind als eine ungenügende Basis für
die Einigkeit in der Lehre angesehen, und gewisse Feinheiten der
Auslegung im Hintergrunde der Bekenntnisse in den Vorder⸗
grund gedrängt und zu entscheidender Bedeutung erhoben worden.
Eine Einigkeit auf einer so feingegliederten Basis (on so finely

articulated a basis) konnte natürlich nicht zustande kommen, ob⸗
wohl wir nicht sagen wollen, daß die behandelten Gegenstände
unwichtig und die Verhandlungen ganz ohne Nutzen waren. Die
Mehrzahl der lutherischen Kirchenkörper sind verbunden (united)
gegen Missouri in dessen Auslegung der Lehre von der Prädesti⸗
nation; aber sehr wenige, wenn überhaupt irgend jemand,
wollen die Missourier deshalb von der Kirchengemeinschaft aus⸗
schließen. . .. Ein pennshlvanisch-deutsches Sprichwort, das
hier Anwendung findet, lautet: „Zu scharf schneid't net, und zu
spitzig stecht net.“ Das ist sehr schön gesagt. Ganz falsch ist
aber die Anwendung auf Missouri. Die Missourisynode steht nicht
auf einer Auslegung des lutherischen Bekenntnisses, sondern
auf dem lutherischen Bekenntnis selbst. Das Be⸗
kenntnis ist völlig klar, und es bedarf nicht erst der Aus⸗
legung, um als Plattform brauchbar zu werden. Wenn unser
Bekenntnis erst noch wieder ausgelegt oder gedeutet werden müßte,
so wäre es überhaupt kein Bekenntnis, und wir könnten,
wie D. Walther es derb, aber richtig auszudrücken pflegte, unser
Bekenntnis nur in den Ofen stecken. Das ist der große Fehler
der Gegner Missouris, daß sie das lutherische Bekenntnis, anstatt
es anzunehmen, wie es lautet, erst noch wieder auslegen und
deuten wollen. Daß die Sache tatsächlich so liegt, haben wir
Hunderte von Malen im Streit über die Lehre von der Be—
kehrung und Gnadenwahl nachgewiesen. Jüngst ist es noch ein⸗
mal in dem Buch „Zur Einigung“ geschehen, sonderlich in
Kapitel VII. Wenn die Mehrzahl der lutherischen Kirchenkörper
in der Lehre von der Bekehrung und Gnadenwahl sich wirklich
gegen Missouri geeinigt hat, wie der Lutheran behauptet, so
kommt dies daher, daß die Mehrzahl eins geworden ist, sich nicht
auf das lutherische Bekenntnis selbst, sondern auf eine Auslegung
und Umdeutung desselben zu stellen, das heißt. sich neben
das Bekenntnis zu setzen. Die Missourisynode hat in
allen Punkten, die umstritten worden sind, den
klaren Wortlaut des lutherischen Bekenntnisses
für sich. Und wie es mit dem lutherischen Bekenntnis steht,
so steht es auch mit der Heiligen Schrift. Die Missouri⸗
synode hat in allen umstrittenen Punkten die klaren Schriftworte
für sich, während die ganze Bemühung ihrer Bestreiter dahin ging,
die klaren Schriftworte in ihrem eigenen, dem menschlichen Sinne,
„auszulegen“, das heißt, umzudeuten. Der Lutheran sollte
wirklich seine Behauptung, daß die Missourisynode auf feinen
„Auslegungen“ des Bekenntnisses stehe und dadurch die Einigung
hindere, zurückziehen. Der Lutkeran sollte sagen: Die
Missourisynode steht wirklich auf dem Wortlaut des Bekennt⸗
nisses, und wir andern, die wir Missouri bekämpft haben und
noch bekämpfen, haben uns auf unsere Auslegung des Be⸗
kenntnisses gestellt. Diese den Tatsachen entsprechende Erklärung
ist der Lutheran seinen Lesern schuldig. F. P.
Eine Irreführung seiner Leser enthält auch die folgende Be⸗
merkung des Lutheran: „Wenn wir die Politik des „wachsamen
Zuwartens“ in bezug auf unsere gemeinsame Verantwortlichkeit
befolgen müssen, bis wir das Problem der Prädesti⸗
nation gelöst haben .. ., so werden wir unsere günstigen
Gelegenheiten unbenutzt vorübergehen lassen, und ein sehr großer
Mißerfolg wird zu der erschrecklichen Liste der Mißerfolge, die wir
bereits zu verzeichnen haben, hinzugefügt werden.“ Das ist ganz
richtig gesagt. Aber ganz irrig ist wieder die Anwendung auf
die Missourisynode. Die Missourisynode hat von allem Anfang
an dagegen protestiert, daß die Menschen sich herausnehmen,
„das Problem der Prädestination“ lösen zu wollen. Die Mis⸗
sourisynode hat gelehrt, ermahnt und gebeten, bei der Schrift⸗
wahrheit stehen zu bleiben: Wer selig wird, hat dies allein der
Gnade Gottes und nicht seinem besseren „Verhalten“ zu ver⸗
danken, und wer verloren geht, geht allein aus eigener Schuld
und nicht aus einem Mangel der Gnade Gottes verloren. Die

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