Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 8 › Seite 126
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. April 1914, Seite 126
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Knabe für sein Alter klein und schwächlich erschien, so gaben
die Einwanderungsärzte ihr Gutachten dahin ab: Für sein
Alter ist der Knabe körperlich nicht genügend entwickelt. Der
Fall ging nun vor die Inquisitionsbehörde. Diese wollte zuerst
keine Entscheidung fällen. Ein Beamter dieser Behörde ging
mit dem Missionar und dem Knaben zum Superintendenten.
Der Superintendent gab auch keine Entscheidung ab und machte
den Vorschlag, dem Commissioner die Sache vorzulegen. Die⸗
ser entschied: Es muß nach dem Gesetz gehandelt werden. Die
Inquisitionsbehörde verfügte nun den Ausschluß von der Lan—
dung. Gegen dieses Ausschließungsurteil wurde bei dem De—
partinent of Labor in Washington appelliert. Die Entscheidung
von Washington ging dahin, daß dem Knaben die Landung
unter Bürgschaft gestattet werde. Die Bürgschaft im Betrage
von 8500.00 wurde durch den Missionar besorgt, und der Knabe
konnte mit dem Missionar frohen Mutes und seelenvergnügt
nach dem Pilgerhause ziehen. Er befindet sich jetzt wohl und
munter auf einer unserer Anstalten, um sich für das heilige
Predigtamt vorzubereiten.“
Innere Mission. Canada. Missionssuperintendent C.
F. Walther teilt uns über den gegenwärtigen Stand der Arbeit
in Canada folgendes mit: „Die Kommission des Minnesota⸗
Distrikts gab bei der Synode im Juni an, daß zirka §18,000
zur Bestreitung der Mission in Canada nötig sein würden.
Die Summe war zu niedrig angegeben. Bis Ende Januar
haben wir schon §13,478.25 verausgabt. (Wir rechnen im
Minnesota⸗Distrikt nicht, wie das in manchen Distrikten geschieht,
die Summen, die Missionsgemeinden aufbringen, als Ein⸗
nahme.) Im Januar waren 55 Pastoren, Lehrer und Stu—
denten auf der Gehaltsliste der Inneren Mission für Canada.
Daß die Ausgaben größer sind als erwartet, kommt von den
großen Schwierigkeiten, mit denen wir zu kämpfen haben. In
den Städten West⸗Canadas herrscht große Not. Überall ist
große Arbeitslosigkeit. Infolgedessen haben die Einnahmen der
Gemeinden in den Städten sehr abgenommen. Leute, die
monatelang keinen Verdienst haben, können nicht zahlen. Viele
ziehen aufs Land. Auf dem Lande steht es besser; denn Canada
hatte letztes Jahr eine sehr gute Ernte. Fast alle Landgemein⸗
den haben ihre Beiträge erhöht. Aber das deckt nicht den Aus—
fall in den Städten. Wir haben in Canada seit der Synode
zehn Pastoren durch Fortberufung verloren. Wir hoffen, daß
die Allgemeine Synode uns Mittel an die Hand gibt, die Ge—
hälter der Reiseprediger zu erhöhen.“ 6.
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— —
Hilfe in der Not.
Als zu Ostern im vergangenen Jahre verheerende Wasser—
fluten weite Strecken Landes namentlich in Ohio und Indiana
verwüsteten und sich auch durch eine Anzahl volkreicher Städte
wälzten, Millionen Dollars Schaden anrichteten und manches
Menschenleben dahinnahmen, als um dieselbe Zeit auch ein
furchtbarer Tornado durch die Metropole Nebraskas, Omaha,
zog und in wenigen Minuten sich einen Pfad der grauenhafte—
sten Verwüstung bahnte, da wurde auch eine große Menge un⸗
serer lieben Glaubensgenossen in dieser schweren Heimsuchung
Gottes mitbetroffen. Der mancherorts angerichtete Schaden
war ein so großer, daß die Allgemeine Unterstützungskommission
von allen Seiten darum angegangen wurde, einen Hilferuf an
die Gemeinden der Synode ergehen zu lassen. Am schwersten
von allen war die St. Paulsgemeinde in Nord⸗Omaha be—
troffen, die ihr ganzes Kircheneigentum, bestehend aus Kirche, ä
Schule, Pfarrhaus und Lehrerwohnung, in einem Augenblick
in einen wüsten Trümmerhaufen verwandelt sah. Die Ge⸗
meinde hatte nicht nur ihr Eigentum verloren, es lastete auf
demselben auch noch eine Schuldenlast von 1000 Dollars. In
nächster Zeit mußte dies Geld bezahlt werden. Lehrer und
Pastor der Gemeinde samt ihren Familien waren wie durch
ein Wunder Gottes mit dem Leben davongekommen, aber sie
hatten auch ihre ganze Habe eingebüßt. Auch einige Glieder
der kleinen Gemeinde waren schwer betroffen worden.
Der Hilferuf der Kommission fand bei den lieben Chri⸗—
sten unserer Synode eine freundliche und tatkräftige Antwort.
Schon zwei Monate nach der Veröffentlichung des Hilferufes
konnte die Kommission im „Lutheraner“ die Erklärung abgeben,!
daß die Gaben zur Abhilfe der Not in genügender Menge ein⸗
gegangen seien und man darum nicht weiter zu kollektieren
brauche.
Die Kommission stellte sofort überall, wo Not herrschte,
Hilfskomiteen an, die mit den nötigen Geldern versehen wurden,
dafür sorgten, daß die Gaben zweckentsprechend verteilt wurden,
und dann darüber der Allgemeinen Kommission Bericht er—
statteten. Es zeigte sich hier wieder einmal, wie weise die
Synode gehandelt hat, die sogenannte Akzidentkasse einzu
richten, in der die bei schweren Heimsuchungen überschüssig ein⸗
gesammelten Liebesgaben verbleiben. Da ein solcher Fonds
vorhanden war, war die Kommission instand gesetzt, noch ehe
Gaben für die Heimsuchung eingelaufen waren, alsbald den
Notleidenden wenigstens die allerdringendste Hilfe zu leisten;
und bei solcher Lage ist ja schnelle Hilfe immer die beste Hilfe.
Auf die Bitte der Allgemeinen Kommission hatte der 1
Ehrw. Präses des Nebraska⸗Distrikts, P. H. C. Becker, eine—
Hilfskommission ernannt, welche die Notlage der am schwersten
betroffenen St. Paulsgemeinde in Nord⸗Omaha persönlich be⸗
sehen und über die zweckentsprechende Hilfe beraten sollte. Nach
eingehender Untersuchung und Beratung erkannte man zunächst,
daß ein neues Kirchenanwesen dieser Gemeinde nicht auf dem
alten Bauplatze errichtet werden sollte, da die Gegend, in der
das zerstörte Eigentum stand, im Laufe der Zeit von Negern
und Juden umringt worden war, und es Torheit gewesen wäre,
dort wieder neu aufzubauen. Man kaufte darum zunüchst
einen neuen, besser gelegenen Bauplatz für 54000.00; der Er⸗
trag des alten Bauplatzes wird etwa die Schulden, welche die
Gemeinde hatte, decken. Dann wurden Pläne für Errichtung
eines neuen Kirchenanwesens angefertigt. Baumaterial und
Arbeitslohn waren in der Stadt riesig gestiegen, und der erste
Plan kam zu hoch, und die Nebraskaer Kommission ließ darum
einen andern, billigeren Plan herstellen, den dann auch die
Allgemeine Kommission guthieß. Es galt, für Kirche, Schule,
Pfarrhaus und Lehrerwohnung zu sorgen. Man wollte alles
so billig wie möglich, aber auch so zweckentsprechend wie mög—
lich herstellen; denn soll eine Gemeinde in einer Großstadt
wie Omaha wachsen und gedeihen, so sollte sie auch die zu
ihrem Werke nötigen Räumlichkeiten haben. Ein Glied der
Allgemeinen Unterstützungskommission reiste nach Omaha und
beriet sich mit der Hilfskommission. Man einigte sich auf den
zweiten angefertigten Plan, der mit innerer Einrichtung nach
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