Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 8 › Seite 124
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. April 1914, Seite 124
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sozialismus
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SE utheraner.
die Arbeiter selbst vollbracht werden“ und: Arbeiter aller Län⸗
der, vereinigt euch: ihr habt nichts zu verlieren als eure Ketten,
ihr habt eine Welt zu gewinnenl' — diese können mit Recht
die Hauptgebote der neuen Moral der Arbeiterklasse genannt
werden.“ (S. 62. 63.)
Das ist also ein Stück der „Wissenschaft“, welche die So⸗
zialisten, auch gerade die von der Sozialistenpartei in Amerika,
vertreten und ausbreiten. Diese „Wissenschaft“ wollen sie zur
Herrschaft bringen. Gottes Gesetz, das Gesetz der heiligen zehn
Gebote, das Gesetz, von dem Christus, unser HErr, gesagt hat:
„Wahrlich, bis daß Himmel und Erde vergehe, wird nicht ver⸗
gehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüttel vom Gesetz“ —
dies Gesetz soll ganz und gar unter die Füße getreten und
völlig abgetan werden. Die Sozialisten wollen ein neues, eige⸗
nes zur Geltung bringen, ein Gesetz, nach welchem kein Mensch
eine Verantwortung hat gegen einen göttlichen Gesetzgeber; ein
Gesetz, nach welchem es keine Sünde gibt, weder erbliche noch
wirkliche; ein Gesetz, nach welchem kein Mensch eines Heilandes
zur Erlösung bedarf; ein Gesetz, nach welchem kein Himmel
zu hoffen und keine Hölle zu fürchten ist.
O die armen, armen Menschen, die sich durch diese „Wissen⸗
schaft“ bezaubern lassen! Sie erklären sich damit in Wirklich⸗
keit aller Vernunft bar; sie verleugnen ihr eigenes Gewissen;
sie begeben sich dem zu Kindern und Knechten, der ein Lügner
ist und ein Vater derselben von Anfang, dem Satan. O Chri⸗
stenmensch, hüte dich, daß du dich auch nicht im geringsten be⸗
fleckest mit den Lehren und Werken des Sozialismus!
L. S.
.
Unsere Heidenmission in Ostindien.
II. Das Missionsfeld und unsere Arbeiter auf demselben.
Das Feld, das der SErr unserer Heidenmission angewiesen
hat, liegt bekanntlich in Indien. Und zwar arbeiten wir
dort auf zwei Gebieten, die etwa 400 Meilen auseinander
liegen. Machen wir uns zunächst mit ihrer Lage bekannt.
Schlagen wir eine Karte von Indien auf, so sehen wir an der
Südspitze Kap Comorin. Verfolgen wir nun die Ostküste nord⸗
wärts, so kommen wir bald an die große Hafenstadt Madras.
Von da folgen wir einer Eisenbahn in südwestlicher Richtung
und kommen etwa 140 Meilen von Madras zu der Station
Ambur und damit an die Ostgrenze unsers nördlichen
Missionsgebiets. Etwa 13 Meilen südwestlich von hier
liegt unsere nächste Station, Vaniyambadi. Von Vani⸗
hambadi gehen wir etwa 27 Meilen westlich und stoßen auf
unsere dritte Station, Bargur. Jetzt nur noch eine kurze
Fahrt von kaum zwölf Meilen, und wir sind auf unserer
ersten und ältesten Station, der Wiege unserer
Heidenmission in Indien, angekommen, nämlich in Krish⸗
nagiri. Hier begann nämlich der selige Missionar Th. Näther
die Arbeit im Jahre 1895. Da in Ambur zwei Stationen
sind, so haben wir im Nordgebiete fünf Stationen: Krishnagiri,
Bargur, Vaniyambadi, Ambur J und Ambur II.
Dem seligen Näther war von der Kommission die In⸗
strurtion gegeben worden, die Arbeit auf einem Gebiete zu
beginnen, auf dem noch keine Mission gearbeitet habe. Ein
solches Feld war Krishnagiri und Umgegend. Die Gegend ist
sehr ärmlich, das Land oft sehr steinicht und mit Granitblöcken
übersät. Nur wo das Land künstlich bewässert werden kann,
ist auf reiche Erträge zu hoffen. Die Hauptsprache in dieser
Gegend ist das Tamulische, obwohl in der Gegend von Krish.
nagiri und Bargur auch schon viel Telugu gesprochen wird. In
Vaniyambadi und in Ambur wohnen viele Mohammedaner.
Sie sind die eigentlichen Handelsleute in der Gegend. Die
Parias, das heißt, die niedrigste Volksklasse in dieser Gegend,‚
sind sehr, sehr arm und werden von den Kastenleuten und Mo⸗
hammedanern arg bedrückt.
Was die Missionsarbeit betrifft, so gehört diese Gegend ö
wohl mit zu dem härtesten Missionsboden in ganz Indien. Wie
das Ackerfeld, so sind auch die Herzen: steinhart. Lange, lange
Jahre haben unsere ersten Sendboten, die Missionare Näther,
Kellerbauer, Mohn und Freche, hier gearbeitet, ehe sie uns von
den ersten Heidentaufen berichten konnten. Und diese Neu⸗
getauften waren ausschließlich arme, verachtete Parias. Seit!
nahezu zwanzig Jahren verkündigen unsere Missionare auf die⸗
sem Gebiete das seligmachende Gotteswort in Heidenpredigten,‚
in unsern Missionsschulen und durch Traktate und laden die
armen blinden Heiden herzlich und dringend ein: „Lasset euch
versöhnen mit Gott!“ Man kann sagen, die ganze Umgegend
ist schon seit Jahren mit dem Schall des Evangeliums erfüllt
worden, und doch haben wir heute nur 180 getaufte Christen.
O wie oft, wie oft wollte unsern teuren Brüdern der Mut ent⸗
fallen! Wie oft ging es ihnen wie dem Heiland, der durch den
Mund des Propheten klagt: „Ich aber dachte, ich arbeitete ver⸗
geblich und brächte meine Kraft umsonst und unnützlich zu, wie⸗
wohl meine Sache des HErrn und mein Amt meines Gottes
ist“, Jes. 49, 4. Erwachsene meldeten sich nur sehr selten zum
Taufunterricht, und die sich meldeten, waren ausschließlich
Parias. An den Herzen der Kastenleute und der Mohamme⸗
daner ging das Wort Gottes scheinbar ganz wirkungslos vor⸗
über. Trotz alledem hielten unsere Missionare treu auf ihren
Posten aus im festen Vertrauen auf die Verheißung unsers
Gottes: „Mein Wort soll nicht wieder zu mir leer kommen.“ x
Neben der Heidenpredigt wandten sie nun ihre besondere Auf⸗
merksamkeit auf die Schulen. Gar bald entstanden mehrere
große Schulen, die ausschließlich von Kastenkindern und von.
Kindern mohammedanischer Eltern besucht wurden. In diesen
Schulen streuten sie den Samen des Wortes in die jugendlichen
Herzen in der gewissen Hoffnung, daß er hier sprossen und
Frucht bringen werde. Aber es schien, als solle auch diese
Arbeit vergeblich sein. Welch schwere Anfechtungen, welch
plagende Zweifel mögen da oft über unsere Brüder gekommen
sein! Es ist doch entmutigend für einen Arbeiter, wenn er fast
nie über sichtbare Erfolge seiner Arbeit berichten kann an die,
in deren Dienst er steht, sonderlich dann, wenn diese Arbeit
große Opfer an Geld und sonstigen Gaben fordert. Und doch
blieben die Brüder fest und unerschütterlich in ihrem Ver⸗
trauen auf die Verheißung des SErrn der Kirche. Und sie
sind mit ihrem Gottvertrauen nicht zuschanden geworden. Alle
Anzeichen deuten darauf hin, daß es unter den toten Gebeinen
lebendig werden will. Immer mehr Erwachsene, unter ihnen
auch Kastenleute, melden sich zum Unterricht. Die neuesten
Berichte und Konferenzprotokolle lassen erkennen, daß sich auf
den verschiedenen Stationen ganz bedeutende Bewegungen
zeigen, so sehr, daß die Allgemeine Konferenz in Anbetracht
dieser Anzeichen einstimmig um Zusendung von neuen Arbeitern
für dies Missionsfeld gebeten hat. Unsere älteren Missionare,
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