Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 8 › Seite 131
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. April 1914, Seite 131
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8 er „Huthierane
131
dich die Ströme nicht ersäufen, und so du durchs Feuer gehst,
sollst du nicht brennen. Seither bin ich ruhig und getroft; denn
ich weiß, daß der HErr mich liebt, auch wenn er mich einen
schweren, dunklen Weg führt. Ich halte mich an das Wort:
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein
Unglück, denn du bist bei mir.‘ Manchmal will mir das „Still⸗
liegen auch schwerfallen; aber dann denke ich an ein köstliches
Gleichnis, das mir einmal erzählt wurde. Es wurde ein Ver⸗
gleich angestellt zwischen drei Nadeln, die jede in ihrer Art un⸗
entbehrlich sei und die doch so verschiedene Arbeiten verrichten:
die Telegraphennadel, die Nähnadel einer Mutter und als dritte
und letzte die Kompaßnadel, die nichts zu tun hat, als still und
treu nach Norden zu zeigen, und die doch Wichtigeres und Größe⸗
res ausrichtet als die rastlos tickende Telegraphennadel oder die
emsige Nähnadel einer Mutter. Der Kranke wurde mit solch
einer Kompaßnadel verglichen. Seine Arbeit besteht darin, un⸗
verwandt und fest, nicht nach Norden, sondern nach oben zu zeigen,
zu dem hin, der unsers Lebens Kraft, unsere Hoffnung im Ster⸗
ben ist. Wunderbar ging mir das durchs Herz. Seit der Stunde
habe ich anders gestanden als früher und habe mein Leben nicht
mehr als ein verfehltes, umsonst gelebtes angesehen. Es kom⸗
men oft auch Stunden der Entmutigung, aber dann denke ich an
die Kompaßnadel, und es ist, als ob meinen schwachen Leib eine
neue Kraft durchströme, und mit frischem Mut halte ich dem
Meister stille im Ofen der Trübsal, bis die Schlacken wegfallen
und das reine Gold sichtbar wird.“
Die Mädchen waren tief bewegt, als sie Lieschen die Hand
zum Abschied reichten. In Maries Augen glänzten Tränen. Auf
dem Heimweg sprach sie kein Wort. Wie würde sie sich zu solch
schwerem Leiden stellen? Aber Gott Lob, sie war ja gesund und
munter. O wie dankbar war Marie für ihre Gesundheit, sooft
sie an Lieschen dachte! Noch oft fanden die Mädchen den Weg
ins einsame Krankenzimmer, das sie nie ungesegnet verließen.
(Chr.⸗B.)
— —— — — ——
Todesanzeige.
Nach einem vierzehnwöchigen Krankenlager verschied am
13. Februar P. A. D. Greif, Präses des Jowa⸗Distrikts, bei
Charter Oak, Jowa, im Alter von 64 Jahren, 7 Monaten und
27 Tagen. Am 16. Juni 1849 in Dreißigacker, Thüringen, ge⸗
boren, genoß P. A. D. Greif im alten Vaterlande eine treffliche
Schulbildung. Im Jahre 1869 kam er nach den Vereinigten
Staaten und trat in das Concordia-Seminar zu St. Louis ein.
Im Juni 1870 machte er sein Examen und wurde von P. Brohm
und Prof. Walther ordiniert. Bald darauf trat er sein Amt
an seiner ersten Gemeinde zu Independence (William Penn),
Tex., an. Danach bediente er Gemeinden in Serbin, Tex., Little
Rock, Ark., und Chandlerville, Ill., und folgte im Jahre 1883
einem Ruf nach Davenport, Jowa, wo er 27 Jahre mit der Ge—
meinde gute und böse Tage, Freud' und Leid getragen hat. In
dieser Gemeinde hat er seine besten Kräfte verzehrt. Daneben
predigte er in den umliegenden Städten, wo man seiner noch in
Liebe und Dankbarkeit gedenkt. Im Jahre 1910 berief ihn die
Immanuelsgemeinde bei Charter Oak, Jowa. So hat der Ent—
schlafene 44 Jahre treu und fleißig und unter großem Segen im
Weinberge des HErrn gearbeitet. Außer seiner Arbeit im Pfarr⸗
amt hat er auch wichtige Synodalämter bekleidet. Er war fünf⸗
zehn Jahre Visitator, fünf Jahre erster Vizepräses und gegen
sechs Jahre Präses des Jowa⸗Distrikts. Vor einigen Monaten
erkrankte er am Magenkrebs. Er trug sein schweres Leiden ge—
duldig. Sein Trost war sein Heiland IEsus Christus, und als
er sein Ende nahen fühlte, schmiegte er sich immer fester an seinen
Heiland an. Sein Begräbnis fand am 17. Februar inmitten
seiner lieben Gemeinde statt. Gegen vierzig Amtsbrüder nahmen
an dem Leichenbegängnis teil. Es amtierte der Unterzeichnete
im Hause, in der Kirche sein Nachfolger im Präsesamt, P. Theo.
Wolfram, sowie Prof. Theo. Bünger von St. Paul, Minn., als
Vertreter des Allgemeinen Präsidiums, und P. C. Runge im
Namen des Jowa-Distrikts. Am Grabe amtierte P. R. Amstein.
„Er hat getragen Christi Joch, ist gestorben und lebet noch.“
Sein Gedächtnis bleibe unter uns im Segen!
A. Amstein.
Neue Drucksachen.
Alle an dieser Stelle angezeigten Bücher, Musikalien, Bilder usw. kön⸗
nen durch das Concordia Publishing House, St. Louis, Mo., zu den bei⸗
gefügten Preisen bezogen werden. Wo eine andere Bezugsquelle angegeben
wird, wolle man, bitte, bemerken, ob zu besorgen, falls nicht vorrätig.
Statistisches Jahrbuch der Deutschen Ev.⸗Luth. Synode von Missouri,
Ohio u. a. St. für das Jahr 1913. Concordia Publishing House.
St. Louis, Mo. 236 Seiten. Preis: 50 Cts.
Im ersten Teil dieses Buches sind die Jahresberichte der verschiedenen
Distriktspräfides enthalten, in denen über neueingetretene, versetzte und
fortberufene Pastoren und Lehrer in den Distrikten sowie über geschehene
Visitationen berichtet wird. Sodann folgt der Hauptteil des Buches, der
auf 132 Seiten über den jetzigen Bestand der Gemeinden unserer Synode
die nach Distrikten geordneten Parochialberichte enthält. Auch über die
verschiedenen Missionen wird mehr oder weniger ausführlich berichtet;
dann folgen Angaben über unsere Lehranstalten, über Privatanstalten,
Zeitschriften, Einweihungen, über den Concordia⸗Verlag sowie über die
Gesamtsummen der in unserer Synode während des letzten Jahres für
Synodalzwecke und Wohltätigkeit eingegangenen Gelder. Wer sich über die
genannten Gebiete informieren will, findet hier die amtlichen Angaben und
Zahlen.
Die Schule. Band sechs von „Homiletisches Reallexikon nebst Index Re⸗
rum“ von C. Eckhardt. Battle Creek, Nebr. 1913. Success
Printing Co., St. Louis, Mo. 352 Seiten 6½9. Preis:
31.60. Porto nach Paketpostraten.
Es gibt wenig Bücher, die man auch für einen beschränkten Leserkreis
als „unentbehrlich“ bezeichnen möchte; doch kann man sich beim Durchblät⸗
tern dieses Bandes des Eckhardtschen Reallexikons nicht des Gedankens er⸗
wehren: Fast unentbehrlich für einen lutherischen Schullehrer! Kein an⸗
deres Buch enthält so viel des Wertvollen, Wissenswerten in bezug auf die
praktische Schularbeit, in bezug auf unser Gemeindeschulwesen insbeson⸗
dere, in bezug auf einzelne Unterrichtsfächer wie auch in bezug auf den
Beruf eines amerikanisch⸗lutherischen Gemeindeschullehrers überhaupt wie
Eckhardts „Die Schule“. Hier ist in knappem Auszug alles zusammen⸗
getragen, was der Verfasser durch unermüdlichen Fleiß in den Publikatio⸗
nen unserer Synode über das Werk eines christlichen Gemeindeschullehrers
fand, und ist so überfichtlich geordnet, daß man rasch über irgen deine Frage,
die mit unserm Schulwesen in Verbindung steht, nachlesen kann. Von der
Vollständigkeit des Werkes macht man sich keine Vorstellung, wenn man es
nicht vor sich sieht. Es sei hier nur bemerkt, daß z. B. die Titel der Ab⸗
handlungen, die von den Eigenschaften eines Lehrers handeln, eine ganze
Seite füllen. Dann folgen acht Seiten Ausführung mit Hunderten von
Hinweisen auf Publikationen unserer Synode. Nicht weniger als vierzig
Paragraphen sind den Einwänden gewidmet, die gegen unsere Gemeinde⸗
schulen gemacht werden. Dieselbe Gründlichkeit kennzeichnet alle Abtei⸗
lungen des Werkes. Der Preis ist sehr niedrig gehalten. Bemerkt sei
noch, daß „Die Schule“, obwohl Band sechs eines größeren Werkes, durch⸗
aus selbständig benutzt werden kann. Bestellungen sind an den Verfasser
oder an das Concordia Publishing House, St. Louis, Mo., zu schicken.
K. Fr. W. Reuter. Zwei Grabreden und kurzer Lebenslauf. Von O. H.
Th. Willkomm und J. Kunstmann. Mit Porträt. Jo⸗
hannes Herrmann, Zwickau. 24 Seiten. Preis: 10 Cts.; 6 Expl.
40 Cts.
Ein Schriftchen zum Gedächtnis des seligen Kirchschullehrers Reuter,
der fast vierzig Jahre der Planitzer Gemeinde unserer deutschen Freikirche
treu gedient hat. G.
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