Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 8 › Seite 125
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. April 1914, Seite 125
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er 2„Tutheranes
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die Land und Leute kennen, hegen die Überzeugung, daß eine
reiche Frucht der zwanzigjährigen Arbeit sich zeigen wird, wenn
nur erst einmal eine Bresche in die steinharte Kastenmauer
geschlagen ist. Ja, wahrlich, die Missionsarbeit in Heiden⸗
ländern ist im eigentlichsten Sinne eine Saat auf Hoff ;
nung.
Folgende Missionare arbeiten im Nordgebiete: G. Nau⸗
mann und O. Ehlers in Krishnagiri, G. O. Kellerbauer in
Bargur, R. Freche in Vaniyambadi, G. Küchle und J. Williems
in Ambur J, H. Stallmann in Ambur II. —
Wenden wir uns nun zu unserm südlichen Mis⸗
sionsfelde. Wir nehmen wieder die Karte von Indien
zur Hand und suchen Kap Comorin auf. Von da aus fahren
wir an der Westküste nordwärts bis zu der Stadt Cochin.
Etwas landeinwärts sehen wir einen Gebirgszug, der sich von
Süden nach Norden erstreckt, die Western Ghats. Dieser etwa
175 Meilen lange Landstrich an der Südspitze Indiens bildet
das kleine Königreich Travancore, und dort befindet sich
unser südliches oder Travancore-Missionsgebiet.
Die Beschreibung dieses wunderschönen Ländchens und seiner
Einwohner können wir uns hier ersparen, da Missionar Nau
in seinem reichillustrierten Büchlein „Vanji Bhumi. Einiges
über Travancore und seine Bewohner“ Land und Leute in
lebendiger, anschaulicher Weise beschrieben hat. (Das Büchlein
ist in unserm Publishing House für 30 Cents zu haben.)
Folgende Missionare arbeiten im Travancore⸗Gebiete: in
Nagercoil: A. Hübener, Th. Gutknecht, G. Hübener, A. Lutz,
R. Görß; in Trivandrum: H. Nau, F. Zucker, J. Harms.
Vor etwa sieben Jahren wurden wir von einer kleinen,
mit keiner Mission in Verbindung stehenden Christengemeinde
in dies Gebiet gerufen. Die Missionare A. Hübener und Th.
Gutknecht nahmen die Arbeit hier in Angriff, und zwar zu⸗
nächst in der Stadt Nagercoil und in den umliegenden
Dörfern. In Travancore haben wir zwei Stationen, nämlich
Nagercoil und die Hauptstadt des kleinen Königreichs,
Trivandrum, die etwa vierzig Meilen nördlich von Nager⸗
coil liegt. In diesem Gebiete arbeiten unsere Brüder in zwei
Sprachen: auf der Station Nagercoil in der tamulischen, auf
der Station Trivandrum aber in der malayalischen Sprache.
Die Arbeit auf diesem südlichen Felde gestaltet sich ganz anders
als die auf dem nördlichen. Sind die Missionare auf dem nörd⸗
lichen Gebiete nämlich zum größten Teil angewiesen auf die
Heidenpredigt und die Heidenschule, so haben hingegen die
südlichen Brüder gar nicht nötig, sich auf die Heidenpredigt zu
verlegen, weil sich die Erwachsenen in diesem Missionsgebiete
in solchen Mengen zum Unterricht melden, daß es den Mis⸗
sionaren gar nicht möglich ist, alle zu bedienen. Mit blutenden
Herzen müssen sie immer wieder und wieder eine ganze Anzahl
abweisen, weil sie nicht imstande sind, alle zu bedienen, die es
begehren. Das gilt von Nagercoil, ganz besonders aber von
Trivandrum. Hunderte von Erwachsenen stehen im Unter⸗
richt. Immer mehr und mehr melden sich. Die Not, die Ge⸗
wissensnot unserer Missionare, ist groß. Durch die vierte All⸗
gemeine Konferenz bitten sie die Kommission herzlich, dringend
um schleunige Zusendung von Arbeitern. Was sollen wir, die
Kommission, nun tun? Schon jetzt ist unsere Kasse bis aufs
äußerste in Anspruch genommen. Woher soll die Kommission
die Mittel für die Aussendung der neuen Arbeiter, die für das
Nord⸗ und für das Südgebiet so dringend nötig sind, nehmen?
Der Segen liegt vor der Tür — wollen wir ihn nicht ein⸗
heimsen? Unmöglich darf das unsere Gesinnung sein. Gott
würde seinen Segen, um den wir so lange gefleht haben, zurück⸗
ziehen, wollten wir nun so undankbar sein und die uns be⸗
scherte Ernte umkommen lassen. Aber wie kann geholfen
werden? Der Unterzeichnete hat bei seinem Besuche bei andern
Missionen oft die Bemerkung gehört: „Herr N. N. von X.
unterhält den Missionar an dieser Station.“ „Die Sonntags⸗
schule in N. kommt für den Gehalt dieses Lehrers auf.“ „Die
Gemeinden der —Konferenz bringen das Gehalt dieses Pro⸗
fessors auf“ usw. Sollten da nicht auch unter uns von Gott
mit irdischen Gütern reichbegnadete Brüder oder Gemeinden
oder Schulen oder Vereine sein, die willig wären, der Kom⸗
mission die Hände zu stärken durch besondere Opfer für dies
heilige Werk? Jul. A. Friedrich.
—— —
Kurze Nachrichten aus unsern Missionen.
Indien. Auch in Vaniyambadi ist jetzt die gefürchtete Pest
ausgebrochen. Missionar Freche schreibt: „Es sieht bös aus!“
Gott halte seine schützende Hand über Missionar und das kleine
Gemeindlein!
Die Statistik über unsere indische Mission für 1913 ist
eingelaufen. Folgendes ist eine kurze Zusammenstellung der
Zahlen: Stationen: 7; Missionare: 15; eingeborner Evan⸗
gelist: 1; Katecheten: 15; europäische Krankenpflegerin: 1;
durchschnittliche Zuhörerzahl: 1525; Katechumenen: 1321;
getaufte Christen: 675; kommunizierende Glieder: 162; Bei⸗
träge von eingebornen Christen: etwa §232.00; Schulen: 41;
lutherische Lehrer: 26; Lehrer aus andern christlichen Gemein⸗
schaften: 16; heidnische Lehrer: 38; getaufte Schüler: 193;
Heidenkinder in den Schulen: 1529; Schulgeld eingegangen:
5397.00; Heidentaufen: 118; Christenkinder getauft: 77;
konfirmiert: 71; Kommunizierte: 494; getraut: 11 Paare;
begraben: 35. Der ausführliche statistische Bericht über unsere
Mission ist in den Vorlagen für die Delegatensynode sowie im
„Statistischen Jahrbuch“ zu finden. Du siehst, lieber Leser, das
Senfkörnlein ist schon zu einem recht ansehnlichen Baum heran⸗
gewachsen.
Gaben, die für Weihnachten bestimmt find, sollten bis
anfangs August in den Händen des Pilgerhauses sein.
Zur freundlichen Beachtung! Auf Wunsch der
Kommission wird Missionar G. O. Kellerbauer der Delegaten⸗
synode beiwohnen und dann noch einige Zeit hier verweilen, um
in Gemeinden, auf Konferenzen usw. Vorträge über unsere
Mission zu halten. Wollen solche Brüder, die wünschen, daß
er bei ihnen einen Vortrag hält, dem Unterzeichneten hiervon
Mitteilung machen, damit rechtzeitig ein Reiseprogramm ent⸗
worfen werden kann. Jul. A. Friedrich.
Emigrantenmission in New York. P. O. Restin schreibt:
„Wie dient diese Mission unsern Emigranten? Nachfolgende
Tatsachen sprechen für sich selbst. Mit dem größten Dampfer,
der jetzt den Atlantischen Ozean kreuzt, war ein fünfzehn⸗
jähriger Knabe aus einer Gemeinde der Freikirche in Deutsch⸗
land im Hafen von New York eingetroffen, um in eins unserer
Gymnasien einzutreten. Da der Knabe das sechzehnte Lebens⸗
jahr nicht vollendet hatte, wurde er auf Grund der bestehenden
Gesetze von der Einwanderungsbehörde festgehalten. Weil der
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