Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 8 › Seite 128

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. April 1914, Seite 128

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SNer 2 utheraneESEN.

Gegner Missouris waren und sind damit beschäftigt, „das
Problem der Prädestination“ dadurch zu lösen, daß sie als „Er⸗
klärungsgrund“ für die Bekehrung und Seligkeit das richtige oder
gute menschliche Verhalten einschieben. Wenn daher der Lutheran
so redet, als ob die Missourier versucht hätten, „das Problem der
Prädestination“ zu lösen, so führt er seine Leser irre und sagt
genau das Gegenteil von dem, was den Tatsachen entspricht.
F. P.

Die Opfer, die sich die Gemeinden unserer Synode zur Er⸗
haltung ihrer Gemeindeschulen auferlegen, entziehen sich der ge⸗
nauen Berechnung. Eine halbe Million Dollars das Jahr reicht
nicht aus, um die Gehalte unserer 1097 Lehrer zu bezahlen.
Dazu kommen die für Schulbauten verwandten Gelder und viele
andere Ausgaben (Feurung, janitors usw.), die auch nicht an⸗
nähernd festgestellt werden können, der Besoldung der 1192 schule⸗
haltenden Pastoren ganz zu geschweigen. Daß unsere Gemein⸗
den schon so viele Jahre diese Opfer gebracht haben, und noch
kein Anzeichen vorhanden ist, daß man um der damit verbundenen
hohen Kosten willen unser Gemeindeschulwesen eingehen lassen
will, ist ein Beleg dafür, daß unsere Gemeinden eben ihre Schulen
als das würdigen, was sie sind, nämlich als Pflanzstätten der
Kirche. Unsere Gemeinden erhalten ihre Schulen, weil sie sie
erhalten wollen. Man hat den Segen erkannt, der von
unsern Schulen ausgeht. Ein Brief, in dem sich ein Leser über
die Gemeindeschule ausspricht, kommt gerade zuhanden. Er sei
hier abgedruckt. Dieser Leser schreibt: „Der Lutheraner“ be⸗
richtet so fleißig über unsere Gemeindeschulen und sucht den hohen
Wert derselben den Lesern vor die Augen zu führen, daß es mir
immer eine Freude ist. Daß aber der Segen auch von luthe⸗
rischen Christen nicht immer anerkannt wird, ist leider oft der
Fall. Wenn Eltern sich öfters überzeugen würden, was ihre
Kinder in der Gemeindeschule treiben, dann würde es in vielen
Fällen besser werden. Wenn ich zum Beispiel am Examentage
meine eigenen Kinder in den Bänken vor ihren Lehrern sitzen sah
— und ich hatte ein Jahr deren fünf in der Schule — und
hörte, wie sie Zeugnis davon ablegten, was sie in der Biblischen
Geschichte gelernt hatten, wie sie so fröhlich ihren Heiland be⸗
kannten, wie sie den lieben Katechismus und die herrlichen Lieder⸗
verse aufsagen konnten, da habe ich im Herzen dem lieben Gott
gedankt und gebetet: „HErr, erhalte uns unsere Gemeindeschulen
und gib uns viele fromme Lehrer!“ Welch ein herrliches Gut
haben da meine Kinder in ihrem Herzen aufgespeichert! Wie ist
das den nun Erwachsenen ein Segen geworden! Nicht um alle
irdischen Güter würden sie diesen Schatz hergeben.“ Wo unser
Gott eine solche Dankbarkeit für das Werk christlicher Gemeinde⸗
schullehrer findet, wird er auch in Gnaden diese Schulen uns
erhalten. G.

Vereinigungsbestrebungen im großen Maßstab werden inner⸗
halb der reformierten Kirchen betrieben. Ein Komitee, das die
Sache in Händen hat, schickt auch uns ein Schreiben zu, in dem
alle Kirchengemeinschaften aufgefordert werden, einen Waf⸗
fenstillstand zu schließen, damit man der Vereinigung aller
Kirchen näher komme. Dieser Waffenstillstand solle darin be⸗
stehen, daß jede Kirchengemeinschaft davon absehe, ihre eigene
Lehrstellung so vorzutragen, daß dabei eine Bekämpfung der Lehre
Andersgläubiger herauskommt, “to avoid, so far as possible, any
controversial declaration of its own position in relation to
others“. Das heißt also, wenn ein lutherischer Pastor seinen
Konfirmanden die Lehre von der heiligen Taufe vorträgt, so solle
er wohl sagen, was die lutherische Kirche nach Gottes Wort von
der Taufe lehrt, solle aber die Konfirmanden nicht vor dem Irr⸗
tum der Reformierten warnen, die samt und sonders von der
Schrift abweichen, indem sie die Taufe nicht für ein Gnaden⸗
mittel halten. Es soll dieser Waffenstillstand darin bestehen, daß
ein lutherischer Pastor in seiner Predigt wohl von dem Ver⸗

söhnungsopfer Christi reden mag, nicht aber die römische Lehre
vom Meßopfer bekämpft, die den Versöhnungstod IEsu zunichte
macht. Auf einen solchen Waffenstillstand können wir uns nicht
einlassen. Wenn der oberste Feldherr seiner Kirche, unser HErr
Christus, einmal wiederkommt, um seine Feinde niederzuschlagen,
werden die Waffen ruhen, vorher nicht. Bis zum Jüngsten Tag
bleibt die Kirche die „streitende Kirche“, die in der Waffenrüstung,
die Paulus Eph. 6 beschreibt, im Kampf steht gegen die Lüge.
Bis an den Jüngsten Tag gilt den Botschaftern Christi der Befehl
Tit. 1, daß sie nicht nur „ermahnen durch die heilsame Lehre“,
sondern auch „die Widersprecher strafen“, das heißt, durch das
Wort Gottes die Lehre der „Schwätzer und Verführer“, die im
nächsten Vers genannt werden, widerlegen, und zwar sie „scharf
strafen“, ihnen „das Maul stopfen“, wie es ebenda heißt. Wer
das nicht tut, wer den Irrtum wohl kennt, ihn aber nicht be⸗
kämpft, der fällt unter das Strafurteil, das Gott durch Hesekiel
über die Prediger ausspricht, die „sich nicht machen zur Hürde
um das Haus Israels und stehen nicht im Streit am Tag des
HErrn“. Das sind die „stummen Hunde, die nicht strafen kön⸗
nen“, von denen Jesaias redet. Wir haben hier also keine Wahl,
Gottes Wort hat selbst für alle Zeiten entschieden, daß die Kirche
nicht ablassen darf im Kampf gegen den Irrtum. Wenn es in
dem Schreiben jenes Komitees aber weiter heißt, durch einen sol⸗
chen Waffenstillstand möchte es dahin kommen, daß Gott seinen
Geist über die Kirche „von neuem ausgieße“, so ist das eine
Probe echt reformierter Schwärmerei. Wo die Kirche aufhört,
den Irrtum zu bekämpfen, da wird Gottes Geist nicht über die
Kirche ausgegossen, sondern, da wird ihr zur Strafe für
ihre Untreue Gottes Geist genommen. G.
Eine Berichtigung sei auf Wunsch zweier Gemeinden in

Massachusetts hier angebracht: „In dem Bericht der 75jährigen

Jubelfeier der Zionsgemeinde in Boston heißt es: „Außerdem
wurden von Pastoren der Zionsgemeinde folgende Gemeinden
ins Leben gerufen: Dedham, Mass., Plymouth, Mass.“ usw. Das
ist ein Irrtum. Die Gemeinde in Plymouth wurde auf Ver⸗
anlassung eines Vorstehers der Immanuelsgemeinde (des Herrn
John N. Peterson) von Herrn P. Wurl ins Leben gerufen, die
Gemeinde in Dedham von demselben Pastor auf Veranlassung
eines Herrn Krug, der gegenwärtig Vorsteher der Gemeinde ist.“
G.

über das Werk unserer Brüder in Deutschland berichtete
kürzlich die „Freikirche“ an der Hand statistischen Materials.
Der jetzige Bestand der Freikirche von Sachsen und andern Staa⸗
ten ergibt sich aus den folgenden Totalsummen: Gemeinden: 36;
Predigtorte: 78; Pastoren: 26; Seelen: 5658; kommuni⸗
zierende Glieder: 3724; Stimmberechtigte: 1276; Schulkin⸗
der: 719. Als Schulkinder sind alle diejenigen Kinder gezählt,
die von den Pastoren regelmäßig in der Religion unterrichtet
werden. Gegen das Vorjahr ist die Seelenzahl um 60, die Zahl
der kommunizierenden Glieder um 75 und die Zahl der Stimm⸗
berechtigten um 27 gestiegen. Während in ganz Deutschland die
Zahl der Abendmahlsgäste stetig abnimmt, hat in unserer Frei⸗
kirche die Zahl um etwa 700 zugenommen. Durchschnittlich hat
jedes Glied letztes Jahr beinahe viermal kommu niziert. Die
Glieder der Gemeinden wohnen an 358 Ortschaften zerstreut,
ein Durchschnitt von nur etwa 16 Seelen auf die Ortschaft. Das
sind also zum Teil ganz kleine Häuflein treulutherischer Chri⸗
sten, aus denen sich die Sächsische Freikirche zusammensetzt. Rech⸗
net man noch hinzu, was für Scherereien die Obrigkeit macht,
wenn jemand seinen Austritt aus der Landeskirche vollziehen will,
und wie der Arbeit unserer Pastoren in Deutschland vonseiten der
Regierung auch sonst die größten Schwierigkeiten bereitet werden,
zudem noch, daß unsere kleinen Häuflein dort fast nur aus armen

Leuten bestehen, so läßt sich daraus erkennen, was für Opfer

diese Leute dem Bekenntnis des reinen Evangeliums bringen.
G. ö

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